Mein Mann sagte, ich bringe ihn in Verlegenheit und verbot mir, seine Firmenfeiern zu besuchen

Du bringst mich in Verlegenheit, sagte Klaus, und verbot mir, zu seinen Firmenfeiern zu kommen.
Noch dieses Gerümpel! Liselotte, ich habe dich doch gebeten, den ganzen Kram vom Balkon zu werfen! Wir wohnen nicht auf einem Müllplatz!

Klaus Stimme hallte durch das leere Flur, dröhnte wie ein Echo in einem leerstehenden Büro. Liselotte zuckte zusammen, ließ einen alten Weidenkorb fallen, und trockene Lavendelzweige flogen zu Boden. Sie war gerade von der Wochenendhütte zurückgekommen, müde, aber zufrieden. Dort, in dem kleinen Häuschen, das ihr von den Eltern hinterlassen wurde, fühlte sie sich wirklich lebendig.

Klaus, das ist kein Gerümpel, flüsterte sie und bückte sich, um das verstreute Schatzchen aufzusammeln. Das ist Erinnerung. Und ich wollte einen Duftbeutel in den Schrank legen, damit es dort gut riecht.

Duftbeutel? schnaufte er verächtlich, während er an ihr vorbeiging und den teuren Seidenkrawattenknopf von seinem Hals abhängte und ihn auf das Sofa warf. In unseren Schränken riecht es nach dem 35EuroFlakon für Wäschesoftener. Schluss mit deinem Landleben. Ruf morgen die Firma an, die den Balkon räumt, und verbrennt den Rest.

Liselotte richtete sich auf, hielt den Lavendelstrauß fest. Der Duft von Kindheit, Sommer, Mutters Händen. Für ihn nur Müll. Sie erwiderte nichts, schlich zur Küche und stellte den Wasserkocher an. Ein Streit war sinnlos. In den letzten Jahren endeten alle Gespräche über das Thema gleich Klaus, der mit seinem Aufstieg im Baugeschäft ein Schloss aus teuren Dingen und glänzenden Kontakten gebaut hatte, hatte keinen Platz mehr für alte Körbe und trockene Kräuter.

Sie hatte gelernt, dass ihre Meinung bei der Einrichtung nichts zählte, dass Freundinnen aus dem Schuldienst oder die Ärztin nicht mehr eingeladen wurden, weil sie nicht ins Bild passen. Sie akzeptierte die Rolle der schönen, aber stillen Anhangsperson zu ihrem erfolgreichen Ehemann. Doch manchmal, wie jetzt, stieg ein leiser Aufschrei in ihr auf.

Beim Abendessen war Klaus gut gelaunt. Er schwärmte von der anstehenden Jubiläumsfeier ihrer Holding.

Stell dir vor, wir haben die gesamte Festhalle im Kongresszentrum Berlin gebucht. Investoren, Partner, sogar der Oberbürgermeister will vorbeischauen. Musik, Programm, Stars das wird das gesellschaftliche Highlight des Jahres!

Liselotte nickte automatisch, stellte sich schon das Aufräumen vor: das dunkelblaue Kleid, das Klaus ihr einst in Mailand ausgesucht hatte, passende Schuhe, das Styling beim berühmten Friseur. Trotz allem liebte sie diese Abende, das Gefühl, Teil seiner funkelnden Welt zu sein, das Leuchten in seinen Augen, wenn er sie seinen Geschäftspartnern vorstellte: Meine Frau, Liselotte.

Ich überlege, was ich anziehen soll, lächelte sie. Das blaue Kleid passt doch am besten, oder?

Klaus legte die Gabel beiseite und sah sie mit einem kalten, prüfenden Blick an derselbe Blick, den er am Morgen auf den Lavendelkörbchen geworfen hatte.

Liselotte, begann er zögerlich, jedes Wort wägend ich muss mit dir darüber reden. Ich du gehst nicht mit.

Liselotte erstarrte. Die Gabel blieb zwischen Mund und Hand.

Wie nicht gehen? wiederholte sie, sicher, dass sie ihn falsch gehört hatte. Warum?

Weil das eine sehr wichtige Veranstaltung ist, schnitt er, dort sind sehr ernste Leute. Und ich kann mein Ansehen nicht riskieren.

Ein kalter Schauer lief ihr den Rücken hinunter.

