„Das Kind muss so schnell wie möglich kommen“, zischte die alte Frau Margarete, während sie ihre Beine vom Bett schwang.

So schnell wie möglich gebären, krächzte Oma Marta, während sie die Füße vom Bett senkte.
Marta war bereits 87Jahre alt, und die Erinnerung daran war fast verblasst, doch ihr Enkel und Urenkel drängten sie stets, gelegentlich mit dem Stock zu stupsen:
Bleibst du noch in deiner blauen Strumpfhose, erinnerst du dich an deine Jugend, doch das wird zu spät sein.

Jetzt aber senkte sich ein grauer Schleier über die alte Frau. Sie verließ das Bett nicht mehr, schüttelte sich trotzig gegen das häusliche Treiben (Was, ihr Schlangen, habe ich euch geweckt, damit ihr bis Mittag schlummert?) und ließ um halb sieben morgens die Töpfe in der Küche klingen.

Die Familie horchte auf.

Oma, fragte die fünfjährige Urenkelin Heike, warum fluchst du nicht mehr gegen uns?
Ich will nur noch sterben, meine Kleine, ich will nur noch sterben, hauchte Oma Marta, ihr Ton schwankte zwischen einem traurigen Abschied von ihrem Leben und einer stillen Hoffnung auf etwas Größeres als euer heutiger Bohneneintopf, den ihr kaum noch zu kochen versteht.

Heike flitzte in die versteckte Küche, wo Verwandte sich zusammengekauert hatten.

Oma Marta hat einen Murmeltier gestorben! rief sie, nachdem sie gerade eine heimliche Erkundungsmission beendet hatte.

Welches Murmeltier? fragte der Familienoberhaupt und zugleich älteste Sohn, Wilhelm Heinrich, während er seine buschigen Brauen hob.

Er wirkte wie ein finsterer Riese aus einem alten Märchen, und man könnte sagen, der Wind streifte gerade durch seine Haare.

Bestimmt ein alter Sack, zuckte Heike die Schultern.
Wie sollte sie wissen, welches Murmeltier gemeint war, wenn die Oma es ihr nie gezeigt hatte?

Die Ältesten warfen sich Blicke zu.

Am nächsten Tag klopfte ein nüchterner, zurückhaltender Arzt an die Tür.

Etwas ist nicht in Ordnung mit der Großmutter, stellte er fest.

Kein Wunder, wischte Wilhelm Heinrich sich die Hände ab, sonst hätten wir euch nie gerufen!

Der Arzt blickte nachdenklich zuerst zu ihm, dann zu seiner Frau.

Altersbedingt, sagte er unverrückbar. Ich sehe keine gravierenden Abweichungen. Welche Symptome zeigen sich?

Sie sagt mir nicht mehr, wann das Mittag- und Abendessen fertig ist! Ihr ganzes Leben hat sie die Nase vollgepackt und gemeint, meine Hände kämen nicht von hierher, und jetzt betritt sie nicht mehr die Küche, murmelte Wilhelm Heinrichs Frau, selbst ebenfalls eine alte Frau, mit gebrochener Stimme.

Im gemeinsamen FamilienundArztRat beschlossen sie, dass dies ein alarmierendes Zeichen sei.

Durch die Sorgen ermattet, legten sie sich hin, als würden sie in einen Abgrund sinken.

In der Nacht erwachte Wilhelm Heinrich vom vertrauten Geräusch quietschender Hausschuhe. Doch diesmal war es nicht das drängende Ticken, das ihn sofort aufstehen und frühstücken lassen wollte.

Mama? flüsterte er, während er den Flur betrat.

Ja, kam eine rauhe Stimme aus der Dunkelheit.

Was ist los?

Ich denke, solange ihr schlaft, gehe ich zu einem Treffen mit Michi Jäger, schien die alte Frau zu erwachen. Zur Toilette, wohin sonst?

Wilhelm Heinrich schaltete das Licht in der Küche ein, stellte den Wasserkocher an und setzte sich mit den Händen um den Kopf an den Tisch.

Hast du Hunger? fragte die Oma, die im Flur stand und ihn musterte.

Ich warte auf dich. Was war das, Mama?

Oma Marta schritt zum Tisch.

Seit fünftem Tag sitze ich im Zimmer, begann sie, und plötzlich fliegt eine Taube gegen das Fenster klack! Ich dachte, das ist ein Todeszeichen. Ich legte mich hin und wartete. Der erste Tag, der zweite, der dritte, und jetzt wachte ich mitten in der Nacht auf und dachte: Würde dieses Zeichen nicht lieber zum Wald zu dem Kobold gehen, damit ich nicht einfach unter den Laken verglühe? Gieß mir bitte Tee, aber bitte heiß und stark. Drei Tage mit dir, Sohn, haben wir kaum gesprochen, das holen wir nach.

Wilhelm Heinrich legte sich gegen halb fünf Uhr morgens hin, während Oma Marta in der Küche weiter das Frühstück vorbereitete denn hier musste man alles selbst machen, sonst könnten die kleinen Hände die Kinder nicht richtig ernähren.

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The Neighbour and His Mate