Sammel meine Sachen, meine liebe Sabine wartet auf mich!» – rief der Mann fröhlich und ging zu seiner Geliebten. Doch seine Ehefrau lächelte nur schlau…

»Pack meine Sachen, meine Sabine wartet auf mich«, rief der Mann triumphierend, als er zu seiner Geliebten ging. Doch seine Ehefrau lächelte nur verschmitzt…

Markus stand mitten im Wohnzimmer wie ein siegreicher Feldherr. Er reckte die Brust vor, hob das Kinn und verkündete mit feierlicher Stimme:

»Pack meine Sachen, Greta. Sabine erwartet mich.«

Seine Stimme zitterte vor Vorfreude. In seinen Augen brannte das Feuer der Befreiung. Endlich hatte er den Mut gefasst. Er war ausgebrochen aus dem Käfig der grauen Alltäglichkeit, dem Druck der »perfekten Ehe«, dem erstickenden Blick seiner Frau, die alles zu wissen schien und doch schwieg.

Greta saß reglos auf dem Sofa. Auf ihren Knien lag ein aufgeschlagenes Notizbuch, der Stift mitten im Satz erstarrt. Langsam hob sie den Kopf. Ihr Gesicht war ruhig, fast sanft. Dann lächelte sie.

Nicht bitter. Nicht beleidigt. Nicht gebrochen.

Wie eine Katze, die ihre Maus in die Enge getrieben hat.

»Gut, Markus«, sagte sie leise, fast zärtlich. »Ich packe sie. Aber bist du sicher, dass du sie mitnehmen willst?«

Er schnaubte und ging bereits zum Schrank.

»Natürlich! Die Sachen gehören mir. Ich habe ein Recht darauf.«

»Ja, natürlich«, nickte Greta und schloss das Notizbuch. »Du hast ein Recht. Nur… erinnerst du dich auch, wo sie sind?«

Markus drehte sich um und runzelte die Stirn.

»Was soll der Unsinn? Im Schrank, wo immer sonst?«

»Nun«, zuckte Greta mit den Schultern, »ich wollte nur sichergehen. Dein Handy ist nämlich seit einer Woche in der Werkstatt. Und es ist immer noch dort.«

»Welches Handy?«

»Dein Haupttelefon. Mit der SIM-Karte. Mit den Nachrichten. Den Fotos. Mit allem.«

»Ich habe ein Ersatzhandy!«

»Ja, hast du. Aber darauf hast du Sabine nie geschrieben. Nicht ein einziges Mal. Alles ging von deinem Haupttelefon. Und das liegt jetzt in der Reparatur. Mindestens zwei Wochen. Garantiefall.«

Markus erstarrte.

»Woher weißt du…«

»Das hier«, Greta stand auf, ging langsam zum Bücherregal und zog einen kleinen USB-Stick heraus, »nennt man Sicherungskopie. Ich habe sie vor einem Monat erstellt. Als ich merkte, dass du plötzlich so oft von Kollegin Sabine sprachst.«

Markus erbleichte.

»Du hast meine Nachrichten gelesen?«

»Nein«, antwortete Greta gelassen. »Ich habe sie nur gesichert. Für den Fall der Fälle. Um zu beweisen, dass du systematisch gelogen, betrogen, eine Flucht geplant und unser gemeinsames Geld für eine andere Frau ausgegeben hast. Ich habe alles. Jedes Wort. Jede Überweisung. Sogar die Rechnungen vom Restaurant, in dem du letzte Freitag mit ihr warst.«

»Das ist Privatsache!«, rief er. »Du hattest kein Recht!«

»Und du hattest das Recht, unser Geld für eine andere auszugeben?«, fragte Greta ruhig. »Für unsere Zukunft? Für unsere Wohnung, die du verkaufen wolltest, um ihr ein Haus zu kaufen?«

Er wich zurück.

»Woher weißt du davon?«

»Weil ich im Immobilienbüro war. Als Interessentin. Und hörte, wie du den Deal besprachst. Du sagtest, du würdest dich scheiden lassen, ich sei unzurechnungsfähig und du bräuchtest einen Neuanfang.«

Markus sank schwer auf die Sofakante. Sein Kopf dröhnte.

»Du hast mich beschattet?«

»Nein. Ich war einfach überall, wo du warst. Bei der Arbeit als Kundin. Im Café am Nachbartisch. Im Park mit dem Hund spazierend (übrigens deinem Hund, den du in deinem neuen Leben vergessen hast zu erwähnen). Ich wusste alles. Jeden deiner Schritte. Jede Lüge.«

»Warum?«, flüsterte er. »Warum hast du nie etwas gesagt?«

»Warum soll ich?«, lächelte Greta. »Ich brauchte Zeit. Um alles zu sammeln. Um sicherzugehen. Dass du selbst an diesen Punkt kommst den Punkt, an dem es kein Zurück mehr gibt. Wenn du sagst: Ich gehe. Denn dann beginnt das Spiel.«

»Welches Spiel?«

»Meines«, antwortete sie leise.

