„Die Geburt muss schnell kommen“, zischte die alte Marga, während sie ihre Beine von der Bettkante baumeln ließ.

So schnell wie möglich gebären, quiekte Oma Berta, während sie die Beine vom Bett schwang. Für Berta war das 87. Lebensjahr schon ein alter Hut, und sie hatte längst vergessen, wie das alles war. Doch ihr Enkel Karl und sein Sohn, der fünfjährige Finn, drängten sie ständig und klopften gelegentlich mit dem Gehstock an die Tür:

Wenn du noch mit dem blauen Strumpf rumläufst, erinnerst du dich erst später an die guten alten Zeiten und das zu spät!

Jetzt aber schmollte Oma Berta, blieb im Bett liegen, schimpfte aus Trotz über die ganze Familie (Was habe ich euch denn, ihr Grashüpfer, zu fressen gegeben, damit ihr bis zum Mittag schlafen könnt?) und ließ um halb sieben morgens die Töpfe in der Küche krachen. Das ganze Haus horchte auf.

Oma, fragte die fünfjährige Finn, die gerade aus dem Kinderzimmer kam, warum fluchst du nicht mehr so oft?

Ich soll gleich sterben, meine Kleine, das steht so, seufzte Berta, halb traurig über das Abschiednehmen, halb hoffnungsvoll, dass ihr letzter Borschtsch äh, Rindsragout noch ein bisschen würziger werden würde.

Finn schlich sich zur Küche, wo die Verwandtschaft schon wartete. Bei Oma Berta ist das Murmeltier gestorben!, rief er, als wäre das die neueste Sensation aus der Nachbarschaft.

Welches Murmeltier? fragte Karl, ihr ältester Sohn und gleichzeitig Hausvorstand, und hob seine buschigen Augenbrauen, die fast schon einen KrimiCharakter hätten.

Er sah dabei aus wie ein moderner Rolf Zuckowski, und man könnte fast sagen, dass an solchen Tagen der Wind durch die Vorhänge weht.

Wahrscheinlich nur ein altes Tierchen, zuckte Finn die Schultern. Was sollte er schon wissen, welches Murmeltier das war, wenn Oma Berta ihm das nie gezeigt hatte?

Die Ältesten tauschten bedrückte Blicke aus.

Am nächsten Tag kam ein nüchterner Arzt, Dr. Weber, ins Haus.

Ihre Großmutter wirkt nicht wohl, diagnostizierte er, während er die Akten durchblätterte.

Na, das ist ja klar, schnaubte Karl und schlug sich mit den Händen auf die Oberschenkel. Wäre ja sonst nicht, dass wir euch überhaupt hier haben!

Der Arzt blickte nachdenklich erst zu Karl, dann zu seiner Frau, Frau Schmidt.

Altersbedingt, erklärte er ohne Umschweife. Aber ich sehe keine gravierenden Abweichungen. Welche Symptome zeigen sich denn?

Sie hört einfach nicht mehr zu, wann wir Mittag und Abend kochen!, sagte Frau Schmidt mit einer Stimme, die schon ein wenig brüchig war. Ihr ganzes Leben hat sie uns mit der Nase gezwickt und gesagt, meine Hände wachsen nicht von hier, und jetzt geht sie nicht mehr in die Küche.

In der gemeinsamen FamilienundArztSitzung beschlossen sie, dass das ein ernstzunehmendes Zeichen sei. Sie waren so erschöpft von den Sorgen, dass sie ins Bett fielen und fast eingeschlafen wären.

In der Nacht hörte Karl das vertraute Klappern von Hausschuhen. Dieses Mal jedoch war es kein lautes Aufstehen, sondern ein leises Rascheln, das nach dem Frühstück und Arbeit fragte.

Mama?, flüsterte er, als er ins Flur schlich.

Na,, dröhnte eine unbeholfene Stimme aus der Dunkelheit.

Was willst du denn?

Ich glaube, ich schnappe mir, während ihr schlaft, einen Ausflug mit dem Onkel Moritz, murmelte Oma Berta, die langsam wieder zu sich kam. Zur Toilette, wohin sonst?

Karl drehte das Licht im Küchenbereich an und schaltete den Wasserkocher ein, setzte sich dann an den Tisch und krallte sich die Haare hinter die Ohren.

Hunger?, fragte die nun wieder wachsende Oma, während sie im Flur stand und ihn beobachtete.

Ja, ich warte auf dich. Was war das denn, Mama?

Oma Berta ging zum Tisch und begann zu erzählen: Ich sitze jetzt seit dem fünften Tag im Zimmer, und plötzlich hat ein Taube das Fensterglas getroffen klack!Ich dachte, das wäre ein Todesbote. Ich legte mich hin und wartete. Der erste Tag, der zweite, der dritte und heute, mitten in der Nacht, wachte ich auf und dachte: Vielleicht sollte ich das Omen lieber dem Waldgeist überlassen, damit ich nicht mehr unter der Bettdecke verfaulen kann? Also, mach mir bitte einen stärkeren Tee, bitte etwas heißer und kräftiger. Drei Tage mit dir, mein Sohn, haben wir nicht richtig geredet, das holen wir nach.

Karl legte sich schließlich gegen halb fünf Uhr morgens zur Ruhe, während Oma Berta in der Küche weiter das Frühstück vorbereitete denn hier muss man ja selbst den Tisch decken, sonst schaffen diese kleinen Hände die Kinder nicht zu füttern.

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My Daughter Ignored My Calls—Until I Uncovered Her Shocking Secret