LEBENSWEISHEIT «Plüschige Leckereien

Lebenskompetenz das PfannkuchenPrinzip

Kurt, wie konntest du nur? Wir haben doch noch über diese ungewaschene Dorfmagd gelacht! rief ich, während ich aus der Tür trat und meinen Mann maßlos tadelte.
Na, verzeih, Heike, das war ein Missverständnis. Ich verstehe selbst nicht, wie ich plötzlich im Bett von Pfannkuchen gelandet bin murmelte Kurt, die Stirn runzelnd, fluchte leise und zog nervös an seiner Zigarette.

In unser Hauszelle zog eine neue Familie ein: Nils, Liese und ihre fünfjährige Tochter Viktoria. Wir beide waren etwa dreißig, unser Sohn sechs, die Neuankömmlinge um die fünfundzwanzig. Da wir auf derselben Etage wohnten, lernte man sich schnell kennen.

Liese war ein sehr tüchtiges Mädel vom Lande, das das Kochen über alles liebte. Torten, Muffins und Strudel hatten bei ihr einen Ehrenplatz. Wahrscheinlich deshalb stapfte Liese mit einem großen Topf in die Küche. Kurt und ich nannten sie aus Spaß Pfannkuchen, weil sie so rund und fluffig wirkte. Die Küche von Liese war vollgestellt mit Einmachgläsern voller Konserven in dieser Hinsicht konnte ich ihr nicht das Wasser reichen.

Ich hielt mich jedoch für eine hübsche, gepflegte Frau. Liese trug stets einen abgewetzten Hausmantel und einen knappen Zopf im Haar. Ihr schlanker Mann Nils, dünn wie ein Strohhalm, und die pummelige Tochter waren immer gut gesättigt. Das war Lieses einziges Talent. Trotzdem freundete ich mich mit ihr. Nils war oft unterwegs, weil er Fernfahrer war.

Er hatte Liese in einem abgelegenen Dorf entdeckt, als er in einem Dorfladen Zigaretten kaufen wollte. Liese war sofort von dem hageren Fremden begeistert. Nils hatte kaum eine Chance, ihr unbemerkt zu entkommen.

Neun Monate später schenkte Liese dem wandernden Fernfahrer eine Tochter. Nils brachte Liese und das Kind in die Stadt. Als er meiner Mutter die plötzlich gewachsene Familie vorstellte, lehnte sie sowohl die Bauernmagd Liese als auch die neugeborene Enkelin strikt ab. Nils musste daraufhin eine eigene Wohnung mieten.

Kurt klagte ständig über Lieses Äußeres.
Wie kann man sich selbst nicht lieben? Eine Frau muss schimpfte er immer wieder.

Eines Tages wurde Kurts Mutter krank, nur leicht, doch wir kümmerten uns abwechselnd um sie. Nach einiger Zeit beschlossen wir, eine Pflegekraft zu suchen. Liese meldete sich freiwillig.
Ich nehme das Stückchen Arbeit gern für euch an. Und ich muss meinem Mann noch ein Geschenk besorgen ein Gummiboot für Angeltouren. Sagt Nils nichts, das soll eine Überraschung bleiben freute sich Liese über die Möglichkeit, ein bisschen dazuzuverdienen.

Liese, fütter meine Schwiegermutter nicht mit deiner Küche, sie hat wegen der Krankheit keinen Appetit bat ich Pfannkuchen.

Kurz darauf wurde ich beruflich für mehrere Wochen in eine andere Stadt entsandt. Ich gab Kurt, meinem Sohn und Liese die Anweisungen und flog davon.

Ein Monat später kehrte ich zurück. Kurt wich meinem Blick aus, Liese bemühte sich, nicht mit mir zu kollidieren.
Mama, koch die Kartoffeln, wie Tante Liese sie macht. Und das FrikadellenRezept hat mir besonders gut gefallen, sagte mein Sohn plötzlich vom Türrahmen aus.
Hat dich Tante Liese eingeladen? fragte ich misstrauisch.
Ja, sie hat uns Viktoria mitgebracht, und unser Vater hat sie wieder abgeholt, berichtete mein Sohn.

Mir dämmerte, dass Nils gerade unterwegs war, ich aber noch immer auf Dienstreise war. Am Abend, nachdem ich meinem Mann ein herzhaftes Mahl serviert hatte, zog ich ihn zu einem offenen Gespräch.
Kurt, ich weiß alles, verschließe dich nicht. Der Junge hat alles erzählt, sagte ich, obwohl ich hoffte, irgendetwas erfinden zu können.
Heike, da war nichts. Pfannkuchen wollte nur den Wasserhahn reparieren, antwortete Kurt ohne Erröten.
Ganz locker, entspann dich. Du hast dich wohl an Liese gerührt, seufzte ich erleichtert.

Doch plötzlich hielt Kurt häufiger bei seiner kranken Mutter und blieb dort lange. Ich besuchte die Schwiegermutter; sie war ruhig, gepflegt, aber allein. Ich suchte nach meinem Mann und nach Pfannkuchen

Ich klopfte an Lieses Wohnungstür.
Die erschöpfte Liese öffnete, im Hintergrund lag mein müde Mann im Bett. Als gebildete Frau ging ich wortlos zurück nach Hause. In meinem Kopf drehte sich alles! Kurt, der Liese einst als unordentliche Köchin bezeichnet hatte, vergnügte sich heimlich mit ihr! Ich konnte kaum glauben, dass ich eifersüchtig auf diese Hausfrau war.

Als Kurt hinter mir herstürmte, wies ich ihn verächtlich ins Bad.
Nimm eine Dusche, wasch dich gründlich! Hast du dich spaßig amüsiert? Ich erzähle alles Nils. Er wird dich zur Rechenschaft ziehen! drohte ich und lachte zugleich. Ich stellte mir vor, wie der schlanke Nils mit geballten Fäusten vor Kurts Nase wackelte.

Liese bekannte Nils schließlich die Affäre. Ich weiß nicht, wie Nils reagierte, aber eine Woche später zog das Paar aus. Beim Abschied sah Nils mich an und sagte stolz:
Es ist nicht verwunderlich, dass das so kam. Wer könnte meiner Liese widerstehen?

Eine Weile später traf ich Liese zufällig wieder.
Hallo, Freundin! Noch immer beleidigt? Das war vergebens. In unserem Dorf gibt es immer genug Ärger. Ich habe nichts zu verlieren, und dein Mann hat Freude. Du bist ja oft auf Dienstreise Man sollte einen hungrigen Mann nicht lange allein lassen, lehrte mich Liese die ländliche Lebensweisheit.

Ich hielt das kleine Mädchen an der Hand, das meiner Vorstellung nach meinem Mann zum Verwechseln ähnelte. Und ich begriff: Vertrauen und Ehrlichkeit sind das wahre Fundament einer Beziehung; ohne sie zerbricht selbst das schönste PfannkuchenRezept.

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