Oma brauchen wir nicht – beschlossen die Enkel beim Familientreffen

Oma brauchen wir nicht beschlossen die Enkel beim Familienrat

Seid ihr wahnsinnig? Dreißigtausend Euro für diesen Schrotthaufen? Da ist doch kein heiles Blech dran! Klaus-Dieter schlug die Motorhaube des alten Mercedes mit Wucht zu und warf dem Verkäufer einen wütenden Blick zu.

Das ist kein Schrott, sondern ein Klassiker, erwiderte der Verkäufer gelassen und strich über das abgewetzte Lenkrad. Solche Wagen baut man heute nicht mehr. Baujahr 1978, Originalzustand. Alle Papiere sind in Ordnung, Motor komplett überholt. Läuft wie ein Uhrwerk.

Ein Uhrwerk, das stehengeblieben ist, schnaubte Klaus-Dieter und wandte sich zu seiner Frau. Monika, lass uns gehen. Ich gebe kein Geld für diesen Schrott aus.

Monika seufzte und lächelte den Verkäufer entschuldigend an:

Tut uns leid, aber mein Mann hat recht. Wir brauchen ein Auto für den Schrebergarten zum Transportieren und für Ausflüge. Und dieser hier…

Nehmen Sie ihn, Sie werden es nicht bereuen, versuchte der Verkäufer, ihren Blick einzufangen. Für Sie mache ich einen Sonderpreis. Achtundzwanzigtausend, und er gehört Ihnen.

Nein, danke, sagte Monika bestimmt und nahm ihren Mann am Arm. Wir schauen uns noch um.

Schweigend gingen sie über das Gelände der Garagenkooperative. Klaus-Dieter kochte immer noch vor Wut, während Monika darüber nachdachte, wie zäh die Suche nach einem passenden Auto verlief. Dabei stand der Sommer vor der Tür, und sie mussten eine Lösung finden, wie sie zum Garten fahren würden. Seit ihr alter Opel von einem betrunkenen Fahrer zusammengeschlagen worden war (gut, dass sie unverletzt blieben), mussten sie entweder mit zweimaligem Umsteigen den Bus nehmen oder Nachbarn gegen Bezahlung um einen Gefallen bitten.

Vielleicht sollten wir wirklich einen Kredit für ein neues Auto aufnehmen?, schlug Monika zögernd vor, als sie das Gelände verließen.

Mit unseren Renten?, grunzte Klaus-Dieter. Nein, wir finden noch etwas Vernünftiges von privat. Wir müssen nur weiter suchen.

Aber der Sommer kommt, und der Garten ist noch nicht umgegraben, blieb Monika stehen und richtete ihren Schal. Der Frühlingswind war noch kühl. Die Kinder haben Hilfe versprochen, aber du weißt ja, wie das läuft. Stefan hat Arbeit, Heike hat die Kinder…

Genau, die Kinder, hellte sich Klaus-Dieter plötzlich auf. Was, wenn wir Gisela fragen?

Oma Gisela? Meine Mutter?, Monika sah ihren Mann erstaunt an. Sie ist achtundsiebzig, wohin soll sie fahren?

Was hat das mit dem Alter zu tun?, winkte Klaus-Dieter ab. Deine Mutter ist fitter als ich. Jeden Morgen Gymnastik, dann einkaufen, dann Kaffee mit ihren Freundinnen. Und sie hat Erspartes. Erinnerst du dich? Sie sagte immer, sie legt was für schlechte Zeiten zurück. Nun, die sind jetzt da.

Klaus!, empörte sich Monika. Wie kannst du nur! Das ist ihr Geld, ihr ganzes Leben hat sie gespart. Und überhaupt, sie wollte es doch den Enkeln hinterlassen.

Und wir nehmen es für die Enkel, beharrte Klaus-Dieter. Wir kaufen ein Auto, fahren sie in den Garten frische Luft, Natur, Beeren und Obst. Gut für ihre Gesundheit.

