Ich lade dich zu dir ein

Ich lade dich zu dir ein sagte HansMichael Berger und schob den leeren Teller mit den Kohlrouladen beiseite. Dein Vater hatte einen erstklassigen Chefkoch gefunden. Aber Salate sind nicht immer ein Treffer. Der heutige CaesarSalat ist höchstens mittelmäßig, die Croutons sind weich. Wer hat die denn gemacht?

Für die Salate ist Frau Gerda Kopp zuständig, antwortete Anneliese.

Gerda sollte endlich in Rente gehen und den Enkeln Kuchen backen. Ich suche schon Ersatz, sagte er lachend.

Wie bitte?, fragte Anneliese erstaunt. Ich habe Sie gar nicht darum gebeten. Und mit Gerda bin ich zufrieden ihre Frikadellen kommen aus der ganzen Stadt.

Das Rezept kriegen wir bald. Und jüngere Kellner finden wir auch, meinte HansMichael.

Ich will niemanden einstellen!, protestierte Anneliese.

Dann wird es nicht passieren. Der Laden wird bald anderen gehören.

Aber das Erbe ist doch meins!

Das Erbe ist deine Wohnung, deine Bankkonten. Und die Drei Orangen waren nicht nur das Projekt deines Vaters, sondern auch mehrerer einflussreicher Investoren. Die übernehmen das Restaurant.

Und ihr seid dabei? Ihr wart doch Freunde meines Vaters

HansMichael zuckte mit den Schultern: Geschäft. Nichts Persönliches. Wir kaufen den Betrieb von dir zu einem fairen Preis.

Der Preis war fair nur aus Käufersicht für die Verkäufer war er eher symbolisch.

Annelieses Vater, ein einflussreicher Gastronom, hatte einst kleine Kneipen betrieben und dann das beliebte Restaurant im Zentrum von Berlin am ehemaligen Knochenhaus eröffnet. Nach dem Studium übergab er Anneliese die Verantwortung für die Marktbeschaffung, ließ sie jedoch nie in die Küche, weil er seine Profis brauchte.

Obwohl ihr Vater inzwischen eine neue Partnerin eine erfolgreiche Chirurgin hatte, hielt er Anneliese stets nahe. Die neue Freundin sah das Restaurant eher kühl, deshalb stand im Testament nur die Drei Orangen für die Tochter.

Er hatte das Testament vermutlich verfasst, als er von einer unheilbaren Krankheit erfuhr manche Krankheiten besiegt selbst der beste Chirurg nicht.

Nach seinem Tod lief das Restaurant weiter, geführt von einem Manager. Anneliese brachte sich jedoch mit viel Einsatz ein, wollte neue Gerichte entwickeln und das Interieur modernisieren. Das Team schätzte sie, weil man sich lange kannte und wie eine große Familie zusammenarbeitete.

Dann kamen neue Eigentümer. Anneliese erwartete, dass jemand gierig nach den Drei Orangen greifen würde aber nicht so dreist. Viel eher war es ein hinterhältiger Schlag von HansMichael, der sie noch als Kind mit ihrem Vater in den Freizeitpark gebracht hatte. Er besaß die Fahrgeschäfte dort und nicht nur in einem Park.

Der Vater kannte zahlreiche einflussreiche Beamte und Geschäftsmänner, die Anneliese als Kind wie großzügige Onkel behandelten, fast wie Zauberer, weil sie ihr teure Spielzeuge schenkten, sobald sie nach einem wünschten.

Jetzt griffen diese guten Zauberer das Restaurant an und das dreist.

Annelieses Mann Kurt, der bei der Deutschen Bahn arbeitete, sah die Sache nüchtern:

Ich habe dir schon lange gesagt, das Gaststättchen ist ein kriminelles Geschäft. Verkaufe es für jedes Geld, dann ist Schluss. Du könntest an den Bahnhof einen Imbiss eröffnen das läuft gut, man sieht täglich die Schlange vor der ChurrosStange.

Hier ist jeder Zentimeter des Platzes schon vergeben, und die Drei Orangen sind ein Andenken an meinen Vater.

Wir haben noch das Schrebergartenhaus das ist auch ein Andenken. Und die Wohnung, wenn man das klar macht. Da drin schwimmen Haie, das sag ich dir.

Die Haie zeigten sich nie, nur HansMichael tauchte regelmäßig auf, sprach über den Verkauf, aß seine Kohlrouladen und bezahlte sie mit übertriebener Höflichkeit. Eines Tages sagte er:

Du bist zu stur, Mädchen. Ich rede hier nur väterlich mit dir. Andere könnten kommen

Droht ihr mir?

Ich? Gott bewahre! Ich kümmere mich um dich, nicht um mich selbst.

