*»Ich war mit deinem Mann zusammen, während du krank im Bett lagst», grinste die Freundin. «Und jetzt nehme ich ihn – und das Haus – mit…»*

Ich war mit deinem Mann zusammen, während du krank im Bett lagst, lächelte die Freundin. Und jetzt nehme ich ihn und das Haus mit.

Ich war mit deinem Mann zusammen, während du krank warst, sagte Sabine und strich sich eine perfekt sitzende Strähne aus dem Gesicht. Ihre Stimme klang ruhig, fast gelangweilt, als würde sie nur das Wetter kommentieren.

Katharina drehte langsam den Kopf auf dem Kissen, das sich anfühlte, als wäre es mit Steinen gefüllt. Der muffige Geruch von Medikamenten im Schlafzimmer vermischte sich mit dem scharfen, aufdringlichen Duft von Sabines Parfüm. Es schien, als hätte sich dieser Geruch schon in die Tapeten, die Vorhänge, in das ganze Haus gefressen und alles Vertraute verdrängt.

Und jetzt nehme ich ihn und das Haus. Oliver hat schon alles unterschrieben. Mach dir keine Sorgen, ich bestelle dir ein Sozialtaxi.

Sabine ließ ihren Blick durch das Zimmer schweifen, als wäre sie bereits die Herrin des Hauses. Ihr Auge blieb an dem antiken Schminktisch aus Karelischer Birke hängen Katharinas einzigem Erbstück. Ihr Lächeln war scharf und schmal wie die Klinge eines Skalpells.

Katharina starrte die Frau an, die sie zwanzig Jahre lang ihre Schwester genannt hatte. Zwanzig Jahre gemeinsamer Feste, anvertrauter Geheimnisse, Tränen, die sie sich gegenseitig von den Schultern gewischt hatten. Zwanzig Jahre, die sich nun auf einen einzigen Satz reduzierten, der in das stickige, schmerzerfüllte Schlafzimmer geworfen wurde.

Das konntest du nicht tun, flüsterte Katharina. Ihre Stimme klang fremd, gebrochen, wie eine zerkratzte Schallplatte.

Warum nicht? Sabine ging zum Fenster und riss die schwere Gardine beiseite, sodass grelles Tageslicht hereinfiel. Katharina kniff unwillkürlich die Augen zusammen. Du warst immer zu brav, Kathi. Zu bequem. Hast du gedacht, deine Selbstaufopferung sei eine Tugend? Nein, Liebes. In der heutigen Welt ist das nur Schwäche. Eine Ressource, die man nutzen muss.

Oliver, ihr Mann, erschien im Türrahmen. Er sah sie nicht an sein Blick blieb auf dem Parkettmuster haften. In der Hand hielt er einen Koffer. Katharinas alten Geschäftsreisekoffer, den sie seit Jahren nicht mehr geöffnet hatte.

Oliver? Ihr Ruf enthielt die letzte, verzweifelte Hoffnung.

Er zuckte zusammen, seine Schultern sackten noch weiter herab, doch er hob die Augen nicht.

Es tut mir leid, Kathi. Das ist besser so. Für alle. Seine Stimme klang dumpf, als käme sie durch eine dicke Wasserschicht.

Sabine lachte kurz und triumphierend.

Siehst du? Er widerspricht nicht einmal. Männer mögen Stärke, Taten, Leidenschaft. Und du du bist nur der Hintergrund. Gemütlich, warm, aber verblasst. Vor dem ich noch heller strahle.

Sie trat ans Bett und beugte sich so nah herab, dass Katharina ihren heißen Atem auf der Wange spürte.

Ich habe in deinem Bett geschlafen, deine Seidenbademäntel getragen, während du um dein Leben gekämpft hast. Und er hat mich angesehen, wie er dich nie angesehen hat. Mit Hunger. Mit echter Begierde.

Jedes Wort war ein berechneter, perfekt gesetzter Schlag. Kein Geschrei, kein Drama. Nur dieser ruhige, giftige Flüster und das schuldige Schweigen des Mannes, der ihr einst ewige Liebe versprochen hatte.

Verschwinde, sagte Katharina so leise, dass sie es selbst kaum hörte.

Oh, ich gehe. Aber nicht allein. Sabine richtete sich auf und nickte Oliver mit einer königlichen Geste zu. Schatz, hilf mir. Katharinas Sachen müssen raus. Sie soll sich nicht aufregen.

