28.September 2025 Ein kühler Septemberabend in Berlin, als ich endlich die Schlüssel zu meiner lang ersehnten Wohnung im Neubau Am Waldrand erhielt. Ich bin 35Jahre alt, arbeite als Logistikmanager bei einer internationalen Spedition und mein Alltag ist von ständiger Eile geprägt. Unter meinen Schuhen knisterten die fallenden Buchenblätter, die den frisch asphaltierten Fußweg säumen. Am Hauseingang steht ein Sicherheitsbeamter, der die Bewohner mit kurzen Blicken mustert, aber sich nicht einmischt. Der Flur riecht nach frischer Farbe und Putz, die Deckenlampen flackern bei jedem Schritt. Ich hege große Hoffnung: Diese Wände sollen mein sicherer Rückzugsort werden. Auf dem Weg zum Aufzug sehe ich Monteure, die hastig Kabel verlegen sie wollen noch vor der offiziellen Bauabnahme etwas fertigstellen. Schließlich öffne ich die schwere Tür meiner Wohnung und spüre zugleich Stolz und vorsichtige Freude. Dieser Moment markiert den Anfang eines neuen Lebensabschnitts.
Meine Einzimmerwohnung wirkt geräumig, obwohl Staub noch an den Fußleisten des Flurs liegt. Von der sechsten Etage aus blicke ich aus dem Fenster: Im Innenhof stehen neue Schaukeln und Beetbeete mit herbstlichen Blumen, dahinter erstreckt sich ein ungekennzeichneter Parkplatz. Am ersten Abend stelle ich einen Stehlampe auf den Boden und drehe das Wasser auf, um den Druck zu prüfen. Das warme Wasser läuft unregelmäßig, in den Rohren hörte ich Luftstöße. Ich fülle einen großen Topf, falls ich das Wasser zum Putzen benötigen sollte. Ich überrede mich, dass kleinere Mängel bei jedem Neubau vorkommen. Beim Rundgang durch die Räume fühle ich die Wände im Bad sie sind uneben, als wären sie hastig verputzt, doch ich will das nicht zum Hauptthema machen.
Am Morgen treffe ich meine Nachbarin aus der gegenüberliegenden Wohnung, Anneliese Schneider. Sie wühlt hastig in Kartons an der Tür und klagt, dass ein Teil der Steckdosen nicht funktioniert. Die Baugesellschaft hatte versprochen, die Elektroinstallationen vor Schlüsselübergabe zu prüfen, aber offensichtlich blieb das bei den Plänen. Ein weiterer Nachbar, etwa 40Jahre alt, meldet Feuchtigkeit unter seiner Küchenfensterbank und ein Brummen der Heizkörper, sobald er das Badventil öffnet. Mir wird klar: Die Probleme sind nicht Einzelfälle wir müssen sie gemeinsam angehen. Aufschub bedeutet weitere Kosten, und das lässt die anfängliche Zuversicht in Sorge übergehen. Niemand hatte mit solch gravierenden Mängeln nach der feierlichen Abnahme gerechnet.
Innerhalb einer Woche tauschen die Bewohner Telefonnummern aus und schicken einander Fotos von Lecks, Rissen in den Wänden und schief hängenden Türen. Bald wird eine Versammlung im Eingangsbereich organisiert, um die gesammelten Beschwerden zu besprechen. Einige haben bereits festgestellt, dass die Fensterbänke bei Druck nachgeben, andere bemängeln den schlechten Schallschutz zwischen den Wohnungen. Ein älterer Herr berichtet, dass seine Badewanne keine ordnungsgemäße Abdichtung hat und Wasser zu den Bewohnern darunter sickert. Während ich den Erzählungen lausche, spüre ich, dass wir alle in dieselbe unangenehme Geschichte hineingezogen werden: Der Bauträger hat die Schlüssel übergeben, aber viele Fragen bleiben offen. Lange Gerichtsverfahren sind zwar abschreckend, doch das Ignorieren der Mängel ist ebenfalls keine Option. Am Abend einigen wir uns, in wenigen Tagen ein Aktionsplan zu erstellen.
Beim zweiten Treffen beschließen wir, eine detaillierte Mängelliste zu erstellen. Wir durchkämmen alle Etagen, prüfen Treppenhäuser und suchen den Vertreter der Baugesellschaft, der nur flüchtig im Foyer auftaucht. Es stellt sich heraus, dass einige Türen nicht fest verankert sind und an den Rahmen baumeln, und ein Kinderwagen bereits an den Fliesenfugen hängen bleibt. Im Technikgeschoss finden wir Bauabfälle und Feuchtigkeitsflecken. Ich schlage vor, eine InitiativeKommission zu bilden, die sich mit Bauplänen, Kostenaufstellungen und Normen auskennt. Die Idee wird begeistert aufgenommen gemeinsam geht es leichter. Nach der Versammlung gehen wir mit dem Bewusstsein auseinander, dass noch viel Arbeit vor uns liegt.
