„Und jetzt hat sie ihre Sachen gepackt und ist flink zur Tür hinaus, – erklärte Alexej seiner Schwägerin…“

Und jetzt pack ich meine Klamotten und schlüpfe flink durch die Tür, sagte Klaus zu seiner Schwägerin, während er die Tür hinter sich zuflog.

Heike! Hörst du mich?, rief er, noch bevor er das Haus betreten hatte.

Ja, ich hör dich, antwortete sie, ohne den Bildschirm zu verlassen, auf dem sie noch mit dem digitalen Stift zeichnete.

Dirk mit seiner Frau und der Tochter wollen übernachten!

Heike wusste genau, wer Dirk war ihr Schwäger, ein bisschen jünger und immer mit der Kamera am Hals. Er war praktisch mit dem Fotoapparat geboren, knipste ständig, meist aber ModelFotos, weil er Frauenbilder liebte.

Er fing beim Lokal­zeitungsSportteam an, dann im WerbeBüro, und plötzlich stand er bei einem Schönheitswettbewerb für ihn ein echter Klondike. Und das reichte ihm nicht: Er fotografierte Hochzeiten, FirmenPitches, überall, wo Geld lockte. Selbst bei der Hochzeit seines Bruders konnte er nicht stillsitzen, lachte ständig über die Braut und knipste ständig.

Heike legte den Stift beiseite, richtete sich auf. Genau da kam Klaus ins Zimmer, und sie lächelte ihn an.

Dann gebe ich jetzt das Okay, sagte sie.

Er fragte nach den Gästen, was Heike gerade recht angenehm fand sie lebten am Meer, und jeder wollte vorbeikommen. Heike hatte nichts dagegen, nur dass ihr Häuschen klein war und erst seit letztem Jahr ein Gästehaus gebaut wurde.

Der Umbau muss fertig werden, erinnerte sie ihren Mann, der nicht gerade ein geschickter Handwerker war.

Da fehlt nur noch das Feintuning.

Wann planen sie?, fragte Heike.

Wenn alle einverstanden sind, schätze ich in zwei Wochen.

Dann dürfen sie kommen.

Wollen wir spazieren gehen?, schlug Klaus vorsichtig vor.

Viel Arbeit, meinte Heike.

Ich verstehe, aber vielleicht doch

Heike verließ selten das Haus. Nur abends, wenn es nicht zu heiß war, pflegte sie den Garten. Meist saß sie drinnen und zeichnete, zeichnete und zeichnete. Sie war deshalb etwas schlanker, hielt Diäten, zählte Kalorien, doch dann gab sie nach, aß weiter, schimpfte mit sich selbst und fing von vorn an.

Draußen rauschte die Ostsee, im Garten blühten Rosen, ihr Duft erfüllte die Luft. Auf der Fensterbank döste der plüschige Kater Mieze und gähnte gelegentlich, wenn Möwen vorbeiflogen.

Klaus ging hinaus. Heike stand auf, massierte ihren Rücken, stellte sich auf die Waage und seufzte, als die Zeiger nach oben kletterten.

Schon wieder, dachte sie traurig, ein halbes Kilo mehr.

Sie blickte auf die Tüte mit Haferkeksen, die sie morgens im Büro gelassen hatte, und hatte schon die Hälfte gefuttert.

Vielleicht noch ein Stück, dann reichts, überlegte sie. Die Hand wollte nach der Tüte greifen, doch dann schämte sie sich, schloss sie und brachte sie in die Küche.

Wenn Heike von zu Hause aus arbeitete, reichte ihr das allein: Sie illustrierte Bücher. Klaus hingegen hatte vor fünf Jahren seine eigene Werbeagentur gegründet und war meist unterwegs.

Er hatte erst VisitenkartenDruckmaschinen gekauft, dann Kameras, dann Studenten für Grafik eingestellt, dann Künstler, Drehbuchautoren alles wuchs kaum merklich. Er wusste, dass die Werbewelt sich ändert, stellte ein Team für Websites und OnlineShops zusammen. Heute hatte er 15 Angestellte und etwa gleich viele Freelancer. Das brachte gutes Geld. Früher lebten sie im Norden, aber im Sommer zogen sie in den Süden, nach Usedom. Dort wollte die Hausbesitzerin ihr Grundstück verkaufen.

Klaus winkte ab. Er war voll im Job, Heike fand das Grundstück spannend 20Ar, nicht perfekt gelegen, aber eine schöne Hanglage.

Nach Rücksprache mit seinem Vater bekam Dirk das Geld, und als das Stück Land da war, musste Klaus einbauen. Zwei Jahre später stand ein kleines Haus mit drei Zimmern, und als Gäste kamen, bauten sie ein Gästehaus dazu.

Obwohl Heike und Klaus vorher geheiratet hatten, war ihre Tochter Lotte im Alter von fünf Jahren fast gleich alt wie Annalena, die Tochter von Dirk und Jule. Dirk war noch ledig, aber Jule drückte darauf, dass er endlich heiraten sollte.

