Der Hund führte die Polizei in den Wald – was sie dort entdeckten, ließ sie sprachlos zurück

Dieser Hund wieder!, knurrte Hauptkommissar Paul Müller, als er den Hörer vom alten Wählscheibentelefon schüttelte. Das Gerät klirrte laut, und er sah gerade noch die junge Kollegin Heike Schmitt an, die gerade das Wort Hund im Wald vom Diensthandy abgelesen hatte. Schon das dritte Mal heute, übrigens!

Welcher Hund denn?, fragte die diensthabende Majorin Kraus, die sich von den Akten löste und skeptisch zu Paul hinaufsah.

Schon drei Tage melden die Leute, dass ein herrenloser Hund am Waldrand herumrennt, wild bellt und sogar an Menschen zieht und jammt. Das treibt den ganzen Ort in den Wahnsinn!, erklärte Heike, die seit fünfzehn Jahren bei der Berliner Polizei arbeitet und ihrer Intuition vertraut, doch diesmal kribbelte es ihr im Nacken das war nicht einfach ein Streunert.

Sebastian,, rief sie ihren jungen Partner, lassen wir uns das mal anschauen?

Ach, Heike!, wischte er ab. Nur ein Hund, vielleicht ja sogar tollwütig. Wahrscheinlich nur ein bisschen Angst.

Oder doch mehr, erwiderte Heike, während ihr Blick zurück in die Vergangenheit schlug zu dem Tag, an dem ihr jüngerer Bruder Klaus vor dreißig Jahren auf dem Heimweg von der Schule verschwand. Drei Tage lang war die ganze Truppe mit Hunden und Freiwilligen gesucht, und sie fanden ihn viel zu spät.

Pack deine Sachen, sagte sie entschlossen. Wir gehen hin, wir schauen nach.

Nach zwanzig Minuten hielt ihr klappriger VW Golf am Waldrand, wirbelte Staub auf der schlechten Feldstraße auf. Der Ort war unheimlich: knorrige Bäume mit verdrehten Stämmen ragten gen Himmel, das Unterholz war von dichtem Gebüsch durchzogen, und das Licht drang kaum durch die dicken Zweige. Selbst die eingefleischten Pilzsammler aus dem Ort mieden dieses Stück Wald.

Wo ist dein Hund?, fragte Sebastian, während er das Gebiet abscannte.

Wie aus dem Nichts ertönte ein Bellen, und plötzlich sprang ein großer, ungepflegter, aber einst Hausdog aus dem Dickicht. Er blieb erst stehen, starrte die Truppe an, dann rannte er mit wackelndem Schwanz auf sie zu.

Beruhig dich, Kleiner, kniete Heike hin und sprach leise. Was ist los?

Der Hund jaulte, packte ihren Ärmel und zog sie ein Stück in den Wald.

Heike, du willst das doch nicht wirklich?, warf Sebastian ihr einen Blick zu.

Ich will, sagte sie und ging entschlossen weiter. Der Hund, der nun merkte, dass sie sein Vorhaben verstanden hatte, sprang freudig voraus, doch immer wieder drehte er sich um, um zu prüfen, ob wir ihm folgten.

Wir stapften etwa zwanzig Minuten durch matschige Pfade, das Unterholz schlug uns an die Beine, und Sebastian stolperte mehrmals über knorrige Wurzeln, aber er blieb dicht hinter ihr.

Plötzlich blieb der Hund stehen und knurrte tief.

Was ist das?, flüsterte Heike, während die Luft um uns herum schwerer wurde.

Vor uns ragte zwischen den Bäumen ein altes, moosbedecktes Schuppenhaus, kaum sichtbar, wenn man nur einen Schritt weiter ging.

Bleibt hier, befahl Heike und schlich vorsichtig voran, der Hund blieb dicht an ihrer Seite.

An der Tür hing ein massives Vorhängeschloss, das ächzte, als Heike es anhob. Ein leises Klopfen hallte aus dem Inneren.

Sebastian!, rief sie. Schnell her!

