Bei eisigen Temperaturen klopfte eine schwangere Frau barfuß an die Tür

In eisiger Kälte klopfte eine nackte, schwangere Frau an die Tür. Im Haus war es warm und behaglich, das Feuer knisterte leise im Ofen, im Fernseher lief die Lieblingsserie, und draußen tobte ein Schneesturm. Elisabeth, eine betagte ehemalige Rettungsassistentin, hatte sich in ihrem abgewetzten Sessel niedergelassen, sah einen Film und streichelte ihren Kater Max, der wie ein kleiner Knäuel auf ihren Knien zusammengerollt war.

Plötzlich polterte es an den Fenstern, dann an der Tür. Der Hund Bello gab ein so lautes Bellen von sich, dass die Wände zu zittern schienen, bevor alles wieder verstummte.

Wer bringt bei diesem Wetter noch jemanden her? Ein Irrtum?, fragte die verwunderte Elisabeth. Widerwillig zog sie ihre Hausschuhe und den dicken Mantel an und ging nach draußen, um nach dem Notfall zu sehen und vielleicht Holz nachzuholen.

Kaum hatte sie die verschneite Türschwelle erreicht, öffnete sie sie und erstarrte. Im eisigen Frost, wankend auf den Beinen, lehnte sich eine junge Frau an den Zaun. Sie trug nur ein Nachthemd, barfuß, darüber ein grob gestricktes Halstuch. Ihr Rund um die Taille war deutlich sichtbar die Schwangerschaft war fortgeschritten.

Mit zitternder Stimme flehte sie:

Bitte! Werft mich nicht fort! Helft mir, sie wollen mein Kind wegnehmen!

Elisabeth zögerte keine Sekunde. Sie zog die Frau ins Haus, warf ihr einen Mantel über die Schultern.

Gott sei Dank! Was soll das? Wer hat das Ungeheuer gewagt, eine Schwangere in die Kälte zu werfen?! klagte sie verzweifelt.

Als erfahrene Rettungsassistentin wusste sie, welch gefährliche Folgen ein Ausflug in der Kälte für eine werdende Mutter haben kann. Sie kochte heißes Wasser, wusch ihr die Füße, desinfizierte sie, legte ihr warme Verbände an, reichte Tee mit Himbeermarmelade und legte sie zum Schlafen hin. Keine Fragen, kein Zögern Morgenröte bringt Klarheit, dachte die alte Frau.

Die junge Frau schlief sofort ein und hauchte ein einziges Danke. Die ganze Nacht heulte es auf den Straßen: Menschen rannten, schrien, Autos kreisten.

Liselotte erwachte von dem Duft gebratener Eier und frischer Brötchen. Der Kleine in ihrem Bauch rührte sich unruhig. Sie kroch vorsichtig aus der Decke, sah den vorbereiteten Bademantel und warme Hausschuhe am Fußende des Bettes. Ein tiefer, kindlicher Trost durchströmte sie, wie in den langen Sommern bei ihrer Großmutter im Schwarzwald. Sie wollte nicht zurück in die grausame Realität.

Elisabeth stellte auf dem Tisch knusprige Pfannkuchen ab, sah Liselotte an und sagte mit sanfter Stimme:

Komm, Ausreißerin, geh duschen und setz dich zum Frühstück. Dein Kind ist bestimmt hungrig. Und dann erzähl uns, was dir widerfahren ist.

Beim Essen ließ Liselotte die Tränen fließen und begann zu berichten:

Ich bin Waise, im Waisenhaus aufgewachsen. Meine Eltern nie gekannt. Bis fünf war ich bei Oma Gerda, die mich liebte, dann starb sie und ich landete im Heim. Nach dem Abschluss bekam ich eine kleine Wohnung und ein Studium zur Erzieherin. Auf einer Diskothek lernte ich den reichen Sebastian kennen. Alle Mädels starrten, doch er wählte mich. Er war zehn Jahre älter, besaß ein Schloss im benachbarten Dorf, sein Vater ein einflussreicher Bauunternehmer. Er schenkte Blumen, fuhr mich ins Kino ich verliebte mich bis über beide Ohren.

Wir lebten zusammen im Schloss. Alles war gut, bis ich die Schwangerschaft bemerkte. Dann änderte er sich. Er wurde gewalttätig, kam betrunken nach Hause, beschimpfte mich. Vor zwei Wochen brachte er eine andere Frau nach Hause und vergnügte sich mit ihr vor meinen Augen. Ich packte meine Sachen, wollte fliehen, doch er schlug mich und sagte: Wohin willst du? Du wirst mein Kind zur Welt bringen, dann wirf ich dich weg! Dein Sohn wirst du nie sehen! Er schloss mich im Zimmer ein, ließ das Dienstmädchen nur Essen bringen.

