Die perfekte Partie: Wie Sie den richtigen Partner finden – Tipps von Deutschlands bester Heiratsvermittlerin

Die Heiratsvermittlerin

Martha Schneider spürte ein Stechen im Herzen und rief den Arzt zu sich nach Hause. Nicht, dass es ihr besonders schlecht ging, aber zum Reden hatte sie einfach niemanden. Die Ärztin, die kam, war neu eine junge, schmächtige Frau mit verweinten Augen. Aus ihrer Tasche ragte eine lange Gurke.

Kommen Sie herein, lud Martha die Ärztin ein.

Die junge Frau ließ verlegen die Tasche mit der Gurke im Flur stehen, zog ihre Stiefel aus und trat ins Zimmer. Martha hatte noch nie erlebt, dass ein Arzt in der Wohnung eines Patienten die Schuhe auszog, und so fasste sie sofort Sympathie für die Ärztin.

Das Herz?, fragte die Ärztin sanft, als sie sich neben das Bett setzte, auf dem Martha lag.

Ja, das verdammte Ding, seufzte Martha. Es hämmert und hämmert. Mal in den Füßen, mal in den Knien, mal in den Ohren und manchmal an Stellen, die ich nicht einmal erwähnen möchte.

Die Ärztin nahm ihr Stethoskop und horchte Martha ab, erst den Rücken, dann die Brust, dabei zog sie ihre dünnen Augenbrauen zusammen und runzelte die Stupsnase.

Die Knie, half Martha nach. Da hämmert es besonders doll, vielleicht sollten Sie da auch mal hören?

Die Ärztin schüttelte den Kopf nein, die Knie würde sie nicht abhören.

Arrhythmie, diagnostizierte sie und brach plötzlich in Tränen aus, so heftig, dass Martha erschrak.

Ist es so schlimm?, rief Martha, während ihr Herz tatsächlich wie ein Presslufthammer schlug.

Nicht bei Ihnen bei mir!, schluchzte die Ärztin. Sie brauchen nur Tabletten, und alles ist gut, aber ich ich

Da freute sich Martha. Endlich jemand zum Reden! Das Herz hörte sofort auf zu rasen.

Hat Ihr Mann Sie geärgert?, fragte Martha geschäftsmäßig und knöpfte ihren Morgenmantel zu.

Ich habe keinen Mann!, schluchzte die Ärztin noch lauter. Das ist ja gerade das Problem!

Ach so, der Freund hat Schluss gemacht.

Ich verschreibe Ihnen jetzt Tabletten. Die Ärztin wischte sich mit dem Ärmel ihres Kittels die Tränen ab und holte ein zerknittertes Rezeptblatt hervor.

Ach, lass die Tabletten, wehrte Martha ab. Komm lieber in die Küche, wir trinken Tee.

Ich bin im Dienst, schluchzte die Ärztin und kritzelte etwas auf das Rezept.

Ich auch, erwiderte Martha trocken und ging in die Küche, um Lindenblütentee aufzubrühen.

Die Ärztin trottete ihr nach, immer noch weinerlich, und steckte sich aus irgendeinem Grund das Stethoskop in die Ohren.

Nimm das Ding da raus!, fuhr Martha sie an, während sie Marmelade, Kekse und Schokowölkchen aus dem Kühlschrank holte.

Die Ärztin zog das Stethoskop heraus und fing wieder an zu weinen.

Jetzt erst sah Martha, wie jung das Mädchen eigentlich war. Sommersprossen auf der Nase, raue Hände und in den Augen das Ende der Welt.

Na, erzähl mal, befahl Martha genüsslich und setzte sich an den Tisch.

Ich hab Ihnen Tabletten verschrieben, schluchzte das Mädchen im weißen Kittel. Gute!

Die brauch ich nicht, erzähl lieber, warum du heulst!

Ich ich hab eine Kälteallergie, log das Mädchen und trank hastig den heißen Tee.

Martha stand auf und sah auf das Thermometer.

Da bist du etwas spät dran mit deiner Allergie. Draußen sind es schon zehn Grad plus!

Spät?, jammerte die Ärztin. Dann ist es wohl nervös.

Sie nahm ein Schokowölkchen und stopfte es sich ganz in den Mund.