Oliver trat ins Zimmer und hob endlich den Blick. In seinen Augen lag eine graue, zähe Leere. Gehorsam nahm er den gepackten Koffer und trug ihn hinaus, ohne die Möbel zu streifen.

Katharina sah ihnen nach. Der physische Schmerz ihrer Krankheit wich für einen Moment, verdrängt von etwas anderem etwas Kaltem, Hartem, das sich in ihr verfestigt hatte. Plötzlich verstand sie: Sie hatte all die Jahre in einer Illusion gelebt.

In einem gemütlichen, selbst erschaffenen Kosmos, der nicht erst heute zerbrochen war. Er war längst tot, sie hatte es nur nicht wahrhaben wollen.

Als die Haustür ins Schloss fiel und sie abschloss, lag Katharina regungslos da. Dann stand sie langsam auf, kämpfte gegen Übelkeit und Schwindel an.

Ihre Beine zitterten und gehorchten nicht. Sie ging zum Schminktisch. Ihr Spiegelbild war blass, abgezehrt, mit dunklen Ringen unter den Augen. Doch die Augen selbst sie waren anders. Keine Angst, keine Tränen mehr nur ein trockener, ausgebrannter Frieden.

Sie nahm ihr Telefon. Ihre Finger zitterten, doch sie wählte die Nummer, die sie auswendig kannte.

Herr Wagner? Guten Tag. Katharina Meier. Ja, Olivers Frau. Ich brauche dringend Ihre Hilfe. Mein Mann hat anscheinend einen schweren Fehler begangen.

Am anderen Ende der Leitung entstand eine Pause. Herr Wagner, Olivers langjähriger Geschäftspartner, ein Mann der alten Schule, hatte keine Geduld für Dramen oder hysterische Frauen.

Katharina, was ist passiert? Ist mit Oliver alles in Ordnung?

Alles andere. Er hat gerade meinen Koffer aus unserem gemeinsamen Haus getragen. Zusammen mit meiner besten Freundin.

Wieder eine Pause, diesmal angespannt.

Verstehe. Geld? Dokumente? Was hat er unterschrieben? Herr Wagners Stimme wurde hart, geschäftsmäßig.

Sie sagte: alles. Das Haus. Vermutlich auch die Konten. Sie ist sicher, Herr Wagner. Sie hat nicht den geringsten Zweifel. Das ist keine einfache Affäre.

Wo bist du jetzt?

Noch hier. Aber ich bleibe nicht. Ich gehe in die Wohnung an der Elbe. Omas alte.

Gut. Das ist richtig. Rühre nichts an, Katharina. Sprich mit niemandem. Ich bin in einer Stunde da. Und versuch dich zu erinnern, was Oliver in den letzten sechs Monaten über Geschäfte gesagt hat. Jedes Detail. Besonders neue Projekte. Namen. Ich komme.

Katharina legte auf. Eine Stunde. Sie hatte eine Stunde. Sie ließ den Blick durch das Schlafzimmer schweifen, das plötzlich fremd wirkte. Schwäche überkam sie in Wellen, doch jetzt trieb sie etwas anderes an mehr als nur der Wille zu leben.

Sie ging zum Kleiderschrank. Sabines Sachen hingen zwischen ihren eigenen. Katharina packte nichts ein. Stattdessen ging sie zur Wand hinter ihrem Schrank und drückte auf eine unauffällige Holzverkleidung. Ein kleiner Safe öffnete sich. Oliver hatte geglaubt, nur er wüsste davon. Doch Katharina kannte ihr Haus schließlich hatte sie es erschaffen.

Darin lagen Dokumente und ein paar USB-Sticks. Sie nahm nicht den alten, sondern den neuesten, den sie vor Monaten dort versteckt hatte, und steckte ihn in die Tasche. Dann schrieb sie eine kurze Nachricht an einen alten Bekannten aus der IT-Sicherheit und drückte auf Senden.

Als sie das Haus verließ, sah sie nicht zurück. Sie ließ nicht nur zwanzig Jahre Ehe hinter sich. Sie ließ die Katharina zurück, die vergeben, geduldet und geglaubt hatte.

Die Wohnung an der Elbe empfing sie mit dem Geruch alter Bücher und Staub. Katharina setzte sich an den Küchentisch, spürte, wie die Wände dieses Ortes sie beschützten.

Genau eine Stunde später kam Herr Wagner. Er setzte sich ihr gegenüber und legte eine Ledermappe auf den Tisch.

Erzähl.

