Ich treffe meine Entscheidung erst nach dem DNA-Test

Hey, ich muss dir das ganze Drama von Johanna und mir noch mal erzählen also hör zu, ich spreche gerade in der Küche, während die Kleine gerade einschläft.

Ich entscheide das erst nach einem DNA-Test, habe ich gesagt, und Thomas hat nur den Kopf geschüttelt. Zwei Wochen nach den Beerdigungen hat er dann ganz bestimmt behauptet: Ich finde, Liselotte sollte bei uns bleiben. Er stand da nachdrücklich, obwohl die Kleine schon die ganze Zeit bei uns gewohnt hat wir hatten ja vorher, bevor ihre Mutter weggezogen ist, eine offizielle Vormundschaft für ein halbes Jahr beantragt.

Sein fester Ton hat Johanna aus der Fassung gebracht. Sie hat fast geschrien: Liegt das daran, dass sie deine Tochter ist? Gib endlich zu, ich kann das nicht mehr ertragen! Thomas hat nur verwirrt gefragt: Was soll ich ertragen, Johanna? Hast du das jetzt von Katrin übernommen? Ich dachte, du bist eine vernünftige Frau.

Johanna und Maren kannten sich schon seit dem Kinderwagen. Ihre Mütter lagen im selben Entbindungszimmer des Städtischen Klinikums, später stellte sich heraus, dass sie in nebeneinander liegenden Reihen in Berlin wohnten und zusammen im Tierpark am Tiergarten spazieren gingen. Deswegen hatten die Mädchen immer zusammen gespielt, gingen später in dieselbe Kita, dieselbe Grundschule und später zur selben Fachhochschule für Sozialwissenschaften.

Sie sahen sich ähnlich, sowohl äußerlich als auch im Wesen. Maren war ein bisschen temperamentvoller, Johanna dagegen fast zu nett, wie ihre Mutter immer sagte. Fast nie stritten sie, teilten alles, halfen einander in schweren Zeiten.

Johannas Mutter hat oft geseufzt: Schön, dass du so eine Freundin hast, das ist fast wie eine Schwester. Und Marens Mutter nickte: So eine Freundschaft musst du pflegen. Sie hüteten das Band, und selbst als Polina, eine neue Kommilitonin, plötzlich bei uns im Seminar auftauchte, wurde sie nicht sofort in den kleinen Club aufgenommen. Polina war richtig hartnäckig, folgte uns überall hin, und irgendwann war sie einfach Teil unserer dreiköpfigen Bande.

Ohne Polina waren die beiden öfter zusammen, und das hat Polina ein wenig eifersüchtig gemacht. Als Maren dann irgendwann heiratete und aus München wegzog, verschwand die dritte Hälfte kurzzeitig, kam aber später zurück und das Trio war wieder komplett.

Johanna hat dann mit 25 Jahren den 30jährigen Ingenieur Daniel geheiratet, ein echter Karriere-Typ. Wir wollten Kinder, es gab keine medizinischen Hindernisse, aber es wollte einfach nicht gehen. Nach drei Jahren Ehe kam plötzlich Maren mit der Nachricht, dass sie schwanger sei. Sie weigerte sich krass zu sagen, wer der Vater sei Johanna ahnte, dass es Dieter war, mit dem Maren ein Jahr zusammen war, bevor er plötzlich abtauchte, nachdem sie sich gestritten hatten.

Maren hat dann trotzig gesagt: Ich schaffe das allein! Meine Mutter hat die Enkelin nie gesehen, aber ich habe genug Geld für das Baby und die Nanny. Johanna hat sofort mitgejubelt: Klar, Maren, wir helfen dir. Polina rollte nur die Augen und meinte immer wieder, dass ein Kind einen Vater braucht und das eine große Verantwortung sei. Sie meinte, bei ihr gäbe es das nur mit ihrem Mann.

Johanna und Maren haben nur gelächelt so ist sie halt, ein bisschen pedantisch, hat Johanna gedacht. Und ja, Johanna ist jetzt die Patin von Liselotte. Das kleine Mäuschen kommt oft zu uns, und Thomas kümmert sich gern um sie. Für eine Weile haben wir das Problem, selbst keine Kinder zu bekommen, völlig vergessen.

Sechs Jahre später, nach Liselottes Geburt, traf Maren den Mann ihrer Träume: Sebastian, ein schlauer, gutaussehender, lieber und fürsorglicher Typ. Sie war zwar glücklich, aber dann dachte sie: Wir können nicht zusammen sein.

Johanna fragte neugierig: Warum denn? Polina spottete: Vielleicht ist er schon verheiratet oder seine Mutter hat einen Adlerblick. Maren korrigierte sie: Er war verheiratet, aber längst getrennt. Sie haben keinen Kontakt, und seine Mutter, Elisabeth, ist übrigens eine sehr liebenswerte Dame.