Ich verstehe nicht. Was hat mein Ansehen damit zu tun?

Klaus seufzte schwer, als würde er einem kleinen Kind etwas erklären.

Liselotte, du bist eine gute Frau, eine wunderbare Haushälterin, aber du du weißt nicht, wie man in solchen Kreisen aufführt. Du bist zu schlicht, sprichst nicht die richtigen Worte, benutzt die falschen Anspielungen. Letztes Mal hast du einer Investorin, der Frau unseres Hauptgebers, eine halbe Stunde lang über Apfelkuchenrezept diskutiert. Apfelkuchen, Liselotte! Und dann sah sie mich mit so mitleidigem Blick an

Jedes seiner Worte traf sie wie ein Peitschenhieb. Sie fühlte sich, als würde ein Farbklecks ihr Gesicht überziehen. Der letzte Firmenabend, die nette Investorenfrau, die nach einem Gespräch über Aktienkurse plötzlich nach einem heimischen Rezept fragte und sie hatte geantwortet, als wäre das ein Zierdekor.

Du blamierst mich, sprach er schließlich, die letzten, endgültigen Worte. Ich liebe dich, aber ich kann nicht zulassen, dass meine Frau als Bauernschwester neben den Frauen meiner Partner steht. Sie alle kommen von renommierten Universitäten, besitzen Galerien, sind gesellschaftliche Koryphäen. Du du gehörst nicht dazu. Entschuldige.

Er stand auf, verließ die Küche und ließ Liselotte mit halb gegessenem Abendessen und zerbrochenem Selbstbild zurück. In ihrem Kopf hallte sein Satz: Du blamierst mich. Fünfzehn Jahre Ehe, ein Sohn, ein Haus, das sie mit Wärme gefüllt hatte alles wischte er mit einem harten Urteil weg.

In der Nacht schlief sie kaum. Sie lag neben Klaus, der schnarchte, und starrte die Decke an, erinnerte sich an ihr erstes Treffen. Er war ein junger, ambitionierter Bauingenieur, sie eine Studentin der Pädagogik. Sie lebten im Wohnheim, aßen Kartoffeln mit Bratwurst und träumten. Er träumte von einem großen Unternehmen, sie von einer großen, liebevollen Familie. Sein Traum schien wahr zu werden. Und ihrer?

Am Morgen sah sie in den Spiegel. Eine Frau von zweiundvierzig, müde Augen, feine Falten um die Lippen. Sympathisch, gepflegt, aber gesichtslos. Sie war in Klaus Welt aufgegangen, hatte das Lesen aufgegeben, weil er es als langweilige Belletristik abtat, das Malen aufgegeben, weil dafür keine Zeit blieb. Sie war zum Hintergrund geworden, passend zum glänzenden Erfolg ihres Mannes.

Die folgenden Tage zogen wie Nebel vorbei. Klaus versuchte, mit teuren Geschenken zu entschuldigen: ein Riesenbouquet Rosen, neue Ohrringe auf dem Schminktisch. Liselotte nahm alles stillschweigend an, tat so, als hätte sie verziehen. Doch innerlich war etwas endgültig zerbrochen.

Am Tag der Firmenfeier wühlte Klaus den ganzen Morgen durch seine Kleiderwahl, wechselte Manschettenknöpfe, Schuhe, ließ sich vom Friseur die Fliege binden. Liselotte half ihm mechanisch beim Krawattenknoten.

Wie sehe ich aus? fragte er, stolz vor dem Spiegel in seinem makellosen Smoking.

Hervorragend, antwortete sie mit ruhiger Stimme.

Er drehte sich um, fing ihr im Spiegel den Blick, ein kurzer Funken von Bedauern blitzte auf.

Liselotte, bitte sei nicht böse. Ich tue das alles für uns. Das ist Business.

Sie nickte stumm.

Als die Tür hinter ihm ins Schloss fiel, ging sie zum Fenster und sah, wie sein schwarzer, glänzender Wagen vor dem Haus hielt. Statt Schmerz fühlte sie Leere, ein befreiendes, fast beängstigendes Gefühl, als wäre ein Käfig, den sie selbst gebaut hatte, plötzlich offen.

Sie goss sich ein Glas Wein ein, schaltete einen alten Film ein und versuchte, sich abzulenken. Doch die Worte Bauernschwester, weiße Krähe, blamierst mich kehrten immer wieder. War das alles, was sie geworden war?

