Morgen besuche ich meine zukünftige Schwiegermutter. Meine verheirateten Freundinnen haben mich mit ihren Ratschlägen fast zu Tode erschreckt:

März 12, 2025 Tagebuch

Morgen soll ich zur Verlobten meiner zukünftigen Schwiegermutter fahren. Meine verheirateten Freundinnen haben mich fast bis zur Nervenflut beruhigt und zugleich eingeschüchtert:

Denk dran, halt dich majestätisch, du bist nicht zufällig im Schrottplatz gelandet
Setz dich nicht zu tief auf die eigene Kehle, setz sofort alle Punkte über das i.
Gute Schwiegermütter gibt es ja nicht
Du hast sie glücklich gemacht, nicht umgekehrt

Ich ließ die Augen die ganze Nacht nicht schließen; bis zum Morgengrauen sah ich aus, als wäre ich frisch aus dem Sarg gekrochen. Auf dem Bahnsteig traf ich die Verlobte, und wir bestiegen den Regionalzug die Fahrt dauert etwa zwei Stunden.

Der Zug durchquert ein kleines Städtchen, dann ein verschneites Tal. Die Luft ist beißend kalt, riecht nach Tannenzweigen und frischgebackenen Lebkuchen. Der Schnee glitzert unter der Sonne, knirscht unter den Stiefeln. Die Tannenzapfen rascheln im Wind. Ich zitterte, doch zum Glück tauchte ein Dorf auf.

Eine knochige, alte Frau in einer zerschlissenen Strickjacke, mit geflickten Hausschuhen und einem löchrigen, aber sauberen Kopftuch stand vor dem Tor. Wenn sie mich nicht angesprochen hätte, wäre ich vorbeigegangen:

Halli, Mädel, ich bin Ursula, die Mutter von Viktor. Schön, dich kennenzulernen. Sie zog mit ihrer runzligen Hand eine pelzige Handschuhe aus ihrer Tasche und reichte sie mir. Der Händedruck war fest und durchdringend. Ihr Blick, versteckt hinter dem Kopftuch, war scharf wie ein Pfeil. Gemeinsam gingen wir den verschneiten Pfad zu einem kleinen Häuschen aus verwittertem Holz. Innen wärmte ein rot glühender Ofen das Zimmer.

Ein Wunder! 80Kilometer von Berlin und plötzlich mitten im Mittelalter. Das Wasser kam aus einem Brunnen, die Toilette war ein Loch im Freien, ein Radio gab es nicht in jedem Haus, und alles war schwach beleuchtet.

Mama, lass uns das Licht anmachen, schlug Viktor vor. Seine Mutter schaute missbilligend:

Willst du etwa im Dunkeln sitzen oder dir die Zunge verbrennen? Ihr Blick fiel auf mich: Natürlich, mein Sohn, natürlich, ich wollte gerade das Lampenkabel drehen. Sie drehte die alte Birnenlampe über dem Küchentisch. Ein schwaches Licht erhellte einen Meter Raum.

Hungrig, nicht wahr? Ich habe Nudeln gekocht, ihr könnt euch an der heißen Suppe bedienen. Wir setzten uns, sahen uns an, und sie flüsterte warme Worte, doch ihr Blick blieb wachsam. Ich fühlte, wie meine Seele von ihr durchleuchtet wurde. Mit den Augen traf sie mich, schnippte mit dem Brot, schob Holz in den Ofen und murmelte:

Ich stelle den Kessel hin, dann trinken wir Tee. Der Tee hat ein kleines Kännchen, ein Deckel, ein Stück Tannenzapfen, ein Loch, aus dem Dampf steigt. Der Tee ist nicht gewöhnlich, er hat Beeren. Der Himbeergeist wird dich erwärmen und die Kälte vertreiben. Es gibt keine Krankheit, die hier bleibt. Bedient euch, meine lieben Gäste, alles ist hier.

In meinem Kopf war ich ein Schauspieler einer alten Filmkulisse, bis der Regisseur rufen würde:

Dreh ist beendet. Danke an alle.

Die Wärme, das Essen und der Himbeertee ließen mich fast erstickt vor Zufriedenheit. Ich wollte mich für ein paar Stunden in ein Kissen kuscheln, doch dann kam die nächste Anweisung:

Kinder, geht zur Bäckerei, kauft ein paar Kilo Mehl. Wir müssen Kuchen backen, am Abend kommen Varvara und Gerd mit ihren Familien, Ludmila aus Berlin will die zukünftige Schwiegertochter kennenlernen. Ich brate jetzt Kohl für die Füllung, koche Püree.