Anfang Sommer schickte Heike ihre Tochter zu ihrer Mutter. Annalena war fünf, bald ging sie in die Schule. Heike wollte, dass die beiden Mädchen sich treffen, also fuhr sie zu Jule.

Ich bin gleich zurück, sagte sie zu Klaus. Unterhalte die Gäste und bitte, deckte sie den Monitor mit einer Folie ab, damit niemand stört.

Ich schließe die Tür ab, scherzte Klaus.

Heike flog beruhigt los. Zwei Tage später landete Dirk mit seiner Frau Jule und ihrer Tochter Annalena bei ihnen.

Wow!, rief Jule begeistert. Sie hatte viel von dem Haus ihres Bruders gehört, aber noch nie dort gewesen.

Das ist alles Heike, sagte Klaus stolz und zeigte in den Garten.

Der Garten war eher wild: Birnen, Nüsse, Apfelbäume, Pflaumen alles ein bisschen. Das Gras wuchs so schnell, dass Klaus gar nicht mehr mit dem Rasenmäher nachkommen konnte.

Lotte, dort drüben ist die Kirsche, sagte Klaus leise und zeigte auf einen hohen Baum. Das Mädchen rannte sofort los.

Schön hier, lobte Dirk und zog die Koffer ins Gästehaus.

Was gibt es bei euch?, fragte Jule neugierig.

Klaus lief fast eine Stunde den Hof ab, erklärte jede Pflanze, dann gingen sie den Hang hinunter ins Haupthaus. Als die Tür zu Heikes Arbeitszimmer offen stand, trat Klaus ein. Lotte, wie die Herrin, schob die Schutzfolie vom Bildschirm und griff nach dem Stift.

Stopp!, sagte er fest. Da darf man nichts anfassen.

Er nahm den Stift, legte ihn ins Regal. Im Prinzip sollte man dieses Zimmer nicht betreten.

Lotte rannte hinaus, Klaus hängte die Folie zurück und schloss die Tür hinter sich.

Ist deine Frau immer noch so rundlich?, fragte Jule mit einem spöttischen Lächeln.

Klaus verzog das Gesicht. Er wusste, dass Heike nicht schlank war, aber Jule war früher Model, also nicht zu vergleichen. Er versuchte, höflich zu bleiben: Nicht jeder muss so schlank sein wie du.

Jule grinste selbstgefällig. Aber man sollte einfach weniger essen.

Verstehe, stimmte Klaus zu. Heike hat viele Diäten ausprobiert, Kalorien gezählt, aber

Man muss einfach weniger essen, wiederholte Jule.

Klaus merkte, dass er nicht klar rüberkam, also sagte er offen: Bei Heike sag ich das nicht.

Jule schnaufte, zuckte mit den Schultern und fuhr fort: Man sollte einfach weniger essen, nicht so viel fressen, sonst wird man zur Schweinehund.

Klaus räusperte sich. Er verstand nicht, warum diese Modelle immer so gemein waren. Sie prahlten mit ihrer Figur, die sie nie selbst erarbeitet hatten, und suchten immer einen Grund, andere runterzumachen.

Am nächsten Tag kam Heike mit Annalena zurück. Klaus begrüßte sie, seufzte, setzte sich und umarmte die Kleine. Das Mädchen wirkte voller Leben, Backen und Lippen voll.

Oma, sagte Heike, als wolle sie die Situation beschützen. Keine Sorge, in ein paar Tagen läuft das wieder. Sie wird schwimmen, rennen, das wird schon wieder gut.

Und wie stehen unsere Gäste?, fragte Heike.

Sie sind jetzt am Meer, kommen gleich zurück, antwortete Klaus.

Haben sie nicht nur Pizza gegessen?, fragte Heike, während sie den Kühlschrank öffnete. Jule hat doch was gekocht, oder?

Nein, Jule hat was gemacht, aber sie ist wohl nicht verhungert, erwiderte Klaus.

Heike schaltete sich in die Küche, sagte: Ich mache gleich das Mittagessen. Nach einer Stunde kamen die Gäste zurück. Jule schwieg, doch ihr Blick und ihr Gesichtsausdruck zeigten, dass sie mit Heikes Aussehen und sogar mit Lottes Aussehen nicht zufrieden war. Sie hielt ihre Kritik zurück.

Das Essen war reichlich: Heike bereitete einen Rinderauflauf, Salate, Früchte und zwei Kuchen. Die Kinder aßen alles, doch nach zehn Minuten schimpfte Jule mit ihrer Tochter: Iss nicht so viel, sonst wirst du dick wie Annalena.

Glücklicherweise waren Heike und Annalena gerade nach draußen gegangen, doch Klaus hörte alles. Sein Gesicht wurde rot vor Wut, er wollte gleich etwas sagen, da rannte seine Tochter zu ihm: Papa, Papa, darf ich auf den Hügel?

Das Gästehaus lag im Tal, der Hügel hinter dem Grundstück war voller Haselnüsse und wilder Weinreben. Morgens weckte kein Wecker, die Vögel machten das. Anfangs störte Klaus das, später liebte er das Zwitschern.

