Oma hat nicht mehr lange, Zeit ihr Haus zu verkaufen…

Die Oma hatte nicht mehr lange zu leben, und es war Zeit, ihr Haus zu verkaufen…
Als Marlene mit vierundzwanzig Jahren beschloss, im Haus ihres Großvaters zu bleiben, hielten einige sie für verrückt.

Jung, gesund, könnte in der Stadt Arbeit finden! Und dann hier alte Leute, Garten, Armut, tuschelten die Leute im Laden.
Doch Marlene kaufte schweigend ein und ging den Feldweg zurück. Hier kannte man sie: die Enkelin von Niklas Eberhard und Anneliese Petermann, die Studentin, die erst zu Besuch kam und dann blieb. Der Opa war schwach geworden, vergaß oft, wo seine Brille war oder dass er Hühner fütterte. Die Oma hielt sich tapfer, doch Bluthochdruck und Atemnot erinnerten an ihr Alter.

Marlene kochte, putzte, fuhr den Opa zum Arzt, stand nachts auf, wenn die Oma Schmerzen hatte. Das Haus verfiel das Dach leckte, der Ofen bröckelte. Doch mit einem kleinen Nebenjob und der mageren Rente des Opas begann Marlene, alles zu reparieren. Die Nachbarn halfen manchmal. Das Dach wurde geflickt. Dann baute jemand einen neuen Ofen. Im nächsten Jahr stellten sie ein kleines Häuschen im Garten auf, wo sie selbst wohnte. Wenn es schwer wurde, streichelte sie ihre Katze Knödel, wärmte sich am Ofen und dachte nach.

Eines Tages sagte der Opa, aus dem Fenster starrend:
Marlene, du bist wie ein Licht im Fenster. Verlässt du uns nicht?
Wo soll ich denn hin, Opa?, antwortete sie.
Er holte eine Mappe aus einer alten Kiste und reichte sie ihr:
Hier, ich hab was vorbereitet. Haus, Grundstück. Damit die da nichts wegnehmen.

Marlene öffnete es ein notariell beglaubigtes Testament. Alles korrekt, mit zwei Zeugen und dem Bürgermeister als Amtsperson. Sie nickte nur und verstaute das Papier.

Niklas Eberhard starb Anfang März. Die Beerdigung war still, die Nachbarn kamen, weinten. Marlenes Mutter, Lena, lebte in der Stadt und kam selten. Doch Onkel Volker tauchte unerwartet auf. Mit Frau und Geschenken. Er wohnte lange in einem Vorort, erinnerte sich nur an Feiertagen an die Eltern, wenn überhaupt.

Marlene stand mit einer Schaufel am Gewächshaus. Volker stieg aus dem Auto, in neuen Sneakers und einer dünnen Jacke. Hinter ihm seine Frau Sabine gepflegt, mit langen Nägeln, fröstelnd die Schultern umarmend.

Mama!, rief Volker und stürzte auf Anneliese zu, die gerade mit einem Besen auf der Treppe stand. Endlich sind wir da! Konnten uns früher nicht freimachen, aber jetzt wir mussten einfach kommen.
Er umarmte sie, küsste sie auf die Wange. Sie lächelte verlegen.
Kommt rein, wir trinken wenigstens Tee.

Marlene folgte ihnen. Volker lächelte ihr zu, nickte mit einem Hauch von Herablassung.
Marlene, hallo. Immer noch hier, was?

In der Küche wurde es lebhaft. Sabine setzte sich, ohne den Mantel auszuziehen.
Mama, hier ist es ja … gemütlich. Aber kalt. Keine Heizung?
Der Ofen. War immer so, antwortete Anneliese.
Ja, genau, das meine ich. Wie schaffst du das alleine? Ist das nicht zu viel?
Marlene hilft, winkte sie ab. Sie hält alles am Laufen.

Volker warf Marlene einen Blick zu.
Respekt, echt. Aber … du bist jung. Wirds dir nicht langweilig? Das ist doch nicht deins.
Marlene sah ihn an.
Ach? Ich habe investiert, als wärs meins. Von eurer Hilfe hab ich nichts gesehen.

Sabine schnaubte.
Marlene, du sitzt doch im Homeoffice. Was hast du denn investiert? Einkaufen ist kein Investment.
Ich hab das Dach repariert. Den Ofen neu gebaut. Das Häuschen im Garten.
Schwarzbau, warf Volker ein. Wer hat dir das erlaubt?

Er stellte die Tasse ab.
Mama, ich sags dir direkt. Es geht nicht um Marlene. Aber … das hier ist zu viel für dich. Und ehrlich, das hier ist das letzte Kaff. Verkauf es. Wir finden Käufer. Das Geld wäre für dich zum Leben. Und du könntest bei uns wohnen. Wir sind doch Familie.

Marlene stellte langsam ihre Tasse ab.
Ihr wart fünf Jahre nicht hier. Nur mal eine SMS. Und jetzt auf einmal so herzlich?

Volker grinste.
Das musst du nicht beurteilen, Kleine. Du bist nur vorübergehend hier. Der Opa hat dich aufgenommen, da kannst du dankbar sein.
Aufgenommen?, Marlene stand auf. Ich habe nachts bei ihm gesessen, als er hustend nach Luft rang. Ich habe ihn gewaschen. Und ihr ihr habt nicht mal angerufen!
Das gibt dir keine Rechte am Eigentum, klar?