Vor einem Monat hatte Greta den ersten Verdacht geschöpft. Kein Foto, kein Brief nur ein Geruch. Fremdes Parfüm auf seinem Hemd. Leicht, blumig, nicht ihres. Sie machte keine Szene, schrie nicht, sah ihm nur in die Augen und wusste: Er log.

Dann die Kleinigkeiten. Verschwundene Abende. »Treffen mit Freunden«. Arbeit bis spät. Ausgeschaltetes Handy. Er wurde nervös, schroff, aber seltsam glücklich. Wie jemand, der endlich Freiheit gefunden hatte.

Greta weinte nicht. Sie beobachtete. Dann begann sie zu handeln.

Zuerst die digitale Spur. Sie kannte die Passwörter. Nicht, weil sie spionierte, sondern weil es einmal Vertrauen zwischen ihnen gab. Er hatte vergessen, sie zu ändern.

Und sie fand alles.
Nachrichten unter »Arbeit« versteckt. Fotos. Geständnisse. Pläne. »Wann verlässt du sie?«, »Ich will ein Kind von dir«, »Verkauf die Wohnung wir kaufen ein Haus am See.«

Sabine. Kollegin. Zehn Jahre jünger. Lächeln bis über beide Ohren, Augen voller Hoffnung. Sie glaubte, Markus sei ihre Rettung.

Greta fühlte weder Wut noch Verzweiflung. Nur eiskalte Klarheit: Er würde alles zerstören für eine Illusion. Doch sie würde nicht das Opfer sein.

Sie sammelte Beweise. Ruhig, methodisch. Wie eine Forscherin. Nachrichten, Fotos, Standortdaten, Kontoauszüge er überwies Sabine Geld, tarnte es als »berufliche Ausgaben«. Sogar eine Wohnung hatte er für sie gemietet. Mit Gretas Geld.

Sie dokumentierte, archivierte, speicherte. Und wartete. Bis er selbst sagte: »Ich gehe.« Denn erst dann war das Gesetz auf ihrer Seite.

»Also«, sagte Greta und trat ans Fenster, »packst du deine Sachen? Bitte sehr. Der Schrank ist dort. Aber denk dran: Was mit unserem gemeinsamen Geld gekauft wurde, bleibt hier. Kleidung nimm sie. Schuhe gerne. Aber der Laptop, das Tablet, die Uhr zum Geburtstag die bleiben. Das ist gemeinsamer Besitz.«

»Aber das sind meine Sachen!«

»Nein. Es gehört der Ehe. Deinen Anteil bekommst du per Gericht. Bis dahin bleibt alles hier.«

»Du kannst das nicht!«

»Doch. Ich habe einen Anwalt. Beweise für deinen Ehebruch kein Verbrechen, aber vor Gericht relevant. Zeugen, die bestätigen, wie du mich beleidigt hast. Sogar Aufnahmen, wo du sagst, ich sei verrückt.«

»Das war ein Witz!«

»Für den Richter nicht. Besonders nicht mit deinen eigenen Therapieunterlagen, in denen du mich als toxisch bezeichnest.«

Markus erbleichte, spürte, wie der Boden unter ihm wankte.

»Du… hast alles geplant?«

»Nein. Ich war nur bereit. Du hast dein eigenes Verderben besiegelt.«

Am nächsten Tag versuchte er zu gehen. Packte, nahm nur das Nötigste. Doch vor der Tür stand ein Notar.

»Herr Meier«, sagte er, »Ihre Frau hat einen Antrag auf Gütertrennung gestellt. Alle Vermögenswerte sind vorläufig gesperrt. Sie dürfen nichts aus der Wohnung mitnehmen, außer persönlichen Gegenständen. Sonst ist es Diebstahl.«

»Das ist ein Witz!«

»Nein. Hier ist das Dokument. Gerichtlich bestätigt.«

Markus drehte sich um. Greta stand im Schlafzimmer ruhig, eine Tasse Tee in der Hand, im alten Morgenmantel.

»Ich habe gewarnt«, sagte sie. »Du kannst nicht einfach fliehen. Es gibt Regeln. Und du hast sie gebrochen.«

Er ging zu Sabine. Ja, sie wartete. Neue Wohnung, Abendessen, Blumen. Sie stürzte sich in seine Arme.

»Bist du frei?«, flüsterte sie.

»Fast«, murmelte er. »Aber Greta… sie hat etwas vor. Gibt nichts heraus, droht mit Gericht.«

Sabine runzelte die Stirn.

