Mein Mann nahm einen Kredit auf meinen Namen auf, um seiner Mutter eine Tasche zu kaufen – doch meine Rache war teurer als die Krokodilleder-Handtasche

**Samstag, 10. November**

Heute war ein ruhiger Tag. Ein sanfter Nieselregen strich über die Fensterscheiben, und die Wohnung roch nach frisch gebrühtem Tee und dieser besonderen Samstagsstille, in der man endlich zur Ruhe kommt nach einer anstrengenden Woche. Lina ließ sich in den alten Sessel fallen den gleichen, den sie von Oma geerbt hatten, mit durchgesessener Polsterung und abgewetzten Armlehnen und umschloss ihre Lieblingstasse mit beiden Händen. Die Wärme des Porzellans tat gut.
*Das ist Glück*, dachte sie und atmete den Duft des Tees ein. Keine lästigen Gespräche über Arbeit, Geld oder dass es doch höchste Zeit wäre Nur sie, heißer Tee und eine neue Serie auf dem Tablet.

Diese stillen Stunden waren in den letzten Monaten ihre Rettung geworden. Tom, ihr Mann, war seit drei Monaten arbeitslos, und das Zuhause war längst zum Schlachtfeld unausgesprochener Vorwürfe mutiert. Den ganzen Tag hing er vor dem Computer zockte Ballerspiele, guckte Fußball, bewarb sich angeblich, doch meistens zeigte der Bildschirm alles andere als Stellenportale.

Schatz! Toms Stimme durchbrach die Stille wie ein Feuerwerkskörper. Du wirst es nicht glauben! Mama hat sich ihr Jubiläumsgeschenk selbst ausgesucht!

Er stürmte ins Zimmer, strahlend wie ein Schuljunge mit einer Eins. Lina riss sich langsam vom Bildschirm los und musterte ihn. Etwas in seinem Tonfall weckte ihr Misstrauen.

Eine Krokodilledertasche! plapperte Tom weiter, unbeirrt von ihrer Skepsis. Davon hat sie schon immer geträumt!

Lina stellte die Tasse bedächtig ab und zog die Augenbrauen hoch.

Eine Krokodilledertasche? Hat sie das selbst entschieden, oder wurde ihr das eingeredet? Und hat sie bedacht, dass Tierschützer darauf nicht gerade begeistert reagieren?

Die Spitze in ihrer Stimme prallte an ihm ab.

Sie ist meine Mutter! Sie hat es verdient!

Verdient? Lina spürte, wie sich etwas in ihr zusammenzog. Erklär mir mal, womit genau sie sich das verdient hat? Klar, sie hat dich großgezogen. Aber ich stehe nicht auf ihrer Dankbarkeitsliste ich habe eigene Eltern. Und wie viel kostet dieses Geschenk?

Tom räusperte sich und wandte den Blick ab.

Ach, nur ein Klacks Ungefähr fünf deiner Monatsgehälter.

Lina spürte, wie der Boden unter ihr schwankte.

Fünf Gehälter?, wiederholte sie mit tonloser Stimme.

Na ja, es ist halt echtes Nil-Krokodil, kein billiges Kunstleder, erklärte er, als wäre alles völlig normal.

Und warum erzählst du mir das? Mich interessiert das nicht die Bohne.

Tom zappelte unruhig und vermied es, sie anzusehen.

Nun ja Ich habe die Tasche auf Pump gekauft.

Auf Pump? Linas Stimme war plötzlich eiskalt.

Ja. Meine Schwester Franzi hat geholfen du weißt ja, sie arbeitet in der Bank. Die hat alles blitzschnell geregelt

Und auf wessen Namen?

Langsam dämmerte ihr eine schreckliche Ahnung.

Na, auf wessen wohl deinen. Ich habe einfach deine Unterlagen benutzt

Lina stand wortlos auf und ging langsam auf ihn zu. In diesem Moment hätte sie ihn am liebsten erwürgt. Oder wenigstens mit etwas Schwerem geschlagen.

Aha, Tom, mein Lieber Du bist seit drei Monaten ohne Job, kaufst Mutti ein Geschenk, aber ich soll blechen?

Tom wich instinktiv zurück.

Lina, das hat sich halt so ergeben Du bist ja die Einzige, die arbeitet

Ja, ich arbeite! Und du? Statt dich um eine Stelle zu bemühen, statt deine Familie zu ernähren wie ein normaler Ehemann, hockst du daheim wie ein Schuljunge in den Ferien und glaubst, ich hätte nicht schon genug Probleme ohne deine Schulden!

Lina, reg dich nicht auf! Es ist doch nur ein Kredit

In diesem Moment betrat wie üblich seine Mutter, Helga Schmidt, die Szene. Sie kam immer die Kinder besuchen, brachte aber in Wahrheit nur Kritik und Vorwürfe mit.

Was ist denn hier los? Sie musterte Lina mit hochgezogener Augenbraue.

Nichts, alles in Ordnung, Mama. Lina macht sich nur ein bisschen Sorgen wegen des Kredits, jammerte Tom.

