Saschinka blickte auf Ljuda und beneidete sie sehr. Ljuda wurde aus dem Kinderheim geholt. Neue Mama und Papa waren schon dabei, die Papiere zu erledigen, und sie würde nun eine Familie haben. Ljuda erzählte, wie sie Zeit mit ihren neuen Eltern verbracht hatte: vom Zoo, in dem Saschinka noch nie gewesen war, vom Puppentheater, wo Ljuda eine echte Hexe gesehen hatte, und von der Marmelade – Aprikosenmarmelade mit Kernen.

Kleine Max schaute zu Lina hinüber und beneidete sie sehr. Lina wurde aus dem Kinderheim geholt. Ihre neuen Eltern waren gerade dabei, die Papiere zu unterschreiben, und bald würde sie eine Familie haben. Lina erzählte begeistert von ihren Erlebnissen mit ihnen vom Zoo, in dem Max noch nie gewesen war, vom Puppentheater, wo sie eine echte Hexe gesehen hatte, und von der Marmelade, Aprikose mit Kernen.

Max war fünf Jahre alt. So lange er denken konnte, hatte er im Kinderheim gelebt. Kinder kamen und gingen. Als eines Tages der kleine Felix verschwand, fragte Max die Erzieherin, Frau Schneider:

«Frau Schneider, wo ist Felix?»

«Er ist nach Hause gegangen, zu seiner Familie», antwortete sie.

«Was ist eine Familie?», hakte Max nach.

«Eine Familie ist ein Ort, an dem man dich immer liebhat und auf dich wartet», erklärte Frau Schneider.

«Und wo ist meine Familie?», fragte Max.

Frau Schneider seufzte nur, sah ihn traurig an und schwieg.

Von da an fragte Max nie wieder nach einer Familie. Er hatte verstanden: Familie war etwas Wichtiges etwas, das man dringend brauchte.

Als Lina zwei Tage verschwand und dann in einem hübschen Kleid, mit frisch geflochtenen Zöpfen und einer neuen Puppe zurückkehrte, weinte Max. Niemand hatte ihn jemals mitgenommen, und er dachte, dass ihn einfach niemand wollte.

Doch dann kam Frau Schneider herein, brachte eine Jacke und eine Hose und sagte:

«Max, zieh dich um, gleich kommen Besucher für dich.»

«Für mich?», wunderte sich Max. «Wer denn?»

«Sie möchten dich kennenlernen.»

Max zog sich an, setzte sich auf die Bank und wartete. Frau Schneider nahm ihn schließlich an der Hand und führte ihn ins Besucherzimmer. Dort saßen ein Mann und eine Frau. Der Mann war groß, mit Bart und Schnurrbart. Die Frau hingegen war klein, zierlich und fand Max wunderschön. Sie roch nach Blumen, und irgendwie kam sie ihm wie eine Rose vor. Sie hatte große, strahlende Augen und dichte Wimpern.

«Hallo», sagte die Frau, «ich bin Elke. Und du?»

«Max», antwortete er. «Wer seid ihr?»

«Wir möchten deine Freunde sein», sagte Elke. «Und wir brauchen dringend deine Hilfe.»

«Was für Hilfe?», fragte Max und schaute den Mann an.

Der Mann kniete sich neben ihn und sagte: «Hallo, ich bin Thomas. Man hat uns erzählt, dass du toll malen kannst. Könntest du uns einen Roboter zeichnen? Wir brauchen unbedingt ein Bild von einem.»

«Klar», antwortete Max wichtig. «Was für ein Roboter soll es sein? Ich kann alle möglichen malen.»

Thomas stand auf, holte eine Tüte, packte ein Zeichenblock, Buntstifte und einen riesigen Roboter aus. Der Roboter war noch originalverpackt, bunt und glänzend, und im Sonnenlicht schimmerte er wie ein Schatz. Max stockte der Atem so etwas Großes hatte er noch nie gehalten.

«Wow!», rief Max. «Das ist doch Optimus Prime! Wusstet ihr, dass er der Anführer der Transformers ist?»

«Gefällt er dir?», fragte Thomas.

«Total!», strahlte Max.

«Dann nimm ihn doch mit, zeichne etwas und dann bringen wir uns später in Ruhe näher kennen, einverstanden?»

Max verbrachte eine ganze Stunde mit Thomas und Elke. Sie sprachen über alles, was ihm gefiel und was nicht. Max erzählte von den Spielsachen im Heim, von seinem Bett und den Schuhen, in denen er im Winter immer kalte Füße bekam.

Elke hielt die ganze Zeit seine Hand, und Thomas strich ihm liebevoll über den Kopf.

Dann kam Frau Schneider herein.

«Max, es ist Zeit», sagte sie. «Gleich gibt es Abendessen.»

Thomas schüttelte Max’ Hand und meinte: «Wir kommen in einer Woche wieder. Schaffst du es, uns den Roboter zu malen?»

«Ja, aber ihr kommt wirklich?», fragte Max.

«Natürlich», sagte Elke, drückte ihn fest und hatte plötzlich Tränen in den Augen.

«Warum weinst du?», fragte Max.

«Ach, nur ein Staubkorn», log sie.

