Hey, hör mal zu, ich erzähl dir kurz was passiert ist. Vor ungefähr zwei Jahren, nach unserer Scheidung, bin ich zufällig über meine ExFrau Heike gelaufen. Da war plötzlich alles ganz klar, aber sie schenkte mir nur ein bitteres Lächeln und wischte meine verzweifelte Bitte, noch einmal von vorn anzufangen, glatt weg.
Als unser zweites Kind geboren wurde, ließ Heike das ganze Pflegen ihrer selbst völlig fallen. Früher wechselte sie fünfmal am Tag das Outfit, jagte das gewisse Etwas in jedem Detail. Doch nach ihrem Mutterschaftsurlaub vom Krankenhaus in München wirkte es, als hätte sie vergessen, dass es neben abgetragenem Kapuzenpulli und einem weiten JoggingHosenbein hinerschlaffend wie ein heruntergelassenes Fahnenstängel noch weitere Kleider gibt.
In diesem adretten Lumpen blieb Heike nicht nur zu Hause sie lebte dort, Tag und Nacht, lag oft noch im Bett in diesem Klamottenmix, als wärs ein Teil von ihr. Wenn ich sie fragte, warum, murmelte sie, dass das praktischer sei, nachts für die Kinder aufzustehen. Da steckt ja ein dunkler Gedanke dahinter, das gebe ich zu, aber all die großen Prinzipien, die sie mir einst als Mantra verkaufte Eine Frau bleibt eine Frau, selbst im tiefsten Sturm! waren verflogen. Heike hatte ihr geliebtes Kosmetikstudio in Köln, das Fitnessstudio, das sie ihr Heiligtum nannte, völlig aus den Augen verloren und das sag ich jetzt unverblümt sie zog morgens nicht mehr einmal einen BH an, torkelte durchs Haus mit hängender Brust, als wär das egal.
Ihr Körper folgte dem Verfall. Der Taillenbereich, der Bauch, die Beine, sogar der Nacken wankten, ein Schatten dessen, was er einst war. Die Haare? Ein einziges Chaos: mal wilder Sturm, mal ein schlampig gebundener Knoten, aus dem widerspenstige Strähnen hervorsprangen wie stumme Schreie. Vor dem Kind war Heike eine wahre Augenweide zehn von zehn! Wenn wir durch die Straßen von Düsseldorf schlenderten, drehten sich die Männer um, die Blicke klebten an ihr. Das ließ mein Ego brummen meine Göttin, nur für mich! Und jetzt von dieser Göttin blieb nur noch eine ausgebrannte Silhouette, ein Relikt ihrer einstigen Pracht.
Unser Haus spiegelte den Absturz wider düsteres Chaos, das drücken wollte. Das Einzige, was Heike noch richtig konnte, war Kochen. Ich schwöre bei meinem Herzen, sie war eine richtige Küchenzauberin, und über ihre Gerichte zu meckern wäre ein Sakrileg. Alles andere? Ein absolutes Desaster.
Ich versuchte, sie zu rütteln, flehte sie an, nicht weiter zu versinken, aber sie schenkte mir nur ein schuldbewusstes Lächeln und versprach, wieder auf die Beine zu kommen. Die Monate zogen ins Land, meine Geduld schmolz jeden Tag diese Karikatur der Frau zu sehen, die ich einst liebte, war kaum zu ertragen. In einer stürmischen Nacht zog ich den Stecker: Scheidung. Heike versuchte, mich aufzuhalten, plapperte leere Versprechen, schrie nicht, kämpfte nicht. Als sie merkte, dass meine Entscheidung endgültig war, seufzte sie hölzern:
Du musst wählen Ich dachte, du liebst mich
Ich ging nicht in sinnlose Diskussionen über Liebe oder deren Fehlen. Ich füllte die Formulare aus, und bald, im Amtsgericht in Frankfurt, hielten wir beide unser Scheidungszeugnis in den Händen das Ende eines Kapitels.
Ich bin sicher kein Vorzeigevater abgesehen vom Unterhalt habe ich meiner alten Familie kaum etwas zukommen lassen. Der Gedanke, Heike wiederzusehen, die Frau, die mich einst mit ihrer Schönheit geblendet hat, war wie ein Messer im Herzen, das ich um jeden Preis meiden wollte.
Zwei Jahre vergingen. Eines Abends, als ich durch die belebten Gassen von Stuttgart schlenderte, erblickte ich eine Gestalt in der Ferne ihr Gang war so vertraut, so anmutig, fast ein Tanz im Gedränge. Sie kam auf mich zu. Als sie näher kam, stockte mein Herz es war Heike! Aber nicht die Heike, die ich kannte. Sie war aus ihrer Asche auferstanden, strahlender denn je, die Verkörperung weiblicher Vollkommenheit. Auf hohen, tödlich hohen Stöckelschuhen, das Haar perfekt frisiert, ein ganzer Auftritt Kleid, Makeup, Nägel, Schmuck Und ihr altbekannter Duft, der mich wie eine Flut zurück in vergangene Tage spülte.
Mein Gesicht musste alles verraten Staunen, Verlangen, Reue denn sie brach in schallendes, triumphierendes Lachen aus:
Was, erkennst du mich nicht? Ich hatte doch gesagt, ich stehe wieder auf du hast mir nicht geglaubt!
Heike lud mich großzügig ein, mit ihr ins Fitnessstudio zu gehen, erzählte ein bisschen von den Kindern die wachsen prächtig, sagte sie, voller Leben. Sie sprach nicht viel über sich selbst, aber das war nicht nötig ihr Glanz, ihr unerschütterliches Selbstvertrauen, dieser neue unwiderstehliche Charme schrien lauter als jedes Wort.
Meine Gedanken rasten zurück zu jenen dunklen Tagen: Heike, schlabbernd zu Hause, zerfressen von schlaflosen Nächten, schwer vom Alltag, eingehüllt in diesen verfluchten Kapuzenpullover und das hängende Jogging, der klapprige Knoten als Zeichen der Kapitulation. Wie sehr das mich geärgert hatte die verlorene Eleganz, das erloschene Feuer! Das war dieselbe Frau, die ich verlassen hatte, und damit auch die Kinder, geblendet von meinem eigenen Egoismus und einer kurzen Wutphase.
Als wir uns verabschiedeten, stammelte ich eine Frage darf ich sie anrufen? Ich gestand, dass ich alles verstanden hatte und bat sie, noch einmal von vorn zu beginnen. Sie schenkte mir ein eisiges Lächeln, schüttelte entschlossen den Kopf und sagte:
Du hast es zu spät erkannt, mein Lieber. Leb wohl!
So endete das Gespräch, und ich blieb mit diesem bitteren Nachgeschmack zurück.