Polina war dann ganz aus dem Häuschen: Also jetzt hast du deinen Bräutigam verloren! Maren zuckte die Schultern: Er muss ins Ausland in einen wichtigen Auftrag, das ist gut für seine Karriere.

Als Polina das hörte, schnüffelte sie: Wird er dich nicht mitnehmen? Was ist mit Liselotte? Sie kennt die Sprache hier nicht, hat keinen Schulplatz. Maren erklärte: Sebastian versteht das, drängt mich nicht, aber er ist traurig. Polina knurrte: Willst du deine Tochter für einen Mann eintauschen? Maren seufzte nur: Nein.

Am nächsten Tag hat Johanna ernst mit Thomas geredet, ob wir Liselotte aufnehmen können. Sie sagte: Wir dürfen Maren nicht diese Chance rauben, verstehst du? Liselotte ist für uns wie ein eigenes Kind. Thomas lachte: Klar, ich bin dabei. Und Maren, bist du einverstanden? Maren zögerte, aber dann stimmte sie zu.

Sie meinte noch: Ich schicke dir das Geld, das du brauchst. Johanna winkte ab: Ach, du bist ja ein Fuchs. Wir haben uns bei Tränen verabschiedet, schreiben uns täglich und Liselotte hat sich schnell daran gewöhnt, bei ihrer Patentante zu leben, bis ihre Mama zurückkommt.

Bei einem VideoCall war auch Polina zu Gast, trank ein Glas Wein und klagte über ihren neuen Freund, der nicht heiraten will und nicht einmal zwei Kinder haben will. Sie sagte plötzlich: Du behandelst Maren wie ein offenes Buch, aber sie lacht doch nur über dich. Johanna war total verwirrt: Wovon redest du? Polina fuhr fort: Über Maren sie ist meine Freundin, aber sie ist auch ein bisschen hinterlistig.

Johanna schlug ihr vor, entweder normal reden oder schweigen. Polina stieg auf, schnaufte: Ich geh jetzt, aber das ändert nichts! Thomas, der gerade Liselotte ins Bett brachte, fragte: Warum ist deine Freundin so schnell weggegangen?

Johanna und Thomas haben nie Geheimnisse voreinander gehabt, also erzählte Johanna ihm alles. Thomas zuckte mit den Schultern und meinte: Manche Leute trinken zu viel, und Polina ist einfach die dritte, unnötige Person in unserem Leben. Das war das erste Mal, dass er Polina kritisierte, und Johanna glaubte ihm sofort, aber ein kleines Zucken blieb.

Sie erinnerte sich, wie oft Thomas sich heimlich mit Maren getroffen hatte, ohne Johanna zu wissen. Und jetzt, wo die kleine Liselotte da ist, bemerkte sie immer wieder, dass das Mädchen Thomas Lächeln, seine Art, den Löffel zu halten, und sogar seine Vorliebe für SchokoNüsse hat. Das ließ sie langsam verrückt werden.

Dann kam die schreckliche Nachricht: Maren und Sebastian hatten einen Autounfall. Er wurde schwer verletzt, sie starb sofort. Johanna und Thomas haben ein Vermögen an Geld und Nerven investiert, um die Beerdigung in Deutschland zu organisieren. In den schlimmen Tagen vergaß Johanna ihre Zweifel, aber als der Schmerz ein wenig nachließ, kehrten die Gedanken zurück.

Zwei Wochen nach der Beerdigung sagte Thomas fest: Liselotte sollte bei uns bleiben. Das Kind lebt schon die ganze Zeit bei uns, weil wir die Vormundschaft offiziell verlängert hatten, die nach einem Monat auslaufen sollte. Sein entschlossener Ton hat Johanna wieder aufgeregt.

Ist das, weil sie deine Tochter ist? schrie sie. Gib endlich zu, ich halte das nicht mehr aus! Thomas fragte verwirrt: Was soll ich ertragen, Johanna? Hast du das von Polina gehört? Ich dachte, du bist vernünftig.

Johanna knurrte: Du musst es beweisen. Sie sagte: Ich entscheide erst nach einem DNATest. Thomas stimmte sofort zu, und das Ergebnis zeigte, dass er nicht der Vater von Liselotte ist. Johanna war die ganze Zeit peinlich berührt, aber wenigstens hat sie Maren nicht direkt beschuldigt.

Jetzt muss sie innerlich um Verzeihung bitten, bis ans Ende ihrer Tage. Liselotte bleibt bei uns, und Johanna bricht den Kontakt zu Polina ab, sagt ihr ganz klar, was sie von ihr hält. Thomas tut so, als wäre nichts gewesen. Warum das alte wieder aufrühren? Vor allem, weil Johanna endlich schwanger ist

Оцените статью
Ich treffe meine Entscheidung erst nach dem DNA-Test
By the Broken Trough: A Tale of Lost Hopes and Shattered Dreams