Der grimmige Alte schenkte mir einen Kamm. Was daraufhin geschah, veränderte mein ganzes Leben.

Der alte Griesgram schenkte mir einen Kamm. Was danach geschah, stellte mein ganzes Leben auf den Kopf.

Er lag auf einem Regal im hintersten Winkel eines kleinen Krammarkts in Köln, als würde er nur auf mich warten. Ein Lichtstrahl der Leuchtstoffröhre fing ihn ein, und er flackerte in einem kalten silbernen Schimmer. Ich erstarrte wie ein Stein. Es war nur ein Kamm, doch noch nie zuvor sah ich einen solchen. Der Griff war glatt, mattschwarz aus Metall, und die Zähne nicht einfach Zähne schimmerten in allen Regenbogenfarben, als wären sie aus Eis gemeißelt, in dem die Sonne tanzte.

Ich streckte die Hand aus, doch die Finger blieben einen Zentimeter vom Objekt entfernt. Ein innerer Konflikt schnürte mich ein. Wozu?, fragte die innere Stimme streng. Zu Hause hast du doch einen brauchbaren, geschäftstauglichen Kamm. Geld zum Fenster rauswerfen das ist doch Unsinn. Ich seufzte und zog die Hand zurück, aber ich konnte den Blick nicht abwenden. Der Kamm wirkte lebendig, hypnotisch. Ich stellte mir vor, wie er durch mein widerspenstiges, rötliches Haar gleitet, und ein Lächeln schlich über mein Gesicht.

Mädchen! Einen schönen Kamm, nehmen Sie!, flüsterte die Verkäuferin mit einem breiten Grinsen, als sie zu meinem Tisch kam. Die haben wir alle verkauft, ehrlich. Nur noch zwei Stück übrig. Schön und praktisch, verheddert das Haar nicht, versicherte sie.

Ich schaue nur, murmelte ich verlegen und trat einen Schritt zurück. Ich habe schon einen guten eigenen. Ich wendete mich, um nicht mehr auf das Regal zu schauen, und ging zur Ausgangstür. Auf dem Weg bemerkte ich einen kleinen Spiegel. Ein kurzer Blick offenbarte, dass aus meinem Hut widerspenstige, rötliche Strähnen hervorlugten. Das alte Verlangen keimte erneut auf.

Nein, sagte ich entschlossen zu mir selbst. Sparsam sein. Unnötiges ablehnen. Ich trat hinaus in den kalten Februarwind, atmete die frische Luft ein, die mich aus dem seltsamen Bann löste. Am Fuß der Straße schlurfte ein bekannter Schatten Klaus Grimm, der Griesgram.

Eigentlich hieß er Heinrich Timm, doch im ganzen Viertel kannte man ihn nur unter seinem düsteren Spitznamen. Der alte Mann, von dem ein eisiger Abstand ausging, sodass Kinder ihm ausweichen, sprach nie mit jemandem und schenkte jedem, der ihn ansah, einen so schweren, durchdringenden Blick, dass selbst Passanten schnell wegschoben.

Er trug sein gewohntes Outfit: ein abgewetzter Hasenmantel, ein alter Wollmantel, ramponierte Stiefel. Ein einziges Detail passte nicht zu seinem finsteren Äußeren eine schicke Umhängetasche aus grauem Stoff, bestickt mit einem perlmuttartigen Blümchen, kunstvoll genäht. Ich starb vor Staunen, ohne den Blick abzuwenden. Unsere Augen trafen sich, und in seinen bläulichen, verblichenen Augen funkelte ein Funke uralten Ärgers. Ich wandte mich hastig zum Schaufenster, tat so, als prüfe ich etwas, und mein Herz pochte laut in meiner Kehle.

Hey! Du da oben!, ertönte eine kratzige Stimme ganz nah. Ich tat, als hätte ich nichts gehört. Hey! Ich spreche dich an!, wurde es lauter. Ich drehte mich langsam um. Klaus Grimm schnaufte sich die Stufen des Vordachs hinauf und starrte mich direkt an.

Kommst du aus unserem Haus?, fragte er, während er seine buschigen, grauen Augenbrauen über die Nasenspitze schob. Ein Hauch von Minze und alter Kleidung lag um ihn herum. Ich spürte, wie mir die Wangen heiß wurden. Äh ja, also so gestammelte ich, fühlte mich wie eine Komödiantin.

