Überraschung für den Ehemann: Als die Frau drei Stunden früher von der Verwandtschaft zurückkam, konnte sie ihre Tränen nicht zurückhalten

Sie wollte ihrem Mann eine Überraschung bereiten, doch als sie drei Stunden früher von ihrer Verwandtschaft zurückkam, konnte sie ihre Tränen nicht zurückhalten.

Elisabeth blickte aus dem Zugfenster und dachte an ihre Mutter. Drei Tage hatte sie bei ihr verbracht, sie mit Hühnersuppe versorgt, Medikamente gereicht. Erst gestern war das Fieber gesunken.

Du könntest noch einen Tag bleiben, hatte die Mutter am Morgen gesagt.

Karl ist allein zu Hause, Mutti. Bestimmt hungert er schon.

Nun bereute sie es, nicht auf sie gehört zu haben. Doch Karl hatte jeden Abend angerufen, nach der Mutter gefragt, sich über den leeren Kühlschrank beschwert. Seine Stimme hatte seltsam geklungen. Müde, irgendwie abwesend.

Ich vermisse dich, hatte er gestern gesagt, bevor sie schlafen ging.

Elisabeth hatte gelächelt. Zweiunddreißig Jahre verheiratet, und er vermisste sie noch immer. Ein guter Mann, der ihr da zugefallen war.

Der Zug schwankte. Eine Frau gegenüber knabberte Sonnenblumenkerne und las einen Krimi. Auf dem Cover umarmte eine schöne Frau einen Mann im Anzug. Elisabeth warf einen Blick auf ihr Spiegelbild im Fenster. Falten, graue Ansätze. Wann war sie so alt geworden?

Fahren Sie zu Ihrem Mann? , fragte die Mitreisende.

Ja. Nach Hause.

Ich zu meinem Liebhaber, kicherte die andere. Mein Mann denkt, ich bin bei meiner Schwester.

Elisabeth errötete und drehte sich weg. Wie konnte man so etwas sagen? Über solche Dinge?

Das Telefon vibrierte.

*Wie gehts? Wann kommst du?* , schrieb Karl.

Sie sah auf die Uhr. Noch vier Stunden bis nach Hause. Sie wollte ehrlich antworten, überlegte es sich dann anders. Sollte es eine Überraschung sein. Sie würde kochen. Er würde sich freuen.

*Morgen früh. Ich vermisse dich auch.* , schickte sie.

Karl setzte sofort ein Herzchen.

Draußen flogen Felder, Dörfer, Schrebergärten vorbei. Elisabeth holte die Thermoskanne aus ihrer Tasche. Die Mutter hatte ihr Tee eingefüllt, belegte Brote aufgezwungen. Sie fütterte sie immer noch wie ein Kind.

Du bist so dünn geworden, Tochter. Bestimmt passt dein Karl nicht auf, dass du genug isst.

Mutti, ich bin siebenundfünfzig.

Und ich? Du bleibst trotzdem mein kleines Mädchen.

Elisabeth kaute an einem Wurstbrot und dachte an ihre Mutter. Allein in der Wohnung, in der sie aufgewachsen war. Der Vater war vor fünf Jahren gestorben. Die Mutter wollte nicht zu ihnen in die Stadt ziehen.

Ihr habt euer eigenes Leben, sagte sie immer. Ich will nicht im Weg stehen.

Sie stünde nie im Weg. Elisabeth hatte ihr Leben lang für andere gesorgt. Erst die Eltern, dann Karl, die Kinder. Sie hatte als Lehrerin gearbeitet, doch als Stefan geboren wurde, ging sie in Elternzeit. Dann kam Anja. Irgendwann blieb sie dann einfach Hausfrau.

Wozu brauchst du Arbeit?, hatte Karl damals gesagt. Ich verdiene genug. Du solltest dich um den Haushalt kümmern.

Und das hatte sie getan. Dreißig Jahre lang. Gekocht, geputzt, gewaschen. Die Kinder erzogen, zu Kursen gefahren. Karls Hemden gebügelt, seine Socken geflickt.

Die Kinder waren erwachsen, ausgezogen. Stefan arbeitete in einer anderen Stadt, hatte eine eigene Familie. Anja war verheiratet, hatte ein Enkelkind geboren. Nun war sie selbst Oma.

Und was jetzt?

Der Zug bremste. Elisabeth packte ihre Sachen, verabschiedete sich von der Mitreisenden. Der Bahnsteig war laut, voller Menschen. Der Bus nach Hause brauchte eine halbe Stunde.

Sie stellte sich vor, wie Karl sich wundern würde. Er dachte, sie käme erst morgen. Dabei war sie heute schon da. Vielleicht würde sie noch im Supermarkt vorbeischauen, ein paar Sachen holen. Gutes Fleisch, junge Kartoffeln. Sie würde Abendessen machen, den Tisch schön decken.

