Jeden Tag tritt eine alte Dame in den Innenhof unseres Hauses. Sie ist circa achtzig Jahre alt und kleidet sich stets ordentlich und mit viel Liebe zum Detail.

Jeden Tag geht eine alte Frau in den Innenhof unseres Wohnhauses. Sie ist etwa achtzig Jahre alt, stets sauber und gepflegt gekleidet. Ich bin Ende Herbst hier eingezogen. Jeden Morgen, auf dem Weg zur Arbeit, treffe ich meine Nachbarin. Manchmal sitzt sie auf einer Bank unter einer großen Linde, manchmal schlurft sie langsam mit ihrem Stock.

Nach und nach beginnen wir, uns zu grüßen. Ich halte kurz inne, frage nach dem Befinden von Hannelore Becker und wünsche ihr einen guten Tag. Sie lächelt mich warm an und bedankt sich.

Ende Dezember taucht ein neues Wesen im Hof auf: ein Hund. Er wirkt jung, ist klein, und niemand weiß, woher er kommt. Es ist ein struppiger, schmutziger Vierbeiner mit wirrem Fell, ohne erkennbare Rasse. Sobald Hannelore ihm ein Stück Bratwurst reicht, ist sein Schicksal besiegelt: Von diesem Moment an bleibt er im Hof. Anderswo hätte er wohl nicht überlebt, so elend wirkte er.

Die meisten Hausbewohner sind nicht begeistert von seiner Anwesenheit. Viele versuchen, ihn zu vertreiben, schreien: Raus hier!, sobald er näher kommt und mit flehenden Augen nach Futter verlangt. Trotzdem gelingt es ihm gelegentlich, etwas zu bekommen jemand wirft ihm eine Brotrinde, ein anderer wirft einen kleinen Knochen. Hannelore füttert ihn auch mit Trockensternen oder altem Brot, streichelt ihn sanft und nennt ihn Pfote.

Im Frühling, als das meiste Schnee geschmolzen ist, treffe ich Hannelore eines Morgens im Hof. Sie sagt, dass sie am Abend mit ihrer Enkelin aufs Land fährt und dort bis zum Herbst bleibt.

Vielleicht sogar bis zum Ende des Herbstes, fügt sie hinzu. Dort haben wir einen Ofen, und daneben ist es selbst in der kältesten Nacht wohlig warm.

Sie bittet mich, ihr zu versprechen, sie zu besuchen.

Ende August entscheide ich mich endlich, Hannelore zu besuchen. Ich kaufe ein kleines Geschenk, steige in den Bus Richtung Dorf, wo sie wohnt.

Als ich ankomme, finde ich sie auf der Veranda, wie sie große rote Äpfel schält. Neben ihr liegt, auf der Holzstufe, ein Hund entspannt daliegend.

Pfote, komm, begrüße unseren Gast!, ruft die alte Dame.

Der Hund springt auf, wedelt fröhlich mit seinem buschigen Schwanz und läuft zu mir.

Er ist ein prächtiges Tier, mit glänzendem, welligem Fell, das in der Sonne schimmert.

Frau Hannelore, ist das wirklich derselbe struppige Pfote aus unserem Hof?, frage ich überrascht.

Ja, das ist er! Und er ist ein richtiger Schönheitskönig!, antwortet Hannelore mit einem Lächeln. Komm rein, lass uns Tee trinken. Du musst mir alles über die Stadt erzählen!

Wir sitzen lange am Tisch, trinken Kirschtee und plaudern. Pfote, nach seinem Haferbrei, rollt sich vor dem warmen Ofen zusammen, seufzt leise im Schlaf vielleicht träumt er etwas.

Draußen weht ein leichter Wind, der die Äste des Apfelbaums tanzen lässt, und reife rote Äpfel fallen sacht ins Gras.

Оцените статью
Jeden Tag tritt eine alte Dame in den Innenhof unseres Hauses. Sie ist circa achtzig Jahre alt und kleidet sich stets ordentlich und mit viel Liebe zum Detail.
I Discovered My Husband Has a Second Family in the Nearby Town