Entschuldigt meine dumme Kuh! Wieder frisst sie ohne Maß! Arsenijs Stimme, sonst sanft und selbstsicher, peitschte diesmal durch den Raum wie ein Schlag ins Gesicht und zerriss die festliche Stimmung. Jeder spürte den Schmerz.
Anna erstarrte mit der Gabel in der Hand, verwandelte sich in eine Statue aus Scham und Unglauben. Das Stück Schinken auf der Gabel erreichte nie den Teller, blieb auf halbem Weg stecken. Zart wie Herbstlaub saß sie ihrem Mann gegenüber und spürte die Blicke der Gäste stechend, mitleidig, verwirrt. Ihr Körper fühlte sich plötzlich fremd an, schwer, und ihr Herz schlug bis zum Hals.
Max, Arsenijs bester Freund, verschluckte sich an seinem teuren Champagner die goldenen Bläschen zischten im Glas wie sein empörtes Schweigen. Seine Frau Veronika öffnete den Mund zu einem perfekten Kreis der Überraschung, aber kein Laut überwand den Kloß der Peinlichkeit in ihrem Hals. An dem prächtig gedeckten Tisch breitete sich eine erstickende Stille aus, dick wie Pudding, in der selbst das Rascheln der Wimpern wie Verrat klang.
Arsenij, was sagst du da? Max wagte es als Erster, das Schweigen zu brechen, seine Stimme klang heiser und unsicher.
Was ist denn? Darf man jetzt nicht mehr die Wahrheit sagen? Arsenij lehnte sich theatralisch in seinem massiven Stuhl zurück, sichtlich amüsiert über die Wirkung. Meine kleine Dummchen hat wieder zu viel gegessen, es ist peinlich, sich mit ihr zu zeigen! Sie kocht, als würden wir drei Gäste haben, nicht nur zwei.
Anna saß da, ihr Gesicht brannte. Doch es war nicht Scham es war die Hitze der Demütigung, die sie von innen verzehrte. Bittere Tränen stiegen auf, aber sie schluckte sie hinunter, wie sie es in drei Jahren Ehe gelernt hatte. Zuerst weinte sie in ihr Kissen, dann im Badezimmer, und irgendwann versiegten die Tränen. Wozu auch? Sie machten den Peiniger nur stärker.
Ach, hör auf, Arsenij, murmelte Sergej unsicher vom anderen Ende des Tisches, bemüht, den Abend zu retten. Anna ist eine Schönheit, eine Seele von Mensch.
Schönheit? Arsenij schnaubte, sein Lachen klang falsch und scharf wie Metall. Hast du sie mal ohne all das Make-up gesehen? Morgens, wenn sie noch ganz natürlich ist? Manchmal wache ich auf und erschrecke mich! Wer liegt da neben mir?
Jemand kicherte nervös, doch verstummte sofort unter Veronikas strengem Blick. Anna legte die Gabel langsam auf den Teller. Das Klirren war leise, doch es schnitt durch die Stille wie ein Messer. Sie stand auf, ohne ein Wort zu sagen, ohne Tränen, ohne Zittern. Ihre Hände lagen ruhig an den Seiten, ihr Rücken gerade wie ein Strich. Sie ging zur Garderobe, zog Mantel und Schal an, öffnete die Haustür und trat hinaus in die Kälte der Dezembernacht. Hinter ihr fiel die Tür ins Schloss, sanft, aber endgültig.