Ja das ist ja eine Antwort oder nicht?, hakte er nach, und in seinen Augen funkelten die bekannten, leicht diabolischen Funken. Ich nickte stumm, bereit für das nächste Drama. Plötzlich atmete er schwer und sein Blick änderte sich. Die Wut schwand, ein seltsamer, erschöpfter Ausdruck kam zurück.

Hilf mir dann bitte, ja? Ich muss ein Geschenk auswählen. Du bist ein Mädchen, und meine Mieze, Liesl, ist auch ein Mädchen. Meine Enkelin wohnt weit weg, ich habe sie lange nicht gesehen. Liesl, das meine, murmelte er dumpf, fast flüsternd. Und ich schwöre, in den kleinen Falten seiner Augen glomm dieselbe Flamme nicht Wut, sondern tierische Verzweiflung.

Vielleicht fragst du lieber Liesl selbst, was sie möchte? Vielleicht per Telefon? schlug ich vorsichtig vor. Ich kann sie nicht fragen, schnitt er abrupt, das Gesicht erstarrte kurz. So ist es. Also, willst du mir helfen? Etwas aussuchen? Und plötzlich durchfuhr mich das gleiche Bild der Kamm! Genau so fremd und schön wie die Tasche. Er würde genau passen.

Obwohl die Angst nicht verflogen war, zuckte etwas in mir. Ich streckte sogar leicht nach seinem Ärmel.

Komm, gehen wir, flüsterte ich. Ich habe etwas gesehen, das passen könnte. Ich zog ihn zurück zum Laden, spürte die raue Oberfläche seines Wollmantels unter meinen Fingern. Er schritt schweigend, gestützt auf einen Stock, den ich vorher nie bemerkt hatte. Wieder standen wir vor dem selben Tresen.

Da, zeigte ich auf das glänzende Teil. Ich glaube, das könnte ihr gefallen. Heinrich Timm griff zögerlich nach dem Kamm, drehte ihn in seinen großen, von tiefen Falten und Altersflecken durchsetzten Fingern. Er schaute nicht auf den Kamm, sondern hindurch, als suchte er ein fernes Erinnerungsstück. In diesem Moment war er nicht mehr der Griesgram, sondern ein müder, einsamer Opa.

Nur noch zwei Stück übrig, erklang die Stimme der Verkäuferin wie ein Echo. Gute Kämme gehen schnell weg. Der alte Mann richtete seinen Blick auf mich, seine blauen Augen zuckten. Ein Lächeln warf sich in den Mundwinkeln, er wirkte wie ein alter Pirat, der einen verborgenen Schatz gefunden hatte.

Ich nehme beide, sagte er plötzlich bestimmt und zog eine abgenutzte Lederbörse aus dem Inneren seines Mantels. Ich wollte widersprechen, doch die Worte blieben im Hals hängen. Er zählte sorgfältig die Geldscheine, als wüsste er den Wert jedes Euros.

Die Verkäuferin verpackte die Kämme in zwei kleine Tütchen. Das eine legte Heinrich vorsichtig in seine seltsame Tasche, als würde er etwas Zerbrechliches transportieren. Das andere öffnete er, nahm den Kamm heraus und reichte ihn mir.

Hier, bitte. Ich zog die Hand zurück, als hätte er mir eine glühende Kohle angeboten.

Was? Nein, das ist doch für deine Enkelin Ich könnte es selbst holen, wenn ich will stammelte ich. Nimm, sagte er unbeirrt, sein Blick fest und fast streng. Ein Geschenk von mir. Für dich und für Liesl. Vielleicht schickt er ihr ja ein Päckchen, das sie annimmt Und du hast mir heute geholfen. Danke.

Seine Stimme klang erneut nach jener verzweifelten Note, wenn er von seiner Enkelin sprach. Ich nahm den Kamm, das Plastik überraschend warm, fast lebendig.

Wir verließen den Laden und gingen schweigend zu unserem Haus. Ich hielt das Päckchen fest, als könnte es wegfliegen. In meinem Kopf drehte sich die Frage: Warum? Warum hat er das getan? Keine Antwort kam.

