Lieben und Leiden, Leiden und Lieben: Die bittersüße Kunst der Geduld in der Liebe

**LIEBEN UND DULDEN, DULDEN UND LIEBEN**

Die Ehe von Hans und Greta war kirchlich gesegnet. Am Hochzeitstag, als der Brautzug sich der Kirche näherte, brach plötzlich ein heftiger Sommersturm los. Er kam aus dem Nichts, riss der Braut den Schleier vom Kopf und wirbelte ihn wie einen Ballon in die Luft, ehe er erschöpft in einer schmutzigen Pfütze landete. Die Gäste blieben sprachlos zurück. Der Sturm verflog so schnell, wie er gekommen war. Hans versuchte noch, den Schleier zu erhaschen, doch es war zu spät.

Der strahlend weiße Schleier lag nun im dunklen Schlamm. Greta, sichtlich verstört, rief ihrem Bräutigam zu:
Hans, lass ihn liegen! Ich werde ihn nicht mehr tragen!
Die alten Omas, die immer vor der Kirche saßen, flüsterten sich warnend zu: Das sei ein böses Omen das Leben der beiden würde voller Stürme sein.

Im nächsten Laden kaufte man Greta schnell eine künstliche weiße Blume, die sie ins Haar steckte. Für einen neuen Schleier war keine Zeit man konnte schließlich nicht zu seiner eigenen Trauung zu spät kommen!

Die Neuvermählten standen vor dem Altar, hielten die Traukerzen und sprachen ihre Ehegelübde. Für Gott. Doch vor dem Sakrament hatten sie schon standesamtlich geheiratet und eine prächtige Feier gefeiert. Für die Leute.

Drei Jahre später hatten sie schon zwei Kinder: die Tochter Sophie und den Sohn Thomas. Sie lebten ihr beschauliches Familienleben, ohne größere Sorgen.

Doch zehn Jahre später klopfte eine fremde Frau an die Tür. Greta war immer gastfreundlich, egal, ob jemand eingeladen war oder nicht. Jeder wurde herzlich bewirtet mit gutem Essen, Tee und tröstenden Gesprächen. Doch diesmal war die Besucherin anders. Sie kam, als Hans nicht zu Hause war.

Mit einem Blick erfasste Greta die Fremde: gut gebaut, freundlich, sehr hübsch und jung.
Guten Tag, Greta. Ich bin Lena. Die zukünftige Frau Ihres Mannes, stellte sie sich vor.
Wie interessant!, entgegnete Greta verblüfft.
Und seit wann ist Hans Ihr Verlobter?, fragte sie weiter.
Schon lange. Aber ich kann nicht mehr warten. Hans und ich erwarten ein Kind, erklärte Lena ohne Scham.
Hm ein klassisches Drehbuch! Ehefrau Geliebte uneheliches Kind Wissen Sie eigentlich, dass Hans und ich kirchlich getraut sind? Dass wir Kinder haben?, versuchte Greta die zukünftige Frau zur Vernunft zu bringen.
Ich weiß alles. Aber wir lieben uns! Und das für immer! Verstehen Sie? Sie können sich doch scheiden lassen. Ihr Mann hält Ihnen ja nicht die Treue. Ich habe alles herausgefunden. Es ist möglich, redete Lena weiter.
Hören Sie mal, junge Frau! Ich rate Ihnen dringend, sich nicht in eine fremde Ehe einzumischen! Wir werden unsere Probleme selbst lösen mit oder ohne Sie!, fuhr Greta auf. Auf Wiedersehen!

Lena zuckte nur mit den Schultern als wollte sie sagen: Ich habe gewarnt und verschwand. Greta knallte die Tür hinter ihr zu.
Sie hat alles herausgefunden Diese freche Göre! Hans wirst du nicht bekommen!, ärgerte sie sich.

Plötzlich fiel ihr ein, dass Hans sich in letzter Zeit seltsam verhielt: Er war oft spät auf der Arbeit, hatte plötzlich Dienstreisen oder wollte auf einmal drei Tage lang angeln obwohl er früher nie Hobbys hatte. Eine Frau spürt so etwas. Sie riecht die Konkurrenz. Die Luft ist plötzlich schwer von unausgesprochenen Worten.

Doch Greta schob die düsteren Gedanken beiseite. Vielleicht hatte sie sich alles nur eingebildet, und ihr Mann war unschuldig?

Abends, als Hans nach Hause kam, lud sie ihn zum Essen ein. Sie wusste: Erst den Mann satt machen, dann die Probleme ansprechen.

