– Was denn? Wir sind seit zehn Jahren verheiratet! Welche Geliebte? Du reichst mir völlig!

«Was denn? Wir sind seit zehn Jahren verheiratet! Was für eine Geliebte? Du reicht mir vollkommen!»

Hedwig konnte nichts mit sich anfangen. Sie spürte es instinktiv, dass ihr Mann sie betrog. Die Ungewissheit nagte an ihr. Eines Tages fasste sie sich ein Herz und sprach ihn direkt darauf an.

Fragte ihn, ob es stimmte oder nicht, doch er antwortete nur:

«Was denn? Wir sind seit zehn Jahren verheiratet! Was für eine Geliebte? Du reicht mir vollkommen!»

Er schien ehrlich, aufrichtig. Sie fand keinen Fehler in seinem Lächeln, seinen Worten oder seinem Blick und trotzdem ließ sie etwas nicht los.

Hedwig war nicht die Frau, die sich dem Schicksal ergab. Sie wollte unbedingt die Wahrheit herausfinden, doch wie?

Nachdem sie im Internet Rat gesucht hatte, beschloss sie, erst einmal sein Handy zu durchsuchen. Doch sie fand nichts Verdächtiges. Höchstens belanglose Unterhaltungen mit ein paar alten Klassenkameradinnen, aber das beunruhigte sie nicht. War ja nichts dabei!

Ihr Mann hatte nie ein Passwort auf seinem Handy. Er hatte nichts zu verbergen, wie er immer betonte. Keine geheimen Chats, keine gelöschten Nachrichten. Ein Engel in Menschengestalt.

Manchmal dachte Hedwig, sie bilde sich alles nur ein und doch, jedes Mal, wenn er von der Arbeit später kam, spürte sie dieses ungute Gefühl.

Ihre Freundin sagte immer:

«Das sind doch nur deine Einbildungen! Klaus liebt dich und würde nie auf Abwege geraten! Mit deinem Misstrauen ruinierst du alles!»

Doch Hedwig hörte nicht auf sie. Ihr Instinkt sagte ihr etwas anderes, und einen Mann zu teilen kam für sie nicht infrage.

Einmal wagte sie sogar, ihn zu überprüfen. Sie fuhr zu seinem Büro, um sicherzugehen, dass er wirklich arbeitete und nicht bei einer anderen Frau war. Als er sie sah, wurde er wütend. Sie mache ihn vor den Kollegen lächerlich, sagte er. Danach musste sie sich lange entschuldigen, aber er verzieh schnell.

Eigentlich schien alles in Ordnung. Ein schönes Zuhause, zwei heranwachsende Kinder. Ein Leben, das eigentlich perfekt war doch Hedwig suchte gezielt nach Problemen.

Wie es so heißt: Wer sucht, der findet! Nur bei ihr klappte es noch nicht.

Hedwig machte sich Sorgen, wie es oft bei Frauen in ihren Dreißigern der Fall ist, die nicht ohne Mann mit zwei Kindern dastehen wollen.

Nach außen wirkte sie ruhig, doch innerlich brodelte es.

Es gab keine Anzeichen bei Klaus. Kein Lippenstift auf dem Hemd, kein fremder Parfümgeruch, nicht einmal eine Veränderung in seinem Aussehen oder Lebensstil und trotzdem spürte sie, dass etwas nicht stimmte.

Ohne einen Zufall hätte Hedwig die Wahrheit vielleicht nie erfahren. Ob erfunden oder echt? Das würde sich noch zeigen.

Als ihr jüngster Sohn in die erste Klasse kam, beschloss Hedwig, Auto fahren zu lernen. Sie besuchte abends nach der Arbeit die Fahrschule. Nach drei Monaten bestand sie die Prüfung und bekam ihren Führerschein.

Klaus war so stolz, dass er ihr ein Auto kaufte. Ein kleines, aber immerhin.

Hedwig war selbst zierlich und nicht groß. Für sie war es perfekt, und das Parken war einfacher.

Klaus gab es zwar nicht zu, aber er kaufte das Auto hauptsächlich, damit sie nicht seinen BMW benutzen würde. Er fand, sie sei noch nicht erfahren genug.

Dann, an einem Wochenende, wachte Hedwig früher als sonst auf und beschloss, etwas Nettes für die Familie zu tun: einen Auflauf mit Hähnchen und Gemüse backen. Sie mochten ihn alle. Doch es fehlte Mehl.

Draußen war es eisig, Schnee lag auf den Straßen, aber sie hatte inzwischen gelernt, im Winter zu fahren. Also beschloss sie, schnell zum Supermarkt zu fahren. Doch ihr Auto sprang nicht an. Sie ging zurück ins Haus alle schliefen noch. Leise ging sie umher, um niemanden zu wecken.

Zu Fuß bei der Kälte hatte sie keine Lust, also nahm sie sich ein Herz und beschloss, heimlich seinen BMW zu nehmen. Was sollte schon passieren? Nur ein paar Kilometer. Er würde es nie erfahren.

