Echte Frauenfreundschaft: Stark, vertrauensvoll und unzerbrechlich

**Weibliche Freundschaft**

Mit Kathi bin ich seit der Schulzeit befreundet. Genauer gesagt, seit der siebten Klasse, als sie in unsere Gegend zog. In der Klasse hatte ich keine Freundinnen. Die meisten Mädels scharten sich um die Schulschönheit Luisa Mahlberg, deren Vater Professor war. Der Rest von uns, mich eingeschlossen, blieb lieber unabhängig.

Ich habe mich weder vor Luisa verbeugt noch mich mit ihr gestritten Neutralität war meine Devise. Während Luisas Clique die Neue musterte und herausfand, wer ihre Eltern waren, nahm ich Kathi unter meine Fittiche. Natürlich klärte ich sie über Luisa und ihre Anhängerschaft auf.

Bist du alleine, weil du rebellierst?, fragte mich Kathi.
Ach wo, ich bin einfach so. Mir gehts gut allein. Aber schau selbst. Wenn du mit denen befreundet sein willst, nehme ichs dir nicht übel.

Kathi entschied sich für mich. Niemand mobbte uns wir wurden einfach ignoriert. Ich zeigte ihr die Schule, erklärte ihr die Lehrer und Mitschüler, brachte sie auf den neuesten Stand. Übrigens: Die Schönheit und Professorentochter schlug nicht die akademische Laufbahn ein, sondern jobbte später in einem Boutique-Laden. Ich sah sie mal sie tat so, als kenne sie mich nicht.

Kathi war klug, klüger als ich, und sogar hübscher. Zumindest kam es mir so vor. In der Pubertät ist man ja nie zufrieden mit sich. Ich fand mich zu dick, meine Brust zu groß, die Beine zu kurz. Die Haare krausten in alle Richtungen ein hässliches Entlein. Kathi dagegen hatte glattes, blondes Haar, blaue Augen, eine perfekte Figur und schlanke, lange Beine.

Erst Jahre später gestand sie mir, dass sie mich damals schön fand und mir sogar heftig beneidete.

Wir wurden so eng, dass wir bald unzertrennlich waren. Wir wollten sogar auf dieselbe Uni. Doch Kathis Mutter drängte sie zur BWL, während ich unbedingt Medizin studieren wollte. Nicht irgendwas Langweiliges Chirurgie!

Wir einigten uns nicht, stritten sogar und sprachen drei Tage kein Wort. Doch dann versöhnten wir uns ohne einander ging es einfach nicht. Jede studierte schließlich, was sie wollte. Nur sahen wir uns seltener. Doch wenn, dann redeten wir stundenlang.

Im zweiten Semester verliebte Kathi sich in einen Kommilitonen und quasselte nur noch von ihm. Ich hatte keine Zeit für Liebe Latein und Anatomie waren hart genug, aber ich liebte das Studium.

Im dritten Jahr machte Kathi eine Abtreibung. Ihre Eltern wussten natürlich nichts. Im vierten Jahr wurde sie wieder schwanger. Der Typ gefiel mir nicht. Ich riet ihr, nicht zu heiraten und das Kind nicht zu behalten, doch sie hörte nicht. Sie erzählte es ihren Eltern, und die sorgten dafür, dass ihre Tochter keine Alleinerziehende wurde.

Im sechsten Jahr merkte ich, dass Chirurgie nichts für mich war Gastroenterologie klang entspannter. Zwei Jahre trafen Kathi und ich uns nicht, bis wir uns zufällig auf der Straße begegneten. Sie war rundlicher geworden, und ich dachte schon, sie sei wieder schwanger doch ich fragte nicht nach. Sie schob einen hübschen kleinen Jungen im rosafarbenen Kinderwagen. Kathi bemerkte meine Blicke auf ihren Bauch und bestätigte: Ja, ich erwarte wieder ein Kind. Mein Mann will einen Jungen.

Sie wunderte sich, dass ich noch allein war. Da gestand sie mir, dass sie mich in der Schule beneidet und sich selbst für eine graue Maus gehalten hatte. Deshalb wollte ich so schnell heiraten aus Angst, keiner würde mich wollen. Ach, Dummchen! Wir versprachen einander, nicht wieder den Kontakt zu verlieren.