Und Katharina erzählte. Von der Krankheit. Wie Sabine täglich gekommen war. Wie Oliver sich entfernt hatte, von einem komplizierten Projekt redend.

Projekt Herr Wagner rieb sich die Schläfen. Er nannte es Phönix. Ich war strikt dagegen. Zu riskant, fast schon betrügerisch. Aber Oliver hörte nicht auf mich.

War das ihre Idee? fragte Katharina leise.

Sabines? Jetzt bin ich mir sicher. Sie arbeitete bei einer Konkurrenzfirma, die wir letztes Jahr fast ruiniert haben. Das ist ihre Rache. Der perfekte Plan. Sie fand die Schwachstelle deinen Mann, geblendet von Gier und neuer Leidenschaft.

Herr Wagner öffnete die Mappe.

Das Schlimmste ist, er hat meinen digitalen Schlüssel für den Kreditvertrag benutzt. Einen riesigen, mit unserer gesamten Firma als Sicherheit. Ich war in der Schweiz, bei einer OP, als er anrief. Sagte, es ginge um Leben und Tod. Ich glaubte ihm. Idiot.

Katharina sah ihn an, und eine eiskalte Klarheit erfüllte sie.

Er hätte das nie allein geschafft. Dazu fehlte ihm das Wissen.

Aber er hat es getan.

Nein. Katharina schüttelte den Kopf. Er war nur der Ausführende. Sie hat ihn geführt. Ich fand ihre Notizen in unserem Cloud-Speicher. Oliver war unvorsichtig, dachte, ich verstehe nichts von diesen Ordnern. Da waren Pläne, Berechnungen. Schritt-für-Schritt-Anweisungen für ihn.

Sie zog den USB-Stick aus der Tasche.

Mein Bekannter hat ihn entschlüsselt. Das ist Olivers Arbeitsarchiv. Er machte immer Backups. Da sind alle Transaktionen des letzten Jahres. Und Nachrichten. Nicht an mich natürlich. Unter falschen Adressen. Aber ich denke, man kann beweisen, wer dahintersteckt.

Herr Wagner sah den Stick an, dann Katharina. In seinen Augen kämpften Staunen und Respekt.

Katharina ich habe dich unterschätzt.

Das haben alle, antwortete sie, und in ihrer Stimme lag keine Bitterkeit, kein Schmerz. Nur eine ruhige, eisige Sicherheit. Und das war ihr größter Fehler.

Die nächsten Tage wurden die Wohnung an der Elbe zum Hauptquartier. Herr Wagner holte seinen Anwalt, Schneider, hinzu.

Sie arbeiteten fast ununterbrochen. Katharina, physisch schwach, schien unerschöpflich eine neue, unbekannte Kraft trieb sie an. Sie verglich Daten, erinnerte sich an Gesprächsfetzen, fand die nötigen Dateien in den kopierten Archiven.

Es stellte sich heraus: Sabine hatte ein Doppelspiel gespielt. Sie wollte nicht nur Rache an ihrer alten Firma. Sie plante, Olivers Unternehmen und die Gläubiger in den Ruin zu treiben und alles Geld auf Offshore-Konten zu verschieben.

Oliver war in diesem Plan nur ein Werkzeug, das man später entsorgen würde.

Wir haben alles, was wir brauchen, sagte Schneider. Betrug in besonders schwerem Fall.

Das ist zu wenig, entgegnete Katharina entschlossen. Gefängnis ist zu einfach. Sie sollen das Gleiche fühlen wie ich. Die Leere.

Herr Wagner sah sie aufmerksam an.

Was schlägst du vor?

Vereinbart ein Treffen. Morgen. In unserem alten Büro. Sagt, schweizer Investoren für Phönix seien angekommen. Sabine wird die Chance nicht verpassen, sich zu präsentieren. Sie wird kommen, um ihren Triumph zu genießen.

Am nächsten Tag lag Spannung in der Luft. Oliver und Sabine betraten gemeinsam den Raum. Er angespannt. Sie strahlend, in einem Kleid, das ein Jahresgehalt ihrer Sekretärin wert war.

Am Tisch saßen nur Herr Wagner und Katharina.

Wo sind? begann Oliver.

Es gibt keine Investoren, Oliver, sagte Herr Wagner ruhig. Der Investor bin ich.

Sabine schnaubte verächtlich.

Herr Wagner, ersparen Sie uns die Szene. Alles ist legal. Und das Haus er hat es mir geschenkt.

Sie warf Katharina einen herausfordernden Blick zu.

