„Du bist gefeuert, Versager!“ brüllte der Chef. Doch er erbleichte sofort, als der Firmeninhaber ins Büro kam, mich umarmte und sagte: „Schatz, lass uns nach Hause fahren.“

»Du bist gefeuert, unfähiges Stück!« schrie der Chef. Doch er erbleichte sofort, als der Firmeninhaber das Büro betrat, mich umarmte und sagte: »Schatz, lass uns nach Hause fahren.«

»Du bist gefeuert, unfähiges Stück!«

Die Worte von Herrn Bernd Lehmann, Abteilungsleiter, schienen sich in die weißen Wände des Büros einzubrennen. Er warf eine dünne Akte auf den Tisch, und die Blätter verteilten sich fächerförmig über die lackierte Oberfläche, einige glitten langsam zu Boden.

»Einen ganzen Monat! Einen ganzen Monat hast du an diesem Bericht für ThyssenKrupp herumgebastelt! Und was ist das Ergebnis? Ein Desaster!«

Ich betrachtete sein vor Wut verzerrtes Gesicht. Rote Flecken breiteten sich über seinen Hals aus, die Augen traten ihm fast aus den Höhlen. Eine klassische Szene, die er wöchentlich inszenierte, jedes Mal mit einem anderen Opfer. Heute war ich an der Reihe.
Ich schwieg. Jetzt ein Wort zu sagen, wäre wie ein Funke in Benzin. Genau das wollte er.

»Was, nichts zu sagen? Ich habe dir unseren wichtigsten Kunden anvertraut, und du du bist einfach inkompetent! Eine Null!«

Er beugte sich über den Tisch, der Finger drohend in meine Richtung gestreckt. Der scharfe Duft seines teuren Parfums mit herb-bitteren Noten lag in der Luft.

»Ich verstehe nicht, wovon Sie sprechen, Herr Lehmann. Alle Daten wurden geprüft, ich habe alles dreimal kontrolliert.«

Meine Stimme klang ruhig vielleicht zu ruhig. Das machte ihn nur noch wütender.

»Ach, sie versteht es nicht!« verhöhnte er mich. »Gerade hat mir deren Vertriebsdirektor angerufen! Sie sind außer sich! Unsere Zahlen haben nichts mit der Realität zu tun!«

Jetzt wurde es wirklich interessant. Ich wusste genau meine Berechnungen konnten keine Fehler enthalten. Also hatte jemand nach meiner Abgabe Änderungen vorgenommen.

»Pack deine Sachen. In zehn Minuten sollst du hier verschwunden sein.«

Er drehte sich zum Fenster, um zu zeigen, dass das Gespräch beendet war. Seine Haltung strahlte Triumph aus. Noch eine »Null« aus seiner imaginären perfekten Welt verbannt.

Langsam stand ich auf. Ich fühlte weder Wut noch Kränkung nur eine klare, kalte Gewissheit: Alles lief nach Plan. Sogar besser, als ich gehofft hatte.
Ich packte meine wenigen Sachen in die Tasche Notizblock, Stift, Geldbeutel.

Da öffnete sich plötzlich die Tür ohne Klopfen.

Bernd Lehmann fuhr herum.

»Was zum Teufel«

Die Worte erstarben ihm auf den Lippen. Sein Gesicht wurde lang, die Farbe wich aus seinen Wangen, ließ ihn krankhaft blass zurück.

In das Büro trat mein Mann. Oder besser: der Eigentümer des gesamten Unternehmens.

Er musterte gelassen die verstreuten Blätter auf dem Boden, dann den verstörten Bernd Lehmann und schließlich mich. In seinen Augen blitzte ein leichtes Lächeln auf.

Er trat auf mich zu, legte mir den Arm um die Schultern und küsste mich auf die Schläfe.

»Schatz, fahren wir nach Hause?«

Bernd Lehmann starrte uns an, den Mund wie ein gestrandeter Fisch auf- und zuklappend. Seine makellose Welt schien gerade in sich zusammenzubrechen.

»Herr Herr Wagner«, brachte er schließlich mühsam hervor. Sein Blick sprang zwischen mir und meinem Mann hin und her.

»Herr Lehmann«, sagte mein Mann mit gefährlich sanfter Stimme. »Ich sehe, Sie haben gerade personelle Veränderungen vorgenommen? Meine beste Analystin entlassen?«

Das Wort »meine« betonte er leicht und Lehmann zuckte zusammen.

»Ich ich wusste nicht Sie heißt doch Schneider«

»Meine Frau hat beschlossen, unter ihrem Mädchennamen zu arbeiten«, erklärte mein Mann beiläufig, während er eines der Blätter vom Boden aufhob. »Sie wollte die Arbeitsprozesse von innen betrachten ohne Vorurteile.«

Er warf einen kurzen Blick auf die Zahlen.

»Und ich muss sagen, die Einsichten waren äußerst aufschlussreich. Besonders was diesen Bericht betrifft.«

Bernd Lehmann schluckte trocken. Langsam begriff er: Das war kein Zufall. Es war eine Falle.