Während wir uns anzogen, holte Ursula einen Kohlkopf aus unter dem Bett, schnitt ihn klein und sagte:

Der Kohl bekommt einen Haarschnitt, wird zu einer kleinen Röhre.

Wir liefen durch das Dorf, alle stoppten, grüßten uns, die Männer zogen die Hüte ab, verneigten sich und schauten hinter uns her.

Die Bäckerei liegt im Nachbardorf, den wir durch den Wald erreichen. Auf dem Rückweg sah ich Tannen, die wie kleine Hüte auf den Ästen saßen. Die Sonne leuchtete spielerisch auf den schneebedeckten Felsen, zurück zum Dorf schien ein gelbliches Licht. Der Wintertag war kurz.

Zurück im Häuschen sagte Ursula:

Mach dich bereit, Liselotte. Ich stampfe den Schnee, damit die Mäuse nicht an den Bäumen nagen. Ich nehme Viktor mit, um den Schnee unter die Bäume zu werfen.

Wenn ich das Mehl nicht gekriegt hätte, hätten wir nicht so viel zu backen. Ursula trällerte weiter:

Wie groß die Arbeit auch ist: Wenn du anfängst, schaffst du es. Der Anfang ist hart, das Ende süß.

Allein mit dem Mehl stand ich da, unsicher, aber ich musste loslegen. Ein Kuchen rund, ein anderer lang; einer in Handfläche, der andere so groß wie ein Tisch. Der eine war gefüllt, der andere kaum. Einer war dunkel, der andere hell. Oh, ich war erschöpft! Später erklärte Viktor, dass seine Mutter die Prüfung für die zukünftige Ehefrau organisierte.

Die Gäste strömten herein wie ein reicher Strom. Alle waren blond, blauäugig, lächelten. Ich versteckte mich hinter Viktor, schämte mich.

Ein runder Tisch stand in der Mitte des Raumes, ich wurde auf ein Bett mit den Kindern gesetzt ein Holzgestell, das bis zur Decke reichte. Die Kinder sprangen, mir wurde schwindelig. Viktor brachte eine Kiste, bedeckte sie mit einer Decke. Ich saß wie eine Königin auf einem Thron zur Bewunderung aller.

Ich aß weder Kohl noch gebratene Zwiebeln, sondern schlug mir den Bauch voll mit dem Kuchen, bis das Haus knarrte.

Als es dunkel wurde, gab es im Haus ein schmales Bett neben dem Ofen, die anderen schliefen im Saal. Das Haus ist eng, aber besser zusammen. Für mich war ein speziell für mich geschnitzter Schrank mit frischer Bettwäsche bereitgestellt das war beängstigend. Ursula deckte zu und sagte:

Geht, das Haus ist voll, die Küche heiß, aber der Wirt hat keinen Platz zum Ausruhen!

Zukünftige Verwandte legten sich auf Decken, die vom Dach heruntergefallen waren.

Ich musste zur Toilette. Ich schlüpfte aus dem hölzernen Gefängnis, tastete den Boden, um nicht zu stolpern. Im Flur war es dunkel, ein pelziges Tier kratzte an meinen Beinen. Ich erschrak, dachte, es sei eine Ratte, und schrie. Alle lachten: Ein Kätzchen, das tagsüber herumstreunt und nachts nach Hause kommt.

Mit Viktor ging ich zur Notdurft, keine Tür, nur eine Trennwand. Viktor stand mit dem Rücken zu mir, entzündete ein Streichholz, damit ich nicht ins Dunkel fiel.

Zurück im Bett schlief ich ein: die Luft war frisch, kein Autolärm nur das leise Rauschen des Dorfeichenwindes.

**Lehre:** Egal wie fremd und rau ein Ort erscheint, wenn man mit offenem Herzen und ein wenig Geduld dabei ist, findet man Wärme, Gemeinschaft und ein Stück Heimat, das man nie vergisst.

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Morgen besuche ich meine zukünftige Schwiegermutter. Meine verheirateten Freundinnen haben mich mit ihren Ratschlägen fast zu Tode erschreckt:
Пожилая дочь с мешком тайн и письмо, которое изменило всё — что случилось дальше — невозможно забыть!