Nina Petrowna erinnert sich gut an den Tag, an dem sie über das Schicksal eines fremden Kindes entscheiden musste. Es war ein Mittwoch, ihr Mann kam früher als sonst von der Arbeit, finster wie ein Gewitter. Ohne ein Wort reichte Viktor ihr einen Umschlag…

Nina Petrowna erinnert sich noch genau an den Tag, an dem sie über das Schicksal eines fremden Kindes entscheiden musste. Es war ein Mittwoch, ihr Mann kam früher als sonst von der Arbeit nach Hause, finster wie ein Gewitter. Ohne ein Wort reichte ihr Viktor den Umschlag…

Was ist passiert?
Vera ist nicht mehr. Ohne meine Zustimmung können sie Dmitrij nicht ins Waisenhaus schicken.

Dass ihr Mann einen Sohn hatte, wusste Nina schon vor der Hochzeit. Eine banale Geschichte. Während seiner Armeezeit hatte sich Viktor verliebt. Nach dem Dienst nahm er das Mädchen mit, sie mieteten sich eine kleine Wohnung. Doch die Flamme packte bald ihre Sachen und kehrte in ihre Heimat zurück. Später kam ein Telegramm: Gratulation, du hast einen Sohn. Was genau schiefgelaufen war, erzählte Viktor Nina nie, und sie fragte auch nicht weiter. Was vergangen war, sollte ruhen.

Als Nina im vierten Monat schwanger war, tauchte die Ex unerwartet mit dem einjährigen Dmitrij auf. Sie machte Theater, wollte alles zurück. Viktor wies sie ab und blieb bei seiner Frau.

Nina nahm es ihm nicht übel wie konnte sie ihn für etwas verurteilen, das vor ihrer Zeit passiert war? Vera verlangte Unterhalt, der Vater zahlte pflichtbewusst, und die Ex schrieb oder rief nie wieder. Später erfuhren sie, dass die Frau zweimal heiratete und den zweiten Scheidungskummer nicht überlebte sie vergiftete sich.

Zu dieser Zeit hatten Nina und Viktor bereits zwei eigene Kinder: den etwas jüngeren Sohn Wolfgang, fast gleichaltrig mit Dmitrij, und die kleine Marlene, die gerade erst ein Jahr alt war. Das zweite Kind hatten sie geplant, nachdem sie ein eigenes Haus gekauft hatten. Ein Holzhaus, einfach, aber mit vier Zimmern. Ein Hof, eine kleine Sauna, ein Gemüsegarten… Nach der winzigen Mietwohnung war das ein unermessliches Glück! Wolfgang tobte eine Woche lang wie verrückt durch die Räume und ums Haus.

Ein fremdes Kind aufzunehmen… Damit hatte Nina natürlich nicht gerechnet. Sie hatte den Jungen vor sieben Jahren gesehen und wusste nichts über ihn. Wie war er? Was hatte er durchgemacht? Es war beängstigend. Mit ihrem eigenen Wildfang hatte sie manchmal schon Mühe, und nun zwei fast gleichaltrig. Würden sie sich vertragen? Viktor arbeitete viel, die Kinder waren praktisch allein ihre Verantwortung. Diese Gedanken schossen ihr in Sekunden durch den Kopf. Viktor sagte nichts. Er saß noch immer im Flur, aschfahl im Gesicht.

Ninas Herz zog sich zusammen sie stellte sich vor, was sie in seiner Lage denken würde. Wie würde sie handeln, wenn das Schicksal eines Waisenkindes, Gott behüte, ihren Wolfgang beträfe? Plötzlich war alles klar:

Viktor, natürlich nehmen wir den Jungen zu uns, darüber gibt es doch nichts zu reden. Er ist dein Sohn, und unseren Kindern ein Bruder. Wenn wir nein sagen wie sollen wir dann weiterleben? Wo zwei sind, da sind auch drei. Wir schaffen das, wir ziehen ihn groß!

Einen Monat später kam Dimka. Still, schüchtern, gehorsam. Ganz anders als der kampflustige, aufmüpfige Wolfgang. Vielleicht rettete genau dieser Unterschied die Situation: Der plötzlich auftauchende ältere Bruder beanspruchte keine Führungsrolle, folgte bereitwillig, und die Jungen verstanden sich schnell. Und dann war da noch Marlene klein, hübsch, lustig. Sie schien die ganze Welt zu lieben.

Im Herbst kam Dimka in die erste Klasse. Er lernte gut, seine Mutter hatte ihn offenbar gut vorbereitet. Geld war knapp, aber Viktor gab sein Bestes, später ging auch Nina arbeiten. Die Kinder wuchsen heran, wurden echte Helfer im Haushalt. Kurzum, sie lebten harmonisch, die Söhne wurden nie in eigene und fremde eingeteilt.

Als Dmitrij an die Uni ging, wurde Nina schwer krank. Lange lag sie im Krankenhaus, wurde operiert. Es war schlimm, aber sie ließ sich nicht unterkriegen: Sie dachte an die Kinder, die noch nicht auf eigenen Beinen standen, und glaubte fest, sie würde für sie gesund werden. Sie wollte ihre Söhne und Tochter erwachsen und glücklich sehen, unbedingt Enkelkinder erleben. Doch Viktor brach diese Krise. Er fing an, sich zu betrinken.

Mit achtzehn wurde Dimka zum Rückgrat der Familie. Er wechselte ins Fernstudium, fing an zu arbeiten. Und er unterstützte seine Mutter am meisten: Fast täglich kam er ins Krankenhaus, las ihr vor, fragte nach Rezepten für Wolfgangs und Marlenes Lieblingsgerichte, brachte ihr dann Kostproben. Bis zuletzt verschwieg er, dass Wolfgang in schlechte Kreise geraten war und unter Ermittlungen stand. Glücklicherweise gab es keine Haftstrafe, nur Bewährung.

Nina wurde gesund. Die Beziehung zu ihrem Mann blieb zerrüttet sie konnte ihm seine Schwäche und seinen Verrat in ihren schwersten Tagen nicht verzeihen. Zum Glück war das Haus groß genug sie lebten wie Nachbarn. Viktor versuchte, mit dem Trinken aufzuhören, aber ab und zu fiel er doch wieder in alte Muster.

Vor einem Jahr brachte Dimka seine Braut mit nach Hause. Ein Mädchen, in das er schon im Kindergarten verliebt war. Sie studierte Psychologie und begann sofort, ihren Schwiegervater vom Alkohol zu befreien. Das Leben ging weiter. Und bald würden Enkelkinder durchs Haus toben die Frischvermählten hatten erfahren, dass sie Zwillinge warten.

… Jeden Tag dankt Nina Gott für ihren ältesten Sohn und glaubt, dass sie nur lebt, weil sie damals in ihrem Herzen Platz für ein fremdes Kind fand.

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Nina Petrowna erinnert sich gut an den Tag, an dem sie über das Schicksal eines fremden Kindes entscheiden musste. Es war ein Mittwoch, ihr Mann kam früher als sonst von der Arbeit, finster wie ein Gewitter. Ohne ein Wort reichte Viktor ihr einen Umschlag…
When My Mother-in-Law Found Out We Were Buying a Flat, She Took My Husband Aside to Talk. What Happened Next Left Me Stunned.