Mama, das ist Alina – meine Verlobte», stellte Wowa strahlend die junge Frau vor.

«Mama, stell dir vor», sagte Leon und zog ein Mädchen nach vorn, «das ist Greta. Meine Braut.»

Elisabeth Hoffmann blieb wie angewurzelt stehen und ließ sich auf den nächstbesten Stuhl fallen. Ihr Junge, ihr kleiner Leo, wirkte neben seiner Braut wie ein Pfadfinder neben einer Gruppenleiterin.

«Hallo!», sagte Greta, ohne die Hände aus den Jeans zu nehmen oder das Kaugummi aus dem Mund. Sie stand da wie die Herrin der Lage.

«Guten… Tag», stammelte die verdatterte Mutter. «Wie habt ihr euch… Wann?»

«Mama, alles gut!», rief Leon, zog seine Schuhe aus und nickte Greta zu, es ihm gleichzutun. «Wir werden bei Greta wohnen, stimmt’s, Gretchen?»

«Mhm», nickte sie und kaute weiter.

«Söhnchen, kurz mal?», fragte Elisabeth, stand auf und ging in die Küche.

«Redet ruhig vor mir», warf Greta ein, warf sich in den Sessel, schlug die Beine übereinander und griff zur Fernbedienung. «Leo und ich haben keine Geheimnisse voreinander. Stimmt’s, Bübchen?»

«Stimmt, Mama», nickte Leon und wurde rot.

«Na gut», sagte die Mutter, etwas gefasster. «Söhnchen, bist du sicher, dass dieses Mädchen die Richtige für dich ist? Sie ist mindestens zehn Jahre älter als du.»

«Acht!», korrigierte Greta. «Und das spielt überhaupt keine Rolle. Haben Sie etwa was dagegen? Ich bin selbstständig, finanziell unabhängig, erwachsen…»

«Genau! Erwachsen! Und mein Söhnchen ist gerade mal zwanzig!», rief Elisabeth und griff sich an den Kopf.

«Na, dann muss ihn halt endlich mal jemand zum Mann machen, wenns bisher keiner geschafft hat», schnaubte die Braut.

Elisabeth fand keine Worte mehr. Sie öffnete und schloss den Mund wie ein Fisch an Land.

«Mama», sagte Leon, der bis jetzt geschwiegen hatte, «wir sind eigentlich wegen was anderem hier wir brauchen Geld für die Hochzeit.»

«Und was hab ich damit zu tun?», schnaubte die Mutter, die von der Dreistigkeit der zukünftigen Schwiegertochter schockiert war.

«Wie meinen Sie das?», fragte Greta erstaunt. «Seit jeher bezahlen die Eltern des Bräutigams die Hochzeit. Meine Eltern sehen das genauso.»

«Ach, wirklich?», rief Elisabeth und warf die Hände in die Luft. «Schön bequem habt ihr das eingefädelt! Eine Ladenhüterin loswerden und dann noch Geld verlangen. Eigentlich müsstet ihr mir was zahlen, dass ich mein Schätzchen einer Ü30 überlasse. Keinen Cent gebe ich her!»

Sie winkte entschieden ab, als hätte sie eine klare Grenze gezogen.

«Na gut», sagte Greta, stand auf, grinste und trat ihrer zukünftigen Schwiegermutter ganz nah. «Mach nur weiter, du Spießerin. Komm, Bübchen, wir kommen auch ohne sie klar!»

Sie ging in den Flur und öffnete schon die Haustür. Leo folgte ihr eilig. Als er an seiner Mutter vorbeikam, warf er ihr noch einen hoffnungsvollen Blick zu vielleicht würde sie es sich doch anders überlegen. Doch sie drehte sich weg. Allerdings fragte sie noch schnell:

«Wieso Bübchen?»

«Weil er so große Ohren hat!», rief Greta von der Tür aus und schubste ihren Bräutigam auf den Flur.

«Tschüss, Mama!», rief der Sohn noch, bevor die Tür zuknallte.

«Mein Gott! Was hab ich bloß verbrochen?», schluchzte Elisabeth und ließ sich am Küchentisch nieder, wo sie ihren Kummer mit Waffeln hinunterspülte. So zart, so gutherzig, ihr kleiner Leo und jetzt in den Fängen dieser Raubtierbraut.

«Seine Ohren sind völlig normal!», rief sie verzweifelt zur Tür.

«Was machen wir jetzt?», fragte Greta, kratzte sich am Kopf und musterte ihren Bräutigam. «So viel Geld haben wir nicht für ein Restaurant, einen Moderator und ein anständiges Buffet. Meine Eltern wollen auch nichts springen lassen.»