Sie nahm die Schlüssel und ging zurück nach draußen. Während der Wagen warmlief, wollte sie die Scheiben putzen. Sie suchte im Handschuhfach, wo er immer Putztücher hatte und stieß aus Versehen auf etwas, das zu Boden fiel.

Sie hob es auf ein Handy. Aber wem gehörte es?

Sie kannte sein Handy genau, und dieses hier war definitiv nicht seins. Zuerst dachte sie, er habe es versehentlich mitgenommen, wie er es oft tat. Doch ihr Finger drückte den Einschaltknopf, und das Display erwachte zum Leben.

Das Erste, was sie sah, war eine Nachricht von einer gewissen Sabine.

«Mein Schatz, ich vermisse dich so sehr! Komm schnell zu mir! Ich warte sehnsüchtig!»

Hedwig blinzelte verblüfft. Es gab kein Passwort, also las sie die Nachrichten weiter. Der Motor lief, während sie las.

Die Unterhaltung war lang. Fast so lang wie ein ganzes Leben.

Es stellte sich heraus, dass Klaus jeden Tag um fünf Feierabend machte aber erst um sieben nach Hause kam. Hedwig wäre nie auf die Idee gekommen, das zu überprüfen.

Fast jeden Tag besuchte er vorher seine geliebte Sabine für eine Stunde, bevor er nach Hause kam, als sei nichts gewesen. Und die Worte, die er ihr schrieb, hatte Hedwig in ihrem ganzen Leben nie von ihm gehört.

Auf den Fotos war eine ältere Frau. Sicher vierzig. Was fand er nur an ihr?

Hedwig wurde richtig wütend.

Gerade als sie aussteigen wollte, sah sie Klaus aus dem Haus kommen.

Sie hatte einen Zettel hinterlassen, dass sie einkaufen war. Er nutzte wohl die Gelegenheit, um Sabine noch eine Nachricht zu schicken.

Erst jetzt fiel Hedwig ein, dass Klaus oft abends zum Auto ging. Mal hatte er seine Brieftasche vergessen, mal etwas anderes. Fast jeden Tag ging er nach draußen aber nie lange genug, um Verdacht zu erregen.

Klaus sah sie im BMW sitzen und kam sofort auf sie zu.

«Wer hat dir erlaubt, mein Auto zu nehmen? Das war nicht abgesprochen!»

Hedwig sah ihn an, und ihre Wut wuchs.

Sie schnallte sich an, schaltete in den Rückwärtsgang und trat abrupt aufs Gas. Der BMW krachte mit einem Quietschen in den Gartenzaun. Hedwig fühlte sich etwas erleichtert.

Sie stieg aus und sah ihren verdutzten Mann an.

«Da, geh zu ihr! Mal sehen, ob sie dich noch will, wenn du kein Dach über dem Kopf und kein Auto mehr hast! Verschwinde! Ich will dich nicht mehr sehen!»

Zur Bekräftigung warf sie die BMW-Schlüssel in einen tiefen Schneehaufen und ging nach Hause.

Die Kinder waren inzwischen wach. Sie verstanden nicht, was los war. Minuten später versuchte Klaus hereinzukommen, doch Hedwig verriegelte die Tür.

«Geh zu deiner Geliebten! Vergiss den Weg hierher!»

Klaus musste gehen. In Hausschuhen, seinem Morgenmantel und einer Jacke schlurfte er zu seiner geliebten Sabine. Er dachte, sie würde ihn aufnehmen, doch weit gefehlt.

Sabine öffnete die Tür und aus der Wohnung tönte eine Männerstimme.

«Schatz, kommst du bald? Ich warte schon!»

Klaus besuchte Sabine nur unter der Woche, nie am Wochenende. Sie hatte offenbar auch zwei Verehrer. Warum sollte sie am Wochenende allein sein?

Sie warf ihm nur einen schuldbewussten Blick zu und schloss die Tür vor seiner Nase.

So blieb Klaus nichts anderes übrig, als zu seiner Mutter zu gehen. Sie wohnte ein paar Straßen weiter.

Als Gertrud ihn sah, verstand sie sofort. Sie nahm ihn auf, wärmte ihn, fütterte ihn, hörte sich seine Geschichte von der bösen Frau an, die ihn grundlos rausgeworfen hatte, und sagte tröstend:

«Mach dir keine Sorgen, mein Junge! Wer hätte gedacht, dass Hedwig so ist? Dein Glück wird noch kommen! Du bist erst fünfunddreißig! Du wirst noch die richtige Liebe finden!»

So blieb Klaus bei seiner Mutter. Er beschloss, ein neues Leben anzufangen. Er war sogar froh, jetzt frei zu sein bis Hedwig Unterhalt forderte. Da merkte er, dass ein Neuanfang nicht so einfach war. Zumindest hatte seine Mutter ihn nicht im Stich gelassen.

Am Ende lernte er: Wer lügt und betrügt, verliert oft mehr, als er gewinnt und die Strafe kommt schneller, als man denkt.

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– Was denn? Wir sind seit zehn Jahren verheiratet! Welche Geliebte? Du reichst mir völlig!
Simplemente publiqué en Internet una foto de nuestras vacaciones familiares, y a la hora me llamó mi cuñada llorando.