Zwei plus eins: Ein faszinierendes Dreiecksverhältnis

Zwei plus eins

Durch meine Hände sind im Laufe meiner zwanzigjährigen Tätigkeit im abgelegenen nördlichen Geburtshaus rund zwölftausend Neugeborene gegangen. Doch manche Fälle brennen sich ein und einer davon ist meine einzige Drillingsgeschichte! Darum geht es jetzt.

Es war ein junges Paar, das sein erstes Kind erwartete. Der Vater, Ahmet Yıldız, wurde über das Vermittlungs­system in unser kleines Städtchen Cuxhaven geschickt; er arbeitet als Fluggerätetechniker auf dem örtlichen Flugfeld. Sie wohnten in einem winzigen Zimmer im Wohnheim. Die Mutter, Leni Schwarz, kam aus Berlin. Sie war eine energiegeladene, leuchtend rothaarige Schönheit Frau zu sagen, fiel mir schwer.

Der Vater stammt aus der Türkei, ist stämmig, gelassen und fast schon ein wenig lässig. In den damals noch unbeschwerten Tagen nach dem Aufschwung war das völlig normal. Schon früh erfuhren sie, dass Zwillinge unterwegs waren.

Leni wollte zur Geburt in die Hauptstadt zu ihrer Mutter fahren, doch die Wehen setzten bereits in der 32. Schwangerschaftswoche ein. Genau in meinem Dienst kam Vika zu uns ins Krankenhaus. Das Hauptgebäude war gerade wegen einer gründlichen Reinigung gesperrt, also arbeiteten wir vorübergehend im GynäkologieFlügel.

Die diensthabende Oberärztin war Dina Iwanowa Krull erfahren und kompetent. Beim ersten Blick auf die werdende Mutter vermutete sie eine ungünstige Lage der Kleinen. Das bedeutete, dass eine natürliche Entbindung extrem gefährlich wäre. Schnell stand die Entscheidung für einen Kaiserschnitt. Ein Röntgenbild klärte schließlich, wie die Babys lagen: zwei Kinder, eines mit Kopfvoran, das andere mit den Füßen nach unten.

Wir machten uns also gemeinsam an die OP. Zuerst kam ein Junge, 1700g schwer, heraus. Während ich und die Schwester ihm die erste Hilfe gaben, holte das Team den zweiten Jungen, 1600g, heraus. Kaum hatten wir uns wieder beruhigt, hörte ich hinter mir die Stimme der Ärztin:

Jetzt noch das Dritte!

Ich war nicht in der Stimmung für Scherze die beiden Knaben waren bereits klein und schwach! Ich murmelte wohl ein paar spitze Bemerkungen zu den Kollegen, aber der laute Aufschrei ließ mich zusammenzucken. Und dann: Oh ja!

Ein drittes Kind wurde mir gereicht ein Mädchen, 1400g leicht. Ich war völlig perplex. Wie konnte sie im Röntgenbild unsichtbar bleiben? Es stellte sich heraus, dass die beiden Jungen nebeneinander entlang der Gebärmutter lagen, während die Kleine quer darunter versteckt war ein echter Schutz für die Dame!

Nur dank Dina Iwanowa Krull, die auf die OP bestanden hatte, hatten die drei eine Chance zu überleben. Wir übernahmen die Versorgung der kleinen Greta zusammen mit der Schwester. Unser Kreißsaal war nicht für so einen Ansturm ausgelegt, und es gab nur ein einziges SonderKinderbett für Frühgeborene. Dort legten wir die drei zusammen und sie passten tatsächlich.

Die ganze Nacht blieb ich bei den Kleinen, voller Sorge. Am Morgen stabilisierte sich ihr Zustand. Gerade als der Wecker läutete, öffnete sich die Tür und ein gutaussehender Mann in Fliegeruniform trat ein.

Wer ist denn hier mein Kind? fragte er zuerst.

Herzlichen Glückwunsch! Sie haben zwei Söhne, stockte ich einen Moment, und eine Tochter.

Die Information kam für den Vater ziemlich langsam. Mehrfach wiederholte er vor sich hin, fast wie im Traum:

Zwei Söhne und eine Tochter Also, zwei Söhne verstanden Tochter? Nicht verstanden Also drei Kinder?

Ja, genau, sagte ich so überzeugend wie möglich. Er kletterte vorsichtig die Wand hinunter, setzte sich auf einen Stuhl und bekam ein Glas Wasser. Man konnte ihn verstehen: Er war erst vor Kurzem nach Cuxhaven versetzt worden, hatte kaum Geld verdient und lebte noch in einer winzigen Wohnung und plötzlich ein Drillingsglück!

Die Kinder mussten noch lange im Krankenhaus bleiben, um Gewicht zuzulegen und zu genesen. Ich kam oft vorbei, um das Wunder der Natur zu bestaunen. Trotz ihrer Dreierzahl waren sie immer gepflegt und gut genährt. Leni strahlte stets mit einem glücklichen Lächeln das erste Drillingspaar in unserer kleinen Stadt! Sie hatten unglaubliches Glück.

Die Stadtverwaltung stellte ihnen sofort eine dreizimmerige Wohnung in einem Neubau zur Verfügung und versorgte sie mit allem Notwendigen. In den ersten Monaten bekam die Familie sogar eine eigene Krankenschwester zugeteilt. Aber die Hauptrolle spielte natürlich die Mutter diese umwerfend schöne junge Frau, die ihre drei Kinder auf die Beine stellte und großzog.

Zehn Jahre später ging ich zufällig in die Aufenthalts­halle der Klinik. Dort kam Vika mit ihren Kindern herein, um den Vater zu besuchen. Zwei dunkle, fast identische Jungen Lukas und Milan schlenderten gemächlich den Flur hinunter, sehr ähnlich ihrem Vater. Hinter ihnen rannte ein leuchtend rotes, quirliges Mädchen, das Greta, die exakte Kopie ihrer Mutter, war.

Ich kann gar nicht beschreiben, wie freudig ich war, diese wunderbare Familie zu sehen! Meine Hände schienen noch die Wärme der kleinen Herzen zu spüren, die dort laut trommelten.

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Zwei plus eins: Ein faszinierendes Dreiecksverhältnis
Why Does He Need a Granny Like That?