– Was denn? Wir sind seit zehn Jahren verheiratet! Welche Geliebte? Mir reicht doch schon du!

Was soll das? Wir sind seit zehn Jahren verheiratet! Was für eine Geliebte? Du reicht mir völlig!

Ulrike konnte nichts dagegen tun. Es war, als würde sie es mit jedem Poren ihres Körpers spüren ihr Mann betrog sie. Die Ungewissheit nagte an ihr. Einmal fasste sie sich ein Herz und konfrontierte ihn direkt.

Sie fragte, ob es stimme oder nicht, doch er antwortete nur:

Was soll das? Wir sind seit zehn Jahren verheiratet! Was für eine Geliebte? Du reicht mir völlig!

Auf den ersten Blick klang Wolfgang ehrlich und aufrichtig. Sie fand keinen Fehler in seinem Lächeln, seinen Worten oder seinem Blick und doch blieb dieses seltsame Gefühl.

Ulrike war nicht die Frau, die sich dem Schicksal ergab. Sie war entschlossen, der Sache auf den Grund zu gehen. Doch wie?

Nachdem sie im Internet Rat gesucht hatte, beschloss sie, erst einmal sein Handy zu überprüfen. Doch sie fand nichts Verdächtiges. Höchstens belanglose Unterhaltungen mit ein paar ehemaligen Klassenkameradinnen, aber das beunruhigte sie nicht. Na und?

Ein Passwort hatte er nie gebraucht. Was sollte ich auch verbergen?, sagte er immer. Keine geheimen Chats, keine gelöschten Nachrichten. Fast wie ein Engel in Menschengestalt.

Manchmal dachte Ulrike, sie bilde sich alles nur ein doch jedes Mal, wenn er sich verspätete, kribbelte es wieder in ihr.

Ihre Freundin sagte immer:

Das sind alles nur deine Einbildungen! Wolfgang liebt dich und würde nie fremdgehen! Mit deinen Verdächtigkeiten ruinierst du nur alles!

Doch Ulrike hörte nicht auf sie. Ihr Herz flüsterte etwas anderes, und einen Mann mit einer anderen Frau zu teilen, kam für sie nicht infrage.

Einmal wagte sie es sogar, ihn zu überprüfen. Sie stürmte in sein Büro, um zu sehen, ob er wirklich arbeitete oder doch mit einer anderen unterwegs war. Als er sie sah, wurde er wütend. Du machst mich vor den Kollegen lächerlich!, schimpfte er. Sie entschuldigte sich lange, doch er vergab schnell.

Eigentlich lief alles gut in ihrem Leben. Ein Haus, zwei heranwachsende Kinder. Man hätte zufrieden sein können doch nicht Ulrike. Sie schien sich selbst Probleme zu suchen.

Wie es so schön heißt: Wer sucht, der findet! Nur bei ihr klappte es noch nicht.

Insgesamt war Ulrike sehr beunruhigt, wie es oft bei Frauen Anfang dreißig ist, die nicht allein mit zwei Kindern dastehen wollen.

Äußerlich wirkte sie ruhig, doch innerlich brodelte es.

Nichts deutete auf Wolfgang hin. Kein Lippenstift auf seinem Hemd, kein fremder Duft, nicht einmal eine Veränderung seines Lebensstils und doch fühlte sie, dass etwas nicht stimmte.

Wäre da nicht ein Zufall gewesen, hätte Ulrike vielleicht nie die Wahrheit erfahren. Ob erfunden oder echt? Das würde sich zeigen.

Als ihr jüngster Sohn in die erste Klasse kam, beschloss Ulrike, Auto fahren zu lernen. Abends nach der Arbeit besuchte sie die Fahrschule. Drei Monate später bestand sie die Prüfung und erhielt ihren Führerschein.

Wolfgang war so stolz, dass er ihr ein Auto kaufte. Klein, aber immerhin ein eigenes.

Ulrike selbst war zierlich und nicht groß. Für sie war es perfekt, und das Parken ging leichter.

Wolfgang würde es nie zugeben, aber er kaufte das Auto nur, damit sie nicht sein geliebtes Audi benutzte. Er fand, sie sollte erst mehr Erfahrung sammeln. So erklärte er es ihr.

Doch dann, an einem Wochenende, wachte Ulrike früher als sonst auf und beschloss, für die Familie einen Auflauf mit Hähnchen und Paprika zu machen. Sie alle liebten ihn. Als sie anfing, merkte sie kein Mehl mehr da.

Draußen war es eisig, Schnee lag hoch, aber sie hatte schon gelernt, im Winter zu fahren. Sie wollte schnell zum Supermarkt. Doch ihr Auto sprang nicht an. Leise kehrte sie ins Haus zurück alle schliefen noch.