Am nächsten Tag, beim Aussortieren alter Kisten auf dem Dachboden, fand sie ihr altes Skizzenbuch aus der Studienzeit. Der Geruch von Ölfarben traf sie wie ein Blitz. Darin lagen verblasste Pinsel, einige dunkle Farbbehälter und ein kleines Kartonbild eine naive Landschaft aus Suxdal, die sie einst gemalt hatte. Tränen liefen ihr über das Gesicht, lange und bitter, nicht aus Ärger, sondern aus Trauer um die Träume, die sie gegen ein behagliches Leben eingetauscht hatte.

Sie wischte die Tränen ab und fasste einen Entschluss, fest und unumstößlich.

Einige Tage später meldete sie sich online für einen Platz in einer kleinen privaten Zeichenakademie im alten Stadtteil Prenzlauer Berg an. Das Atelier befand sich im Keller eines historischen Backsteinhauses, geleitet von einer älteren Künstlerin, Mitglied der Bildenden KünstlerVereinigung, die die moderne Strömung nicht anerkennt und die klassische Schule lehrt. Genau das, was sie brauchte.

Sie sagte nichts zu Klaus. Dreimal die Woche, während er im Büro war, stieg sie in die U-Bahn und fuhr zu ihrem Kurs. Ihre Lehrerin hieß Anna Löwenstein klein, drahtig, mit stechend blauen Augen und stets von Farbe bedeckten Händen. Streng, aber fördernd.

Vergessen Sie alles, was Sie bisher wussten, sagte Anna am ersten Tag. Wir lernen zu sehen, nicht bloß zu schauen. Licht, Schatten, Form, Farbe.

Liselotte begann wieder, Stillleben zu malen, Farben zu mischen, den Pinsel zu spüren. Am Anfang war ihr die Hand schwer, die Farben schmutzig, die Pinsel fremd. Sie ärgerte sich über sich selbst, wollte aufgeben, doch etwas zog sie immer wieder zurück in den nach Terpentin riechenden Keller.

Klaus bemerkte nichts. Er war in ein neues Großprojekt vertieft, kam spät nach Hause, aß vor dem Fernseher und schlief ein. Liselotte stellte keine Fragen mehr, entwickelte ein geheimes Leben, erfüllt von neuen Gerüchen, neuen Eindrücken, neuem Sinn. Sie bemerkte, wie das Licht auf die Fassaden der Stadt fiel, welche Farben das Herbstlaub annahm, wie der Himmel beim Sonnenuntergang wechselte die Welt wurde wieder farbenfroh.

Eines Tages trat Anna zu ihrem nahezu fertigen Stillleben ein paar Äpfel auf grobem Leinwandtuch und sah lange schweigend, den Kopf leicht geneigt.

Wissen Sie, Liselotte, Sie besitzen etwas, das man nicht lehren kann. Sie vermitteln das Wesentliche. In diesen Äpfeln steckt die ganze Schwere und Süße des vergangenen Sommers.

Das war das höchste Lob. Liselotte fühlte, wie ein Kloß im Hals aufstieg. Zum ersten Mal seit Jahren schätzte jemand nicht ihre Hausführung oder ihr Kleid, sondern ihre innere Welt.

Sie malte immer mehr, kam früher, blieb länger im Atelier, schuf Stillleben, Porträts anderer Schüler, Stadtansichten. Ihr Aussehen änderte sich: die Müdigkeit in den Augen wurde zu einem funkelnden Glanz, die Bewegungen sicherer.

Eines Abends kam Klaus früher nach Hause und überraschte sie im Wohnzimmer. Sie saß auf dem Boden, umgeben von ihren Bildern, und wählte Stücke für die bevorstehende Ausstellung der Akademie aus.

Was ist das? fragte er erstaunt, blickte auf die Leinwände. Woher hast du das?

Mein Werk, antwortete Liselotte, ohne vom Malen aufzusehen.

Er griff nach einem Bild ein Porträt eines älteren Hausmeisters, den sie im Innenhof des Ateliers getroffen hatte. Die tiefen Falten, doch die Augen leuchteten vor Güte.

Du hast das gemalt? erstaunte er. Wann?

In den letzten sechs Monaten. Ich gehe ins Atelier.

