Die Ex zurückgewinnen: Strategien für ein neues Glück

Heike bohrte den Blick in Andreas Rücken. Er zog noch seine Stiefel zu, während das Zimmer um sie herum zu flackern begann, als wäre es ein altes Fernsehbild.

Zu den Kindern, Heike. Zu den Kindern, nicht zu ihr, murmelte Andreas, während er die Schnürsenkel festzog. Wie lange soll ich das noch wiederholen?

Heike schwieg. Ihre Lippen wurden zu einer dünnen Linie, ein zerbrechlicher Grat über einem Schlund, aus dem Worte erstickten und zu einem unlösbaren Knoten wurden.

Bei der Hochzeit schienst du damit einverstanden, fuhr er fort, nahm die Jacke vom Kleiderhaken und streckte sie über die Schultern. Du wusstest, ich habe Kinder. Ich habe alles von Anfang an gesagt. Du hast gesagt, du verstehst. Und jetzt? Heulanfälle? Verhöre?

Heike biss die Zähne zusammen, während Andreas die Tür hinter sich zuknallte. Das Schloss klickte, und Stille senkte sich wie ein schwerer Vorhang.

Einige Sekunden vergingen, ehe Heike sich von ihrem Platz schob. Ihre Beine fühlten sich an wie Blei, ihr Körper sinkte ins Sofa, das in der Küche stand, und ein lächerlicher Fernsehkrimi flackerte leise im Hintergrund, ein dumpfes Rauschen, um die Gedanken zu ersticken.

Drei Jahre waren sie zusammen, zwei davon in Ehe. Von Anfang an hatte Heike das Ende gekannt: Scheidung, zwei Kinder ein Junge, ein Mädchen. Andreas hatte davon beim dritten Treffen berichtet. Heike hatte damals gelächelt, gesagt, das sei kein Hindernis, dass sie verstehe, dass Kinder keine Last seien. Jetzt klangen diese Worte wie kindliche Versprechen, naiv und hohl.

Ein tiefer Atemzug, das Schließen der Augen mit der flachen Handfläche, Tränen drohten, das Herz drückte wie eine unsichtbare Steinplatte. Wochen vergingen, und das unerträgliche Muster setzte sich fest: jeden Dienstag und Samstag verschwand Andreas in das Haus der ExUrsula. Er sagte, er sei nur wegen der Kinder dort, doch er blieb bis zum Abendessen, trank den Eintopf, lachte mit ihr, als wäre es ein langer Abend im Dorffest.

Heike fühlte das bösartige Vibrieren im Bauch, das Vorahnen eines Unheils, das ihr die Kehle zuschnürte. Allein in der Wohnung, umgeben von eigenen Vorwürfen, kritzelte sie sich ein, dass sie nicht stark genug sei, um ihre Position zu behaupten, dass sie zu den süßen Versprechungen ihres Mannes nachgebe, dass sie schweige, wo sie schreien sollte.

Sie griff nach dem Telefon, tippte hastig eine Nachricht an ihre Freundin.

Er ist wieder bei ihr.

Das Telefon vibrierte, ein Anruf von Klara kam durch.

Heike, was machst du? Wie lange willst du das noch ertragen? Er betrügt dich, das ist doch klar.

Nein, Klara, du verstehst nicht, begann Heike, doch Klara schnitt ihr das Wort ab.

Ich weiß genau, er geht zweimal die Woche zur ExUrsula, bleibt bis tief in die Nacht. Und du willst mir erzählen, dass sie dort Legosteine mit den Kindern bauen?

Heike streichelte ihr Gesicht, wusste, dass Klara Recht hatte. Laut auszusprechen, bedeutete zuzugeben, dass ihre Ehe ein Schauspiel war.

Er sagt, zwischen uns sei nichts, er sei nur wegen der Kinder dort, flüsterte Heike.

Ach, Heike, du bist zu naiv, seufzte Klara. Erwachsene Männer verbringen keine halben Abende bei ExFreunden. Sie holen die Kinder ab, spielen im Park, bringen sie zurück. Dein Mann sitzt in ihrer Küche, löffelt die Suppe, hält vielleicht sogar ihre Hand, wenn die Kinder nicht schauen.

Klara, genug, drückte Heike das Telefon fester.

Genug? Gut. Merk dir: Wenn du weiter mit ihm bleibst und das passiert, sag nicht, ich hätte dich nicht gewarnt.

Der Anruf endete, Heike starrte zur Decke, ein Lachen aus dem Fernsehbild hallte, doch es drang nicht zu ihr durch.

Kurz vor Mitternacht kehrte Andreas zurück. Sie hörte, wie er im Flur seine Kleidung ablegte, wie er das Bad betrat. Er legte sich neben sie, ein fremder Duft von süßem Parfüm umhüllte das Zimmer, als wäre er von einem fernen Markt aus Köln gekommen.

Er sprach nicht, doch dann, leiser, begann er: Entschuldige die späte Rückkehr. Unsere Tochter musste ein Bastelprojekt für den Kindergarten fertig machen. Sie hat aus Tannenzapfen eine Kuh gebaut. Sie sah aus wie ein hässlicher Monstermonster.

Heike nickte im Dunkeln, obwohl er es nicht sah.

