Pavel kam nicht zurück. Seine Sachen verschwanden. Im Schrank nur leere Kleiderbügel. Auf dem Nachttisch ein Zettel, auf einem Fetzen Papier gekritzelt: ‘Ich halte es nicht mehr aus. Vergib mir.’

**Tagebucheintrag**

Paul kam nicht zurück. Seine Sachen waren verschwunden. Im Schrank hingen nur leere Kleiderbügel. Auf dem Nachttisch lag ein Zettel, hastig auf einen Fetzen Papier gekritzelt: *Ich konnte nicht mehr. Verzeih mir.*

Als Katharina krank wurde, brach die Welt nicht zusammen sie hielt einfach den Atem an.

Zuerst kamen die Schwäche und die Gliederschmerzen, dann das Fieber, das keine Tabletten oder Spritzen senken konnten. Schließlich folgte der Schmerz in der Brust, als würde jemand einen glühenden Stab hineinbohren und langsam drehen. Sie lag auf dem Sofa, in eine Decke gehüllt, und starrte an die Decke, während sie sich fragte: *Ist es nur eine Grippe? Oder etwas Schlimmeres?*

An jenem Abend kam Paul spät nach Hause. Er zog seinen Mantel aus, warf die Schlüssel auf die Kommode und fragte, ohne sie anzusehen:
*»Liebst du schon wieder? Das Geschirr ist nicht gespült. Die Wohnung sieht aus wie ein Schlachtfeld.»*
*»Ja»,* flüsterte sie. *»Ich kann nicht aufstehen.»*
Er seufzte, als wäre es ihre Schuld krank zu sein, zu liegen, seinen Abend zu stören.
*»Na dann, bleib liegen. Ich gehe duschen.»*
Keine Umarmung, keine Geste der Zuneigung.

Sie schwieg. Nicht einmal die Kraft für einen Vorwurf blieb ihr.

Am nächsten Tag brachten sie sie ins Krankenhaus. Die Diagnose klang schrecklich: beidseitige Lungenentzündung, kompliziert durch eine Virusinfektion, Verdacht auf eine Autoimmunreaktion. Die Ärzte sprachen schnell, sachlich, ohne Emotionen aber in ihren Augen las Katharina: *Das könnte schlimm enden.*

Sie bat die Schwester, ihr ein Telefon zu bringen, um Paul anzurufen.
Die Schwester brachte es. Katharina wählte seine Nummer. Er hob nicht ab.
Sie rief noch einmal an eine Stunde später. Dann wieder. Und wieder.

Beim vierten Versuch meldete er sich. Seine Stimme klang gleichgültig, als hätte sie ihn aus einem wichtigen Traum gerissen.
*»Was?»*
*»Paul ich liege im Krankenhaus. Es ist ernst. Ich brauche»*
Sie kam nicht weiter er unterbrach sie.
*»Ich bin auf der Arbeit, Katharina. Nicht jetzt.»*
*»Aber ich habe Angst»*
*»Du bist erwachsen. Die Ärzte sind da. Was willst du dass ich alles stehen und liegen lasse und herrenne?»*

Sie verstummte. Ein Kloß saß ihr in der Kehle.
*»Gut»,* sagte sie leise. *»Entschuldige, dass ich gestört habe.»*
Er antwortete nicht. Legte einfach auf.

Dritter Tag im Krankenhaus.

Katharina lag mit einer Infusion im Arm und starrte aus dem Fenster. Grauer Himmel, nasser Asphalt, vereinzelte Passanten in Regenjacken. Auf der Station herrschte Stille nur das Ticken der Uhr und das Summen der Lüftung.

Sie versuchte es noch einmal. Paul. Wieder nur das Warten.

Dann kam die Mitpatientin und sagte:
*»Ruf ihn nicht an. Er ist weg. Hat mir die Schlüssel gegeben.»*
*»Weg? Wohin?»*
*»Hat nichts gesagt. Hat einfach seine Sachen gepackt und ist gegangen.»*

Katharina schloss die Augen. Etwas riss in ihrer Brust. Nicht ihr Herz etwas Unsichtbares, Zartes, das sie jahrelang mit ihm verbunden hatte.
Sie weinte nicht. Nicht einmal dazu reichten die Kräfte.

Am siebten Tag kam ihre Mutter.

Sie stürmte ins Zimmer, beladen mit Taschen und Paketen, mit einem Blick, als würde sie die ganze Klinik niederreißen, sollte jemand ihre Tochter verletzen.
*»Was für ein Feigling!»*, rief sie, als sie Katharina sah. *»Wie konnte er nur?»*

Katharina versuchte zu lächeln, doch es gelang nur schwach.
*»Mama»*
*»Stille, stille. Ich bin da. Jetzt bin ich bei dir.»*

Ihre Mutter blieb. Sie blieb Tag und Nacht, wechselte ihre Kleider, las ihr vor, hielt ihre Hand, wenn die Schmerzen kamen. Katharina begann zu heilen langsam, stückweise, als würde ihr Körper die Welt erst wieder betreten, nachdem er lange vergessen hatte, wie es sich anfühlt. Der Frühling kam, zaghaft zuerst, dann bestimmter. Eines Morgens öffnete Katharina das Fenster, ließ die warme Luft hinein, und atmete tief ein ohne Schmerz. Ihre Mutter stand hinter ihr, schwieg, legte nur eine Hand auf ihre Schulter. Es war genug.

Оцените статью
Pavel kam nicht zurück. Seine Sachen verschwanden. Im Schrank nur leere Kleiderbügel. Auf dem Nachttisch ein Zettel, auf einem Fetzen Papier gekritzelt: ‘Ich halte es nicht mehr aus. Vergib mir.’
Your Children from the First Marriage Won’t Be Living Here,» Declares the New Wife