Zu Fuß durch die Kälte? Nein. Also beschloss sie, ohne Erlaubnis Wolfgangs Audi zu nehmen. Es waren ja nur ein paar Kilometer. Er würde es nie erfahren.

Sie nahm die Autoschlüssel und ging nach draußen. Während der Wagen warmlief, wollte sie die Scheiben putzen. Sie griff ins Handschuhfach, wo er immer Putztücher hatte und stieß dabei auf etwas, das zu Boden fiel.

Sie hob es auf ein Handy. Aber wem gehörte es?

Wolfgangs Handy kannte sie genau, und das hier war es nicht. Zuerst dachte sie, er hätte es versehentlich mitgenommen doch ihr Finger drückte auf den Knopf, und das Display leuchtete auf.

Die erste Nachricht war von einer gewissen Sabine.

Mein Liebling, ich vermisse dich so sehr! Komm schnell zu mir! Ich warte sehnsüchtig!

Ulrike blinzelte verblüfft. Kein Passwort also las sie weiter. Der Motor lief, doch sie war gefesselt.

Die Konversation war lang. Fast ein ganzes Leben.

Es stellte sich heraus: Wolfgang arbeitete nur bis fünf, kam aber erst um sieben nach Hause. Ulrike wäre nie auf die Idee gekommen, das zu überprüfen.

Fast jeden Tag besuchte er seine geliebte Sabine für eine Stunde, bevor er nach Hause kam. Und die Worte, die er ihr schrieb, hatte Ulrike noch nie von ihm gehört.

Auf den Fotos war eine ältere Frau, Ende vierzig. Was wollte er von ihr?

Ulrikes Wut kochte über.

Gerade als sie aussteigen wollte, sah sie Wolfgang aus dem Haus kommen.

Sie hatte einen Zettel hinterlassen: Bin kurz einkaufen. Er nutzte die Gelegenheit, um seiner Sabine eine Nachricht zu schicken.

Jetzt fiel Ulrike ein: Wolfgang ging oft abends zum Auto. Mal hatte er die Brieftasche vergessen, mal etwas anderes. Fast täglich. Doch weil er schnell zurückkam, hatte sie nie etwas geahnt.

Wolfgang sah sie am Steuer seines Audis und stürmte wütend heran.

Wer hat dir das erlaubt? So war das nicht abgesprochen!

Ulrike sah ihn und ihre Wut explodierte.

Sie schnallte sich an, legte den Rückwärtsgang ein und trat voll aufs Gas. Mit einem Ruck fuhr der Wagen rückwärts in den Gartenzaun. Irgendwie fühlte sich das befreiend an.

Sie stieg aus und starrte Wolfgang an. Dann schrie sie:

Geh doch zu ihr! Mal sehen, ob sie dich noch will, wenn du kein Auto und kein Zuhause mehr hast! Verschwinde! Ich will dich nicht mehr sehen!

Zum Beweis warf sie die Autoschlüssel in den tiefen Schnee und ging zurück ins Haus.

Die Jungs waren inzwischen wach. Sie verstanden nicht, was los war. Minuten später versuchte Wolfgang einzutreten doch Ulrike schloss die Tür.

Geh zu ihr! Vergiss den Weg hierher!, schrie sie durchs ganze Haus.

Wolfgang blieb nichts übrig. In Hausschuhen, Morgenmantel und Jacke trottete er zu seiner geliebten Sabine. Er dachte, sie würde ihn aufnehmen. Doch weit gefehlt.

Sabine öffnete doch aus der Wohnung rief eine Männerstimme:

Schatz, kommst du bald? Ich warte schon!

Wolfgang kam nur unter der Woche. An Wochenenden nie. Wie sich herausstellte, hatte auch Sabine zwei Verehrer. Warum sollte sie am Wochenende allein sein?

Sie sah ihn schuldbewusst an und schloss die Tür.

Also stapfte Wolfgang zur Wohnung seiner Mutter. Sie lebte zwei Straßen weiter.

Als Helga ihn sah, verstand sie sofort. Sie nahm ihn auf, wärmte ihn, fütterte ihn, hörte sich seine Geschichte von der bösen Frau an, die ihn grundlos rausgeworfen hatte und sagte tröstend:

Mach dir keine Sorgen, mein Junge! Wer hätte gedacht, dass sich deine Ulrike so aufführt? Dein Glück kommt noch! Du bist erst fünfunddreißig! Du wirst noch die richtige Liebe finden, da bin ich sicher!

So blieb Wolfgang bei seiner Mutter. Er beschloss, neu anzufangen. Fast freute er sich sogar bis Ulrike Unterhalt forderte. Da merkte er, dass ein Neuanfang nicht so einfach sein würde. Zumindest hatte er noch seine Mutter. Sonst wäre er verloren gewesen.

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