«Vielleicht feiern wir im Garten und fahren dann in den Urlaub?», schlug Leon hoffnungsvoll vor. Er hatte auch kein Geld. Erst seit Kurzem hatte er einen Job gerade lang genug, um Urlaub zu bekommen.

«Warum hast du nicht gleich gesagt, dass wir bei euch feiern können?», lachte Greta und klopfte ihm auf die Schulter. «Los, geh zu deiner Mutter und hol die Schlüssel. Ich warte hier, um die alte Dame nicht mit meiner modernen Art zu schockieren.»

Kaum hatte sich Elisabeth beruhigt, klingelte es schon wieder.

«Wer zum Teufel kommt denn jetzt?», murmelte sie und ging zur Tür.

Dort stand ihr Sohn. Sie spähte in den Flur ob die Braut vielleicht um die Ecke lauerte.

«Ich bin allein, Mama», sagte er unsicher.

«Habt ihr euch etwa verkracht?», rief sie erleichrt.

«Mama, bitte!», maulte er beleidigt. «Wir lieben uns.»

«Was willst du dann?», fragte sie enttäuscht und ging zurück in die Küche, um ihre Waffeln mit Tee runterzuspülen.

«Mama, kannst du uns die Schlüssel für den Garten geben? Dann feiern wir dort die Hochzeit», fragte er schmeichelnd.

«Auf gar keinen Fall!», empörte sie sich. «Ihr macht doch alles kaputt! Und wer putzt danach?»

«Wir räumen auf, versprochen!», beteuerte Leon. «Es kommen genug Leute, die helfen. Willst du nicht, dass ich glücklich bin?»

Er wusste genau, wo er ansetzen musste. Elisabeth verschluckte sich fast an ihrem Tee.

«Aber ich will doch gerade, dass du glücklich wirst nicht so etwas!», rief sie und rang die Hände.

«Ich bin glücklich mit Greta, Mama. Sie ist ein tolles Mädchen», versuchte er sie zu überzeugen.

«Mir kommt sie nicht so vor», seufzte die Mutter. «Aber gut, was soll ich machen?»

Sie ging in den Flur, klimperte mit dem Schlüsselbund und kam zurück.

«Hier!», sagte sie und reichte ihm die Schlüssel. «Aber es muss alles picobello sein!»

«Mama, du bist die Beste!», rief er, schnappte sich die Schlüssel, drückte ihr einen Kuss auf die Wange und verschwand, bevor sie es sich anders überlegen konnte.

«Gretchen, schau!», wedelte er mit den Schlüsseln, als er draußen ankam.

«Siehst du, du kannst es doch, wenn du willst», lobte ihn seine Braut, spuckte das Kaugummi aus und küsste ihn leidenschaftlich.

Elisabeth wurde zur Hochzeit eingeladen. Sie war sogar ein bisschen überrascht.

«Wie soll ich da freundlich gucken?», jammerte sie bei der Nachbarin. «Ich könnte sie im Salat ertränken, und jetzt muss ich lächeln und auf ihr Glück anstoßen.»

«Ach, stell dich nicht so an», winkte die Nachbarin ab. «Die Jugend von heute ist so unbeständig. Heute heiraten sie, morgen lassen sie sich scheiden. Meine Tochter ist jetzt beim dritten Mann und alles gut. Hauptsache, keine Kinder.»

«Wie soll das ohne Kinder gehen?», wunderte sich Elisabeth. «Wozu gründet man dann eine Familie?»

«Jeder hat da andere Gründe», zuckte die Nachbarin mit den Schultern. «Die einen für Kinder, die anderen wohl für ihre Sammlung.»

Die Hochzeit fand an einem warmen, sonnigen Tag statt.

«Tolles Wetter!», freuten sich die Gäste. Es waren etwa dreißig Leute gekommen, darunter Gretas Eltern hochnäsig und aufgeblasen wie Truthähne. Gretas Mutter traute sich kaum vor die Tür. «Überall Mücken und Insekten!», beschwerte sie sich bei ihrem Mann, der nach einem Schnaps seine steife Haltung verlor und den jungen Freundinnen der Braut hinterhergaffte.

«Was sieht sie nur in ihm?», jammerte Gretas Mutter bei Elisabeth. «So viele tolle Jungs haben um sie geworben! Sportler, Geschäftsleute. Und dann das…»

«Ich bin auch nicht begeistert von Ihrer Tochter», fauchte Elisabeth und setzte sich woanders hin, um den Tag nicht zu verderben.

«Oh», zuckte die Schwiegermutter zusammen und merkte, dass sie Elisabeth mit einer anderen Gast verwechselt hatte.

