Galina war die Geliebte. Mit der Ehe hatte sie kein Glück. Bis dreißig blieb sie ledig, dann beschloss sie, sich doch einen Mann zu suchen.

Greta war eine Geliebte. Das Schicksal hatte es nicht gut mit ihr gemeint, was die Ehe anging. Bis sie dreißig war, hatte sie auf den Richtigen gewartet, dann beschloss sie schließlich, sich einen Mann zu suchen. Dass Stefan verheiratet war, wusste sie zunächst nicht, doch als er merkte, dass sie sich in ihn verliebt hatte, verschwieg er es nicht länger.

Doch kein einziges Mal warf Greta Stefan etwas vor. Stattdessen machte sie sich selbst Vorwürfe für die Affäre, für ihre Schwäche. Sie fühlte sich minderwertig, weil sie keinen Bräutigam gefunden hatte, und die Jahre vergingen.

Dabei war sie kein schlechter Fang: keine Schönheit, aber hübsch, etwas rundlich, was ihr vielleicht ein paar Jahre anhängte.

Die Beziehung mit Stefan führte ins Nichts. Als Geliebte wollte Greta nicht enden, doch sie konnte ihn auch nicht verlassen. Die Angst, allein zu bleiben, war zu groß.

Eines Tages stand ihr Cousin Markus vor der Tür. Er war geschäftlich in der Stadt und nutzte die Gelegenheit, seine Schwester für ein paar Stunden zu besuchen. Sie aßen in der Küche, plauderten wie früher über dies und das, über das Leben. Greta erzählte Markus von ihrem Liebesleben, offen und ehrlich, und weinte ein wenig.

Dann klopfte die Nachbarin und bat Greta, kurz vorbeizukommen, um ihre neuen Einkäufe zu begutachten. Greta war zwanzig Minuten weg. Genau in dem Moment klingelte es. Markus öffnete, dachte, sie sei zurück die Tür war nicht abgeschlossen. Vor ihm stand Stefan. Sofort wusste Markus, wer das war. Stefan starrte verblüfft auf den großen Kerl in Jogginghose und T-Shirt, der gerade ein Wurstbrot kaute.

Ist Greta da?, brachte Stefan mühsam heraus.

Greta ist in der Badewanne, log Markus ohne zu zögern.

Entschuldigung, aber wer sind Sie?, fragte Stefan verwirrt.

Ich bin ihr Mann. Fürs Erste. Markus trat näher, packte Stefan am Kragen. Bist du etwa der verheiratete Schürzenjäger, von dem sie mir erzählt hat? Pass auf: Wenn ich dich hier noch einmal sehe, fliegst du die Treppe runter. Verstanden?

Stefan riss sich los und rannte davon.

Als Greta zurückkam, erzählte Markus ihr von dem Besuch.

Was hast du getan? Wer hat dich darum gebeten?, schluchzte sie. Er wird nicht mehr kommen.

Sie ließ sich auf das Sofa fallen und vergrub das Gesicht in den Händen.

Nein, er kommt nicht mehr und das ist gut so. Hör auf zu heulen. Ich habe jemanden für dich. Ein Witwer in unserem Dorf. Die Frauen liegen ihm seit dem Tod seiner Frau zu Füßen, aber er weist alle ab. Will wohl noch eine Weile allein bleiben. Nach meiner Dienstreise komme ich wieder, und dann fahren wir zu ihm. Ich stelle euch vor.

Wie soll das gehen?, fragte Greta fassungslos. Nein, Markus, das kann ich nicht. Ich kenne ihn nicht. Und einfach so vorbeikommen Das ist peinlich.

Peinlich ist es, mit einem verheirateten Mann zu schlafen, nicht, einen freien kennenzulernen. Niemand zwingt dich ins Bett. Wir fahren es ist übrigens bald Lenas Geburtstag.

Einige Tage später waren Greta und Markus im Dorf. Markus Frau, Lena, hatte im Garten hinter dem Haus einen Tisch gedeckt. Nachbarn, Freunde und Markus Kumpel, der Witwer Jens, waren gekommen. Die Nachbarn kannten Greta bereits, doch Jens sah sie zum ersten Mal.