Während sie so mundtot war, preschte Martha vor:

Jetzt stelle ich mal die Diagnose. Du heulst, weil dein Freund dich für eine andere verlassen hat, stimmts?

Stimmt!, nickte die Ärztin mit vollem Mund und heulte weiter, die Tränen tropften in den Tee.

Oho!, freute sich Martha über ihre Treffsicherheit. Und diese andere das war bestimmt deine Freundin?

Meine Schwester!, würgte die Ärztin das Wölkchen hinunter und stopfte sich wieder das Stethoskop in die Ohren.

Deine leibliche Schwester?, rief Martha entsetzt und griff sich ans Herz, obwohl es ruhig und fröhlich klopfte, gespannt auf die dramatische Geschichte.

Meine Halbschwester, schluchzte die Ärztin. Aber fast wie eine echte. Sie horchte mit dem Stethoskop ihr eigenes Herz ab.

Ich hab auch Arrhythmie, verkündete sie traurig. Haben Sie Baldrian?

Ja!

Martha sprang auf und holte eine Tinktur aus dem Schrank, deren Rezept nur sie, ihre Großmutter und ein sibirischer Schamane kannten. Davon wurde die Zunge locker, die Laune besser, und man bekam unweigerlich Heiratslust.

Sie schenkte der Ärztin ein Gläschen ein.

Die trank es widerstandslos, hellte sich auf und erzählte ohne weiteres Nachfragen ihre Geschichte.

Ich liebte Tom, Tom liebte mich, drei Jahre lang! Er wollte seine Doktorarbeit schreiben, ein Zimmer im Studentenwohnheim bekommen, und dann wollten wir heiraten. Kinder kriegen, uns eine Wohnung einrichten, ein Auto auf Kredit kaufen. Tom forscht an Kernfusion. Kein Metall hält seinem Verfahren stand! Seine letzte Hoffnung war Wolfram, aber selbst das hielt nicht Sonst hätte er schon promoviert und das Zimmer hätte er auch. Wir liebten uns, gingen ins Kino, küssten uns in Hausfluren, saßen in Cafés alles wie es sein soll. Ich heilte in meiner Freizeit Menschen, Tom suchte nach einem Metall, das seiner Kernfusion standhält. Und dann kam plötzlich meine kleine Schwester. Schön!!! Sie studiert Gesang an der Musikhochschule. Als Tom sie das erste Mal sah, vergaß er seine Forschung. Selbst Wolfram erwähnte er kein einziges Mal mehr. Er fing an, Unsinn zu reden, dass er singen und tanzen könne wie Helene Fischer. Ich verstand sofort. Liebe auf den ersten Blick Leidenschaftlich und vernunftwidrig. Blind und rücksichtslos. Meiner Schwester gefiel, dass Tom an seiner Doktorarbeit schrieb. Sie brach ihr Studium ab und zog hierher, unter das vielversprechende Dach der Kernfusion. Ich hätte um meine Liebe kämpfen sollen, um das Wohnheim, die Wohnung, das Auto auf Kredit Aber ich hatte immer nur Schichten, Schichten, Notfälle, Notfälle! Gestern hat Tom meiner Schwester einen Heiratsantrag gemacht. Sie sagte ja, und ich wollte mich aufhängen. Wie die Physiker sagen: Ich war kurz davor, den Vakuumtank mit schwerem Plasma zu füllen! Ich bin das fünfte Rad am Wagen in diesem Gesangs-Kernfusions-Verein.

Die Ärztin steckte sich wieder das Stethoskop in die Ohren und aß mit abwesendem Lächeln das ganze Himbeermarmeladeglas aus.

Martha rieb sich vergnügt die Hände und holte ihren Laptop.

Wow!, Die Ärztin war so überrascht von der technischen Ausstattung ihrer älteren Patientin, dass sie das Stethoskop aus den Ohren nahm. Wozu das?

Wir suchen dir jetzt einen Mann!, Martha setzte ihre Brille auf, öffnete den Laptop und tippte mit der Geschwindigkeit eines Hackers.

Nein, bitte nicht!, sprang die Ärztin auf. Ich brauche das nicht Liebe über den Computer suchen!

Egal wie man sucht, brummte Martha, während sie auf den Bildschirm starrte. Hauptsache, man findet! Hier, schau mal. Zweiundvierzig, geschieden, keine Kinder, arbeitet in einer Bank, liebt Reisen, Kohlkuchen und Hunde.