Ein Jahr nach der Geburt ihres Sohnes verließ ihr Mann sie.
Er nannte mich fett, eine Kuh. Er sagt, ich hätte ihn mit den Kindern gefesselt, dass ich ihm widerlich sei, schluchzte Kathi.
Warum hast du das nicht früher gesagt? Ich hätte dir geholfen, abzunehmen!, schimpfte ich.

Sie sah wirklich nicht gut aus: Jogginghose, die Haare zum Pferdeschwanz gebunden, die blauen Augen ohne Glanz. Ich sagte ihr freundschaftlich, dass sie sich nicht so gehen lassen sollte.

Du bist hübsch und trotzdem allein, konterte sie bissig. Doch ich nahm es ihr nicht übel.

Kathis Kinder wuchsen. Der kleine Niklas ging schon zur Schule, während die ältere Leni sich für Jungs interessierte. Ich hatte hin und wieder Beziehungen, doch bis zur Hochzeit kam es nie. Machte mir nichts aus Schicksal eben. Mit Kathi trafen wir uns selten. Jede hatte ihr eigenes Leben.

Dann wurde ich zu einer dreitägigen Konferenz nach München geschickt.

Dort fiel mir ein Mann auf er wohnte im Nachbarzimmer. Manchmal weiß man einfach: Das ist es. Wir saßen sogar im Restaurant am selben Tisch. Als er hörte, woher ich kam, erwähnte er eine neue Klinik in unserer Stadt, die ein Freund von ihm leitete.

Ich kenne die Klinik und deinen Freund, sagte ich.
Empfiehlst du mir, das Angebot anzunehmen?, fragte Alexander.
Das müssen Sie selbst entscheiden.

Am letzten Abend gab es ein Konzert und Buffet. Wir plauderten, tranken Wein. Ich warf verstohlene Blicke auf die Uhr. Gerade als ich sagen wollte, dass ich in zwei Stunden mit dem Nachtzug heimführe, wurde er abgelenkt. Ich hatte keine Zeit zu warten und ging, ohne mich zu verabschieden.

Er mochte mich wohl auch, aber er fragte nicht nach meiner Nummer. Vielleicht dachte er, wir sähen uns noch beim Frühstück. Oder er hatte eine Frau. Die Abwesenheit eines Eherings beweist ja nichts. Bei sowas sollte ohnehin der Mann die Initiative ergreifen.

Er wird staunen, wenn ich morgen nicht zum Frühstück erscheine, dachte ich schadenfroh. Schade, dass nichts daraus wurde. Ich seufzte und versuchte, nicht an ihn zu denken. Kein Schicksal.

Zwei Monate später rief Kathi an und lud mich ein.
Ist was passiert? Du klingst so fröhlich, fragte ich.
Komm vorbei und finde es heraus, antwortete sie geheimnisvoll.

Am Wochenende kaufte ich Süßigkeiten und Eis für die Kinder, eine Flasche Wein für uns, und ging zu ihr. Kathi war kaum wiederzuerkennen: strahlende Augen, neuer Haarschnitt, sogar etwas schlanker.

Du bist verliebt, stellte ich fest.
Ich habe diesen Mann kennengelernt, schwärmte sie.

Während sie ihn beschrieb, sah ich plötzlich Alexander vor mir.
Du hättest ihn sehen sollen ein Traum von einem Mann.

Niklas war bei Oma, Leni mit Freundinnen unterwegs. Wie die Zeit vergeht. Ich fühlte mich alt. Vielleicht hätte ich wie Kathi früher Kinder kriegen sollen Wir tranken Wein, aßen Eis.

Er arbeitet seit Kurzem in unserer Klinik, plauderte Kathi.
Moment, du arbeitest doch in der Bank.
Ach ja, stimmt. Ich bin längst gewechselt jetzt bin ich Wirtschaftlerin in der neuen Klinik. Besser bezahlt, weniger Stress. Jedenfalls: Ich komme mit Laptop und Akten aus der Buchhaltung, da bietet er mir an, mich nach Hause zu fahren. Er trägt meine Tasche bis zur Wohnung, ich biete ihm Tee an
Und dann?
Nichts. Bisher. Aber das ist nur eine Frage der Zeit.
Also gibts zwischen euch nichts? Ich konnte meine Erleichterung kaum verbergen. Wie heißt er überhaupt? Ich wusste die Antwort schon.
Alexander. Alexander Aleksejewitsch Olchowski.