Im Supermarkt nahm sie alles, was sie brauchte. Die Kassiererin lächelte:

Feiern Sie etwas?

Nein, nur, mein Mann wartet.

Die Tüten waren schwer. Kaum schaffte sie es bis zum Hausflur. Im Fahrstuhl holte sie Luft. Lange suchte sie nach den Schlüsseln, wühlte alles durch.

Endlich öffnete sie die Tür.

Karl, ich bins! , rief sie. Ich bin da!

Stille. Er schlief wohl schon. Es war spät, fast zehn.

Elisabeth stellte die Tüten ab, zog den Mantel aus. Im Flur brannte Licht. Seltsam. Karl schlief nie bei Licht.

Sie ging zum Schrank, um den Mantel aufzuhängen und blieb stehen. Vor der Tür standen Schuhe. Damenschuhe. Schwarz, mit Absatz. Schick, glänzend.

Karl? , rief sie leiser.

Ihr Herz schlug schneller. Vielleicht waren es Anjas. Sie hatte einen Schlüssel. Aber warum hätte sie nicht Bescheid gesagt?

Aus der Küche drang leises Lachen. Frauenlachen.

Elisabeth erstarrte. Das war nicht Anja. Eine fremde Stimme.

Karl, du bist so witzig! , sagte die Frauenstimme.

Elisabeth kommt erst morgen. Wir müssen uns nicht beeilen.

Elisabeth lehnte sich an die Wand. Ihre Knie wurden weich. Was war das? Wer war diese Frau?

Und wenn sie früher kommt? , fragte die Fremde.

Kommt sie nicht. Sie ist immer pünktlich. Wenn sie morgen früh sagt, dann morgen früh.

Sie lachten. Elisabeth schloss die Augen. Das Atmen fiel ihr schwer.

Leise schlich sie zum Kücheneingang. Die Tür stand einen Spalt offen. Sie spähte hinein.

Am Tisch saß Karl im Schlafanzug. Zerzauste Haare, ein Lächeln im Gesicht. Ihm gegenüber eine junge Frau, Mitte dreißig. Blond, hübsch. Sie trug einen Morgenmantel. Elisabeths Morgenmantel.

Auf dem Tisch zwei Kaffeetassen, eine Torte, Pralinen. Karl hielt ihre Hand.

Lena, du bist wunderbar, flüsterte er.

Lena? Wer war Lena?

Und deine Frau? Du hast gesagt, du liebst sie.

Liebe ich. Aber das ist anders. Mit dir fühle ich mich jung.

Elisabeth krallte sich an den Türrahmen. Die Welt drehte sich. Zweiunddreißig Jahre Ehe. Zweiunddreißig Jahre Vertrauen. Und er

Karl , hauchte sie.

Sie fuhren herum. Karl wurde blass. Die Frau sprang auf, zog den Morgenmantel zurecht.

Elisabeth? Du du kommst doch erst morgen

Wer ist das? , zeigte sie auf die Blondine.

Das das ist Lena. Die Nachbarin. Aus Nummer 52.

Die Nachbarin? Elisabeth starrte die Frau in ihrem Morgenmantel an. Meinen Morgenmantel trägt die Nachbarin?

Ich geh besser, murmelte Lena und schoss zur Tür.

Bleib! , fuhr Elisabeth sie an. Erklär mir, was hier los ist!

Lena blieb stehen. Ihr Gesicht wirkte schuldbewusst aber nicht sehr.

Wir haben nur geplaudert, sagte sie. Karl hat mir geholfen. Mein Wasserhahn war kaputt.

Der Wasserhahn? Elisabeth lachte hysterisch. In meinem Morgenmantel den Wasserhahn repariert?

Elisabeth, beruhige dich, Karl stand auf. Es ist nichts passiert. Lena hat um Hilfe gebeten, ich bin rübergegangen. Dann hat sie Kaffee angeboten. Wir haben geredet

Geredet? Händchen gehalten? In meinem Morgenmantel?

Ich hatte meine Wäsche gewaschen, flüsterte Lena. Karl hat mir den Mantel gegeben, damit ich mich nicht erkälte.

Meinen Mantel gegeben! Elisabeth konnte nicht aufhören. In meiner Wohnung! An meinem Tisch! Während ich mich um meine kranke Mutter gekümmert habe!

Karl kam näher.

Elisabeth, schrei nicht. Die Nachbarn hören uns.

Die Nachbarn? Sie wich zurück. Du denkst an die Nachbarn? Und an mich, als du mit dieser dieser

Es ist nichts passiert! Karl packte sie an den Schultern. Ich schwöre dir, nichts!