Nach dem gemütlichen Beisammensein fuhr Greta zurück in die Stadt. Sie dachte darüber nach, wie still und bescheiden Jens gewesen war. Er trauert wohl noch um seine Frau. Armer Kerl. Solche sensiblen Männer sind selten.

Eine Woche später klingelte es an ihrer Tür. Greta erwartete niemanden. Als sie öffnete, stockte ihr der Atem: Jens stand da, eine Tüte in der Hand.

Entschuldigen Sie, Greta, ich war gerade in der Stadt. Auf dem Markt und im Supermarkt. Da dachte ich, da wir uns jetzt kennen Er war sichtlich nervös, die Worte wie auswendig gelernt.

Greta bat ihn herein. Ihre Überraschung wich langsam der Ahnung, dass sein Besuch kein Zufall war.

Haben Sie alles gefunden, was Sie brauchten?, fragte sie.

Ja, die Einkäufe sind im Auto. Aber das hier ist für Sie. Er zog einen kleinen Strauß Tulpen aus der Tüte und reichte ihn ihr.

Sie nahm die Blumen, ihre Augen leuchteten. Beide setzten sich in die Küche, tranken Tee und sprachen über das Wetter und die Preise auf dem Markt. Als der Tee ausgetrunken war, bedankte sich Jens und stand auf. Im Flur zögerte er, zog langsam seine Jacke an, schnürte die Schuhe. Dann, fast schon an der Tür, drehte er sich plötzlich um.

Wenn ich jetzt gehe und es nicht sage, bereue ich es. Greta, die ganze Woche habe ich an Sie gedacht. Ehrlich. Sie lassen mir keine Ruhe. Ich konnte das Wochenende kaum erwarten. Deshalb bin ich hier. Die Adresse hatte ich von Markus

Greta errötete und senkte den Blick.

Wir kennen uns doch kaum, murmelte sie.

Das spielt keine Rolle. Wichtig ist: Bin ich Ihnen unsympathisch? Und dürfen wir uns duzen? Ich weiß, ich bin kein großer Fang. Und dann ist da noch meine kleine Tochter, acht Jahre alt. Sie ist gerade bei ihrer Oma.

Seine Hände zitterten leicht.

Eine Tochter das ist schön. Das ist Glück, sagte Greta träumerisch. Ich wollte immer eine Tochter haben.

Jens fasste Mut, nahm Gretas Hände, zog sie an sich und küsste sie.

Als er sie ansah, glänzten Tränen in ihren Augen.

Magst du mich denn nicht?, fragte er unsicher.

Doch. Mehr, als ich dachte Es ist süß. Und ich fühle mich nicht schuldig. Ich nehme niemandem etwas weg.

Von da an trafen sie sich jedes Wochenende. Zwei Monate später heirateten Greta und Jens und zogen ins Dorf. Greta fing im Kindergarten an zu arbeiten. Ein Jahr später bekamen sie eine Tochter. So wuchsen zwei Mädchen in ihrer Familie auf beide geliebt und gleichberechtigt. Die Zuneigung reichte für alle.

Und Greta und Jens wurden mit jedem Jahr jünger, ihre Liebe tiefer, wie ein gut gereifter Wein.

Bei Familienfeiern zwinkerte Markus Greta oft zu:

Na, Greta, was sagst du zu dem Mann, den ich dir besorgt habe, hm? Du siehst immer besser aus. Du hast mir nicht nur einen Mann besorgt, Markus, antwortete sie dann jedes Mal lächelnd, du hast mir das Leben geschenkt. Und jedes Mal, wenn sie Jens und ihre Töchter ansah, wusste sie: Es war die richtige Zeit, der richtige Mensch und diesmal war sie keine Geliebte. Sie war geliebt.

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Galina war die Geliebte. Mit der Ehe hatte sie kein Glück. Bis dreißig blieb sie ledig, dann beschloss sie, sich doch einen Mann zu suchen.
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