Der erste Moment der Stille zwischen uns war angespannt, dann wurde sie sanft. Sein Atem ging schwer, während wir den Hügel hinaufstiegen, das einzige Geräusch, das die Ruhe der Straße zerbrach. Ich sah auf seine Schultern normalerweise steif, jetzt leicht gebeugt unter unsichtbarer Last.

Danke, stammelte ich schließlich. Der Kamm ist wirklich schön. Ich werde ihn benutzen. Er nickte nur, ohne mich anzusehen. Liesl wird sich freuen, fügte ich vorsichtig hinzu.

Er verlangsamte den Schritt, ließ einen tiefen Seufzer los, der aus den alten Stiefeln zu kommen schien. Ich weiß nicht, ob sie sich freuen wird, grollte er. Meine Tochter Jana sie würde ihm nichts geben. Sie lässt mich nicht zu Sein Blick verfinsterte sich, er fluchte leise über den Verlust seiner Frau Olya.

Er erzählte von Olya, von der Appendizitis, dem falschen Arzt, den zwei verlorenen Tagen. Seine Stimme bebte, als er von seiner Tochter Jana sprach, die seine Frau nicht verzeihen konnte. Der Schmerz war so groß, dass er plötzlich nach Hilfe rief: Komm rein, ich zeige dir, was Olya genäht hat. Seine Stimme klang wie ein flehendes Flehen.

Ich nickte stumm, das Herz pochte, und folgte ihm zur Tür. Der schwere Eisenklappe öffnete sich, ein Duft von abgestandener Zeit, trockenen Kräutern, altem Papier und einem Hauch von Parfüm drang herein. Das Haus wirkte wie ein eingefrorenes Foto: glänzende Böden, makellose Spitzenservietten, ein alter Grammophon mit riesigem Trichter, Regale voller Schallplatten, üppige Geranien am Fensterbank, ein rosa Hausmantel auf dem Stuhl, ein Tablett mit Ringen und Perlen, ein trockenes MascaraPäckchen.

Er hängte seinen Wollmantel neben den rosa Mantel und ging zur Küche, wo er zwei alte Teetassen, einen kleinen Kessel und ein Glas Marmelade hervorholte. Setz dich, Milchen, ich bringe dir Tee, sagte er leise. Ich setzte mich vorsichtig, sah die Stapel Briefe, alle adressiert an Jana, meine Tochter, mit dem Vermerk Rücksendung an Absender. Ein stiller Stich traf mein Herz.

Er brachte den Tee, der nach Minze und Binsen roch, und die Marmelade war überraschend gut. Sie war eine Allrounderin, erzählte er, genäht, gestrickt, im Garten alles blühte. Diese Tasche mit dem perlmuttigen Blümchen trug sie immer. Er lächelte traurig und fuhr fort, wie er früher mit Olya im Wald Pilze suchte, wie sie über Stoffreste stritt. Ich hörte zu, und das Bild des grimmigen alten Mannes zerfiel zu einem einsamen Menschen, der jahrzehntelang Liebe bewahrte.

Beim Verlassen des Hauses sah ich noch einmal die ungeöffneten Briefe. Eine Idee kristallisierte sich zu einem festen Entschluss. Ich musste etwas tun. Komme ich noch mal für das Rezept?, rief ich, als ich die Tür hinter mir schloss. Er winkte: Komm, Milchen, gern. Ich erzähle dir, wie man Kürbis­marmelade macht.

Auf dem Treppenhof schloss die Tür leise hinter mir, und ich ließ den Kamm auf den Tisch fallen. Er glänzte wie ein Schlüssel, der die Tür zu einer fremden Tragödie öffnete. Ich setzte mich, nahm ein Notizbuch und einen Stift. Die Worte flossen nicht sofort, doch ich schrieb die ersten Zeilen:

Liebe Jana, wir kennen uns nicht. Ich heiße Lisel, ich wohne neben Ihrem Vater. Bitte finden Sie die Kraft, diesen Brief zu Ende zu lesen

Draußen wurde es finster. Ich tippte, löschte, schrieb neu, das Gewicht der Verantwortung drückte, doch zugleich wuchs eine seltsame Zuversicht die Gewissheit, das Richtige zu tun.

