Entschuldigt meine Kuh! Wieder gefressen ohne Maß!» – Arsenijs Stimme, sonst sanft und selbstsicher, hallte diesmal wie ein Peitschenhieb durch die festliche Atmosphäre, und jeder spürte den schmerzhaften Bruch.

Entschuldige meine dumme Kuh! Sie frisst schon wieder ohne Maß! Die sonst sanfte, selbstsichere Stimme von Armin klang diesmal wie eine Peitsche ins Gesicht, die die festliche Stimmung in der Luft zerreißt jeder spürte den Schmerz.

Lina erstarrte mit der Gabel in der Hand, erstarrt zu einer Statue aus Scham und Unglauben. Das Stück Schinken, sorgfältig auf die Zinken gespießt, erreichte nie den Kristallteller, blieb halb in der Luft hängen. Sie, so zart wie Herbstspinnweben, saß ihrem Mann gegenüber und spürte, wie sich dutzende Blicke auf sie richteten stechend, mitleidig, verwirrt. Ihr eigener Körper fühlte sich plötzlich fremd an, schwer, ihr Herz sprang in den Hals und schnürte ihr die Luft ab.

Max, Arminos bester Freund, verschluckte sich an teurem Sekt die goldenen Perlen zischten im Glas, als teilten sie seinen Zorn. Seine Frau Veronika, die neben ihm saß, formte ein perfektes O des Erstaunens, doch kein Ton durchbrach den Kloß aus Verlegenheit, der ihr in der Kehle steckte. Am prächtigen Tisch, der unter Speisen bog, breitete sich dieselbe erstickende Stille aus, die dick wie Wackelpudding wurde und in der selbst das Rascheln der Wimpern wie Verrat klang.

Armin, was sagst du da? Max wagte es als Erster, das Schweigen zu brechen, seine Stimme klang heiser und unsicher.
Was ist denn? Darf man jetzt nicht mehr die Wahrheit sagen? Armin lehnte sich mit gespielter Lässigkeit in den massiven venezianischen Stuhl zurück, sichtlich zufrieden mit der Wirkung. Sein Blick glitt über die Gäste, suchte Zustimmung. Meine kleine Dummchen hat wieder zu viel gegessen, es ist peinlich, sich mit ihr zu zeigen! Kocht, als wären es drei, nicht Gäste.

Lina saß da, ihr Gesicht brannte vor Röte. Doch es war keine Scham es war die Hitze der Demütigung, die sie von innen verzehrte. Bittere, verräterische Tränen stiegen ihr auf, doch wie immer schluckte sie sie hinunter, zwang sie, sich in der Tiefe ihrer Seele aufzulösen. Sie hatte diese Fähigkeit in drei Jahren Ehe perfektioniert. Zuerst weinte sie ins Kissen, dann in die Badewanne, und irgendwann versiegten die Tränen. Was nutzten sie, wenn sie nur den Erniedriger stärkten?

Ach, hör auf, Armin, murmelte Stefan unsicher vom anderen Ende des Tisches und versuchte, den sinkenden Abend zu retten. Lina ist eine Schönheit, eine Seele von Frau.
Schönheit? Armin schnaubte, und sein Lachen klang falsch, scharf wie Metall. Hast du sie mal ohne all die Schminktricks gesehen? Morgens, wenn sie noch ganz natürlich ist? Ich wache manchmal auf und erschrecke mich! Wer liegt da neben mir? Woher kommt dieses Ungetüm?

Jemand kicherte nervös, verstummte aber sofort unter Veronikas strengem Blick. Die anderen beschäftigten sich plötzlich mit ihren Tellern, studierten die Mayonnaisemuster. Und genau in diesem Moment stand Lina auf. Langsam, wie im Traum, jede Bewegung eine Qual, als risse sie sich Stücke ihrer eigenen Würde ab.

Ich muss zur Toilette, flüsterte sie so leise, dass die Worte kaum verstanden wurden, und verließ, ohne jemanden anzusehen, das Wohnzimmer, die Reste ihrer zertrampelten Würde mit sich tragend.

