Beziehungen für ein erfülltes Leben

Beziehung zum Vergnügen

Dieses Treffen hätte der Anfang einer unkomplizierten Romanze sein können: ein Flug, zwei nebeneinander liegende Sitze, ein Ziel München. Er heißt Arne Müller, ein virtuoser Naturfotograf, dessen Leben aus Expeditionen und Ausstellungen besteht. Sie heißt Leni Schneider, Architektin, die nicht nur Gebäude, sondern auch ihre Karriere mit penibler Genauigkeit aufbaut.

Beide sind unabhängig, selbstbewusst und tragen jeweils eine Scheidung hinter sich, die sie gelehrt hat, ihren persönlichen Freiraum zu schätzen.

Die Idee entstand wie ein Blitz im dunklen Raum: Warum nicht diese Beziehung locker, ohne Verpflichtungen und Alltagskram führen?

Niemand glaubte, dass das lange halten würde besonders Arnes Kolleg*innen. In ihrem Atelier führte man sogar heimlich eine Wette: Wie lange hält die neue flüchtige Romanze des schwer fassbaren Arne?

Gewöhnlich reichte das bis zu mehreren Monaten.

Frauen verfielen oft in Arnes Charme: gut aussehend, kreative Arbeit, nicht langweilig, nicht geizig. Doch die Kolleg*innen kannten auch die zweite Seite des genialen Künstlers. Er lebte nach Launen der Inspiration, war zu Hause kaum auszuhalten, unberechenbar in seiner Reaktion und liebte ein Gläschen Schnaps. Wenn er jedoch verkündete, seine Liebe gefunden zu haben, atmeten alle erleichtert auf. Ein verliebter Arne arbeitete wie besessen, seine Bilder sprühten vor Leidenschaft und Leben.

Und dann traf er Leni, seine wahre Muse. Eine Frau, die nichts verlangte außer Freude an gemeinsamen Momenten.

Lass uns das ganze verflixte Alltagszeug weglassen kein Wo warst du?, kein Warum hast du nicht zurückgerufen?, schlug Arne vor. Das Leben ist sonst schon genug ein Irrgarten.

Leni lächelte und stimmte zu. Erstens war sie überzeugt, dass es nur ein kurzer Flirt sei, zweitens hatte sie nach der schweren Scheidung keine Lust, sich dauerhaft festzunageln. Kurz gesagt, die Bedürfnisse passten.

Arne konnte eine Woche in Lenis gemütlicher, nach allen Regeln der Harmonie eingerichteter Wohnung wohnen und dann wieder für lange Zeit in sein Studio verschwinden, das vollgestopft war mit Ausrüstung und Negativstapeln. Sie flogen gemeinsam nach Prag, trafen sich danach wochenlang nicht, verbrachten drei Tage in einem Landhaus und trennten sich dann wieder für drei Wochen.

Ein Jahr später war Leni bei ihren kreativen Partys die feste Begleitung.

Träume werden wahr, sagte sie lächelnd zu ihren Freundinnen, während sie einen Martini nippte. Als Kind habe ich Bücher über Polarforscher verschlungen stark, unabhängig, immer unterwegs. Mein Arne ist wie ein Eisbär. Er geht auf Expeditionen, kehrt aber mit Blumen und leuchtenden Augen zurück.

Arne war glücklich.

Leni ist wie ein frischer Luftzug, erzählte er einem Freund bei einem Glas Whisky. Mein Leben ist ein Chaos. Manchmal krieche ich nach Hause und finde nicht einmal ein Wort. Manchmal brauche ich einfach jemanden, der mir zuhört und mich wie ein Kind tröstet. Am häufigsten will ich aber eine Woche Ruhe. Sie versteht das. Wenn wir zusammenziehen würden, würden wir uns nach einem Jahr an den Haaren ziehen. So bleibt es aber ich bringe immer Blumen und ein Lächeln mit, wie bei einem Date.

Gelegentlich gönnte er sich flüchtige Nebenaffären, doch kehrte stets zu Leni zurück. Ihre Verbindung war, wie er sagte, eine Art karmische Bindung stabiler als eine langweilige Ehe. Von außen wirkte Leni immer zufrieden.

