– Zina, deine Enkel haben alle meine Heidelbeersträucher zerstört! Die Nachbarin war nicht mal überrascht. – Na und? Das sind doch nur Kinder. – Wie, na und? Sie haben meine ganze Ernte ruiniert! – Tonja, reg dich doch nicht so auf.

Vor vielen Jahren, in einem beschaulichen Dorf in Bayern, lebte Antonina Müller mit ihrem Mann Peter auf ihrem großen Grundstück. Fünfzehn Morgen Land, die Hälfte davon ein prächtiger Gemüsegarten mit Kartoffeln, Karotten und Kohl, die andere Hälfte ein Obstgarten voller Apfel- und Birnbäume. Doch ihr ganzer Stolz waren die Heidelbeersträucher, die sie vor fünf Jahren gepflanzt hatte. Endlich, in diesem Sommer, würde die erste reiche Ernte kommen.

Nebenan wohnte ihre Nachbarin Zina Schneider, eine Frau mit fünf Enkelkindern, die jeden Sommer zu ihr kamen. Antonina freute sich über das fröhliche Kinderlachen, das den Hof erfüllte. «Tante Toni, dürfen wir bei euch spielen?», fragten die Kinder oft. «Natürlich, meine Lieben», antwortete sie dann. «Aber passt auf die Beete auf.»

Doch eines Morgens fand Antonina ihre Heidelbeersträucher fast leer. Statt praller Beeren hingen nur noch grüne, unreife Früchte daran. «Peter, komm schnell!», rief sie entsetzt. «Wo sind nur all die Beeren hin?»

Am Abend beobachtete sie heimlich den Garten und sah, wie Zinas Enkel durch eine Lücke im Zaun schlüpften und die restlichen Beeren abpflückten. «Schaut mal, wie blau sie sind!», jubelte die Jüngste. Antonina trat hervor: «Was macht ihr denn da?» Die Kinder erstarrten. «Wir wollten nur ein paar probieren», stammelte der dreizehnjährige Max.

Wütend marschierte Antonina zu Zina. «Deine Enkel haben alle meine Heidelbeeren abgeerntet!» Zina zuckte nur die Schultern. «Ach, sind doch nur ein paar Beeren. Kinder sind halt neugierig.» Antonina war fassungslos. «Fünf Jahre habe ich darauf gewartet und jetzt ist alles weg!»

Doch Zina blieb gleichgültig. In den folgenden Tagen verschwanden auch die Brombeeren und die noch unreifen Trauben. Als Antonina sich erneut beschwerte, lachte Zina nur. «Die Kinder haben halt probiert und gemerkt, dass sie sauer sind. Was solls?»

Antonina konnte es nicht fassen. «Sie ruinieren mir den ganzen Garten!» Doch Zina blieb hart: «Dann bau halt einen höheren Zaun, wenns dich stört.»

Also ließ Antonina einen neuen, stabilen Zaun errichten. Zina spottete: «So geizig, dass ihr euch sogar vor Kindern abschottet!» Die Enkel versuchten vergeblich, neue Lücken zu finden, und bald begannen sie, Antonina zu ärgern sie warfen Steine über den Zaun oder schütteten Wasser in ihren Garten.

Die Nachbarn flüsterten: «Die Müllerin ist so knausrig, sie gönnt den Kindern nicht mal ein paar Beeren!» Zina erzählte überall ihre Version, und langsam glaubten ihr die Leute. Antonina fühlte sich ungerecht behandelt. Sollte sie wirklich die Böse sein, nur weil sie ihren Garten schützen wollte?

Als der Sommer endete und die Kinder abreisten, blieb Antonina mit einem bitteren Gefühl zurück. Der Garten, einst ihre Freude, war jetzt ein Ort des Streits. Was würde der nächste Sommer bringen? Würden die Neckereien weitergehen? Und wer würde am Ende recht behalten?

Manchmal fragte sie sich: Hätte sie anders handeln sollen? Doch eine Antwort fand sie nicht.

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