Am Wochenende trifft sich die Kommission in meiner noch möblierten Wohnung. Auf dem nackten Boden liegt ein altes Bettlaken, darauf ein paar Plastikstühle. Vier Nachbarn bringen Fotos der Schäden und Kopien des Teilungsertrags, um die Garantieklauseln zu prüfen. Ein Anwalt aus dem dritten Stock erklärt, dass die Wohnungsabnahme durch das Bundeswohnungsbaugesetz geregelt ist und gravierende Mängel dem Eigentümer das Recht geben, die Übergabe zu verweigern. Ein offizielles Mängelprotokoll muss jedes Defizit festhalten, damit der Bauträger es nicht ignorieren kann. Nach der neuen Regelung von 2025 hat die Firma maximal sechszig Tage, um jeden Punkt zu beheben. Ein Nachbar schlägt vor, sämtliche Punkte in einer gemeinsamen Datenbank zu sammeln.
Zehn Personen, mich eingeschlossen, übernehmen jeweils einen Bereich: Elektrik, Haustechnik, Schallschutz, unabhängige Sachverständige. Ich bin für die Kommunikation mit der Baugesellschaft zuständig und will ein offizielles Schreiben zur Gesamtabnahme schicken, das einen gemeinsamen Durchgang durch das gesamte Gebäude fordert. Die Nachbarn beschließen, bei Verzögerungen Journalisten und die Stadtverwaltung einzuschalten. Ohne Druck würden die Mängel bleiben. Wir planen, schnellstmöglich offizielle Anträge zu formulieren und die Auftragnehmer zu kontaktieren.
Einige Tage später erhalten wir eine EMail vom Bauträger. Die Geschäftsführung erklärt, dass sie eine Besichtigung organisieren will, jedoch nur ausgewählte Wohnungen prüfen möchte, um Zeit zu sparen. Wir lehnen das ab und bestehen auf die Anwesenheit eines unabhängigen Experten, der Wände, Estrich und sämtliche Mängel messen kann. Der Tag der Besichtigung kommt, das Wetter ist trüb, Regen und Wind peitschen gegen die Vordachkanten, während Herbstblätter in Pfützen platschen. Ich beobachte das Geschehen mit kühlem Blick und erinnere mich daran, dass hier das Gemeinwohl steht. Ich fürchte, der Bauträger könnte Ausflüchte finden, aber ich konzentriere mich auf das Wesentliche.
Gemeinsam mit dem Experten gehen wir in das oberste Stockwerk und finden feuchte Stellen an der Decke sowie abblätternden Putz. Der Sachverständige dokumentiert alles: Fotos, Messwerte, Hinweis auf mangelhafte Dachabdichtung als Ursache. Weiterhin prüfen wir die unvollständigen Lüftungsanlagen, lose Elektroinstallationen und verzogene Türrahmen. Der Vertreter des Bauträgers versucht, die Probleme als Bagatellen abzutun, doch wir fügen weitere Punkte ins Protokoll ein und fordern verbindliche Fristen. Die Stimmung wird hitzig, keiner will ohne ein klares Ergebnis gehen. Ich spüre, dass wir kurz davor stehen, den Druck nach außen zu verstärken.
Zur Mittagszeit treffen sich beide Parteien im Foyer, um das Abschlussprotokoll zu unterschreiben. Darin stehen sämtliche Mängel detailliert aufgelistet von nicht verfüllten Fugen bis zu erheblichen Dachlecks. Der Bauträger erkennt, dass er nicht ungestraft davonkommen kann: Die Kommission droht mit kollektiver Presse und Verwaltungsbeschwerde, falls die Arbeiten nicht zügig beginnen. Der unabhängige Experte verlangt einen Kontrolltermin in sechszig Tagen, was im Dokument vermerkt wird. Bei den meisten Nachbarn leuchtet ein Funken Zuversicht auf; wir haben gemeinsam echten Druck erzeugt. Das Protokoll wird unterschrieben, Kopien gehen an alle. Schulter an Schulter stehen wir, um unser Zuhause sicher und lebenswert zu machen.