Anneliese sagte scharf:
Hört auf. Streitet nicht. Ich lebe noch. Und es gibt nichts zu verteilen.

Doch Volker war jetzt in Fahrt. Er sah seine Mutter an.
Mama, du verstehst doch … Das gehört dir. Du bist die Eigentümerin. Und Marlene … Sie mag nett sein, aber was kommt danach?

Marlene drehte sich zur Oma. Anneliese wich ihrem Blick aus.
Er ist mein Sohn. Er will helfen. Ich … ich bin verwirrt. Mach mir keine Vorwürfe, Marlene.

Sabine fügte süßlich hinzu:
Marlene, hör mal. Wie lange willst du noch hier hocken? Du bist jung und verbringst deine Zeit mit Medikamenten und Hühnern. Das ist nicht normal. Willst du hier alt werden?

Marlene ging nach draußen.
Sie blieben beim Tee.

Ein paar Tage später
Was ist das?, fragte Marlene.
Papiere. Ich habe das Grundstück verkauft.

Marlene hörte ein Rauschen in den Ohren.
Was? An wen?
Käufer aus dem Nachbarort. Volker hat geholfen.
Das ist das Grundstück, auf dem mein Haus steht!
Das Haus ist nicht eingetragen. Existiert offiziell nicht. Und das Land ist meins.

Marlene schwieg lange.
Du hast unterschrieben, weil Volker dir was eingeredet hat?
Er kümmert sich. Er ist mein Sohn. Mein Fleisch und Blut. Und du …
Und ich was?

Anneliese drehte sich weg, als hätte sie Marlenes Hilfe vergessen.
Ich habe keine Kraft zum Streiten. Geh.
Oma, du hast mir vertraut! Ich habe für dich und Opa gesorgt …
Dafür hast du hier gewohnt! Alles umsonst!

Sie versuchte, mit der Oma zu reden, zeigte ihr das Testament. Die winkte ab.
Das hat dein Opa im Delirium geschrieben. Ungültig. Das Haus steht auf meinem Namen. Was willst du beweisen?

Marlene ging zu einem örtlichen Anwalt. Der sagte sofort:
Schwierig, aber nicht aussichtslos. Das Testament ist korrekt, wenn Form und Zeugen stimmen. Du musst beweisen, dass du das Erbe angetreten hast gelebt, investiert. Zeugen sind wichtig! Wer sah, wie du dich gekümmert hast, gebaut, Geld reingesteckt hast alles zählt!

Ich habe Zeugen. Quittungen. Die Krankenschwester, die oft kam. Der Bürgermeister, der beim Testament dabei war. Nachbarin Gisela, die beim Baumaterial half. Rechnungen für Dach, Ofen, Reparaturen.

Bei der ersten Verhandlung sagte Volkers Anwalt:
Die Klägerin hat keinen Eigentumsnachweis. Sie ist keine Erbin, das Testament ist nicht notariell. Außerdem gehörte alles Anneliese.

Hat die Klägerin gelebt und investiert?, fragte die Richterin.
Nun … aus Nächstenliebe, familiär. Ohne Verpflichtung.
Genauer: Wer hat für Reparaturen gezahlt? Wer hat gewohnt? Wer hat gepflegt?

Die Verhandlung zog sich hin.
Nach zwei Monaten sprach das Gericht Marlene einen Teil des Grundstücks zu den im Testament erwähnten. Der Verkauf wurde für ungültig erklärt. Volker musste den Käufern das Geld zurückgeben.

Und die Oma …
Marlene … vergib mir. Ich wusste nicht, dass er mit Gaunern deals macht. Ich wollte das Beste … Sie verstand die Machenschaften nicht.

Du hast mein Haus verkauft, Oma. Wenn du das Beste wolltest, hättest du mit mir geredet. Nicht mit denen, die zwanzig Jahre nichts von euch wissen wollten.

Lass uns neu anfangen? Ich mache eine Schenkung. An dich. Damit alles legal ist. Aber sei … nicht böse auf eine alte Frau.

Marlene ging mit ihr zum Amt. Es ging schnell.
Sie begann wieder zu renovieren. Gas wurde angeschlossen. Die Oma saß im Sessel am Fenster, streichelte Knödel.

Du bist stark, Marlene. Nicht wie mein Sohn. Ich dachte, er sei klug. Doch er ist faul. Habe ich ihn falsch erzogen? Tränen standen in ihren Augen.

Zwei Wochen später stand Volker mit Papieren vor der Tür.
Ich klage. Sie war nicht bei Sinnen, als sie die Schenkung machte. Ich bin ihr Sohn, ich habe Rechte.

Das Gericht entschied schnell. Marlene brachte ein Arztzeugnis: Die Oma war klar im Kopf, handelte freiwillig. Die Schenkung blieb. Die Klage wurde abgewiesen.

Marlene stand auf der Treppe, sah auf Haus, Garten, Kirschbaum. Sie hatte es schon immer als ihr Zuhause gesehen. Jetzt war ihre Seele ganz ruhig.

Sie lächelte und band sich ein Tuch um.
So viel gab es noch zu tun!

Am Ende bleibt: Wahre Familie zeigt sich nicht im Erbe, sondern in der Liebe, die man gibt selbst wenn andere sie vergessen.

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