Nimm Lotte mit, schlug er seiner Tochter vor. Sie lief zu Lotte, reichte ihr die Hand und sagte: Komm, ich zeig dir das Nest, da gibts auch Steine!

Lotte drehte sich zu ihrer Mutter, sah Annalena mit Missfallen an und sagte: Ich mag keine Schweine.

Klaus nahm seine Tochter, ließ sie zu ihrer Mutter gehen, die gerade die Blumen goss. Die Tochter rannte weinend los.

Klaus wandte sich an seinen Bruder, der noch mit seiner Frau und Lotte zusammensaß: Du hast meine Tochter beleidigt, weil du sie Schwein genannt hast.

Ich habe nichts gesagt!, protestierte Dirk.

Du hast geschwiegen, genauso wie deine Frau, sagte Klaus kalt, während er von Dirk zu Jule und dann zu Lotte blickte. Ihr habt meine Tochter alle gleichzeitig als Schwein bezeichnet.

Jule wurde rot, Dirk hatte nichts zu erwidern. Klaus sah die Familie eiskalt an, ging nach draußen.

Abends, als Heike den Tisch deckte, kamen Dirk und seine Familie. Klaus hoffte, dass jemand sich entschuldigen würde, doch sie taten, als wäre nichts geschehen. Heike bereitete ein wunderbares Abendessen zu, Dirk lobte das Essen, Klaus stützte ihn. Annalena lehnte sich zurück, Heike brachte Tee und ein paar Kuchen, die Klaus hatte gekauft.

Jule nahm einen, schnitt die Creme ab und biss. Lotte nahm ebenfalls ein Stück, aber dann erinnerte sie sich an ihr Versprechen, nicht mehr zu viel zu essen, legte den Rest beiseite.

Jule bemerkte das, lächelte und flüsterte: Um nicht dick zu werden, iss einfach weniger. Klaus klopfte laut auf den Tisch, Jule zuckte zusammen und sah verwirrt zu ihm.

Geh spazieren, sagte Klaus zu seiner Frau, die mit Lotte nach draußen ging. Der Hausherr blieb allein mit den Gästen.

Klaus ging zu seinem Bruder: Du hast meine Frau beleidigt. Dirk protestierte, Klaus erinnerte ihn daran, dass Jule gesagt hatte, Heike sei dick. Jule widersprach: Sie ist doch wirklich dick!

Klaus schlug erneut auf den Tisch, Jule zuckte wieder. Zuerst hast du meine Tochter Schwein genannt, jetzt meine Frau dick. Dirk flehte: Hör auf! Klaus blieb stumm. Jule sagte abschätzig: Entschuldige, ich bin nicht schuld, dass sie so ist

Klaus, kalt, sagte: Ihr könnt über Nacht bleiben, aber morgen früh müsst ihr gehen. Dirk schrie: Was?!

Und das nur, weil ich recht habe?!, kreischte Jule. Sie ist doch dick, eure Tochter ist dick!

Ein weiteres Wort, sagte Klaus, lehnte sich zurück, und ihr verlasst sofort mein Haus.

Jule sprang vom Stuhl, rannte zum Gästehaus, Lotte folgte ihr. Klaus richtete seine Worte an Dirk: Ich habe alles gesagt. Dirk schwieg, wohl wissend, was er zu sagen hatte.

Am Morgen, bevor das Frühstück ausblieb, verließ die Familie des Bruders hastig das Haus. Der Duft blühender Magnolien lag in der Luft, die Sonne begann zu brennen.

Wohin gehen die denn?, fragte Heike Klaus, während sie den Tisch mit einem Geschirrtuch abwischte. Gefällt dir das Gästehaus nicht?

Alles gut, erwiderte Klaus, zog die Gardine zurecht.

Aber warum?, hakte Heike, setzte sich an den Stuhlrand.

Weil es so ist, sagte er. Wie wärs, wenn wir heute ans Meer fahren und den ganzen Tag dort verbringen?

Natalie sprang sofort ins Schlafzimmer, kam kurz darauf im Badeanzug mit einem riesigen Luftballon zurück. Ihre fröhlichen Schritte hallten durchs ganze Haus.

Ich bin bereit!, rief sie und hüpfte zur Tür, während ihre Mutter ihr hinterherlief, um sich umzuziehen.

Klaus war ein bisschen traurig er hatte seinen Bruder lange nicht gesehen und hoffte, dass die beiden Mädchen Freundinnen werden. Heike kam, praktisch und vorausschauend.

Wir haben Wasser, Früchte, Handtücher und Sonnencreme, sagte sie und packte alles in einen großen Strandbeutel.

Super, dann los, antwortete Klaus, schmiss den Koffer von seiner Schulter und zog sich ebenfalls um.

Fünf Minuten später standen sie am Hügel und liefen zum Strand. Die südliche Sonne wurde immer heißer, die Meeresbrise brachte den salzigen Duft von Wasser und Algen.

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