»Bist du sicher, dass du das willst? Vielleicht solltest du mit ihr reden? Die Ehe retten?«

»Was? Du hast es dir anders überlegt?«

»Nein, aber… ich will nicht der Grund für deinen Untergang sein. Du sagtest, sie demütige dich, kontrolliere dich. Aber was, wenn sie sich nur verteidigt?«

»Du bist auf ihrer Seite?!«

»Ich bin auf keiner Seite. Ich fürchte nur, du hast mir nicht die ganze Wahrheit gesagt. Dass ich nur ein Fluchtweg bin und nicht deine neue Liebe.«

Er ging. Ohne Abendessen. Ohne Umarmung. Ohne Hoffnung.

Eine Woche später kehrte er heim. Die Wohnung war unverändert, nur kalt und leer. Seine Sachen standen in Kartons an der Tür.

»Nimm sie«, sagte Greta. »Aber denk dran: Wenn du die Scheidung einreichst, fordere ich Entschädigung. Ich habe Beweise für deine Einkünfte und Ausgaben für sie. Das Gericht wird mir recht geben.«

»Wir haben keine Kinder!«

»Nein. Aber es gibt moralischen Schaden. Und den kann das Gericht anerkennen. Besonders mit diesen Beweisen.«

Sie reichte ihm einen Ausdruck seine Nachrichten mit Sabine. »Meine Frau ist langweilig, kalt, alt. Ich ersticke neben ihr.«

»Du hast das ausgedruckt?«

»Fünfzehn Kopien. Fürs Gericht, deinen Chef, das Finanzamt wegen nicht deklarierter Überweisungen. Und eine für Sabine.«

»Was?!«

»Sie hat sie gelesen. Und mir geschrieben: Es tut mir leid. Ich wusste es nicht.«

Markus sank auf den Boden.

»Du hast mich zerstört.«

»Nein«, erwiderte Greta leise. »Du hast dich selbst zerstört. Ich habe dir nur den Spiegel vorgehalten.«

Drei Monate vergingen.

Markus blieb in der Wohnung nicht, weil Greta verzieh, sondern weil er nirgendwohin konnte. Seine Arbeit hing am seidenen Faden der Chef hatte ihn nach »dem Brief« einbestellt. Sabine schwieg. Ruf, Geld, Karriere alles wackelte.

Greta begann inzwischen zu leben. Lernte, praktizierte Yoga, lächelte. Wirklich. Sie lebten unter einem Dach wie Nachbarn. Manchmal sogar wie Menschen, die sich einmal geliebt hatten.

Eines Abends fragte er:

»Warum hast du die Scheidung nicht eingereicht?«

Sie blickte aus dem Fenster.

»Weil ich nicht dein Leiden will. Ich will, dass du verstehst. Wie es ist, betrogen zu werden. Verlassen. Ausgenutzt. Jetzt weißt du es.«

»Ich wollte dich nicht verletzen.«

»Und ich wollte mich nicht verlieren. Das tat ich nicht. Ich wurde stärker. Du… du hast dich zerbrochen. Nicht durch mich durch deine eigenen Lügen.«

Eines Morgens war er weg. Für immer. Ohne Worte. Ohne Ultimatum.

Eine Woche später erhielt Greta einen Brief.

»Greta.
Ich weiß nicht, wie ich um Verzeihung bitten soll.
Ich war blind. Egoistisch. Ein Narr.
Ich dachte, Liebe sei Flucht, neue Gefühle.
Doch du zeigtest mir: Liebe ist Ehrlichkeit und Vertrauen.
Du rächtest dich nicht. Du ließest mich mein wahres Ich sehen.
Danke.
Ich gehe. Nicht zu ihr. Zu mir.
Leb wohl.
Markus.«

Greta las. Faltete den Brief. Legte ihn in eine Erinnerungskiste. Sie warf ihn nicht weg. Aber bewahrte ihn auch nicht wie einen Schatz.

Sie trat auf den Balkon. Die Sonne glänzte hell. Kinder lachten unten. Das Leben ging weiter.

Sie lächelte. Nicht listig. Ruhig. Frei.

Ein Jahr verging. Greta eröffnete eine kleine Praxis für Paarberatung. Half Frauen, die betrogen wurden. Nicht aus Rache. Aus Liebe zu sich selbst.

Und wenn jemand fragte: »Was tun, wenn der Mann zu einer anderen geht?«, antwortete sie:

»Pack nicht seine Sachen. Lass ihn entscheiden, was ihm wichtig ist.
Pack dich selbst.

Denn das Wertvollste bist du.«

Fünf Jahre später traf Markus Greta zufällig im Park. Sie ging mit einem Mann, lachte, hielt ein Kind an der Hand.

Er wollte stehen bleiben. Etwas sagen. Doch er konnte nicht.

Er sah nur zu, wie sie lebte.

Und verstand: Er hatte nicht seine Frau verloren.
Er hatte seine Zukunft verloren.
Sie hatte ihre gefunden.

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