Elisabeth sah ihm in die Augen. Panik, Angst. Lüge. Nach so vielen Jahren konnte sie sein Gesicht lesen.

Lass mich los, sagte sie leise.

Elisabeth

Lass mich!

Er ließ sie. Seine Hände zitterten.

Ich geh dann, murmelte Lena und huschte zur Tür.

Warte! , knurrte Elisabeth. Zieh erst meinen Mantel aus!

Elisabeth, vor mir etwa? Karl versuchte, sich zwischen sie zu stellen.

Schämst du dich jetzt? Sie schob ihn weg. Vorhin hast du dich nicht geschämt, als du mit ihr Kaffee getrunken hast!

Lena zog den Mantel aus und warf ihn auf den Stuhl. Darunter trug sie Jeans und einen Pullover.

Tut mir leid, sagte sie und rannte hinaus.

Die Haustür knallte.

Elisabeth setzte sich und verbarg ihr Gesicht in den Händen. Keine Tränen. Nur Leere. Ein schwarzes Loch, wo früher ihr Herz geschlagen hatte.

Elisabeth, lass uns in Ruhe reden, setzte sich Karl neben sie. Ich erkläre alles.

Erklär.

Lena hat wirklich um Hilfe gebeten. Ihr Wasserhahn tropfte. Ich bin rüber, hab ihn repariert. Sie hat Kaffee angeboten.

Um Mitternacht?

Nicht um Mitternacht. Um neun war alles.

Jetzt ist es eins! Elisabeth hob den Kopf. Vier Stunden Kaffee getrunken?

Karl schwieg. Sein Gesicht war rot, schweißig.

Karl, ich bin nicht dumm, sagte sie leise. Zweiunddreißig Jahre verheiratet. Ich weiß, wenn du lügst.

Es ist nichts passiert! Wir haben nur geredet! Sie ist allein, hat niemanden zum Reden!

Und du? Hast du etwa niemanden?

Mit dir reden wir übers Alltägliche. Über unsere Enkel, deine Mutter. Mit ihr mit ihr rede ich über das Leben.

Elisabeth stand auf. Ihre Brust brannte.

Über das Leben? Und ich? Bin ich kein Leben? Bin ich Möbel?

So meinte ich das nicht

Wie meinst dus dann? Wie?! Sie schlug mit der Faust auf den Tisch. Dreißig Jahre zu Hause gesessen! Für dich! Für die Kinder! Mein Leben aufgegeben! Und du sagst, mit mir ist es langweilig!

Beruhige dich

Nein! Sie lief wie ein Tiger im Käfig durch die Küche. Ich bügle deine Hemden, wasche deine Socken, koche dein Essen! Und du plauderst mit Nachbarinnen über das Leben!

Eine Nachbarin

Nur eine? Eine einzige? Sie blieb stehen. Wie viele waren es vor ihr?

Keine!

Lügner! Sie trat dicht an ihn heran. Wie oft warst du angeblich länger auf Arbeit? Wie viele Dienstreisen? Konferenzen? Besprechungen?

Das war Arbeit!

Arbeit? Wie Lena heute Arbeit war?

Karl senkte den Kopf.

Elisabeth, ich liebe dich. Ehrlich. Du bist mir das Wichtigste.

Wichtig? Wie ein wertvolles Stück? Wie altes Mobiliar?

Hör auf

Was soll ich sonst sagen? Was? Tränen flossen jetzt. Ich habe dir mein Leben gegeben! Mein ganzes Leben! Und du? Läufst jungen Frauen hinterher?

Das tue ich nicht! Lena hat

Lena was? Ist zu dir gekommen? Hat meinen Mantel angezogen? Dich an der Hand genommen?

Karl schwieg.

Antworte! , schrie sie. Hat sie?

Wir sind erwachsen Es war beidseitig

Beidseitig! Sie griff sich ans Herz. Also wolltest du! Also hast du daran gedacht!

Elisabeth, bitte

Ich will wissen wie lange geht das schon?

Ein halbes Jahr

Ein halbes Jahr! Sie sank auf den Küchenboden. Ein halbes Jahr hast du mich belogen! Mich geküsst, gesagt, du liebst mich! Und bist zu ihr gegangen!

Ich bin nicht zu ihr gegangen! Wir haben uns selten gesehen!

Selten? Also doch gesehen! Sie kroch zur Tür. Schluss! Schluss damit!

Wohin willst du?

Weiß nicht! Irgendwohin! Nur nicht hier!

Elisabeth stand auf, ging zum Flur. Karl folgte ihr.

Bleib! Lass uns morgen reden! Mit klarem Kopf!

Mit klarem Kopf? Sie zog den Mantel an. Jetzt muss ich mein ganzes Leben mit klarem Kopf leben!

Geh nicht, ich bitte dich!