Gestern Abend ließ die Hausangestellte Ursula die Tür einen Spalt offen. Ich rannte, so schnell ich konnte, bis ich hier ankam. Danke, dass ihr mich rettet.

Elisabeth, erschüttert, fragte mitfühlend:

Gibt es einen Ausweg? Was willst du jetzt tun?

Keine Ahnung. Bitte treibt mich nicht fort! Sebastian nimmt das Kind nach der Geburt, wirft mich raus, ich bin nichts, nur eine Waise ohne Rechte. Vielleicht sollte ich mein Leben beenden schluchzte Liselotte.

Wir werden das nicht zulassen! Mein Sohn Thomas ist örtlicher Polizeikommissar, er kommt gleich nach seiner Schicht. Wir erzählen ihm alles, vielleicht hilft er.

Thomas fuhr nach einem langen Dienst nach Hause, nachdenklich über das Unglück des Lebens. Vor Kurzem hatte er sich von seiner Frau Iris getrennt die hatte nicht mit seinem geringen Polizeigehalt und den ständigen Dienststress umgehen können. Sie wollte, dass er das Amt aufgibt und ein Geschäft eröffnet, bevor sie mit einem reichen Freund ins Ausland flog. Thomas kehrte zu seiner Mutter ins Elternhaus zurück und dachte, Frauen seien nur eigennützig.

Er betrat das Haus, rief:

Hallo, Mama! und ging in die Küche, wo das Essen duftete.

Elisabeth stellte ihm Liselotte vor:

Thomas, das ist Liselotte. Sie braucht Hilfe.

Thomas war verwirrt:

Habt ihr die ganze Nacht nach mir gesucht?

Liselotte sah aus wie ein verängstigtes Reh: große, tränengefüllte blaue Augen, dichte Wimpern, langes, goldblondes Haar zu einem Knoten gebunden, ein dünner, aber deutlich sichtbarer Babybauch. Ihr Anblick rührte ihn zutiefst.

Bitte verratet mich nicht!, flüsterte sie.

Thomas war schockiert und wütend. Er wusste nicht, wie er helfen sollte, doch sein Gewissen ließ ihn nicht los. Er fragte nach ihren Dokumenten.

Alles ist bei Sebastian im Herrenhaus. Er hat meinen Pass und die Schlüssel genommen, damit ich nicht fliehen kann. Ich habe Angst, zurückzugehen.

Thomas überlegte und sagte:

Du wohnst erst einmal bei uns. Ich fahre in die Stadt, besorge Kleidung und alles, was du brauchst. Dann kläre ich über Sebastian alles, was ich kann.

Liselotte weinte:

Das ist gefährlich! Ich habe das selbst verursacht! Entschuldigt, dass ich euch in Gefahr bringe.

Keine Sorge, das ist mein Beruf Menschen zu helfen. antwortete Thomas entschlossen.

Durch seine Kontakte erfuhr Thomas, dass Sebastian Malte Berger, Sohn eines bekannten Bauunternehmers, verdächtigt wird, illegalen Drogenhandel zu betreiben. Die Polizei hatte schon lange ein Auge auf ihn, doch Beweise fehlten. Thomas suchte das Herrenhaus auf, klopfte an die Tür. Ein gepflegter junger Mann öffnete, sah überrascht aus.

Wer sind Sie und was wollen Sie? fragte der Mann.

Ich bin Thomas, Ihr Polizeikommissar. Ich möchte über Ihre Haltung gegenüber Liselotte sprechen.

Der junge Mann, Sebastian, brüllte:

Du lädst dich ein, du lausiger Mistkerl! Sie ist nur ein hässliches Schlamassel! Ich nehme ihr Kind und das war’s! Was willst du? Geld? Macht?

Thomas blieb ruhig: Sie haben kein Recht, ihr Kind zu entwenden. Das ist ein Vergehen!

Sebastian fuhr die Faust hoch und schrie: Ich habe keinen Bedarf an dieser Narbe! Ich will nur das Kind! Und ihr seid alle Heuchler!

Thomas ließ die Stimme zittern vor Zorn: Sie werden sich nicht damit herausreden lassen! Mein Vater, der Bauunternehmer, kennt den ganzen Dreck, den ihr treibt. Ich habe belastende Unterlagen, die ich veröffentlichen kann.

