Reicher Klassenkamerad auf dem Ehemaligentreffen

Hey, ich muss dir noch schnell erzählen, was letzte Woche beim alten Klassen­treffen in Hamburg passiert ist. Unser ehemaliger Klassenkamerad Robert Müller war total aufgeregt er hatte die anderen seit über dreißig Jahren nicht mehr gesehen. Direkt nach dem Gymnasium war er für das Studium nach München gezogen, dann hat er dort an der Uni gegessen, danach war er erst einmal in der Wirtschaft, später hat er sogar sein eigenes Startup gegründet. Es lief nicht immer glatt, aber er hat immer weitergemacht.

In den Pausen hat er immer wieder an die alten Kumpels gedacht. Wenn er ein bisschen Freizeit hatte, hat er ihre Fotos auf Instagram durchgescrollt und seine eigenen Bilder hochgeladen. Besonders neugierig war er auf Heike, das Mädchen, das er damals im Gymnasium so gern mochte. Heike hat ihn damals nie bemerkt sie fand den stillen Streber langweilig. Das letzte Mal, als er ihr Blumen brachte, sprang sie einfach auf den Rücksitz von Adrians Motorrad, ohne einen Blick auf den Strauß zu werfen, und fuhr davon, während Staub aufwirbelte. Robert hat sich dann nie wieder gemeldet, obwohl er eigentlich gern mit ihr gefahren wäre, um ihr zu helfen.

Robert hatte nie viele enge Freunde aus der Schule, weil er so viel Zeit mit dem Lernen verbracht hat. Nur ein paar Mitschüler, mit denen er extra MatheNachhilfestunden gemacht hat, standen noch in Kontakt. Trotzdem ging er mit bester Laune zum Treffen, hatte für jeden ein kleines Geschenk eingepackt natürlich nichts vergessen.

Wir saßen alle in einem gemütlichen Café, lachten, erzählten Anekdoten aus der Schulzeit. Robert schaute immer wieder zu Heike, die ganz hinten an ihrem Handy rumtippt. Nachdem er das Gymnasium verlassen hatte, hat Heike tatsächlich Adrian geheiratet, aber die beiden wohnen nicht mehr zusammen. Robert erfuhr schließlich, dass Heike ein krankes Kind alleine großzieht.

Er wollte mit ihr reden, doch das Gespräch geriet schnell in die Hölle.

Du wohnst in deiner Villa und hast keine Ahnung, was wir hier so durchmachen! Ich habe dein Haus gesehen! Deine Frau geht nur in Kosmetikstudios, das habe ich auch gesehen. Du hast Personal, das du nie zeigst. Du hast Kinder, die im Ausland studieren, und ich habe ein krankes Kind. Was soll man da reden? Du würdest das nicht verstehen! rief Heike.

Heike, bin ich etwa schuld an deinen Problemen?, konterte Robert.

In unserem Land gibt es kaum Geld für kranke Kinder, und Leute wie du horten das Geld und sind gierig!, fuhr sie fort.

Robert wurde richtig rot. Das Thema lag ihm aber am Herzen.

Heike, wie vielen kranken Kindern hast du schon geholfen?, fragte er.

Ich habe selbst ein krankes Kind! Und ich schicke ab und zu SMS, um zu helfen. sagte sie.

Ich spende regelmäßig große Summen an wohltätige Organisationen, aber ich muss nicht damit angeben. Wer von uns leistet mehr?, erwiderte Robert.

Heike entgegnete: Für dich ist das nichts, weil du dir nicht mal ein paar hunderttausend Euro entbehren musst. Meine Hilfe zählt mehr, weil ich jeden Cent, den ich gebe, buchstäblich vom Essen abziehe. Weißt du, woher ich das Geld nehme? Jeden Morgen nehme ich zwei Busse zur Arbeit und verdiene nur ein paar Groschen!

Ein paar Leute im Café hörten zu und nickten Heike zu, andere schwieg nur.

Als das Treffen zu Ende ging, stellte Robert seine Geschenke auf den Tisch und bat den Kellner, eine Kuvert für Heike zu überreichen. Während er hinausging, dachte er nach: Wir hatten doch eigentlich die gleichen Chancen. Viele von uns hatten dieselben Talente, nur dass ich, Robert, mich für das Studium entschieden habe, statt nach der Schule Bier am Kiez zu trinken oder am Eck zu rauchen. Ich habe das Risiko genommen, meine Komfortzone zu verlassen und ein eigenes Unternehmen zu gründen.

Natürlich lief es nicht immer rund, ich habe Verluste erlitten, aber ich habe auch viel gelernt. Es ist nicht meine Schuld, dass manche heute ein ganz anderes Leben führen und mich für meinen Erfolg verurteilen. Ich habe das Geld selbst verdient, nicht gestohlen.

Wie viele kennen noch jemanden wie Heike oder die anderen ehemaligen Klassenkameraden, die immer noch an fremrem Geld drehen? Klar, ein paar hatten das Glück, aus einer reichen Familie zu kommen und eine gute Ausbildung zu bekommen. Aber es gibt auch viele Beispiele von Menschen aus armen Verhältnissen, die es allein geschafft haben. Am Ende liegt alles in unseren Händen, wir entscheiden selbst, welchen Weg wir gehen.

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