Gebrochene Herzen: Eine Geschichte von Verrat und Erlösung

Markus, ich bin schwanger! rief Heike Braun vom Flur, ohne ihrem Mann einen Moment zum Rätseln zu geben. Er erstarrte, blickte zur Seite und seufzte: Na gut wenn das so ist und drückte ihr hastig einen Kuss auf die Wange, als wolle er seinen Gefühlen davonlaufen.

Heike hatte sich in Markus Schubert verliebt, noch während ihres Studiums. Er arbeitete in einer Firma, in der Heike ihr Praktikum absolvierte. Jung, gutaussehend und bereits stellvertretender Abteilungsleiter er schien aus einer ganz anderen Welt zu stammen. Das schlichte Mädchen aus einem kleinen Ort hatte nie damit gerechnet, dass jemand überhaupt auf sie achten würde. Doch am letzten Tag des Praktikums ging er selbst auf sie zu, überreichte ihr eine Schachtel Pralinen und lud sie zu einem Abendessen ein. So begann ihre Geschichte.

Beim ersten Date gestand er, ohne Eltern aufgewachsen zu sein. Seine Mutter hatte erneut geheiratet und war weggezogen, sodass er von seiner Großmutter betreut wurde. Heike erzählte nicht, dass ihre Eltern sich ebenfalls nie für sie interessierten. Die ganze Kindheit Kälte, Gleichgültigkeit, kein bisschen Wärme. Beide kannten das Gefühl der Einsamkeit, und vielleicht deshalb wuchsen sie so schnell zusammen.

Nach einem Monat zog Heike in Markus Mietwohnung in Berlin ein. Kurz darauf folgte die Hochzeit schlicht, bescheiden, aber voller Hoffnung. Sie träumten von einer gemeinsamen Zukunft, einem Eigenheim, einem ruhigen Leben. Die einzige Zankstelle war das Thema Kinder. Heike wollte schon lange ein Kind, Markus zögerte jedoch: Uns geht es gut zu zweit, warum eilen?

Als der Schwangerschaftstest zwei Striche zeigte, traute sich Heike nicht sofort, es auszusprechen. Sie fürchtete Urteil und Vorwürfe. Schließlich nahm sie ihren Mut zusammen.

Wir werden Eltern, freut du dich? fragte sie.
Ich dachte, das kommt später erwiderte er, ohne seine Enttäuschung zu verbergen.

Er ging nicht zur ersten Ultraschalluntersuchung, wartete im Auto. Heike kam mit tränenfeuchten, aber glücklichen Augen zurück Zwillinge. Zwei winzige Herzen pochten in ihr.

Zwillinge?! blinzelte Markus. Das war doch nicht geplant. Mach die Abtreibung!

Was sagst du da?! Ich habe unsere Kinder gesehen Ich kann das nicht schluchzte Heike.

Sie hoffte, er würde es verstehen, doch mit jedem Tag entfernte er sich weiter. Er kritisierte ihr Gewicht, meinte, sie habe ihre Form verloren. Sie versuchte, das zu ignorieren. Nach der Geburt wurde es nur noch schlimmer.

Mia und Lina die Zwillinge wurden zum Mittelpunkt ihres Lebens. Und Markus blieb nach der Arbeit zu Hause, zog sich zurück und half nicht mit. Heike ertrug das alles für die Kinder, für die Liebe, für die Familie.

Als die beiden Mädchen anderthalb Jahre alt waren, brachte Heike das Thema Arbeit wieder ins Gespräch. Markus setzte sich ihr gegenüber, den Blick gesenkt:

Dann wirst du das erst merken Ich habe eine andere. Ich gehe. Die Kinder lasse ich nicht liegen, aber ich will mit ihr zusammen sein.

Heike erstarrte.
Du hast doch gesagt, du würdest nie das tun, was deine Eltern getan haben! schluchzte sie.

Er ging. Anfangs kam er noch vorbei, dann verschwand er endgültig. Heike blieb allein ohne Geld, ohne Unterstützung. Zurück aufs Land? Dort gibt es keine Jobs. Hier gibt es Arbeit, aber keine Wohnung.

Ihr Chef half ihr: Er besorgte ein Zimmer im Studentenwohnheim. Kleines Zimmer, Renovierung, zwei Kinder sie schaffte es irgendwie. Eines Tages, als sie den Kinderwagen zum Spaziergang schieben wollte, hörte sie eine Stimme:

Darf ich Ihnen helfen? Ich bin Thomas Becker, wohne nebenan.

Er half, ohne Fragen zu stellen, bot später Renovierungshilfe an und holte die Kinder vom Kindergarten ab. Anfangs schob Heike ihn weg Angst war groß doch Tag für Tag wurde Thomas ein Teil ihres Lebens.

Er war gewöhnlich, zuverlässig. Auch er hatte eine gescheiterte Beziehung seine Frau hatte einen Freund, weil sie keine Kinder bekommen konnten. Und nun zwei kleine Menschen, die er von ganzem Herzen liebte.

Als er Heike einen Heiratsantrag machte, lehnte sie zuerst ab.

Ich habe Kinder. Du findest bestimmt eine andere Frau.
Ich will mit dir zusammen sein. Kinder sind kein Hindernis, sie sind wie meine eigenen.

Sie heirateten. Und eine Woche später tauchte Markus wieder auf.

Heike, es tut mir leid. Ich habe alles verstanden. Lass uns von vorn anfangen
Zu spät. Ich bin verheiratet. Meine Kinder haben jetzt einen Vater. Einen echten.

Aus der Ecke kam Thomas hervor.
Das ist mein Mann.

Markus drehte sich um, winkte ab und ging für immer.

Ein Jahr verging. Heike und Thomas kauften eine eigene Wohnung. Wo Markus jetzt ist? Das weiß sie nicht und sie will es auch nicht wissen. Denn Glück ist nicht der, der Versprechen macht, sondern der, der bleibt.

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Gebrochene Herzen: Eine Geschichte von Verrat und Erlösung
DOCUMENTO DE VIDA: ‘Dulces de Canela’