Am nächsten Morgen erscheint ein DreierTeam vor dem Haus, lädt Werkzeuge aus und betritt das Treppenhaus, wo noch Baummaterialien lagerten. Die Nachbarn hören, dass der Bauträger die offensichtlichsten Mängel beseitigt. Ich erfahre das in der WhatsAppGruppe der Kommission und stürze hinunter, um den Fortschritt zu sehen.
Die Arbeiter korrigieren die schiefe Tür, die bei jedem Zugwind geklopft hat. Wir versammeln uns, beobachten, wie der Monteur das Türblatt justiert, ein Wasserwaage prüft und Montageschaum einsetzt. Es ist ermutigend, dass die kleinen Dinge nicht länger aufgeschoben werden. Größere Probleme bleiben: Lecks in den oberen Etagen, schwache Lüftung im Technikgeschoss und Feuchtigkeit an Rohrverbindungen. Ich weiß, dass deren Behebung zusätzlichen Aufwand und weitere Aufträge erfordert.
Noch am selben Tag ruft mich die Nachbarin aus der siebten Etage an: Im Bad funktioniert endlich der WarmwasserDurchfluss, die Luftstöße sind weg, die Heizung brummt nicht mehr. Kurz zuvor hat ein Elektriker die Schalttafel aktualisiert und eine fehlerhafte Stromspur abgeschaltet, um Kurzschlüsse zu beheben. Die Bewohner freuen sich, doch niemand lässt die Wachsamkeit nach. Das Gesetz gibt dem Bauträger sechszig Tage, um alle im Protokoll festgehaltenen Mängel zu beheben. Schnell erledigte Arbeiten bedeuten nicht, dass größere Defizite verschwiegen werden.
Am Abend versammelt sich die Kommission in einer leerstehenden Zweizimmerwohnung im zweiten Stock. Der Eigentümer lässt uns hinein, weil noch keine Möbel stehen. Auf Plastikstühlen breiten wir Ausdrucke aus: Fotos der Heizungsräume, Vertragskopien, Notizen zu jedem Treppenhaus. Der Anwalt erinnert uns daran, dass unser Teilungsertrag und das Bundeswohnungsbaugesetz unsere Rechte schützen. Mit dieser Basis können wir den Bauträger zur Einhaltung seiner Pflichten zwingen.
Nach und nach stellen wir fest, dass in einigen Eingängen bereits die Fugen versiegelt, Steckdosen erneuert und die Heizungsleistung eingestellt wurden. Der umfassende Dachausbau steht jedoch noch aus. Im Technikgeschoss bleiben Feuchtigkeitsflecken, und mehrere Bewohner fürchten, dass kommende Herbststürme neue Lecks verursachen könnten. Ich schlage ein offizielles Schreiben vor, das die Firma auffordert, die Dachabdichtung zu beschleunigen dort liegt die Ursache für die Deckenprobleme. Wir einigen uns, in den nächsten Tagen das Schreiben mit Fotos und den Messwerten des Experten zu ergänzen. So entsteht ein klarer Handlungsrahmen, den jedes Kommissionsmitglied befolgt.
Ende Oktober beginnen intensivere Arbeiten. Auf dem Dach tragen Arbeiter Folien aus, befestigen Lüftungsrohre und sichern die Konstruktion. Passanten sehen Sicherungsseile an der Fassade. Die Bewohner spüren Erleichterung: Zwar spät, aber das Haus wird endlich saniert. Ich beobachte das Gerüst, erinnere mich an die Zweifel von vor wenigen Wochen, dass der Bauträger die Mängel nie beheben würde. Jetzt ist klar: Das gemeinsame Handeln hat greifbare Ergebnisse gebracht.
Nach zwei Wochen ist die Dachabdichtung fertig, die neuen Profile für die Entwässerung sitzen und die Lüftungsschächte funktionieren. Im Herbstlicht sehe ich das sorgfältig verlegte Material und stabile Befestigungen. Früher löste sich Putz, hinterließ Feuchtflecken; jetzt ist alles glatt und trocken. Ich rufe den unabhängigen Experten, der zugesagt hat, in einigen Tagen die Schlussabnahme zu machen.
Anfang November ruft die Kommission zu einem Treffen vor dem Haupteingang. Das Wetter wird kälter, morgendliche Reifeschichten bilden sich, alle ziehen sich warm an. Ich weise darauf hin, dass die sechzigTageFrist bald endet. Laut meinem Bericht sind die Hauptpunkte bereits behoben oder in der Endphase. Die Elektroinstallationen wurden erneuert, Lecks in den oberen Etagen beseitigt, die Lüftung läuft einwandfrei. Noch offen sind kleinere Reste: Restliches Baumaterial im Technikbereich und einige kleinteilige Schlüsselelemente in den Fluren.