Du hättest dich besser um deinen Mann kümmern sollen, Liebes. Statt in Krankenhäusern herumzuliegen.

Katharina antwortete nicht. Sie drückte nur einen Knopf am Projektor. Auf der Leinwand erschienen die Dokumente aus der Cloud Pläne zur Geldverschiebung, Anweisungen für Oliver. Dann Screenshots von Sabines Nachrichten mit einer Offshore-Firma, in denen sie besprach, wie sie die Gläubiger und Oliver selbst nach dem Deal betrügen würde.

Sabines Gesicht erbleichte. Oliver starrte auf die Leinwand, und in seinen Augen spiegelte sich blankes Entsetzen. Er drehte sich zu Sabine um, und sein Blick war jetzt von Hass erfüllt er verstand, dass auch er betrogen worden war.

Herr Wagner legte einen Stapel Papiere auf den Tisch.

Das ist die Anzeige bei der Polizei. Und das sind die Unterlagen zur Übertragung deines Firmenanteils, Oliver. Du wirst sie unterschreiben. Jetzt.

Ich ich unterschreibe alles, flüsterte Oliver. Sie sie hat alles geplant! Ich wollte das nicht!

Es war das Ende. Nicht laut, nicht dramatisch. Still und erbärmlich. Der Verräter verriet seine Komplizin.

Sabine sprang auf, ihr Gesicht verzerrt von Wut.

Das wirst du bereuen, du Schlange!

Nein, sagte Katharina ruhig und stand auf. Bereuen wirst nur du. Dass du die leise, schwache Frau unterschätzt hast. Und jetzt verschwindet.

Sie gingen. Herr Wagner lehnte sich schwer in seinen Sessel zurück.

Gratulation, Katharina. Wir haben die Firma gerettet.

Katharina ging zum Fenster. Das Leben ging weiter. Sie spürte weder Freude noch Rache nur eine tiefe, befreiende Erleichterung.

Ein Monat später kehrte sie in ihr altes Haus zurück um ihre Sachen zu holen. Das Haus stand leer und hallte. Der Duft von Sabines Parfüm war längst verflogen. Nur ein Hauch von Verwüstung blieb. Katharina empfand keine Wehmut. Dieses Haus war nur eine schöne Kulisse gewesen.

Ihr wahres Zuhause war Omas Wohnung. Katharina war gelernte Restauratorin und kehrte nun zu ihrer Leidenschaft zurück. Sie begann mit einer alten Kommode. Indem sie alten Dingen Leben einhauchte, schien sie sich selbst zu heilen.

Eines Abends kam Herr Wagner vorbei. Er brachte die erste Dividende aus Olivers Anteil, der nun ihr gehörte.

Danke, sagte Katharina. Aber ich möchte das Geld investieren. Und für Sie arbeiten. Nicht als Sekretärin. In Ihrer Firma gibt es ein Archiv, das seit dreißig Jahren niemand geordnet hat. Lassen Sie mich das in Ordnung bringen.

Herr Wagner hob die Augenbrauen, dann lachte er.

Katharina, Sie überraschen mich immer wieder. Natürlich.

Als er gegangen war, stand Katharina am Fenster. Die Stadt erleuchtete. Sie war nicht mehr krank, nicht mehr schwach, nicht mehr bequem. Sie war einfach Katharina eine Frau, die ihr Leben zurückerobert hatte.

Epilog. Zwei Jahre später
Zwei Jahre waren vergangen. Katharina stand in ihrer hellen, großen Werkstatt. Es roch nach Holz, Terpentin und frisch gebrühtem Kaffee. Die Backsteinwände, wie in ihrer Wohnung an der Elbe, hatte sie unberührt gelassen ehrlich und echt.

Das Archiv von Herrn Wagners Firma hatte sie perfekt geordnet. In einem halben Jahr akribischer Arbeit hatte sie nicht nur Dokumente sortiert, sondern auch vergessene Verträge gefunden, die der Firma hohe Gewinne brachten. Beeindruckt von ihrer Genauigkeit und ihrem analytischen Verstand, bot Herr Wagner ihr eine Stelle als Finanzanalystin an. Katharina lehnte höflich ab.

Sie investierte ihren Gewinn in ihren Traum eine eigene Restaurierungswerkstatt. Nun arbeiteten drei Lehrlinge für sie, und Aufträge waren ein halbes Jahr im Voraus vergeben. Ihr Name war unter Antiquitätenliebhabern bekannt sie verstand es, selbst hoffnungslosen Dingen ihre Seele zurückzugeben.