Der soll die Hunde ohne mich lieben!, winkte die Ärztin ab, ohne auf den Bildschirm zu schauen. Ich hab Angst vor denen! Kochen kann ich nicht, und Reisen hasse ich. Und außerdem zweiundvierzig? Das ist ja ein Rentner!

Okay, den streichen wir, nickte Martha. Hier noch ein Vorschlag. Dreiunddreißig, ledig, Manager in einer großen Firma, liebt Brünette, Blonde und Rothaarige. Hobbys: Sex. Möchte keine lockeren Beziehungen mehr, sondern eine feste, aber abwechslungsreiche.

Hören Sie mal, empörte sich die Ärztin, sind Sie etwa eine Heiratsvermittlerin?! Woher haben Sie diese diese Kandidaten?!

Ja, ich bin eine Heiratsvermittlerin. Professionell. Sitze seit zwei Wochen ohne Arbeit da, deshalb hats mich auch mit dem Herzen erwischt. Weltwirtschaftskrise, wissen Sie. Die Leute haben Angst vor Verantwortung, trauen sich nicht mehr zu heiraten. Sogar die Geliebten werden aus Sparsamkeit abgeschafft. Und dann kommen Sie mit Ihrer unglücklichen Liebe, Arrhythmie, Allergie und dem Stethoskop! Ich bin Ihnen wohl vom Himmel geschickt worden!

Hören Sie, ich brauche wirklich keinen

Wie heißen Sie?

Lisa. Äh, ich meine Lena.

Lisa-Lena, Sie müssen diesem Idioten-Physiker unbedingt zeigen, was Sie wert sind! Martha tippte weiter. Ah! Das hier könnte passen. Wunschname: Lena. Sie soll groß sein, eine Model-Figur haben, blaue Augen und Grübchen in den Wangen.

Nein, so einen Trottel brauchen wir nicht!, rief Martha. Grübchen, als ob das wichtig wäre Hier! Fünfundzwanzig! Lebt in San Francisco! Sohn eines Millionärs! Eigene Villa und Jacht! Ein Traummann!

Die Ärztin spähte über ihre Schulter auf den Bildschirm.

Pfui!, schrie sie. Der ist ja hässlich! Sieht aus wie ein Orang-Utan!

Aber ein Millionärssohn!, empörte sich Martha. Villa! Jacht! Ein Traummann!!! Da muss man nicht mit Fusion an Metallen rumexperimentieren! Das ist San Francisco!

Ich will keinen Millionärssohn, blockte die Ärztin. Sein Vater stirbt morgen, und dann hängt der Orang-Utan mir am Hals! Ich kann kein Englisch, wie soll ich in San Francisco Arbeit finden?!

Martha blickte streng über ihre Brille.

So wählerisch hatte ich noch keine, seufzte sie. Normalerweise beißen alle nach Millionären!

Die Ärztin wurde rot, schenkte sich selbst ein Glas von der sibirischen Tinktur ein, trank es auf einen Zug und schlug vor:

Kann ich mir den Mann nicht selbst aussuchen?

Eigentlich nicht üblich, runzelte Martha die Stirn. Das ist mein Job.

Ach, kommen Sie, sagte die Ärztin fröhlicher. Ihr Job ist, die Kunden mit Tee zu versorgen und sie zuzuschwatzen. Den Mann suche ich mir selbst aus. Geben Sie mir mal Ihr Tässchen mit dem blauen Rand!

Martha schob ihr den Laptop hin.

So anspruchsvolle Kundinnen hatte sie noch nie gehabt. Und noch nie war eine so verzweifelte Ärztin zu ihr gekommen.

Die Ärztin tippte eine Weile.

Hier!, rief sie nach fünf Minuten und tippte auf den Bildschirm. Das ist es!

Bist du verrückt, Lisa-Lena?!, empörte sich Martha. Der Typ ist doch nur zum Spaß in der Datenbank! So als Scherz!

Nein, das ist genau das Richtige, beharrte die Ärztin. Dreißig, ledig, Landwirt. Und er heißt Max.

Landwirt!, fuhr Martha hoch. Der ist doch Bayer!!! Der lebt mitten im Nirgendwo!!

Genau das will ich, beharrte die Ärztin. Entweder er oder keiner.