Monika schüttelte den Kopf, antwortete aber nicht. Der Gedanke, ihre Mutter um Geld zu bitten, missfiel ihr. Sie sahen sich ohnehin selten Gisela wohnte allein in ihrer Altbauwohnung am Stadtrand, und die Anfahrt war umständlich. Und jetzt mit so einer Bitte auftauchen… Nein, das war nicht richtig.

Zu Hause erwarteten sie die Kinder mit den Enkeln Stefan mit seiner Frau Sabine und dem vierzehnjährigen Tim sowie Heike mit ihrem Mann Jens und den zwölfjährigen Zwillingen Lena und Paul. Alle waren zum Sonntagsessen gekommen eine Tradition, die Monika seit Jahren aufrechterhielt.

Na, habt ihr ein Auto gefunden?, fragte Stefan, während er seiner Mutter beim Tischdecken half.

Nein, seufzte Monika. Alles entweder zu teuer oder Schrott.

Und Papa schlägt vor, Oma Gisela um Geld zu bitten, warf Klaus-Dieter unvermittelt ein, als er in die Küche kam. Sie hat doch Erspartes.

Oma Gisela?, wunderte sich Heike, die gerade Brot schnitt. Würde sie zustimmen?

Ich weiß nicht, gab Monika ehrlich zu. Ich habe sie noch nicht gefragt. Und ich bin nicht sicher, ob wir das sollten.

Warum nicht?, setzte sich Klaus-Dieter an den Tisch. Wem soll sie es sonst hinterlassen? Uns, ihren Kindern und Enkeln.

Sie sagte immer, sie wolle, dass die Enkel studieren können, erinnerte Monika. Dass das Geld für ihre Ausbildung sein soll.

Und wir kaufen ein Auto für die Enkel, wiederholte Klaus-Dieter. Damit wir sie in den Garten fahren können. Auch eine Art Bildung Biologie live statt aus Büchern.

Alle lachten, und das Gespräch verlagerte sich auf andere Themen. Doch nach dem Essen, als die Kinder sich in ihren Zimmern verteilt hatten und die Enkel mit ihren Handys beschäftigt waren, kam Klaus-Dieter auf die Idee zurück.

Monika, ich meine es ernst, sagte er, während er ihr beim Abräumen half. Wir sollten mit deiner Mutter sprechen. Am nächsten Tag fuhr Monika allein zu ihrer Mutter. Gisela empfing sie wie immer mit frischem Kaffee und selbstgebackenem Kuchen. Lange sprachen sie über Alltägliches, bis Monika zögernd das Thema wechselte.
Mama, wir haben ein Problem mit dem Auto
Gisela hörte ruhig zu, nickte nur hin und wieder. Als Monika endete, lächelte sie sanft.
Ich weiß, warum Klaus-Dieter hier war, wenn er das vorgeschlagen hat. Aber Geld leihen das geht nicht. Ich habe anderes vor.
Monika senkte den Blick, doch dann nahm Gisela ihre Hand.
Aber ich habe noch etwas anderes: den alten Mercedes. Den aus dem Jahr 78. Er steht in meiner Tiefgarage. Unbenutzt seit Jahren. Den nehmt ihr. Mit allem, was drin ist.
Zwei Wochen später rollte der staubige Wagen über den Feldweg zum Schrebergarten. Unter der Plane im Kofferraum fand Tim einen Umschlag mit dem Vermerk Für die Enkel. Darin: das Zertifikat einer Kapitallebensversicherung exakt dreißigtausend Euro, fällig bei Giselas Tod.
Niemand sprach darüber. Doch als sie das erste Mal gemeinsam Brombeeren pflückten, saß Paul auf dem Beifahrersitz, die Hand auf dem abgenutzten Armaturenbrett, und flüsterte: Dieser Wagen ist echt cool. Der Wind strich durch die Bäume, und irgendwo zwitscherte eine Amsel. Monika blickte zum Himmel, atmete tief ein und dachte an ihre Mutter. Klaus-Dieter lud die Schaufeln aus dem Kofferraum, ohne ein Wort zu sagen. Der alte Mercedes stand still, doch zum ersten Mal seit langer Zeit fühlte sich alles, als stünde es wieder in Bewegung.

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Oma brauchen wir nicht – beschlossen die Enkel beim Familientreffen
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