Manchmal dachte sie an die Vergangenheit ohne Schmerz, nur mit der kühlen Neugier einer Forscherin.

Von Oliver erfuhr sie zufällig. Eine entfernte Verwandte aus seiner Heimatstadt rief an: Er sei gealtert, eingefallen, arbeite als kleiner Angestellter im Rathaus und lebe bei seiner Mutter. Mehrmals hatte er versucht, ein Geschäft zu gründen, doch jedes Mal scheiterte er schnell und machte Schulden.

Er hatte nie verstanden, dass sein Erfolg immer sie gewesen war seine stille, bequeme Ehefrau, die für Harmonie sorgte und ihn vor Dummheiten bewahrte. Ohne sie war er nichts.

Einmal rief er sie an. Katharina erkannte die Nummer, nahm aber trotzdem ab. Er stammelte etwas über Vergebung, dass er unrecht gehabt habe, dass Sabine ihn verhext hatte, und bat schließlich um Geld nicht viel, nur für den Anfang.

Du hattest Geld, Oliver. Und ein Haus. Und ein Leben, das du gegen eine glänzende Hülle eingetauscht hast, antwortete sie ruhig. Lerne, mit den Konsequenzen zu leben.

Sie legte auf. Er rief nicht wieder an.

Sabine hatte weniger Glück. Dank Herrn Wagners Kontakten und ihren ehemaligen Partnern aus dem Phönix-Projekt entging sie dem Gefängnis, verlor aber alles ihren Ruf, ihren Job, ihre Wohnung, ihr Auto. Alles wurde versteigert, um Schulden zu begleichen.

Das letzte Mal sah Katharina sie zufällig Sabine verließ einen Billigsupermarkt mit einer Plastiktüte in der Hand. Erloschener Blick, scharfe Falten um den Mund, geschmacklose Kleidung. Ihre Blicke trafen sich nur für einen Moment. In Sabines Augen lag keine Reue nur bösartige, ohnmächtige Wut. Sie glaubte noch immer, Katharina sei schuld, habe ihren Triumph zerstört. Sie hatte nie begriffen, dass sie sich selbst zerstört hatte.

Katharina wich ihrem Blick nicht aus. Sie nickte nur ruhig, wie man einen flüchtigen Bekannten grüßt und ging weiter. Nichts war geblieben. Keine Freundschaft, kein Groll. Nur verbrannte Erde.

Abends kam Herr Wagner in ihre Werkstatt. Er schaute oft vorbei nicht aus Pflicht, sondern weil er es mochte. Im Stuhl zu sitzen, der nach Wachs roch, Kaffee zu trinken und zu plaudern. Nicht über Geschäfte über Bücher, Musik, alte Filme.

Ich bin müde, gestand er und nahm die Tasse. Manchmal möchte ich alles hinschmeißen und selbst anfangen, etwas zu polieren.

Einfacher, als es aussieht, ist das nicht, lächelte Katharina und strich über die Oberfläche eines antiken Tisches.

Ich weiß. Du hast mich gelehrt, dass die wertvollsten Dinge Geduld und Ehrlichkeit brauchen, sagte er warm. Ich bin froh, dass du damals, vor zwei Jahren, angerufen hast.

Ich auch, antwortete sie aufrichtig.

Ihre Beziehung blieb warm und freundschaftlich. Mehr brauchten sie nicht. Dieses ruhige, ehrliche menschliche Wärme reichte.

Als er gegangen war, blieb Katharina allein in der Werkstatt. Sie stellte leise Musik an, zog die Schürze über und machte sich an die Arbeit. Die Nacht lag vor ihr voller Hingabe, voller Liebe zum Detail.

Sie fürchtete die Einsamkeit nicht mehr. Sie hatte verstanden: Einsamkeit und Ganzheit sind verschiedene Dinge. Man kann unter Menschen sein und sich leer fühlen. Oder allein und in Harmonie. Sie hatte das Zweite gewählt. Und zum ersten Mal im Leben war sie wirklich glücklich.

Und ein Jahr später gründete sie wieder eine Familie sie lernte, zu vertrauen, ohne Angst zu haben. Denn jeder verdient eine zweite Chance auf ein glückliches Leben.

Оцените статью
*»Ich war mit deinem Mann zusammen, während du krank im Bett lagst», grinste die Freundin. «Und jetzt nehme ich ihn – und das Haus – mit…»*
The Insatiable Relatives