Na gut, Lisa-Lena, seufzte Martha, warf sich einen warmen Schal um, schlüpfte in ihre Hausschuhe und ging zur Tür.

Wo gehen Sie hin?, wunderte sich die Ärztin.

Den Landwirt holen.

Ins Nirgendwo?!

Er wohnt nebenan. Mein Nachbar!

Und der Millionärssohn aus San Francisco ist auch Ihr Nachbar?

Nein. Der gehört zu einer Freundin, die in Amerika lebt.

Warten Sie! Das war ein Scherz!, rief die Ärztin aufgeregt.

Sie stürmte in den Flur und griff nach ihrer Tasche mit der Gurke.

Doch Martha war schon draußen und schloss die Tür hinter sich ab.

Hilfe!, versuchte die Ärztin zu rufen.

Gleich helfe ich dir, beruhigte Martha sie.

Zehn Minuten später kam sie mit Max, Blumen und Sekt zurück.

Die Ärztin weinte am Fenster und horchte mit dem Stethoskop ihr Herz und ihre Lunge ab.

Max, stellte sich der Landwirt vor und schenkte der Ärztin einen bayerischen Kristall.

Lena äh, ich meine, Leni oder Mäuschen. Wie Sie wollen, errötete die Ärztin und betrachtete den Kristall im Lampenlicht.

Mäuschen gefällt mir, murmelte Max. Ich mag weiße Mäuse.

Das kann ich nicht annehmen, sagte die Ärztin entschlossen und steckte den Kristall in ihre Kitteltasche.

Bitte!, flehte Max. Ich hab noch mehr.

Martha fühlte sich plötzlich fehl am Platz. Sie spürte immer genau, wann ein Paar allein sein wollte.

Sind Sie nun Landwirt oder Kristallsammler?

Landwirt. Die Kristalle sammelt mein Bruder.

Bruder, murmelte die Ärztin. Gott, bin ich doof! Darf ich mal Ihre Schilddrüse untersuchen?

Wozu?!, erschrak Max. Ich hab keine Schilddrüse!

Gott, bin ich doof Wann fahren Sie zurück ins Nirgendwo?

Wenn Sie es sagen.

Ich bin unerträglich doof. Verzeihen Sie mir.

Möchten Sie Sekt?

Ich möchte aus dem Fenster springen.

Erst Sekt, dann springen wir zusammen, schlug Max vor.

Martha schlich leise aus der Wohnung. Als sie die Tür abschloss, knallte der Sektkorken.

Draußen war es bereits dunkel. Die Bank vor dem Haus war leer.

Martha setzte sich und horchte in sich hinein. Ihr Herz schmerzte nicht mehr, aber es war neugierig.

Wie würde es mit Max und Lisa-Lena weitergehen? Würde es klappen? Würde es funken?

Wieder hatte sie niemanden zum Reden.

Max hatte sie nur zum Spaß in ihre Datenbank aufgenommen. Er studierte Wirtschaft, lebte irgendwo in Bayern und wollte keinesfalls heiraten. Er kam nur während der Semesterferien zu seiner Tante und war der Liebling des ganzen Hauses, in dem fast nur alte Frauen wohnten ob etwas repariert, Vorhänge aufgehängt, das verstopfte Klo freigemacht oder der Blutdruck gemessen werden musste, oder ob jemand einfach nur zuhören wollte, denn Geschichten hatten die alten Damen mehr als genug.

Max reparierte alles, was kaputt war, heilte alles, was wehtat, machte langfristige Wirtschaftsprognosen, und vor allem konnte er reden stundenlang, ausführlich, gelassen und interessiert, während er dabei drei Kannen Tee trank. Ehrlich gesagt, einen besseren und netteren Menschen hatte Martha nie getroffen, aber Max war Bayer, und ihrer Meinung nach brauchte er deshalb eine Bayerin. Sie hatte ihn nur aus Jux in die Datenbank aufgenommen: Seht her, sogar kernige Landwirte habe ich im Angebot! Max wusste davon und hatte nichts dagegen, denn eine Bayerin würde sich unter ihren Kundinnen wohl nicht finden.

Und jetzt das: Kristall, Sekt und zusammen aus dem Fenster springen!

Martha stand auf, ging zu ihrem Fenster und horchte.

Ihre Wohnung lag im Erdgeschoss.