Ihr habt ja kein Interesse am Verkauf? Ich glaube da nichts.

Ein bisschen schon. Die Leute, die an den Drei Orangen interessiert sind, sind weitaus einflussreicher und mächtiger. Sie könnten das Restaurant einfach übernehmen, ohne Konsequenzen.

Und so begann es. Erst tauchten finstere Gestalten auf, die fast sämtliche Räume inspizierten, die Tomatenkisten umwarfen und behaupteten, Annelieses Vater schulde ihnen ein astronomisches Geld.

Später flammten im Abendbetrieb Schlägereien und Alkoholdelikte auf, was zuvor nie vorkam. Die Gäste blieben aus, suchten ruhigere Lokale. Eines Morgens stand das Personal vor einer offenen Tür, hinter der im Saal ein richtiger Plünderungsakt stattgefunden hatte. Auf der Küche lag das Durcheinander aller Kühlschränke die Spirituosen blieben aus unerklärlichen Gründen unberührt.

Anneliese ließ den Vorfall von ihrem Studienfreund Boris Schiller, einem ehemaligen Klassenkameraden, aufnehmen. Sie erzählte ihm alles, beginnend mit HansMichael.

Boris schüttelte den Kopf:

Er ist kaum der Schuldige. Man hat ihn nur als Mittelsmann benutzt, weil ihr euch kennt. Wir vermuten, dass ein großer Fabrik- und Zeitungsbesitzer, ehemals Stadtverwalter, dahintersteckt. Er kennt den Weg zu fremdem Eigentum. Und bei dem Plünderungsakt gibt es merkwürdige Spuren.

Welche denn?

Kein Aufbruchspuren am Schloss, die Alarmanlage hat nicht geklingelt jemand hat sie ausgeschaltet und den Schlüssel weitergegeben. Also gibt es wohl einen Verräter im Team.

Bei uns gibt es keinen Verräter, alle arbeiten schon lange.

Dann wurde jemand bestechen oder erpresst.

Kurz darauf erreichte die Gefahr auch ihr Zuhause. Kurt stellte ein Ultimatum:

Entweder verkaufst du das Lokal, oder ich gehe. Am Eingang wird mir schon zum zweiten Mal mit einem Messer die Tür offen gehalten. Wenn ich dich nicht überzeugen kann, geht das auf mich zu. Ich will nur leben.

Du willst fliehen, also? Und du hast doch versprochen, meine Stütze zu sein.

Eine normale Ehefrau, nicht die, die mit Löffeln und Gabeln an die Frontlinie wirft.

Kurz darauf verließ er das Haus, nahm alles mit, sogar die Tasse, die Anneliese ihm einst geschenkt hatte.

Boris kommentierte philosophisch:

Ein solcher Ehemann nimmt nur unnötig Wohnfläche ein. Vor einem Jahr habe ich mich von meiner Partnerin getrennt, verdiene wenig und bin selten zu Hause. Hat sich dein Restaurant nach dem Sprengschlag erholt?

Ja, längst.

Dann lade ich dich zu einem Essen ein. Ich zahle alles, und ich bewache deine Lokale, damit niemand mit einer Knüppel hereinkommt.

Anneliese dachte, dass er bei der ersten Gefahr nicht so schnell wegspringen würde. Warum hatte sie ihn im Unterricht kaum beachtet?

Ein halbes Jahr später tauchte in der Stadt ein ehemaliger Beamter auf, der nicht nur die Drei Orangen, sondern auch ein großes Einkaufszentrum und einen Untergrundparkhaus beanspruchte dank einer ganzen organisierten Gruppe, das ist jedoch eine andere Geschichte.

Der Verräter im Team stellte sich als Barkeeper Viktor heraus, den Boris schnell überführte. Viktor hatte hohe KneipenRechnungen, die ihn belasteten. Er wurde gezwungen, die Alarmanlage auszuschalten und einen Schlüsselskandal zu organisieren.

Eines Tages kam HansMichael vorbei, fragte nach dem Geschäft und erzählte müde, dass bei ihm ebenfalls Schwächen entdeckt wurden, nicht alle Fahrgeschäfte legal seien er wurde also erpresst.

Anneliese ließ den Groll los und lud ihn erneut ein.

Beim Abschied fragte HansMichael:

Wird dich jetzt die Polizei beschützen? Ich sah gerade einen Polizisten in dein Büro kommen.

Beschützt, lächelte Anneliese, das ist mein zukünftiger Ehemann, Boris. Unsere Hochzeit ist in einer Woche im Restaurant.

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Ich lade dich zu dir ein
Heartbreak Overwhelmed the Young Woman’s Heart