Liebes Tagebuch,6.Mai2025
Heute war wieder einer dieser Tage, an denen das Familienleben sich wie ein dampfender Topf voll Sauerkraut und Rindfleisch anfühlte ein echter HausmannskostKampf. Meine Frau, die resolute Marlene, fuchtelte mit einer Ladung roter Tomaten und einem Haufen vom letzten Jahr übriggebliebener Weißkohl durch die Küche.
Du hast doch schon wieder Bohnensuppe für die Gäste vorbereitet?, schnüffelte ich skeptisch, während der Duft von gebratenen Zwiebeln und Kohl die Luft erfüllte. Die kommen aus Berlin, da erwarten sie doch irgendwas Feineres als einfach nur Bohnensuppe. Was hast du denn sonst noch vorbereitet?
Marlene knurrte und ließ einen Topf voller Frikadellen auf den Tisch fallen. Noch ein Salat mit Mayonnaise, ein paar Pfannkuchen und ein wenig Aufschnitt alles ist bereit. Und jetzt lass mich in Ruhe, alter Knacker. Ich schaffe das auch ohne dich. Sie riss den Schürzenvorhang ab, ließ ihn zur Seite fallen und rief: Bleib hier, bis ich die Pfanne ausstelle!
Ich stand ratlos da, zog die Hose zurecht und warf einen flüchtigen Blick auf den Herd.
Wohin gehst du? fragte ich, halb verwirrt.
Zum Empfang meiner Enkelkinder, sagte sie und meinte damit den kleinen Freund, den ihr Sohn, der inzwischen 37Jahre alt ist, nach Hause gebracht hat. Er hat gleich ein Paket mit ein paar Getränken und ein Geschenk für mich dabei.
Während Marlene ihr Haar im Spiegel richtete, dachte ich an die Zeiten zurück, als sie noch die strahlende Schönheit war, die jede Party mit einem Lächeln erhellte. Jetzt fühlte ich, wie die Jahre ihr die Jugend aus den Haaren gerissen hatten, doch ihr Mut war ungebrochen.
Im Flur hörte ich das Klingeln des Aufzugs und das Geräusch der Straße, die im Mai so frisch und klar war. Draußen sah ich die silberne Limousine meines Sohnes, Lukas, die wie ein Spiegel die Sonne reflektierte.
Lukas stieg aus, ein wenig zerzaust, aber mit einem Lächeln, das nur ein junger Mann nach einem langen Tag im HomeOffice tragen kann. Neben ihm stand eine junge Frau, die ich noch nie zuvor gesehen hatte.
Mama, das ist meine Freundin, die Annika, stellte er mich vor.
Guten Tag, sagte Annika höflich, während Marlene plötzlich aus dem Schatten trat und fast zusammenzuckte: Gguten Tag
Ich dachte bei mir, endlich ein Gesicht, das nicht von Schnörkeln und extravaganten Trends überladen ist. Annika wirkte bodenständig, fast wie eine echte Ländlerin aus Brandenburg.
Möchtest du etwas auspacken?, fragte Lukas und zeigte auf den Kofferraum, wo ein Paket mit umweltfreundlichen Reinigungsmitteln und ein kleiner Geschenkkarton lagen.
Bitte, nimm das Paket selbst, bat er Annika, weil er dachte, das Gewicht könnte ihr zuviel werden. Marlene nahm es widerwillig, fast maschinell, und brachte es in den Flur.
Wir setzten uns schließlich an den großen Eichentisch, und die Suppe dampfte schon. Annika schöpfte ohne großes Aufsehen einen Löffel ab und begann zu essen, während sie schüchtern über ihre Arbeit als Umweltinspektorin sprach.
Ist das dein richtiger Job? fragte Marlene neugierig.
Ja, ich bin fest angestellt, antwortete Annika.
Siehst du, Lukas, du hast seit zehn Jahren keinen Arbeitsvertrag, und wenn du krank wirst, was dann mit deiner Rente?, schimpfte Marlene, während sie die Suppe weiter umrührte.
Lukas lachte nur und meinte: Mutter, ich habe nicht vor, bis zur Rente zu arbeiten ich will einfach nur glücklich sein.
Plötzlich sprang unser Sohn auf, rief: Ein Toast! Auf die Zukunft! und griff nach einem Pfannkuchen, den er gerade aus der Pfanne zog.
Annika stand auf und sagte: Ich habe ein kleines Geschenk für dich, Marlene. Sie öffnete die Kiste und zeigte uns ein Set aus biologisch abbaubaren Reinigungsmitteln, die aus Früchten und Gemüse hergestellt wurden.
Lass mich das gleich ausprobieren, schlug sie vor. Marlene, die den Herd noch nicht ganz sauber fand, weigerte sich zuerst, doch Annika überredete sie schließlich, das Mittel auf die Kochplatte zu sprühen, während sie das Geschirr mit einem speziellen Gel wusch.
Während all dessen stellte Marlene immer wieder Fragen zu Annikas Herkunft, Ausbildung und wie sie zu Lukas gekommen war. Die Antworten waren ehrlich und zufriedenstellend, und Marlene schien langsam zu entspannen.
Dann kam Lukas wieder mit einem breiten Grinsen: Mama, Annika und ich haben beschlossen, zu heiraten.
Wirklich? rief Marlene, ein bisschen überrascht, aber auch erleichtert.
Und das ist noch nicht alles, fuhr er fort, und zwinkerte Annika zu, die sofort rot wurde. Wir erwarten ein Baby im Winter wird unser Enkelkind kommen.
Marlene schrie vor Freude, ihre Hände fielen übereinander, und sie betete laut: Gott, danke für dieses Glück!
Annika umarmte Lukas, und ich sah, wie meine Frau ihre Arme weit ausstreckte, um die zukünftige Schwiegertochter zu umarmen.
Marlene, kannst du mir das Rezept für deine Bohnensuppe geben? flüsterte Annika, während Tränen der Rührung über ihr Gesicht liefen.
Natürlich, mein Kind, sagte Marlene, voller Stolz. Ich will mein Wissen weitergeben, damit die Familie weiterhin gut essen kann.
Der Abend endete, das Haus war erfüllt von Wärme, Lachen und dem Geruch von frischer Suppe. Ich blickte auf das lebendige Treiben und dachte darüber nach, was all das für mich bedeutet.
**Persönliche Erkenntnis:** Manchmal muss man die alten Pfannen und Vorurteile aus dem Schrank holen, um Platz für neue Rezepte und Menschen zu schaffen. Wer offen bleibt, findet nicht nur neue Geschmackserlebnisse, sondern auch das wahre Glück im Familienkreis.
Johann, 45Jahre, Familienvater.