Oh, jetzt ist sie beleidigt! kommentierte Armin mit gespielter Nachsicht, die Hände ausbreitend. Macht nichts, das kennt man. Sie kommt zurück, macht den Mund zu und schweigt bis morgen. Frauen, wisst ihr, die muss man in eisernen Handschuhen halten, sonst wuchern sie wie Schimmel

Max betrachtete seinen Freund, mit dem er fünfzehn Jahre Schulter an Schulter gestanden hatte von sorglosen Jugendtagen bis ins stabile Erwachsenenleben und erkannte den Mann nicht mehr, den er einst respektiert hatte. Armin war immer der Mittelpunkt jeder Gesellschaft gewesen charismatisch, großzügig, witzig. Als er Lina heiratete, freuten sich alle: sie zart wie eine Porzellanfigur, mit großen braunen Augen, in denen der Himmel versank; er attraktiv, erfolgreich, selbstbewusst. Es schien, als hätte das Schicksal zwei perfekte Hälften zusammengefügt.

Doch mit der Zeit brach etwas leise, unmerklich, wie ein Riss in einem antiken Spiegel. Zuerst kamen die harmlosen Spitznamen. Vor Freunden nannte Armin seine Frau meine Dummi, Trottel, Versager. Alle lächelten unbehaglich, schrieben es eigenartigem Ehehumor zu. Dann begann die Hölle. Spott wurde zu bissigen Bemerkungen, dann zu offenen Demütigungen.

Seht mal, mein Schweinchen hat wieder den Kuchen verputzt!, rief er im Restaurant, wenn Lina zaghaft Dessert bestellte.
Entschuldigt, Freunde, meine halbtote Mieze kann nicht kochen, wir müssen das ertragen!, sagte er, als er das Abendessen präsentierte, das Lina den ganzen Tag vorbereitet hatte.
Was soll man von der Dummen schon erwarten? Sie hat ihr Studium kaum geschafft, arbeitet für Peanuts!, sprach er über die Frau mit dem Diplom in Germanistik, die von ihren Schülern verehrt wurde.

Veronika stieß Max leise an:
Mach was. Das ist unerträglich.

Max stand langsam auf:
Ich gehe kurz auf den Balkon, ich brauche Luft.

Er fand Lina nicht im Bad, sondern im marmornen Gäste-WC. Sie stand da, die Hände so fest um das Waschbecken geklammert, dass ihre Knöchel weiß wurden, und weinte lautlos. Ihre Schultern zitterten. Die Wimperntusche lief in schwarzen Streifen, der Lippenstift war verschmiert. Sie sah wirklich unschön aus gebrochen, bemitleidenswert. Genau so, wie Armin sie wollte.

Lina, wie gehts dir?, fragte Max leise, fürchtend, sie zu erschrecken.

Sie zuckte zusammen, drehte sich abrupt um und wischte sich die Tränen weg, wodurch sich das Make-up noch mehr verschmierte.
Alles gut. Ich wasche mich nur und komme zurück. Keine Sorge.

Wie lange willst du das noch ertragen?, Max’ Stimme zitterte vor Mitleid und Wut.

Wohin soll ich denn?, ihre Augen blickten ihn an, voller grenzenloser Verzweiflung. Ich habe nichts, Max. Nichts. Diese Wohnung seine. Die Autos seine. Selbst dieser lächerliche Pullover sein Geschenk. Ich bin Grundschullehrerin, mein Gehalt ist ein Witz. Meine Eltern leben auf dem Land, kämpfen selbst ums Überleben. Wenn ich zu ihnen zurückgehe, mache ich meine Mutter zum Gespött der ganzen Gegend.

Das hat nichts mit Scham zu tun! Du bist unschuldig!

Für sie schon!, flüsterte sie. Sie waren so stolz, dass ich einen Städter, einen Erfolgreichen geheiratet habe! Und jetzt? Soll ich sagen, mein goldener Mann nennt mich Kuh vor allen?

War er immer so?, fragte Max.

Lina schüttelte bitter den Kopf.
Das erste Jahr ein Märchen. Blumen, Geschenke, Komplimente. Er trug mich auf Händen. Dann begann der Bruch. Zuerst du kochst die Suppe falsch, dann ziehst dich an wie eine Bauerntrampel, schließlich verstehst nichts von Geschäft. Und jetzt jetzt ist es ihm egal, vor wem er mich erniedrigt. Und zu Hause

Sie verstummte, presste die Lippen zusammen.
Zu Hause was?, fragte Max sanft.

Er schlägt mich nicht. Schlimmer. Er sieht mich nicht. Wochenlang schweigt er, geht an mir vorbei, als wäre ich Luft. Dann explodiert er wegen Kleinigkeiten Tasse falsch hingestellt, Handtuch schief aufgehängt. Er sagt, ich bin nichts, dass er mich aus Mitleid behält.

Lina, das ist Wahnsinn! Du bist klug, schön, liebenswert

Ich weiß selbst nicht mehr, wer ich bin, unterbrach sie ihn. Ich sehe in den Spiegel und sehe nur, was er sagt: Dummchen, Dickerchen, hässliches Luder. Vielleicht hat er recht?