Drei Wochen vergingen. Der Brief war abgeschickt, aber keine Antwort kam kein Anruf, keine Nachricht, nur das gleiche bedrückende Schweigen wie in Heinrichs Wohnung. Ich besuchte ihn oft, wir tranken Tee mit Marmelade, er erzählte neue Geschichten vom Garten, und ich notierte eifrig, während ich versuchte, nicht in seine Augen zu schauen, aus Angst, dort Schuld zu sehen. Jedes Mal, wenn ich ging, spürte ich sein dankbares, aber müdes Lächeln.

Eines Tages, als ich von der Uni zurückkam, sah ich im Flur unseres Eingangs die bekannten Nachbarinnen die Kumpelinnen des Viertels. Sie tuschelten über die Bank, wo normalerweise Heinrich saß. Er war nicht da, doch sie lachten über den Spitznamen Griesgram.

nicht umsonst hat ihn jeder Griesgram genannt. Immer im Zoff, nie mit jemandem befreundet, sagte eine von ihnen. Ich stand wie versteinert, das Blut in den Ohren pochte.

Sie meinen Heinrich?, fragte ich leise. Sie schauten mich verwirrt an. Ja, den alten Mann, fuhr ich fort. Er hat doch eine Tochter, Jana, und eine Enkelin, Liesl? Und Sie haben irgendetwas mit ihm zu tun?

Die Frauen verstummten, dann lachten sie unsicher. Er war ein Griesgram, ja, aber wer hätte gedacht, dass er so traurig ist?

Eine andere, die keckste, erwiderte: Und wer hätte gedacht, dass er so viel verliert? Und warum haben Sie nicht einfach geholfen? Ich fühlte, wie die Wut in mir aufstieg, doch ich blieb ruhig.

Eine Woche später, am Samstag, schlief ich, und im Traum hörte ich lautes Lachen und Stimmen aus dem Hof. Ich blickte nach draußen und sah ein fremdes Auto, nicht aus dieser Gegend. Neben dem Wagen stand eine hochgewachsene Frau im eleganten Mantel, die mit jemandem sprach. Die Tür des Eingangs öffnete sich, und Heinrich kam heraus, ohne seinen Wollmantel, nur in einer leichten Weste, das Gesicht bleich und verwirrt. Er starrte die Frau an, dann fiel ihm ein Wort ein, das ihn erstarrte.

Die Frau Jana trat vor, ein Lächeln auf den Lippen, und ein junges Mädchen mit langen hellen Haaren sprang aus dem Auto, umarmte den alten Mann und schrie: Opa! Heinrich umklammerte sie, als wollte er sie nie wieder loslassen. Tränen flossen, laut und wild, als er fünf Jahre Einsamkeit losließ. Seine Lippen flüsterten: Liesel meine Kleine wie bist du groß geworden Jana legte die Hand auf seine Schulter, er ließ die Enkelin los und umarmte seine Tochter. Das Trio wirkte wie ein verschmolzener Block, ein altes Herz, eine elegante Frau und ein junges Mädchen.

Ich trat leise zurück vom Fenster. Ich wollte nicht Zuschauer bleiben. Das war ihr Moment, ihre Heilung. In meinem Inneren sang etwas Helles.

Ich sah in den Spiegel. Mein Spiegelbild war zerzaust, Schlafspuren im Gesicht, aber die Augen funkelten. Meine roten Strähnen standen wirr ab. Ich griff nach dem silbernen Kamm, den ich am Tisch liegen ließ. Er glitzerte immer noch mit den bunten Zähnen, nun nicht mehr nur eine hübsche Spielerei, sondern ein Schlüssel.

Ich führte den Kamm über mein widerspenstiges Haar. Das Plastik war kühl, doch jedes Strichchen löste ein tiefes, warmes Gefühl aus. Es kam nicht vom Kamm, sondern aus meinem Inneren, aus dem Herzen, das alles erwärmte. Es war die Wärme fremden Glücks, das ein wenig mein Eigenes wurde.

Ich lächelte, blickte erneut in den Spiegel.

Einige Tage später sah ich sie vom Fenster aus sie gingen zu dritt spazieren. Heinrich

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Der grimmige Alte schenkte mir einen Kamm. Was daraufhin geschah, veränderte mein ganzes Leben.
«Has dado a luz a una niña. Necesitamos un heredero», dijo el hombre y se marchó. Veinticinco años después, su empresa se declaró en quiebra y fue adquirida por mi hija.