Sebastian knallte die Tür zu. Thomas ging zum Büro des Unternehmers, legte die Akten auf den Tisch, erklärte die Situation. Der Mann, ein bulliger Berliner, las, zuckte mit den Schultern und sagte:

Gut, ich kümmere mich drum. Ich will keine weiteren Ärgernisse. Er versprach, die Dokumente zurückzugeben und Liselotte zu schützen.

Thomas rannte zurück, das Herz pochte wie ein Trommelschlag. Im Haus sah er Liselotte, wie sie in der Küche mit Elisabeth Pfannkuchen formte, den Teig klebte, die Hände in Mehl verkrustet. Der Anblick rührte ihn bis ins Mark.

Liselotte, du bist frei. Morgen kannst du wieder nach Hause ziehen, kein Grund mehr zu fürchten. sagte er.

Liselotte stürzte sich in seine Arme, weinte und flüsterte:

Danke, Thomas, ich dachte, ich würde sterben.

Elisabeth mischte sich ein:

Wie soll sie morgen umziehen? Wer wird sie versorgen? Sie hat ein Kind und keinen Job.

Thomas dachte nach:

Vielleicht finden wir Verwandte, Brüder oder Schwestern? Ich kenne jemanden, der alte Kontakte hat.

Sie begannen gemeinsam zu recherchieren, fanden eine alte Pflegerin aus dem Waisenhaus, erlangten den Namen von Liselottes Großmutter Gerda und folgten einer Spur, die sie zu einem verlassenen Bauernhof im Erzgebirge führte.

Die Enthüllungen erschütterten alle. Elisabeth weinte, als sie alte Fotos der längst verstorbenen Gerda sah und erkannte die Ähnlichkeit: Du siehst aus wie meine Schwester Anna. Ich habe das Bild gefunden.

Thomas, der plötzlich nachdachte, sagte leise: Sind wir vielleicht Cousins?

Elisabeth schüttelte den Kopf, aber das Herz pochte.

Das Leben beruhigte sich langsam. Liselotte gebar einen gesunden Jungen, den sie Simeon nannte, und zog mit ihm in eine kleine Wohnung. An den Wochenenden besuchten sie ihre Tante, Elisabeth sang dem Kleinen Schlaflieder, wie einst ihre Mutter es getan hatte.

Thomas aber veränderte sich. Er verlor an Gewicht, trank mehr, wurde zurückgezogen und konnte Liselotte kaum noch ansehen, ohne die Erinnerung an das Grauen zu spüren.

Elisabeth sah das Leiden ihres Sohnes und betete nachts verzweifelt:

Gott, gib mir Kraft, die Wahrheit zu sagen! Ich kann das Geheimnis nicht länger bewahren.

Endlich, bei einem weiteren Besuch, setzte Elisabeth Simeon auf die Terrasse, rief Thomas und Liselotte ins Haus, holte eine alte Truhe hervor und begann zu reden:

Thomas, mein Sohn, ich dachte, du würdest das nie erfahren, aber das Schicksal lässt uns nicht ruhen. Ich habe dich adoptiert, nachdem deine leibliche Mutter im Krankenhaus verstarb. Du bist mein leiblicher Sohn. Ich wollte dich schützen, doch jetzt muss ich es dir sagen.

Thomas starrte fassungslos:

Wie? Was soll das bedeuten?

Elisabeth erklärte, dass ihr Mann, Georg, früh gestorben war, sie nie wieder lieben konnte und im Krankenhaus viele Waisenkinder betreute. Eines Tages brachte eine junge Mutter ein Kind, ließ es zurück und verschwand. Elisabeth nahm das Kind, nannte ihn Thomas, und zog ihn als ihren eigenen Sohn auf.

Thomas fiel auf die Knie, umarmte seine Mutter, flüsterte:

Danke, dass du mir die Wahrheit sagst. Ich habe dich immer geliebt.

Liselotte stand sprachlos da, Tränen rannen über ihr Gesicht:

So etwas kann doch nicht wahr sein

Thomas, nun gefasst, wandte sich an Liselotte:

Liselotte, ich habe mich von Anfang an in dich verliebt. Darf ich dich heiraten? Ich will dich und unser Kind schützen.

Liselotte nickte, ihr Herz pochte vor Glück.

So endete das düstere Kapitel. Liselotte brachte einen gesunden Sohn, Simeon, zur Welt, lebte glücklich mit ihrer Familie. Thomas, obwohl von Zweifeln geplagt, fand Frieden, und Elisabeth, endlich befreit von ihrem schweren Geheimnis, sah das Lächeln ihrer Enkelkinder und wusste, dass das Leben trotz aller Stürme weitergeht.

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