Elisabeth ging immer wieder in den Garten. Ihr Herz blutete das Chaos war unbeschreiblich.

Grillstellen zwischen den Beeten, halb leergeerntete Reihen mit Zwiebeln und Radieschen, zertrampelte Kräuter. Sogar das Brennholz für die Sauna war verfeuert worden.

«Die Toilette ist da drüben!», rief sie und zeigte auf das Holzhäuschen mit dem Herz in der Tür.

«Alles klar, Mutti!», lachten die Gäste und zogen ihre Hosen hoch.

«Was sind das nur für Menschen?», stöhnte Elisabeth und fand keine Freude an der Feier. Ihre einzige Hoffnung war, dass am nächsten Tag alles aufgeräumt sein würde.

Die Party ging bis tief in die Nacht. Die Beete waren mit unverdautem Salat und Fleischresten gedüngt, begossen mit Sekt, Schnaps und anderen Flüssigkeiten.

Am Morgen beruhigte sich das Fest, doch Elisabeth konnte nicht schlafen. Sie ging in den Garten, um den Schaden zu begutachten.

Überall lagen leere Flaschen, Pappschachteln, Plastiktüten und zerknüllte Servietten. Ein paar Gäste schliefen zwischen den Pflanzen, zwei sogar im Gewächshaus. Von den Apfelbäumen baumelten seidene Schals.

«Gott sei Dank keine Unterwäsche», murmelte Elisabeth und sammelte ein.

Ihr Jammern hörte erst auf, als das Brautpaar aufwachte. Leo streckte sich und kam in den Garten.

«Mama, was machst du hier?», fragte er überrascht.

«Was ich hier mache?», antwortete sie fast weinend. «Ich möchte wissen, wer hier aufräumt!»

«Ach, die anderen schlafen noch. Die helfen dann», winkte er ab, wusch sich am Regenfass und ging, um Greta zu wecken.

Elisabeth war baff, als die beiden mit Koffern herauskamen.

«Wohin soll das gehen?», blockierte sie den Weg. «Wer macht hier sauber?»

«Mama, wir müssen los», schob Leo sie beiseite. «Wir haben schon Tickets wir fahren in den Urlaub.»

«Und die Gäste?», rief sie entsetzt.

«Die haben alle Beine», warf Greta ein. «Die finden schon heim. Keine Sorge! Komm, Bübchen, sonst verbringen wir unsere Flitterwochen noch in diesem Loch.»

Sie packte den Koffer und ihren Mann und marschierte los.

«Loch? Mein Garten ist ein Loch?», brachte Elisabeth kein Wort mehr heraus.

Langsam erwachte das Fest und verschwand still und leise. Keiner räumte auf.

Elisabeth beschwerte sich bei den Gästen und Gretas Eltern vergeblich. Der Garten leerte sich schnell und versank im Müll.

«Schwiegermutter, entschuldige», kam Gretas Vater mit verquollenem Gesicht und einem Atem, der eine Gaslampe hätte entzünden können. «Kopfschmerzen. Wir fahren jetzt.»

«Frau, wo bist du?», rief er ins Haus und rülpste.

Gretas Mutter kroch heraus, ihr Haar sah aus wie ein Vogelnest.

«Was hat sie da nur angestellt?», dachte Elisabeth.

«Liebe», flüsterte die Schwiegermutter und versuchte, Elisabeth zu umarmen. «Mir ist nicht gut. Wir gehen.»

Taumelnd verschwanden sie.

Elisabeth blieb allein zurück. Sie seufzte, als sie durch ihren verwüsteten Garten ging. Im Schlafzimmer der Frischvermählten war das gleiche Chaos. Auf der Fensterbank, unter den Geschenken, entdeckte sie einen weißen Umschlag.

«Die Vergesslichen!», rief sie und zog ihn hervor. Drinnen lag das Geld, das die Gäste geschenkt hatten. Sie zählte nach eine stattliche Summe.

«Und dabei sahen alle so schäbig aus», wunderte sie sich. «Woher so viel Geld? Wahrscheinlich die Schwiegereltern.»

Sie überlegte kurz, griff dann zum Telefon und wählte eine Nummer.

«Guten Morgen! Reinigungsfirma ‘Sauberes Heim’? Ich brauche eine Großreinigung in meinem Garten. Ja, Haus und Grundstück. Ja, der Preis passt.»

Sie legte auf, zählte das Geld ab und steckte den Rest zurück in den Umschlag.

«Gute Reise, meine Kinder», grinste Elisabeth zufrieden und ging, um Kaffee und Waffeln zu genießen.

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