Als er sich bedankte, ging sie sofort in die Offensive:
Hans, bist du verliebt?, begann sie vorsichtig.
Ja, antwortete er misstrauisch.
Heute war deine Freundin hier. Ist das ernst?, fragte Greta mit klopfendem Herzen.
Ich bin ein Schuft! Ich kann ohne Lena nicht leben! Ich habe versucht, Schluss zu machen es ging nicht! Lass mich gehen, Greta!, flehte er.
Geh , seufzte sie. Sie wusste, dass Appelle an sein Gewissen oder Sätze wie Denk an die Kinder! sinnlos waren. Das Leben würde richten.

Hans ging zu seiner Geliebten.
Greta suchte Trost beim Pfarrer. Der Priester hörte geduldig zu und sagte:
Meine Tochter, die Liebe ist langmütig. Denk daran. Du hast das Recht, die Ehe zu lösen, denn dein Mann hat gesündigt. Oder du kannst vergeben, beten und warten. Gottes Wege sind unergründlich

Zwei Monate später merkte Greta, dass sie ein Kind erwartete von Hans. Sie freute sich, denn sie sah es als Zeichen: Vielleicht würde er irgendwann zurückkommen. Mit diesem Gedanken trug sie ihr Baby aus.

Als ihr Sohn zur Welt kam, schlug Gretas Mutter vor, ihn Johannes zu nennen die deutsche Form von Hans. Vielleicht kehrt dein Hans dann zurück. Das Leben schreibt die seltsamsten Geschichten

Gott sei Dank half Gretas Mutter, wo sie konnte: Sie kümmerte sich um die Kinder, erzählte ihnen Märchen und brachte ihnen das Leben bei.

Hans vergaß Sophie und Thomas nicht. Er schenkte ihnen Spielzeug, nahm sie mit ans Meer und schickte Greta Geld in einem Umschlag.

Greta verbot den Kindern streng, ihrem Vater von Johannes zu erzählen. Doch hielten sie sich daran? Natürlich nicht. Sophie plauderte alles aus, als sie ihn besuchte. Hans dachte, Greta hätte endlich ein neues Glück gefunden. Sein Herz krampfte sich zusammen bei den Erinnerungen an ihr früheres Leben Er ahnte nicht, dass es sein eigenes Kind war!

Inzwischen lag Lena im Krankenhaus hochschwanger. Hans rannte ständig los, um Früchte, saure Gurken oder leckeres Kreidepulver zu besorgen. Lenas Körper verlangte nach Kalzium, und sie kaute genüsslich Kreide. Doch alles endete tragisch: Lena brachte ein totes Mädchen zur Welt. Ein Unglück kommt selten allein die nächste Schwangerschaft endete mit einer Fehlgeburt.

Lena, zutiefst erschüttert, wollte eine Pause vom Kinderkriegen. Doch das Schicksal hatte andere Pläne

Hans war stets an ihrer Seite. Er bedauerte Lena und fühlte sich schuldig an all ihrem Leid. Jeder hatte nun seine eigenen Sorgen.

Und bei Greta tauchte plötzlich ihr alter Kommilitone Walter auf. Schon im Studium hatte er ihr den Hof gemacht, doch Greta hatte ihn nie als Ehemann in Betracht gezogen. Er war zu aufdringlich, pedantisch, humorlos ein Muttersöhnchen. Doch als Greta Hans traf, war für Walter endgültig Schluss. Damals.

Jetzt, Jahre später, saß Greta in einem Bus und starrte traurig aus dem Fenster. Ein Mann setzte sich neben sie.
Darf ich?
Natürlich, murmelte sie, ohne sich umzudrehen.
Sie sehen so traurig aus , drängte er.

Greta seufzte. Was ging ihn das an?

Doch er gab nicht auf.
Greta? Hallo! Warum so bedrückt?

Sie drehte sich um und erkannte Walter.
Walter! Mein Gott, wie lange nicht! Wie gehts dir?

Er lächelte. Erzähl du erst von dir! Bist du glücklich?

Komm mit nach Hause!, bat sie impulsiv. Unterwegs kaufte Walter Wein, Obst und Süßigkeiten für die Kinder.

Beim Abendessen erzählte Greta ihm alles. Sie musste sich aussprechen. Walter hörte geduldig zu, nickte verständnisvoll. Zum Abschied küsste Greta ihn auf die Wange aus Dankbarkeit. Walter, plötzlich voller Hoffnung, ging nach Hause.

Es stellte sich heraus: Er hatte nie geheiratet, keine Kinder. So war das Schicksal.