»Herr Wagner, das muss ein Missverständnis sein! Der Bericht von Fräulein Schneider äh, Ihrer Frau war ein Totalausfall! ThyssenKrupp hat mich angerufen!«

»Wirklich?« Mein Mann hob eine Augenbraue. »Seltsam. Denn deren Vertriebsdirektor saß vor fünf Minuten in meinem Büro. Wir haben Kaffee getrunken und einen erweiterten Vertrag unterschrieben.«

Er machte eine Pause, genoss die Wirkung seiner Worte.

»Einen Vertrag, der auf der ursprünglichen Version von Lenas Bericht basiert. Genau der, den sie Ihnen vor einer Woche übergeben hat.«

Das Gesicht von Bernd Lehmann wurde weiß wie die Bürowände. Jetzt verstand er alles.

»Aber wie die Zahlen«

»Ach, die Zahlen?« Mein Mann warf das Blatt gleichgültig auf den Tisch. »Die Zahlen, die Sie an den Kunden geschickt haben, hatten tatsächlich nichts mit der Realität zu tun. Sie haben sie grob verändert. Fast willkürlich.«

Er lehnte sich über Lehmanns Schreibtisch, stützte sich mit den Händen darauf ab und sah ihn von oben herab an.

»Vor zwei Monaten hat unsere Sicherheitsabteilung verdächtige Aktivitäten festgestellt. Systematische Datenlecks bei Ausschreibungen und Kunden. Jemand hat fleißig Informationen an unseren Hauptkonkurrenten RheinInvest weitergegeben.«

Bernd Lehmann schrumpfte in seinem Stuhl zusammen.

»Lange wussten wir nicht, wer es war. Bis meine Frau sich anbot zu helfen. Lena ist eine brillante Wirtschaftswissenschaftlerin sie vermutete, dass die Ratte nicht nur Daten stiehlt, sondern auch intern sabotiert. Chaos stiftet.«

Mein Mann sprach ruhig, fast akademisch aber unter dieser Kühle schien Lehmanns Rücken zu frösteln.

»Sie trat Ihrer Abteilung bei. Und innerhalb eines Monats sah sie alles: Ihre Inkompetenz, Ihr rüdes Verhalten, Ihre Gewohnheit, sich mit fremden Federn zu schmücken und eigene Fehler auf Untergebene abzuwälzen.«

Er trat einen Schritt zurück.

»Aber das Wichtigste: Sie bemerkte, wie Sie spätabends Änderungen in ihrem Bericht vornahmen. Und ihn auf einem USB-Stick speicherten. Einen sehr charakteristischen mit dem Logo eines Fußballvereins. Die Kamera über Ihrem Schreibtisch hat alles aufgezeichnet.«

Bernd Lehmann sagte nichts. Er war gebrochen.

»Und jetzt«, die Stimme meines Mannes wurde hart wie Stahl, »lassen Sie uns über die Schadenssumme für das Unternehmen sprechen. Und über den Paragrafen im Strafgesetzbuch wegen Wirtschaftsspionage. Setzen Sie sich. Das wird ein langes Gespräch.«

Er nickte zur Tür, die sich sofort öffnete zwei kräftige Männer der Sicherheitsabteilung standen bereit. Dann nahm er meine Tasche und führte mich sanft hinaus.

Wir verließen das Büro und ließen Bernd Lehmann mit seiner zerbrochenen Welt zurück. Die Tür schloss sich hinter uns, schnitt jeden Laut ab.

Während wir durch den langen Flur des Großraumbüros gingen, sah ich, wie die Mitarbeiter uns verblüfft und erschrocken anstarrten. Sie verstanden nicht, was geschah.

Sie sahen nur, wie ihr strenger Abteilungsleiter mit dem Firmenchef allein geblieben war und die vor fünf Minuten gefeuerte Lena Schneider ruhig neben ihm herging.

Die Erinnerung an diesen Monat kam hoch. Er fühlte sich an wie ein seltsamer, unangenehmer Traum. Besonders lebhaft erinnerte ich mich an die Besprechung letzte Woche. Bernd hatte alle versammelt, um ein neues Projekt zu diskutieren.

Markus, der für sein unkonventionelles Denken bekannt war, schlug einen völlig neuen Ansatz für die Datenanalyse vor.

Bernd hörte ihm zu, lehnte sich im Stuhl zurück und klopfte mit seinem teuren Kugelschreiber auf den Tisch. Dann zerschmetterte er den Vorschlag mit einem einzigen, herablassenden Satz. Kindergartenspielzeug, nannte er es. Der Raum erstarrte. Markus senkte den Blick, niemand traute sich, etwas zu sagen. Ich beobachtete nur, wie Bernd den Kugelschreiber langsam auf den Tisch legte das gleiche Modell, das später auf den Fotos aus der Sicherheitskamera neben dem USB-Stick mit dem Vereinslogo zu sehen war.

Am Aufzug blieb mein Mann kurz stehen, drehte sich zu mir um und flüsterte: Danke.

Ich nickte, legte meine Hand in seine. Der Aufzug öffnete sich, Licht flutete den Flur.

Wir fuhren nach unten, hinaus in die Abendsonne. Kein Wort mehr über die Firma, die Lügen, die Angst. Nur das leise Summen des Aufzugs und das Vertrauen zwischen uns, stärker als je zuvor.

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„Du bist gefeuert, Versager!“ brüllte der Chef. Doch er erbleichte sofort, als der Firmeninhaber ins Büro kam, mich umarmte und sagte: „Schatz, lass uns nach Hause fahren.“
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