Worüber soll sie sich denn sorgen? Die Schwiegermutter ließ sich in einen Sessel fallen. Das ist eine Familiensache, da hält man zusammen.

Ach wirklich? Dann erklär mir bitte, was genau meine Pflicht dabei ist, sagte Lina. Teure Geschenke aussuchen, während ich sie bezahle?

Was ist denn daran so schlimm? Du verdienst gut, konterte Helga kühl.

Verstehe. Und Tom? Was macht er?

Tom ist mein Sohn und übrigens dein Mann. Den unterstützt man.

Mann? Lina lachte bitter. So nennst du das? Ein Mann, der einen Kredit auf den Namen seiner Frau aufnimmt, weil er selbst zu nichts taugt und nicht mal den Willen hat, es zu ändern? Der sich auf meine Kosten durchfüttern lässt wie ein Schmarotzer!

Lina! Tom versuchte, dazwischenzufahren. Das ist gemein! Warum beleidigst du mich? Wir sind doch eine Familie!

Gut, sagte Lina und presste die Lippen zusammen. Dann kümmere ich mich morgen selbst darum. Und glaub mir, alles wird gut.

Sie lächelte seltsam, als hätte sie einen Plan, und dieses Lächeln ließ Tom aufhorchen.

Braves Mädchen!, nickte Helga zufrieden.

Am nächsten Tag erledigte Lina nicht nur ihre Arbeit, sondern auch noch etwas ganz anderes. Sie rief bei Kleinanzeigen an und vereinbarte für den Abend ein Treffen.

Als sie nach Hause kam, begrüßte sie Tom mit einem strahlenden Lächeln.

Tom, mein Schatz! Ich habe Neuigkeiten!

Oh? Was denn? Er setzte sich ahnungslos aufs Sofa.

Weißt du, ich habe den Kredit für die Krokodilledertasche abbezahlt.

Echt? Das ist ja super! Tom sprang fast auf. Ich wusste, du bist die Beste! Wie hast du das gemacht?

Ganz einfach. Ich habe dein Auto verkauft.

Tom erstarrte, als hätte ihn der Blitz getroffen.

Du was? Mein Auto?

Ja. Schnell und günstig. Genug, um den blöden Kredit loszuwerden.

Bist du wahnsinnig?! Womit soll ich jetzt fahren?

Lina lächelte unschuldig.

Reite auf der Krokodilledertasche. Ich habe gelesen, dass manche Taschen aus besonders weichem Leder sind wenn man sie streichelt, verwandeln sie sich in einen Koffer. Ist die Tasche für deine Mutter vielleicht so eine?

Tom wurde puterrot.

Das darfst du nicht einfach tun! Das war mein Auto! Und es für einen Appel und ein Ei zu verkaufen das ist das ist verrückt!

Jetzt hast du kein Auto mehr, und ich keine Schulden. Fair, oder? Und deine Mutter hat ihre Tasche. Alles bestens.

Von den Schreien ihres Sohnes alarmiert, stürmte Helga herein.

Was ist hier los?

Stell dir vor, Mama: Lina hat mein Auto verkauft! Eine Katastrophe!

Und? Sie hat richtig gehandelt, sagte Lina achselzuckend. Ein Kredit ist schließlich Familiensache. Nicht wahr?

Das war ein Fehler! Und zwar ein großer! Du hattest kein Recht das war sein Eigentum!, fauchte Helga.

Habt ihr mich gefragt, als ihr die Tasche gekauft habt? Als ihr einen Kredit auf meinen Namen aufgenommen habt?, konterte Lina. Jetzt ist alles fair.

Unerhört! Sieh mal einer an, wie selbstständig sie geworden ist!, rief Helga empört.

Unerhört ist, dass ihr beide mich als eure persönliche Geldbörse behandelt, entgegnete Lina.

Tom versuchte zu beschwichtigen.

Lina, denk doch nach! Wir sind eine Familie, wir gehören zusammen!

Familie? Na dann: Da du das nutzloseste Mitglied bist, pack deine Sachen und zieh zu deiner Mutter. Sie kann dich durchfüttern und dein Internet bezahlen. Ich lebe jetzt mal für mich.

Lina setzte sich demonstrativ aufs Sofa und griff nach ihrem Tablet. Nach ein paar Sekunden fügte sie genüsslich hinzu:

Und du, Helga versuch mal, die Krokodilledertasche ganz sanft zu streicheln.

Ein paar Tage später zog Tom, zermürbt von den Streitereien, zu seiner Mutter. Helga ließ keinen Zweifel an ihrer Empörung. Lina ignorierte sie einfach.

Zum ersten Mal seit Langem fühlte sie sich leicht. Und sie wusste: Sie hatten verstanden mit ihr war nicht zu spaßen.

Draußen nieselte es weiter, aber diese Samstagsstille gehörte jetzt nur ihr.

**Was ich heute gelernt habe:** Manche Leute verstehen erst, wenn man ihre eigene Medizin zurückgibt. Und manchmal ist es besser, allein zu sein, als ausgenutzt zu werden.

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