Ich ging ins Tierheim, um einen Welpen zu holen… und kam mit einem alten, blinden Hund nach Hause.

**Tagebuch eines Hundeliebhabers**

Ich ging ins Tierheim, um einen Welpen zu holen… und kam mit einer alten, blinden Hündin nach Hause.

Ich wusste genau, was ich wollte: einen Welpen. Klein, verspielt, mit strahlenden Augen, voller Energie. Seit Rocky, mein zwölfjähriger Gefährte, nicht mehr da war, war das Haus zu still. Ich hatte nicht vorgehabt, ihn schnell zu ersetzen… aber die Stille tat weh. Ich brauchte wieder Schritte zu hören, eine warme Schnauze neben mir in der Nacht.

Im Tierheim roch es nach Desinfektionsmittel und Resignation. Eine Freiwillige mit freundlichem Lächeln, Lina, begrüßte mich und führte mich zu den Gehegen. Dutzende Hunde bellten, sprangen, bettelten um Aufmerksamkeit. Ich blieb vor einem Käfig stehen, in dem ein kleiner, schwarzer Hund mit dem Schwanz wedelte wie ein Propeller.

Der sieht aus wie ein kleiner Sonnenschein, sagte ich.
Knapp zwei Monate alt, eine richtige Knuddelkugel, antwortete Lina.
Doch dann fügte sie fast flüsternd hinzu:
Ich möchte Ihnen noch einen anderen zeigen.

Neugierig folgte ich ihr. Ganz hinten, fast versteckt, ein ruhigeres Gehege. In der Ecke lag eine größere Hündin zusammengerollt. Ihr Fell war grau, ihre Augen blieben geschlossen.

Sie heißt Gerda. Dreizehn Jahre. Blind. Wir fanden sie am Straßenrand. Sie wurde wohl zurückgelassen… Sie schaffte es nicht mehr allein. Sie bewegt sich kaum. Wir glauben, sie wartet nur noch auf das Ende.

Ich sagte nichts. Ich betrachtete sie. Keine Bitte, keine Wut in ihrer Haltung. Nur einen ergebenen Frieden. Als ob sie nichts mehr erwartete.

Ich nehme sie, sagte ich, ohne nachzudenken.

Lina blinzelte überrascht. Sie erklärte mir, was es bedeutete, einen Hund in diesem Alter zu pflegen. Ich verstand. Ich wusste es. Aber etwas in mir hatte sich bereits entschieden.

Die ersten Tage waren schwer. Gerda fraß kaum, bewegte sich selten. Ich lag neben ihr und flüsterte: Du bist jetzt Zuhause. Ich bin da. Ihr Körper zitterte. Manchmal weinte sie leise. Ich wachte auf, streichelte sie sanft. Und sie schlief wieder ein.

Dann kamen die kleinen Wunder.
Am vierten Tag ging sie selbst zu ihrem Napf.
Am siebten legte sie ihren Kopf auf meinen Schoß.
Ich weinte. Es war ihr erster Vertrauensbeweis.

Ich begann zu lesen, lernte, wie man eine blinde Hündin pflegt. Ich hängte Glöckchen an Türen, rückte keine Möbel mehr, sprach mehr mit ihr. Gerda lernte meine Schritte, meine Stimme. Wir lernten wieder zusammenzuleben.

Einen Monat später kannte sie jede Ecke des Hauses. Sie ging in den Garten, hob ihre Schnauze zur Sonne. Leute fragten mich:
Ist das dein Hund? Aber… sie ist so alt!
Ich antwortete mit Zuneigung:
Ja. Sie ist meine Tochter.

Eines Tages, beim Spaziergang, näherte sich ein gefleckter Welpe. Tollpatschig, zitternd vor Freude, wollte er mit Gerda spielen. Sie erschrak, winselte. Ich hielt sie in den Armen. In dieser Nacht lief sie unruhig umher.

Am nächsten Tag kehrte ich ins Tierheim zurück. Der Welpe war noch da.
Und so kam Max in unser Leben.

Ich hatte Angst, Gerda würde ihn nicht akzeptieren, doch Max war unendlich sanft. Er legte sich neben sie, respektierte sie. Bis Gerda eines Tages ihre Pfote auf ihn legte. Von da an waren sie unzertrennlich.

Max wuchs. Er führte sie, stupste sie sanft mit der Schnauze, wartete auf sie. Und sie… wurde jugendlich. Sie lief mehr, spielte mehr. Ich konnte schwören, sie lächelte.

Seitdem ist ein Jahr vergangen.
Gerda ist nicht mehr die alte, verlassene Hündin.
Sie ist das Herz unseres Zuhauses.
Friedvoll. Weise.
Max ist ihr treuer Schatten.

Und ich… ich verstand, dass wir manchmal nicht bekommen, was wir wollen, sondern das, was wir tief im Herzen brauchen.
Weil Liebe kein Alter kennt… und kein Aussehen.

Und ich habe nicht nur Gerda gerettet.
Wir haben uns beide gerettet.

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Mamá