Die starke Matrone: Eine deutsche Heldin voller Weisheit und Kraft

**Lotte**

Im Dorf hieß es, sie sei im Alter nicht mehr ganz bei Verstand. Viele mieden ihr Haus und nannten sie Hexe, doch wie sie den Lästermäulern eins ausgewischt hatte, daran erinnerte man sich noch heute.

Auf den ersten Blick war Lotte nur eine einfache Bäuerin betagt und etwas schrullig: Sie half Bedürftigen, trotz ihrer kümmerlichen Rente, nahm verirrte Wanderer auf, während die wohlhabenden Dorfbewohner (es war ein reiches Dorf) Fremde selten über die Schwelle ließen. Höchstens einen Becher Wasser aus dem Brunnen, aber für die Nacht? Niemals.

Lotte war anders jeden Wanderer bewirtete sie mit einfachem Essen, gab ihm zu trinken und bot ein Bett, wenn es spät wurde. Man nannte sie seltsam, warf ihr vor, Fremde ins Haus zu lassen, wo doch eine heiratsfähige Enkelin lebte. Drohungen folgten:

Mach weiter so, und wir bringen deine Marlene ins Waisenhaus. Das Jugendamt wird sie dir nehmen.

Doch das war früher. Dann wurde Marlene volljährig, und die Lästereien verstummten. Anfangs aber war Lotte zutiefst verbittert Marlene war ihr Ein und Alles, ihr Schatz, ihre Hoffnung im Alter.

Sie war alles, was ihr blieb. Lotte hatte alle verloren ihren Mann, der mit 42 an einem frühen Herzinfarkt starb. Ihre Tochter Anneliese zog sie allein groß. Anneliese war tüchtig, heiratete gut, zog in die Stadt, bekam Marlene. Doch dann geschah das Unfassbare

Annelieses Mann war Geologe. Ständig auf Expeditionen, manchmal ein halbes Jahr fort. Von einer kehrte er nie zurück verschollen, nicht einmal eine Leiche gefunden. Die Rettungskräfte suchten wiederholt, doch selbst einer von ihnen verschwand. Zumindest erzählte man Anneliese das.

Sie trauerte schwer, das Kind war noch klein, und nun ohne Vater. Lotte stand ihr in dieser Zeit bei:

Ich hab dich nach dem Tod deines Vaters allein großgezogen, und du wirst es schaffen Marlene wird stark, und ich helfe dir.

Zunächst schien Anneliese sich zu fassen. Doch sie täuschte nur, um ihrer Mutter nicht noch mehr Kummer zu bereiten. Jahre später kam es, wie niemand es erwartet hätte.

Anneliese begann, ihren Kummer zu ertränken erst gelegentlich, dann täglich.

Die Welt ist leer ohne meinen geliebten Friedrich. Mein Glück ist fort, warum soll ich noch leben?, jammerte sie, wenn Lotte sie zu trösten versuchte.

Lotte probierte alles vergeblich. Annelieses Leben hing am Grünen Drachen. So starb sie in ihren besten Jahren. Alle verurteilten sie, doch vielleicht war es ihr Schicksal.

Nun war Marlene, 15, Waise. Lotte nahm sie ins Dorf. Marlene sträubte sich das Stadtleben war ihr vertraut doch Lotte überzeugte sie:

In der Stadt können wir von meiner Rente nicht leben. Hier haben wir Garten und Hühner.

Und sie sagte oft:

Du, mein Schatz, wirst ein anderes Schicksal haben, warte ab. Wenn du größer bist, finde ich dir den richtigen Bräutigam!

Wo denn, Oma? Hier verirrt sich höchstens mal ein Wanderer.

Mach dir keine Sorgen, Kind. Ich weiß, was ich tue. Lästereien ignorierst du.

So lebten sie zu zweit in einem alten Haus am Dorfrand. Lotte kümmerte sich um den Hof, Marlene ging zur Schule und half danach im Haus.

Mitschüler hänselten sie sie wussten von ihrer Mutter. Nachbarn tuschelten:

Die Mutter war nichts wert was wird aus dem Mädchen? Nichts Gutes!

Lotte tat es weh doch sie war schuldlos am Tod ihres Mannes und ihrer Tochter. Sie schwor sich: Marlenes Schicksal würde sie selbst in die Hand nehmen.

Auf die Nachbarn hörte sie nicht mehr mochten sie reden. Das machte sie nur unbeliebter ihr schien Klatsch egal. Doch dann, eines Winters, als der Schnee die Wege versperrte und ein junger Mann mit blauen Lippen an ihre Tür klopfte, änderte sich alles. Lotte ließ ihn ein, wärmte ihn am Feuer, gab ihm Suppe und das Bett im Gastzimmer. Er blieb drei Tage sagte, er sei Lehrer auf der Flucht vor einer Schuld, die er nicht begangen habe. Marlene sah ihn an, wie man einen Helden ansieht. Und als er ging, hinterließ er einen Brief ohne Adresse, nur ein Versprechen: Ich komme zurück, wenn die Kastanie blüht.

Sie blühte im Mai. Er stand pünktlich am Gartenzaun, mit einem Buch in der Hand und einem Ring aus geflochtenem Silber. Lotte nickte nur, als hätte sie es immer gewusst. Die Dorfleute schwiegen, dann flüsterten sie wieder doch diesmal nicht aus Häme, sondern Neid. Marlene heiratete im Sommer. Der Gemeindevorsteher selbst gab den Segen.

Und Lotte? Sie saß auf der Bank vor dem Haus, strickte eine kleine Decke und lächelte in sich hinein. Die Welt hatte ihr viel genommen. Aber das Wichtigste hatte sie behalten: die Kraft, an das Gute zu glauben und daran, dass manchmal gerade die, die man verachtet, das Schicksal wenden können.

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Die starke Matrone: Eine deutsche Heldin voller Weisheit und Kraft
To Keep the Cat’s Spirit at Bay or Release the Flat – The Landlady’s Shout