Durch das gekippte Fenster hörte sie Gelächter, Gläserklirren und angeregte Unterhaltung.

Martha wunderte sich nicht. Denn Max heilte alles, was wehtat, reparierte alles, was kaputt war, und machte langfristige Wirtschaftsprognosen. Eine Ärztin in leichter Depression wieder aufzubauen das war für ihn ein Kinderspiel.

Max hatte lustige Augen, breite Wangen, die Seele eines Landwirts und die Fähigkeiten eines Schamanen.

Martha lächelte, segnete das Fenster, hinter dem die Fröhlichkeit tobte, und kehrte zur Bank zurück, wo sie zufällig Antonia aus dem dritten Stock traf, die gerade mit ihrem Dackel Gassi ging.

Endlich jemand zum Reden!

Und dieser Max! Gar nicht so ein eingefleischter Junggeselle! Und der Physiker hat unsere Ärztin sitzenlassen!!! Und er schenkt ihr einen Kristall, dieser Max! Und sie macht ihm Avancen ohne Ende! Sie will aus dem Fenster springen, und er sagt: Ich spring mit, es ist ja nur Erdgeschoss! Und er nennt sie Mäuschen!, sprudelte Martha heraus.

Was?! Die neue Ärztin?! Oh!, staunte Antonia und holte eine Handvoll gerösteter Sonnenblumenkerne aus der Tasche.

Martha erzählte ihrer Nachbarin genüsslich die Details ihrer Herzbeschwerden, berichtete von der Kernfusion und wie alles ausgegangen war. Und vom Millionärssohn, und von der eigenmächtigen Ärztin, die sich ohne ihre Hilfe selbst einen Mann ausgesucht hatte.

Die Nachbarin nickte verständnisvoll und spuckte die Schalen in ein Zeitungspapier, um den Hausflur nicht zu verschmutzen.

Jetzt trinken sie Sekt, beendete Martha ihren Bericht.

Nicht mehr. Die sind schon besoffen und springen aus dem Fenster, sagte Antonia und deutete auf Marthas Fenster.

Oh, ich hab sie doch eingesperrt!, rief Martha. Wartet, ihr Täubchen, ich mach euch die Tür auf!

Bleib sitzen!, zupfte Antonia sie am Ärmel. Deine Täubchen haben selbst einen Ausweg gefunden. Sieh mal, wie schlank die sind! Die kommen problemlos durch das Gitter!

Tatsächlich zwängte sich die Ärztin durch das Fenstergitter. In der Hand hielt sie die Tasche mit der Gurke. Geschickt überwand sie das Hindernis, sprang hinunter und rief:

Komm, Bayermax! Das ist nicht hoch! Ohne Fallschirm schaffst du das!

Max schlüpfte aalglatt zwischen den Gittern hindurch und landete unsanft auf der Ärztin. Sie kugelten lachend über den Boden und boxten sich wie Kinder auf den Rücken.

Na, da ist was im Gange, seufzte Antonia. Na, da entwickelt sich was! Wie viel Provision verlangst du, Martha?

Erst sollen sie heiraten, brummte Martha. Sonst tollen sie noch ein bisschen rum, und dann geht er zurück nach Bayern, und sie zu ihrem Physiker

Oh!, rief die Ärztin plötzlich. Ich hab einen Notfall! Ein Opa im Nachbarhaus ist krank!

Gehen wir zusammen, schlug Max vor. Ich kann alles heilen.

Unmöglich! Er hat eine hypertensive Krise.

So was gibts nicht hypertensive Krise!

Doch!

Nicht bei Landwirten, aber bei normalen Menschen, sonst wäre der Opa ja nicht krank!

Ihr Opa ist alt und einsam. Das ist keine Krankheit, das ist ein Zustand. Der heilt mit Tee, einem Schnäpschen, einer Partie Domino und langen Gesprächen. Das schaffst du nicht allein, ich komme mit!

Arm in Arm gingen sie zum Nachbarhaus.

Oh, ich ruf schnell beim alten Meier an, dass er nicht aufmacht!, rief Martha. Der ruft auch immer den Arzt, wenn er niemanden zum Reden hat! Der verdirbt den beiden noch die ganze Stimmung mit seinem alten Gequatsche.

Warum heiratest du nicht gleich den Meier, damit die Ärzte und Bayern nicht umsonst laufen?, fragte Antonia.