Wir zwangen die Tür auf die Scharniere waren verrostet und knackten. Ein dumpfer, modriger Geruch schlug uns entgegen, und als unsere Augen sich an die Dunkelheit gewöhnten, war sie kaum zu fassen.

Herrgott, flüsterte Heike, als sie im hinteren Winkel ein fahles Matratzenlager sah, darauf ein abgemagerter Jugendlicher lag. Schlamm bedeckte fast jede Hautstelle, seine Hände waren von einer dicken Seilbindung fast abgeblutet. Er flackerte mit den Augen, die vor Angst und zugleich einem Funken Hoffnung leuchteten. Ein kratziger Husten war das Einzige, was er herausbrachte.

Wer bist du?, fragte Heike und zog ein Messer, um das Seil zu durchschneiden.

ArArmin, keuchte er, kaum hörbar.

Armin? Armin Becker?, stockte Heike, ihr Herz schlug bis zum Hals. Der Junge, der vor drei Tagen vermisst wurde?

Der Junge nickte schwach. Vor drei Tagen war ein Bericht über das Verschwinden eines fünfzehnjährigen Schülers bei uns eingegangen eine alleinerziehende Mutter, die zwei Jobs hatte, hatte ihren Sohn nach der Schule nicht zurückkehren sehen.

Sebastian, Ruf Verstärkung und den Rettungsdienst!, befahl Heike, half Armin aufzustehen. Und du, Junge, halte durch, wir holen dich hier raus.

Der Hund, der bisher still beobachtet hatte, zuckte plötzlich zusammen, sein Fell sträubte sich, ein tiefes Knurren kam aus seiner Kehle. Ein Ast brach, und plötzlich rannte jemand durch das Unterholz.

Auf den Boden!, schrie Heike, zückte ihre Pistole.

Der Hund sprang los, wir hörten einen Schrei, das Krachen eines fallenden Körpers und dann ein wütendes Fluchen.

Als wir durch das dichte Gestrüpp kamen, sahen wir einen breitschultrigen Mann in einer schwarzen Lederjacke, ein Typ, dem man besser aus dem Weg ging. Er lag leblos im Laub, sein Rücken war von dem Hund, den wir gerade gerettet hatten, bedeckt. Der Hund knurrte so laut, dass selbst die erfahrene Majorin Kraus eine Gänsehaut bekam in diesem Moment hatte unser streunender Hund die Rolle eines echten Wächters übernommen.

Beruhige dich, Julius, murmelte Heike, weil ihr der Name des Hundes sofort einfiel. Wir kriegen das hin. Der Hund, erstaunlich gehorsam, wich zurück, behielt aber den Blick auf den Leichnam gerichtet.

Kurz darauf trafen die Notarzt und Polizeiteams ein, und der Täter, Viktor Sommer, gestand sofort alles. Er war ein professioneller Entführer, der Kinder entführte und Lösegeld forderte allerdings war das Geld nie von der alleinverdienenden Mutter gekommen.

Eine Woche später saß Heike in ihrer kleinen Küche, die noch mit altmodischen gelben Tapeten ausgekleidet war, und scrollte auf ihrem Handy durch die Nachrichten, während sie gelegentlich einen Schluck kalten Tee aus ihrer Lieblingstasse nahm. Auf der Titelseite der Lokalzeitung stand in fetten Lettern: Heldenhafter Hund löste den Fall!, darunter ein Foto von Julius, der nicht mehr ganz so struppig aussah, aber immer noch aufmerksam und ernst blickte.

Na, dein Held?, streichelte Heike Julius’ Ohr, während er ihr die Hand leckte und seinen Kopf auf ihren Schoß legte.

Man sagt, Zufälle gibt es nicht. Und wer weiß vielleicht war diese Begegnung für beide vorherbestimmt: für die Polizistin, die einst ihren Bruder nicht retten konnte, und für den streunenden Hund, der gerade einem anderen Jungen das Leben gerettet hat.

Weißt du, sagte Heike, während sie den warmen, flauschigen Kopf des Hundes streichelte, manchmal passieren wirklich Wunder. Julius schnaufte zustimmend. Er wusste das schon lange.

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