Mir war, als hätte man mir eiskaltes Wasser übergeschüttet. Zufälle gibts nicht das war reine Schicksalsironie! Kathi schwärmte weiter, wie nett und aufmerksam er sei, dass sie ihn zu ihrem Geburtstag einladen wolle
Und er ist nicht verheiratet? Seltsam, dass so ein Guter noch frei ist. Vielleicht stimmt was nicht mit ihm? Ich mischte etwas Pessimismus in ihren Honigtopf.
Kathi zuckte die Schultern. Du bist nur neidisch. Warts ab, ich heirate ihn noch.

Enttäuscht traf es nicht annähernd. Doch ich hoffte noch auf einen dummen Zufall. Ich gratulierte ihr halbherzig, wünschte Glück und verschwand unter einem Vorwand.

Zwei Wochen später war Kathis Geburtstag. Als ich kam, sah ich ihn: Alexander. Er erkannte mich sofort und kam auf mich zu. Kathi warf uns missbilligende Blicke zu.

Er erzählte, er habe das Angebot seines Freundes angenommen. Ich fragte, ob ihm unsere Stadt gefalle, die Klinik, ob er den Umzug bereue.
Wollen Sie nicht bei uns arbeiten? Als ich von der freien Stelle hörte, dachte ich sofort an Sie, sagte er.
Ich überlege es mir, antwortete ich ausweichend.

Dann rief Kathi ihn in die Küche. Ich nutzte die Gelegenheit und ging. Sollte ich mich etwa wegen eines Mannes mit meiner Freundin streiten?

Ausgerechnet der eine Mann, der mich sofort verzauberte, interessierte sich nun für meine einzige Freundin. Wo bleibt da die Gerechtigkeit? Und warum ist er so unentschlossen? Hätte er in München doch einfach nach meiner Nummer gefragt!, dachte ich auf dem Heimweg.

Doch dann rief er mich. Er hatte mich gehen sehen und war hinterhergelaufen.
Warum sind Sie gegangen?
Wissen Sie, dass Kathi und ich Freundinnen sind? Und dass sie Sie mag?
Zwischen uns ist nichts und wird nichts. Ich habe sie nur mal mitgenommen, und jetzt spinnt sie sich was zusammen. Aber ich bin froh, dass ich ihrer Einladung gefolgt bin denn wegen Ihnen bin ich hierhergezogen

Er brachte mich nach Hause. Was für ein Mann! Wieder keine Nummer. Daheim sah ich zehn verpasste Anrufe von Kathi. Ich hatte mein Handy vergessen.

Das hätte ich nicht von dir erwartet. Was bist du für eine Freundin? Mir den Mann vor der Nase weggeschnappt!, schrie Kathi, als ich zurückrief.
Kathi, ich habe ihn auf der Konferenz kennengelernt. Kathi, ich habe ihn auf der Konferenz kennengelernt. Bevor du ihn kanntest. Ich wusste nicht, dass du ihn meinst, als du von ihm erzählt hast. Und er hat mir gesagt, dass er wegen mir hierhergezogen ist, nicht wegen dir. Es blieb still am anderen Ende der Leitung. Dann legte sie auf.

Ein Jahr später heiratete Alexander mich. Kathi kam nicht zur Trauung. Drei Jahre lang sprachen wir kein Wort miteinander. Dann rief sie an nicht um zu gratulieren, nicht um sich zu entschuldigen, sondern weil sie Hilfe brauchte. Ihr Sohn hatte Angstzustände, der Schulpsychologe empfahl eine Therapie.

Ich nannte ihr den Namen einer guten Kinderpsychologin. Und nach einer Pause fragte ich, ob sie mitkommen wolle. Nicht als Freundin, noch nicht. Aber vielleicht als jemand, der sich langsam wieder annähert.

Sie kam. Wir tranken Kaffee im Wartezimmer. Niklas lächelte mich an. Und irgendwann, als die Sonne durch das Fenster fiel und Leni stolz ihre erste Zahnspange zeigte, spürte ich, wie etwas, das gebrochen war, ganz leise anfing, sich zu flicken.

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Echte Frauenfreundschaft: Stark, vertrauensvoll und unzerbrechlich
… Hay que dar a luz lo antes posible, — exclamó la abuela María, bajándose de la cama.