Ach was! Du heiratest ihn doch!

Meier mag keine Hunde. Und außerdem bist du ein halbes Jahr jünger als ich!

Der ist mir zu alt! Und kein Bayer!, schnaubte Martha und lief nach Hause.

Jetzt wollen alle einen Bayern, seufzte Antonia. Wo soll man die denn alle hernehmen? Einer ist im ganzen Viertel, und der ist schon vergeben.

Meier hob sofort ab, als hätte er auf Marthas Anruf gewartet.

Die sind schon da!, lachte er, als sie ihn bat, der Ärztin und dem Bayern nicht die Stimmung zu verderben. Lisa-Lena macht Tee in der Küche, Max spielt mit mir Schafkopf.

Schafkopf?!, wunderte sich Martha. Der ist ja vielseitig, dieser Max

Ein Landwirt!, lobte Meier ihn.

Ich hab die beiden zusammengebracht, prahlte Martha.

Donnerwetter!, staunte Meier. Gute Arbeit! Wie viel verlangst du, Martha?

Weiß noch nicht. Erst sollen sie zum Standesamt gehen.

Wer geht denn heutzutage noch zum Standesamt?, erwiderte Meier. Alle leben in wilder Ehe.

Die beiden werden heiraten, versicherte ihm Martha. Bei Landwirten ist das mit dem Standesamt streng.

Am Telefon hörte man lautes Lachen, und Max rief fröhlich: Sechzig!

Sechzig?!, brüllte Meier empört und legte auf.

Martha blieb wieder allein mit ihrem Laptop.

Ihr Herz schmerzte nicht mehr, und reden wollte sie auch nicht mehr. Nur noch stricken und eine Serie schauen.

Eine Woche später rief die Ärztin an.

Wie geht es Ihnen, Martha Schneider?, fragte sie sanft.

Danke, ganz gut, antwortete Martha vorsichtig und überlegte, wie sie diskret nach Max fragen sollte.

Mein Physiker hat sich mit meiner Sänger-Schwester total zerstritten, platzte die Ärztin heraus.

Martha spürte sofort die Vorboten einer hypertensiven Krise und fächelte sich mit einer Zeitung Luft zu.

Also deshalb hatte sie Max schon eine Woche nicht mehr gesehen! Der hatte sicher aus Liebeskummer auf seine Prüfungen gepfiffen und war nach Bayern zurückgefahren

Der Physiker ist zu mir auf Knien gerutscht. Er sagte, er habe endlich das Metall gefunden, das der Kernfusion standhält er selbst! Er könnte meine Schwester nicht mehr ausstehen und liebe nur noch mich!, plapperte die Ärztin und bestätigte Marthas schlimmste Befürchtungen. Meine Schwester ist abgehauen, und Tom krabbelt mit Blumen im Mund hinter mir her.

Aha, seufzte Martha und spürte, dass die Krise unvermeidlich war. Sie würde nicht die Ärztin aus der Praxis, sondern den Notarzt rufen müssen. Aha

Aber ich habe Tom gesagt, dass ich seine Fusion nicht brauche, kicherte Lisa-Lena plötzlich. In einem Monat ziehe ich mit Max nach Bayern, und bis dahin wohnen wir in einer Mietwohnung.

Was?!, fuhr Martha hoch. Nach Bayern?! Da ist es doch kalt!!

Da ist es heiß, widersprach die Ärztin mit dem Ton einer Eingeweihten. Sie haben keine Ahnung, wie heiß es da ist, Martha Schneider!

Ich hab dir doch San Francisco angeboten, lachte Martha. Aber du

San Francisco ist was für Alte und Arme. Sagen Sie mal, wie viel Provision verlangen Sie von uns Landwirten?

Ein paar kleine Bayern, kicherte Martha und vergaß die Krise. Ein paar kleine Bayern, kicherte Martha und vergaß die Krise.
Am Abend strickte sie an einem Paar Hausschuhen blau mit weißem Rautenmuster , ohne zu wissen, für wen sie wohl waren.
Dann schaltete sie den Fernseher ein, und während die Serie lief, horchte sie immer wieder auf das leise Klirren von Sektgläsern durchs gekippte Fenster.
Sie lächelte.
Dieses Geräusch kannte sie jetzt.
Es hieß: Leben geht weiter.

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