So vergingen fünf Jahre. Dann schloss die Galerie, mit der Arne eng zusammenarbeitete, plötzlich ihre Türen, das Magazin geriet in eine Krise und das alte Kreativ-Team zerfiel nach und nach. Jeder zog seine eigenen Wege.

Einige Jahre später traf Leni zufällig in einem Café Lena, eine alte Bekannte aus der Anfangszeit. Sie plauderten, erinnerten sich an früher und natürlich das Gespräch kam auf Arne.

Leni grinste bitter, während sie in ihren Cappuccino blickte:

Ja, wir schaukeln immer noch auf dieser Schaukel. Er taucht auf, verschwindet wieder und kommt dann zurück. Ehrlich, ich habe die Lust daran fast verloren. Doch sobald man das Thema anspricht, sesshaft zu werden, reagiert er wie ein gehetztes Tier und fragt: Läuft es nicht gut zwischen uns? Und dann ist er eifersüchtig auf seinen eigenen Schatten, weil er Angst hat, mich zu verlieren.

Und du?, fragte Lena.

Ich will eigentlich zusammenziehen, ein Kind wäre schön. Aber irgendwie bin ich nicht allein, also fange ich nichts Ernstes an, antwortete Leni.

Also liebst du ihn noch?, hakte Lena vorsichtig nach.

Vielleicht. Oder es ist nur Gewohnheit, seufzte Leni. Oder die hartnäckige Hoffnung, dass er bald erwacht, sich ändert und endlich wirklich meiner wird.

Leni, tut mir leid, aber solche Menschen ändern sich nicht, sagte Lena. Meine Mutter sagt das immer. Warum hält man an jemandem fest, der nicht weiß, was er will? Und trotzdem lässt man ihn nicht los. Ist das Liebe?

Wer weiß das schon, zuckte Lena mit den Schultern. Ich habe nie an so genannte offene Beziehungen geglaubt. Freiheit ist Freiheit, sagt man. Aber das Leben ist kurz, die Jahre kommen nicht zurück.

***

Einige Monate später ging Leni schließlich zu einer Therapeutin. Sie sprach über die Angst vor Einsamkeit, über ausgebrannte Beziehungen und unerfüllte Hoffnungen. Nach einer Sitzung kehrte sie nach Hause zurück, machte sich Tee und setzte sich an die Küchenzeile, blickte aus dem Fenster. Ihr Blick fiel auf einen alten Bilderrahmen ein Geschenk von Arne.

Es zeigte ein gemeinsames Foto: sie lachten, umarmt vor einem Sonnenuntergang. Leni nahm den Rahmen, wischte den Staub ab und ließ ihn versehentlich fallen. Das Glas zerbrach, und auf der anderen Seite kam ein kleiner Briefumschlag zum Vorschein.

Zitternd öffnete sie ihn.

Innen lag ein Foto: kein gestelltes Bild, sondern sie schlafend, eingehüllt in eine Decke, eine Lampe beleuchtete ihre Pläne auf dem Tisch. Arne hatte sie im Schlaf fotografiert. Auf der Rückseite stand in seiner Handschrift: Der einzige Ort, an dem das Chaos in mir zur Ruhe kommt. Es tut mir leid, dass ich nie den Mut hatte, das laut zu sagen. Ich war immer dein. Ich hatte nur Angst, es zuzugeben.

Eine Woche später klopfte Arne, wie gewohnt, mit einem Strauß Pfingstrosen an die Tür. Leni öffnete, aber anstatt zu lächeln, reichte sie ihm das alte Foto.

Er sah zuerst das Bild, dann Leni an. In seinen Augen lag jetzt nicht das übliche schelmische Funkeln, sondern eine müde Gewohnheit des ständigen Fliehens.

Es scheint, sagte er leise, unsere Expeditionen enden. Es wird Zeit, nach Hause zu kommen.

Und diesmal trat er nicht mehr als Gast ein, sondern als jemand, der endlich bleiben wollte.

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Beziehungen für ein erfülltes Leben
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