Ich dachte, du bist auf Dienstreise» — da sehe ich meinen Mann im Café mit einer anderen Frau

**Tagebucheintrag**

Ich war nie paranoid. Ich habe nie Handys durchsucht, keine hysterischen Verhöre veranstaltet, nie nach fremden Haaren auf Kragen geschnüffelt oder Hemden auf den Geruch eines fremden Parfüms hin untersucht. Mein Leben baute auf Vertrauen, solide wie ein Fundament. Blind, bedingungslos, vielleicht naiv. Ich vertraute einfach.

Darum glaubte ich meinen Augen nicht, als ich an diesem verhängnisvollen Dienstag auf dem Heimweg ins Café trat, nur um eine Flasche Wasser zu kaufen, mit schweren Einkaufstüten in den Händen. Am Fenstertisch, vom Mittagslicht umflutet, saß mein Mann. Markus. Derselbe Markus, der mich heute Morgen zum Abschied geküsst hatte, während er von einer dringenden Dienstreise nach Berlin und schwierigen Verhandlungen murmelte.

Erster Gedanke, warm und naiv wie ein Küken: *Ein Kollege. Das Meeting fiel aus, und er ist mit einer Mitarbeiterin hier.*
Zweiter Gedanke, kalt wie eine Schlange: *Seltsam Er müsste im Flieger oder schon im Berliner Büro sein.*
Dritter Gedanke, ein Schlag in die Magengrube, als mein Blick seine Hand auf ihrer schmalen, perfekt manikürten erfasste und seinen Gesichtsausdruck verloren, verzaubert, der mir einst, vor einer Ewigkeit, allein gehört hatte: *Betrügt er mich?*

Die Welt schrumpfte auf ihren Tisch zusammen. Das Klirren von Geschirr, gedämpfte Stimmen, das Zischen der Kaffeemaschine alles verstummte zu stummem Film. Meine Beine trugen mich wie von selbst vorwärts, als glitte ich auf spiegelglattem Eis. Mein Gesicht erstarrte, meine Finger umklammerten die Tüten so fest, dass die Knöchel weiß hervortraten.

Ich dachte, du bist in Berlin, sagte ich, mit einer Stimme, die fremd, flach und leblos klang.

Markus zuckte zusammen, als hätte ihn ein Stromschlag getroffen, und fuhr herum. Sein eben noch entspanntes Gesicht verzerrte sich zu panischer Angst. Er erbleichte, als hätte man ihm alles Blut abgezapft. Die Frau eine zierliche Blondine im Strickkleid blickte erschrocken zwischen uns hin und her, und ich sah, wie Erkenntnis über ihr makelloses Gesicht huschte.

Lena, seine Stimme brach zu einem Flüstern. Er stand auf, stieß dabei gegen den Tisch, und das Wasserglas schepperte laut auf der Untertasse.

Bleib sitzen, knurrte ich, und selbst ich war überrascht von diesem tiefen, eisigen Ton. Meine Ruhe war ein Panzer, der den Sturm in mir einschloss. Also? Dienstreise ja oder nein?

Es folgte eine schwere, zähe Pause, die man mit dem Messer hätte schneiden können. Die Blondine biss sich auf die untere Lippe und starrte auf den Tisch, als wünschte sie sich, im Boden zu versinken.

Nein, presste er heraus, und das Wort hing wie ein hässliches Geständnis in der Luft. Es ist nicht, was du denkst

Klaro, schnitt ich ihm das Wort ab und musterte die Blondine. Ihre Augen waren feucht. Ich ließ den Blick zwischen ihnen hin und zurück wandern, suchte nach einem Funken Reue, einer Spur von Rechtfertigung fand nichts. Sie sieht aus wie ich, sagte ich leise, fast sanft, nur zehn Jahre jünger. Nur frischer. Nur unverbraucht. Dann drehte ich mich um, ließ die Einkäufe am Tisch zurück, ging hinaus in die grelle Mittagssonne, ohne mich noch einmal umzusehen. Die Tür fiel laut hinter mir ins Schloss, und ich wusste: Ich würde nie wieder an Vertrauen glauben.

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Ich dachte, du bist auf Dienstreise» — da sehe ich meinen Mann im Café mit einer anderen Frau
Not a Mother, but a Cuckoo