Walter kam nun öfter vorbei, brachte den Kindern Geschenke und Greta Blumen. Doch sie machte klar:
Du darfst kommen aber ich warte auf meinen Mann. Mehr wird es nicht geben.

Walter war selbst damit zufrieden. Dann bist du eben meine Schwester, scherzte er. Und die Kinder meine Nichten.

Und so blieb es.

Inzwischen gab es in Hans Familie gute Neuigkeiten: Lena brachte ein gesundes Mädchen zur Welt sie nannten es Benedikta, die Gesegnete.

Lena stürzte sich ins ersehnte Muttersein. Doch je mehr sie Benedikta liebte, desto mehr bereute sie, was sie Gretas Familie angetan hatte. Gestohlenes Glück war bitter

Erst jetzt verstand sie, welches Unheil sie angerichtet hatte. Aus Schaden wird man klug. Sie hätte Greta am liebsten um Verzeihung angefleht!

Hans vergötterte seine Tochter. Er überschüttete sie mit Spielzeug, wachte nachts an ihrer Wiege und badete sie liebevoll. Lena konnte nicht genug von diesem fürsorglichen Vater bekommen.

Die Zeit verging

Fünf Jahre später waren alle Kinder größer und die Erwachsenen älter.

Doch dann wurde Lena schwer krank. Mit erst dreißig Jahren kämpfte sie um ihr Leben. Hans war verzweifelt. Krankenhäuser, Ärzte, teure Behandlungen

Als die Ärzte sie schließlich aufgaben und nach Hause schickten, flüsterte Lena Hans zu:
Bring mich zu deiner Frau. Bitte.

Hans war überrascht, widersprach aber nicht.

Greta wusste von Lenas Krankheit Sophie hatte es erzählt. Als Hans anrief, sagte sie nicht nein.

Er brachte Lena ins Haus, trug sie wie eine zerbrechliche Vase ins Schlafzimmer. Die Familie wartete gespannt.

Lasst mich mit Greta allein, bat Lena schwach.

Greta setzte sich zu ihr. Lena sah aus wie der Tod.

Vergib mir wenn du kannst, flüsterte Lena. Ich bitte dich: Nimm Benedikta zu dir! Ich habe niemanden außer Hans und dich. Versprich mir, dass ihr sie gemeinsam großzieht.

Greta nahm ihre Hand.
Lena, nicht Gott bestraft uns wir tun es selbst. Ich habe dir längst vergeben. Und Benedikta wird es gut gehen. Bleibt hier bei mir. Das Haus ist groß genug. Du wirst gesund werden glaub daran!

Wie in einem Märchen fanden alle Platz.

Walter kümmerte sich rührend um Lena. Er saß an ihrem Bett, sprach ihr Mut zu und verliebte sich unversehens in sie. Benedikta nannte er Gottes Gänseblümchen.

Lena kämpfte. Gretas Worte hatten ihr Hoffnung gegeben. Langsam kam sie zurück ins Leben.

Nach einem halben Jahr konnte sie schon allein im Garten spazieren. Die Sonne schien ihr ins Gesicht, und sie lächelte.

Eines Tages verkündete sie beim Essen:
Greta, Hans Wir gehen. Danke für alles für die Gastfreundschaft, die Liebe, die ich nie erwartet hätte. Ich werde nie solche Menschen wie euch wiederfinden.

Hans und Greta wussten längst, dass zwischen Walter und Lena etwas Großes entstanden war: Liebe.

Schon früher hatte Hans mit Greta gesprochen:
Egal, was mit Lena passiert ich will zu dir zurück. Deine Großmut kennt keine Grenzen. Nimmst du mich an?

Natürlich, hatte sie geantwortet. Und ich werde dich um Verzeihung bitten. Ich war wohl keine gute Frau, wenn du eine andere wolltest. Das Leben lehrt uns.

Und Benedikta?, fragte Greta.
Sie ist meine Tochter. Mein Haus steht ihr immer offen.

Als Walter, Lena und Benedikta gehen wollten, flüsterte Lena Hans noch etwas zu:
Liebe Greta! Mehr als dein Leben! Ich werde dich nie vergessen.

Hans lächelte. Sei glücklich, Lena.

Und so fand jeder seinen Weg durch Liebe und Vergebung.

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Lieben und Leiden, Leiden und Lieben: Die bittersüße Kunst der Geduld in der Liebe
Al revisar las pertenencias de mi difunta abuela, encontré su diario y descubrí quién es realmente mi padre.