Doch dann drang Armins Gelächter aus dem Wohnzimmer:
Stellt euch vor, sie liegt im Bett wie ein Klotz, als wartete sie auf den Heiligen Geist!

Lina erbleichte, als hätte man ihr eiskaltes Wasser übergegossen. Max ballte die Fäuste.
Genug. Pack deine Sachen. Wir gehen.

Wohin?, fragte sie verwirrt.
Irgendwohin. Zu deinen Eltern, zu uns, ins Hotel egal.
Er lässt mich nicht gehen.
Das entscheidet nicht mehr er.

Als sie zurückkehrten, erzählte Armin, betrunken, den Gästen eine neue lustige Geschichte:
Gestern suchte sie eine Stunde ihre Brille und die saß auf ihrer Stirn!

Wir gehen, sagte Max fest.

Wohin wollt ihr?, knurrte Armin.
Ich bringe Lina weg.
Sie geht nirgendwo hin!, brüllte er. Lina, setz dich!

Sie machte automatisch einen Schritt, doch Max nahm sie am Ellbogen.
Komm.

Das ist meine Frau!, Armin stand auf, vor Wut verzerrt.
Ehefrau, keine Sklavin, antwortete Max ruhig.

Das ist Familiensache, nicht deine! Lina, setz dich sofort!, sein Schrei ließ den Kronleuchter erzittern.

Lina stand da, gelähmt von Angst, doch Veronika trat zu ihr und umarmte sie.
Komm, du schläfst bei uns.

Sie geht nirgendwo hin!, tobte Armin.

Doch, sagte Lina leise, aber klar. In ihren Augen war keine Angst mehr.
Ich verlasse dich, Armin.

Du? Und wohin willst du? Du hast doch nichts!
Ich habe mich. Und das reicht.
Wer will dich schon, Dickerchen, mit deinem Bauerngesicht?! Ich habe dich aus Mitleid ertragen!
Danke, dass du es laut sagst, ihre Stimme blieb ruhig.

Sie ging zur Tür.
Warte! Wegen ein paar Witzen?!
Wegen Jahren der Demütigung. Und ich bin müde.
Aber ich liebe dich!
Nein. Du liebst das Gefühl von Macht. Das ist etwas anderes.

Und was, gehst du zu den Kühen aufs Land?
Ja. Sie werden mich wenigstens mehr respektieren als du.

Sie zog den Mantel an, knöpfte jeden Knopf, als versiegelte sie die Vergangenheit.
Lina, mach keinen Unsinn!, er packte sie am Ärmel.
Lass los. Du änderst dich nicht. Leb wohl.

Sie ging. Max und Veronika folgten. Armin blieb in der leeren Wohnung zurück.

Er versuchte, vor den Gästen cool zu bleiben:
Sie kommt zurück, knurrte er heiser. Sie sind alle gleich.

Doch Lina kam nicht zurück. Nicht am nächsten Tag, nicht nach einem Monat.

Er rief an, bettelte, schickte Blumen, wartete vor der Schule. Sie ging an ihm vorbei wie durch einen Schatten. Nach drei Monaten reichte sie die Scheidung ein. Erst lebte sie bei Max und Veronika, dann mietete sie ein kleines Zimmer mit rissiger Decke, aber es war ihres. Ein Ort, wo niemand sie Kuh nannte.

Wie gehts dir?, fragte Max ein halbes Jahr später.
Ich lerne, neu zu leben, lächelte sie. In den Spiegel zu schauen und seine Worte nicht zu sehen. Es ist schwer, aber ich kämpfe. Und gewinne.

Armin hat nach dir gefragt.
Lass gut sein. Ich will es nicht wissen.

Man sagt, er hat sich verändert.
Vielleicht. Aber ich auch. Und ich gehe nicht zurück.

Sie lächelte wirklich aufrichtig, friedlich.

Armin blieb allein. Mit seinem Humor, der niemanden mehr zum Lachen brachte. Mit der Überzeugung, dass Demütigung eine Form der Liebe sei. Erst jetzt begriff er, dass die, die er Dummchen nannte, die Kraft einer Löwin hatte. Und dass keine Frau der Spiegel eines Mannes sein wird, der in ihr nur einen Schatten sieht.

Lina schaffte es. Rechtzeitig. Sie lernte zu leben, zu atmen, zu lieben sich selbst und das Leben. Und bewies: Selbst aus den Scherben der Verachtung lässt sich Glück zusammensetzen.

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