Sie drehte sich um. Karl stand in Unterhose und Hemd da. Glatze, Bäuchlein. Erbärmlich.

Weißt du was? , sagte sie. Geh zu deiner Lena. Redet über das Leben.

Elisabeth knallte die Tür zu, rannte die Treppe hinunter. Den Fahrstuhl nahm sie nicht. Aus Angst, er könne hinterherkommen.

Draußen war es kalt. Wohin? Zu Anja konnte sie nicht, es war zu spät. Würde den Enkel wecken. Zur Mutter war es zu weit, der letzte Zug schon weg.

Sie erinnerte sich an Gisela. Ihre Freundin wohnte im Nachbarviertel. Sie rief an.

Elisabeth? Was ist los? , Giselas verschlafene Stimme.

Gisi, darf ich zu dir kommen? Bitte.

Natürlich. Was ist passiert?

Erzähl ich später.

Im Bus dachte sie nach. Zweiunddreißig Jahre. Ein ganzes Leben. Und was blieb? Leere. Und Schmerz.

Gisela empfing sie im Morgenmantel, zerzaust.

Setz dich, ich mach Tee. Erzähl.

Elisabeth erzählte alles. Gisela hörte zu, schüttelte den Kopf.

Arschloch, sagte sie knapp. Alle Männer sind Arschlöcher.

Gisi, ich weiß nicht, was ich tun soll.

Worüber nachdenken? Scheiden lassen, Punkt.

Aber wir sind so lange zusammen

Genau deshalb denkt er, du erträgst alles.

Die Nacht schlief sie nicht. Lag auf Giselas Sofa und dachte nach. Erinnerte sich an alles. Wie sie sich kennengelernt hatten, geheiratet. Die Kinder, das Haus. Wie Karl immer länger auf Arbeit blieb, sie zu Hause schuftete.

Wann hatte er sich entfernt? Vor zwei Jahren? Sie dachte, es läge am Alter. Midlife-Crisis.

Dabei hatte er sich einfach verliebt.

Am Morgen rief sie Anja an.

Mama, was ist los? Papa hat angerufen, sucht dich.

Sag Papa, ich bin bei Tante Gisi. Und dass ich nachdenke.

Worüber?

Erklär ich später, Schatz.

Karl rief den ganzen Tag an. Elisabeth ging nicht ran. Abends kam er persönlich zu Gisela.

Ist Elisabeth hier? , fragte er an der Tür.

Ja. Sie trat in den Flur. Was willst du?

Reden. In Ruhe reden.

Reden.

Elisabeth, es ist aus mit Lena. Siehst du nie wieder.

Aha. Bis zur nächsten Lena.

Es gibt keine nächste! Ich schwöre es!

Sie sah ihn an. Müdes Gesicht, zerknittertes Hemd. Er meinte es ernst. In diesem Moment.

Karl, ich habe nachgedacht, sagte sie leise. Ich bin siebenundfünfzig. Vielleicht lebe ich jetzt mal für mich?

Wie für dich?

Einfach so. Arbeit suchen. Die Welt sehen. Überlegen, was ich will. Nicht nur, was du willst.

Elisabeth, wir sind eine Familie

Familie? Sie lachte bitter. Familie ist, wenn man sich respektiert. Nicht wenn einer lebt und der andere für ihn.

Ich werde dich respektieren!

Weißt du was, Karl? Lass uns eine Weile getrennt leben. Jeder denkt über sein Leben nach.

Ist das das Ende?

Eine Pause. Wenn du merkst, dass ich es bin, die du willst nicht nur eine Haushälterin mit Ehefrau in einem dann komm wieder. Wenn nicht Sie zuckte mit den Schultern. Dann wars das.

Karl stand still. Dann nickte er.

Gut. Aber ich kämpfe um dich.

Mal sehen.

Er ging. Gisela umarmte sie.

Gut gemacht. Richtige Entscheidung.

Ich habe Angst, Gisi.

Klar hast du Angst. Aber es ist ehrlich.

Elisabeth setzte sich ans Fenster. Draußen regnete es. Ein neues Leben begann. Mit siebenundfünfzig. Seltsam. Aber vielleicht nicht schlecht.

Morgen würde sie Arbeit suchen. Dann zur Mutter fahren, mit ihr reden. Lange hatten sie nicht mehr geredet.

Und dann? Vielleicht ändert Karl sich wirklich. Vielleicht merkt sie, dass es auch ohne ihn geht.

Hauptsache, sie lebte jetzt auch für sich. Nicht nur für andere.

Der Regen trommelte gegen die Scheibe. Elisabeth lächelte. Zum ersten Mal seit Tagen.

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Überraschung für den Ehemann: Als die Frau drei Stunden früher von der Verwandtschaft zurückkam, konnte sie ihre Tränen nicht zurückhalten
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