Die Bewohner feiern die größte Errungenschaft das Gefühl von Einheit und realer Durchschlagskraft. Noch vor einem Monat herrschte Zweifel, heute ist klar: Der kollektive Wille lässt sich nicht ignorieren. Ich danke jedem Mitglied der Kommission für den unermüdlichen Einsatz. Der Anwalt betont, dass unser gemeinsamer Druck besser funktioniert als jede externe Intervention.
Am selben Tag kommt der unabhängige Sachverständige, derselbe, der die ersten Mängel im Herbst dokumentierte. Er geht die Etagen ab, prüft die Fliesenebenen, inspiziert das Dach. Er stellt fest, dass der Großteil der Beanstandungen behoben ist. Noch müssen einige Wohnungen hinsichtlich Schallschutz nachgebessert werden; dort wurde bereits zusätzliches Dämmmaterial eingebracht. In seinem Abschlussbericht beurteilt er die Reparaturarbeiten als zufriedenstellend und empfiehlt, das Abnahmeprotokoll zu unterschreiben.
Am Abend versammeln sich die Nachbarn in einem kleinen Raum im Erdgeschoss, der bald als Hausmeisterzimmer dienen soll. Dort lagerten noch Baumaterialien, doch wir räumen die Ecke, stellen einen Wasserkocher hin und bringen Kuchen mit. Alle freuen sich über das Ende der Hauptbeanstandungen und diskutieren, wie sie ihre Wohnungen einrichten wollen. Der Bauträger verspricht, die noch verbleibenden kosmetischen Punkte in den vereinbarten Fristen zu erledigen und neue Anliegen im Rahmen der Gewährleistung zu bearbeiten.
Ich beobachte das lebhafte Treiben, fühle eine stille Zufriedenheit, obwohl ich erschöpft bin. Mein Nachbar dankt mir, weil ich die Initiative für die Kommission ergriffen habe. Meine Antwort: Ohne das gemeinsame Engagement wäre nichts vorangekommen. Die Blicke der Menschen sind wärmer, viele fühlen sich zum ersten Mal wirklich als Teil einer Gemeinschaft.
In der dritten Novemberwoche trifft sich die InitiativeGruppe erneut mit dem Vertreter des Bauträgers, um das endgültige Abnahmeprotokoll zu unterzeichnen. Der Experte prüft erneut mehrere Eingänge, bestätigt, dass keine Lecks mehr vorhanden sind und die Fugen dicht sind. Im Dokument wird die Garantiefrist festgehalten, die Kommission bestätigt, dass alle Punkte erfüllt sind. Der Vertreter des Bauträgers räumt ein, dass er von Anfang an nach den Regeln hätte arbeiten sollen, und verspricht, die Lehren in künftigen Projekten zu berücksichtigen. Die Bewohner verlassen den Raum mit einem Gefühl des verdienten Erfolgs.
Bis Dezember wird das Haus immer bewohnbarer. Einige haben bereits Möbel aufgestellt, das Internet läuft, die Wohnräume wirken lebendig. Der Flur ist ruhiger, Nachbarn grüßen einander freundlich. Dort, wo einst lose Kabel hingen, hängen jetzt ordentliche Leuchten, und die Aufzugstüren fangen nicht mehr Kinderwagen ein. Kleine Mängel können noch auftreten, doch wir haben gelernt, sie gemeinsam zu lösen. Während ich den Korridor entlanggehe, erinnere ich mich daran, dass ich anfangs allein dem Bauträger gegenüberstand. Jetzt weiß ich: In diesem Haus gibt es keine Einzelkämpfer, wir schätzen gemeinsame Ziele.
Zum Abschluss des Tages werfen die Bewohner einen Blick auf das Informationsboard im Eingangsbereich. Dort stehen Hinweise zur weiteren Nutzung, Kontaktdaten der Hausverwaltung und die Hotline des Bauträgers. Wir beschließen, die Kommission dauerhaft zu erhalten, um zukünftige Fragen ruhig und organisiert zu klären. Wir gehen nach draußen, das Abendlicht spiegelt sich in den kürzlich getrockneten Pflastersteinen. Alles wirkt sicher und vertraut ein echtes Zuhause. Persönliche Erkenntnis: Nur durch Zusammenhalt und konsequentes Handeln können wir die Qualität unseres Lebensraums sichern.