Frau Schneider brachte Max zum Essen, doch er konnte es kaum erwarten, wieder in sein Zimmer zu kommen, wo die Tüte mit dem Roboter lag. Er packte ihn aus, bewunderte die beweglichen Arme und drehte den Kopf hin und her. Dann begann er zu zeichnen.

Doch plötzlich stürmten die älteren Jungen herein.

«Boah!», rief der große Finn. «Gib mal her!»

Er riss Max den Roboter aus der Hand und warf ihn in die Luft.

«Lass das!», schrie Max. «Der gehört nicht mir!»

«Natürlich nicht!», lachte Finn. «Hier ist alles Gemeinschaftseigentum.»

Max versuchte, den Roboter zurückzuholen, aber Finn hielt ihn fest. Es gab ein Knacken, und plötzlich hatte Max nur noch ein Bein des Roboters in der Hand. Weinend stürzte er sich auf Finn, doch der schmiss ihm die Reste ins Gesicht. Blut lief aus Max’ Nase.

Frau Schneider brachte ihn ins Badezimmer, wusch sein Gesicht und stopfte Watte in seine Nase.

«Max, du weißt doch, dass die Spielsachen hier allen gehören», sagte sie streng. «Jetzt ist der Roboter kaputt.»

«Er war nicht meiner!», schluchzte Max. «Ich sollte ihn nur malen!»

Frau Schneider lächelte plötzlich. «Dann mal weiter.»

Max versuchte, den Roboter gegen die Wand zu stellen, klebte das Bein mit einer Schachtel fest und zeichnete weiter. Bis zum Schlafengehen hatte er ein Bild fertig. Am nächsten Tag malte er zwei weitere. Dann noch mehr. Bald war der ganze Block voller Roboter.

«Frau Schneider, wann ist die Woche vorbei?», fragte Max eines Tages. «Wann kommen Thomas und Elke?»

Sie sah ihn traurig an. «Max, die Woche ist schon vorbei. Ich glaube nicht, dass sie kommen.»

Max weinte bitterlich. Bestimmt hatten sie erfahren, dass er den Roboter kaputt gemacht hatte. Die ganze Nacht lag er wach und dachte an Thomas, Elke und den armen Optimus Prime.

Doch am nächsten Tag kam Frau Schneider strahlend herein.

«Zieh dich an, Max. Jemand ist da.»

«Wer denn?», fragte er.

«Sieh selbst.»

Max öffnete die Tür und da standen Thomas und Elke.

«Hallo!», sagte Elke. «Wir holen dich ab.»

«Wohin?», fragte Max verwirrt.

«Du hast doch vom Zoo erzählt. Lust, mitzukommen?»

Max schluckte. «Ja, aber » Er lief zurück, holte den Block und die Roboter-Überreste. «Hier», sagte er mit Tränen in den Augen. «Finn und ich es tut mir leid.»

Thomas lachte. «Max, der Roboter war doch für dich! Ein Geschenk!»

Max reichte ihm den Block. «Ich hab gemalt.»

Thomas blätterte durch. «Perfekt! Genau das, was wir brauchten. Und keine Sorge ich repariere den Roboter.»

«Dann ab zum Zoo!», rief Elke und half Max in die Jacke.

Im Zoo war alles aufregend die Affen, die lustig herumturnten, die Löwen, die gähnten Max wusste gar nicht, wohin er zuerst schauen sollte.

«Max», sagte Elke später, «wir möchten dich einladen. Zu uns. Nach Hause. Lust?»

«Ja!», rief Max.

Zuhause betrat er zaghaft die Wohnung.

«Keine Scheu», sagte Thomas.

Elke führte ihn ins Kinderzimmer mit Weltraumtapete, einem Auto-Bett und einem Schrank voller Spielzeug.

«Wer wohnt denn hier?», fragte Max.

Thomas und Elke setzten sich zu ihm.

«Max», sagte Thomas leise, «wir möchten, dass du bei uns bleibst. Für immer. Das hier ist dein Zimmer. Alles gehört dir. Wenn du willst.»

«Für immer?», flüsterte Max. «Also ich bekomme eine Familie?»

«Ja», sagte Elke. «Wir nehmen dich als unseren Sohn.»

«Aber warum? Ich bin doch fremd. Und ich hab den Roboter kaputt gemacht.»

Elke strich ihm über die Wange. «Max, du bist nicht fremd. Du bist unser Kind.»

Max nickte weinend. Er mochte Thomas und Elke. Und das Zimmer. Zurück ins Heim wollte er nicht.

«Einverstanden?», fragte Thomas.

«Ja! Ich werde ganz brav sein!»

Thomas und Elke lachten, hoben ihn hoch und drückten ihn fest.

Und Max war so glücklich. Endlich hatte er eine Familie. Seine eigene.

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Saschinka blickte auf Ljuda und beneidete sie sehr. Ljuda wurde aus dem Kinderheim geholt. Neue Mama und Papa waren schon dabei, die Papiere zu erledigen, und sie würde nun eine Familie haben. Ljuda erzählte, wie sie Zeit mit ihren neuen Eltern verbracht hatte: vom Zoo, in dem Saschinka noch nie gewesen war, vom Puppentheater, wo Ljuda eine echte Hexe gesehen hatte, und von der Marmelade – Aprikosenmarmelade mit Kernen.
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