Klaus stand schweigend, wechselte den Blick zwischen Bild und Frau. Es schien, als sah er sie zum ersten Mal. Er hatte immer gedacht, ihr Platz sei die Küche. Jetzt erkannte er, dass hinter der Fassade eine völlig neue Welt lag.

Nicht schlecht, sagte er schließlich. Sogar talentiert. Warum hast du mir das nie gesagt?

Hättest du zugehört? erwiderte Liselotte, die Augen leicht hochgezogen. Du warst zu beschäftigt.

Klaus fühlte sich unbeholfen. Plötzlich verstand er, dass während er sein Imperium baute, ein unbekannter Teil seiner eigenen Welt seiner Frau gewachsen war.

Die Ausstellung fand im kleinen Saal des örtlichen Kulturhauses statt. Schlichte Rahmen, einfache Wände. Liselotte war nervös. Alte Freundinnen, die sie eingeladen hatte, Schüler aus dem Atelier, Anna Löwenstein. Klaus kam ebenfalls, im teuren Anzug, wirkte wie ein Fremdkörper, genauso wie Liselotte bei seinen Firmenfeiern.

Er schlenderte entlang der Wände, betrachtete die Werke, sein Gesicht undurchschaubar. Liselotte sah, wie er an ihren Bildern hängen blieb, die Stirn runzelte, nachdachte.

Freunde kamen, gratulierten, schüttelten Hände, jubelten.

Liselotte, du bist ein echtes Talent! Warum hast du das verborgen gehalten?

Sie lächelte nur.

Am Ende, als fast alle Gäste gegangen waren, trat eine elegante ältere Dame an sie heran. Liselotte kannte das Gesicht.

Liselotte, bin ich das? fragte die Frau warm lächelnd. Ich bin Elena Schröder, die Frau von Viktor Semenov, unserem Hauptinvestor. Wir haben uns vor ein paar Jahren bei Ihrem Empfang kennengelernt.

Liselotte erinnerte sich sofort an das Gespräch über Apfelkuchen.

Ja, guten Tag, stammelte sie.

Ich bin begeistert, fuhr Elena fort. Ihre Bilder besitzen so viel Seele, so viel Licht. Besonders dieses Porträt des Hausmeisters. Klaus hat nie erwähnt, dass Sie so talentiert sind. Er sollte wirklich stolz auf Sie sein!

Elena sprach laut genug, dass Klaus, der in der Nähe stand, jedes Wort hörte. Er zuckte zusammen, drehte sich zu ihnen. In seinen Augen lag Überraschung, Verwirrung und ein Hauch von Scham.

Ich sammle übrigens moderne Kunst, fuhr Elena fort. Ich würde gern dieses Bild hier kaufen, und das Porträt, falls es noch verfügbar ist.

Liselotte konnte es kaum fassen. Sie, die ihr Mann als Schande bezeichnete, stand nun vor einer der einflussreichsten Frauen ihres Kreises und bekam Anerkennung.

Auf dem Heimweg fuhr sie schweigend, sah die Lichter der Stadt durch das Fenster fliegen und fühlte sich völlig anders. Sie war nicht mehr ein Schatten, sie war Künstlerin.

Zuhause, im Flur, hielt Klaus sie plötzlich auf.

Glückwunsch, sagte er dumpf. Das war überraschend.

Danke, antwortete sie.

Weißt du, in einem Monat steht unser Neujahrsempfang für die wichtigsten Partner an. Ich möchte, dass du mit mir gehst.

Er sah sie hoffnungsvoll, fast flehend an. Er begriff plötzlich, dass eine künstlerische Ehefrau, von Elena gelobt, ein noch attraktiveres Accessoire wäre als die stille Schöne.

Liselotte blickte auf ihren starken, selbstsicheren Mann, der jetzt wie ein verirrter Schüler wirkte. In ihr war weder Bosheit noch Rache, nur ein leichtes Bedauern und ein riesiges Selbstwertgefühl, das sie im staubigen Keller zwischen Pinsel und Terpentin gefunden hatte.

Danke, Klaus, sagte sie ruhig, zog die Jacke aus. Aber ich weiß nicht, ob ich kann. An diesem Wochenende habe ich ein MalenimFreien mit Anna Löwenstein geplant.Sie lächelte, nahm die Pinsel in die Hand und sagte: Vielleicht ist das der Anfang einer ganz neuen Feier für uns beiden..

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