So ging es weiter, Dienstag, Samstag, Weggehen, Zurückkommen, fremder Duft, Ausreden. Dann änderte Andreas sich. Er wurde düsterer, verschlossener, saß stundenlang mit gerunzelter Stirn auf dem Handy, während Heike versuchte zu fragen, was geschehe. Er wischte nur vage Geräusche von sich und verschwand in ein anderes Zimmer.

Nach ein paar Wochen kam die Nachricht:

Hör zu, am Freitag gehts zu einem Doppeldate.

Heike hob die Augenbrauen.

Mit wem?

Mit Ursula und ihrem neuen Freund.

Ein Stein fiel von Heikes Schultern. Also war Ursula nicht mehr allein? War Andreas nicht mehr bei der Ex? All ihre Ängste schienen plötzlich irrelevant.

Ein Lächeln breitete sich auf Heikes Gesicht, sie drehte sich zu Andreas, legte den Arm um seinen Hals.

Natürlich, ich komme mit.

Der Freitag kam schnell. Heike kaufte ein hellblaues, eng anliegendes Kleid, das ihr Gefühl von Eleganz gab, wollte Ursula zeigen, dass sie die richtige Wahl für Andreas sei.

Sie trafen sich in einem kleinen Café am Rande von München, ein gemütlicher Ort mit Holztischen und warmem Licht. Ursula saß bereits mit einem Mann, etwa vierzig, groß, sportlich, mit einem charmanten Lächeln.

Hallo, das ist Max, stellte Ursula vor.

Max reichte Andreas die Hand, sie setzten sich. Heikes Vorahnung war gut der Abend sollte ruhig verlaufen, Gespräche, dann jeder nach Hause.

Stattdessen wurde das Doppeldate zu einem Albtraum. Andreas benahm sich, als wolle er Ursula vor Max verteidigen, unterbrach ihn ständig, demonstrativ erklärte, er kenne Ursula besser.

Max schlug vor, eine Pizza mit Paprika zu bestellen.

Ursula mag nichts Scharfes.

Ich weiß, sagte Max ruhig. Wir haben das schon besprochen.

Andreas schnitt dazwischen:

Erinnert ihr euch, wie wir mit den Kindern ans Meer fuhren? Mischka brachte eine Qualle an den Strand, dachte, das sei ein Spielzeug.

Ursula nickte, ihr Gesicht jedoch war irritiert.

Andreas, das ist lange her, versuchte sie das Thema zu wechseln.

Aber Andreas fuhr fort, erzählte Geschichte um Geschichte über die Kinder, über die gemeinsame Wahl der ersten Wiege, über schlaflose Nächte, wenn der Sohn Koliken bekam. Heike hielt ein Glas Wasser, jedes Wort traf einen empfindlichen Nerv. Sie sah, wie Ursula sich unwohl wandte, wie Max versuchte, das Gespräch zu retten, doch Andreas hörte nicht.

Plötzlich erkannte Heike: Andreas hatte die Ex nie losgelassen. Er hing immer noch an den Erinnerungen, an den Kindern, an dem gemeinsamen Gestern. Sie war nur ein Ersatz, ein Zwischenstück.

Ihr Telefon vibrierte ein Anruf von der Bank, ein automatischer Hinweis. Sie tat so, als würde sie mit ihrer Mutter reden, ein dringendes Problem.

Entschuldigung, ich muss gehen. Es ist wichtig.

Niemand hielt sie zurück. Andreas drehte sich nicht einmal um. Heike stand auf, stieg in ein Taxi und fuhr nach Hause.

In ihrer Wohnung packte sie einen großen Koffer, füllte ihn mit allem, was ihr geblieben war. Das erträgliche Verhalten ihres Mannes war ihr zu viel geworden.

Einmal, eine Stunde später, kam Andreas zurück, missmutig, wütend. Er sah den Koffer vor ihr.

Was ist das?

Heikes Blick war trocken, die Tränen hatten sich zwischen Strickjacken und Jeans verlaufen.

Ich gehe.

Wohin?, fragte er verwirrt.

Wohin auch immer, hier weg. Sie zog die Jacke an. Das heutige Doppeldate hat mir die Augen geöffnet. Du liebst die Ex noch oder du kannst sie einfach nicht loslassen. Ich weiß nicht, was schlimmer ist.

Wovon sprichst du? begann Andreas, doch Heike hob die Hand und stoppte ihn.

Hör auf zu lügen. Ich habe gesehen, wie du dich benommen hast. Du hast versucht, sie vor Max zu beschützen, hast den ganzen Abend gezeigt, dass sie dir gehört. Ich war nur das Überbleibsel.

Andreas schwieg.

Ich will nicht das Ersatzstück sein, Andreas, fuhr sie fort, griff den Koffergriff. Ich gehe.

Heike, warte, flehte er schließlich.

Nein, schüttelte sie den Kopf. Ich liebe dich, aber diese Liebe wird verbrennen, erodieren. Ich bewahre wenigstens noch ein Stück meiner Würde.

Sie verließ die Wohnung, Andreas stand da, starrte nur, ohne ein Wort zu sagen, ohne zu versuchen, sie zurückzuhalten.

Heike rief ein Taxi und fuhr zu den Eltern. Im Auto sah sie aus dem Fenster die nächtlichen Lichter von Berlin, das Flackern von Laternen, und dachte nur an eines: endlich war sie frei.

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Pensé que éramos amigas, pero tú me robaste a mi marido