Hilfe & Unterstützung

Schlimm. Schlimm und bitter, bitter und schmerzhaft, schmerzhaft und verletzend.

Keine Tränen mehr zum Weinen.

Warum? Warum hat er das getan?

Sieben Jahre, sieben glückliche Jahre.

Hand in Hand, nie ein böses Wort, und dann… auf einmal, einfach weg.

Nein, nicht weg feige abgehauen.

Das Telefon klingelt und klingelt. Was denn jetzt? Wer braucht mich jetzt?

Mama.

Hallo, mein Schatz… Schatz, was machst du?

Nichts, Mama. Die Stimme muss ruhig und gefährlich normal klingen.

Na gut. Du heulst doch nicht etwa, oder? Nicht, dass du wegen so einem Trottel Tränen vergisst.

Ein Trottel bleibt ein Trottel, sogar in Afrika. Mama lacht über ihren eigenen Witz. Schatz, ich wollte dich einladen, mit uns am Freitag ins Wochenendhaus zu kommen. Tante Trudi kommt, und ihr Neffe, der Stefan du kennst ihn nicht, aber ich. Ein feiner Kerl, weißt du? Hat einfach Pech in Liebesdingen.

Ein feiner Kerl, aber seine Ex? Eine Null, eine Niete. Zum Glück ist er sie los.

Er hat sie erwürgt?

Was? Wer hat wen erwürgt?

Na, die Frau. Du sagst doch, er ist sie los.

Ach du meine Güte! Aber immerhin, du machst Witze das ist gut, Schatz. Witz ruhig weiter… hilft, weißt du? Als mich damals der Klaus Meier sitzen ließ hab ich dir die Geschichte erzählt?

Wir waren zusammen in der Musikschule. Ich spielte Cello, er Horn. So ein Junge mit großen Ohren und blonden Haaren, süß… ich kann nicht…

Ich hab ihn so geliebt, und er… dieser Drecksack ist zur Klarinettistin Natalie übergelaufen. Oh, Kind… wie ich geweint habe! Ich hab sogar den Unterricht geschwänzt, bin an der Elbe entlanggelaufen und hab mich ausgeheult. Ich wollte mich sogar ertränken…

Mama… ich bin gerade nicht in der Stimmung.

Ach? Na gut, mein Schatz. Also, kommst du? Freitag, wir warten.

Weiß nicht, Mama, wirklich nicht.

Nein, Lina, das ist keine Antwort. Versprich es mir, hörst du?

Okay, Mama… ich komme, aber nicht lange.

Gut. Ich hab dich lieb, Mama ist immer da, verstanden? Papa auch ja, ja, Michel, ich sags ja: Wir sind da. Hörst du, Lina? Papa liebt dich, und Mama auch…

In die Decke kuscheln, Licht aus, auf die Seite legen.

Keine Tränen, keine Kraft zum Weinen.

Eine Frage.

Nur eine.

Warum?

Wofür das alles?

Das Telefon.

Schon wieder.

Die Schwester.

Nicht rangehen aber wenn sie nicht antwortet, alarmiert die ganze Verwandtschaft.

Hallo?

Schwesterherz, was ist? Heulst du etwa?

Nein, wieso? Mein Mann hat mich einfach verlassen, kein Problem. Der Mann, mit dem ich Kinder wollte, mit dem ich durch dick und dünn ging.

Na und? Heul nicht wegen so einem Arsch. Als mich der Jürgen abserviert hat, dachte ich, ich sterbe. Krampf im Bauch, alles. Kennst du Jürgen noch? Dieser Traumtyp, ein halbes Jahr hab ich mit ihm verbracht, total verknallt… Und jetzt? Sieh mich an! Also… wir gehen zelten, paar, paar, weißt du? Und der Volker seine Frau hat ihn verlassen. Vielleicht wird was aus euch?

Der Volker? Der ist doch…

Und deiner? Der hat mir nie gefallen…

Lina? Na? Kommst du?

Ich überlegs, Tanja…

Überleg nicht lang, Linchen…

Kalt. Kalt und schmerzhaft. Körperlich. Sie kann die Augen kaum öffnen, die Tränen brennen.

Anruf.

Oma.

Meine Güte.

Hallo…

Linchen, mein Schatz… Komm zu mir, ich backe dir deine Lieblingskrapfen, mach Kakao, wir trinken nen Schnaps… Schick Opa in den Garten, dann plaudern wir. Ich versteh dich als mich der Karl damals sitzen ließ, oh, wie ich gelitten habe! Ich hab sogar angefangen zu rauchen nicht lange, aber immerhin. Dann traf ich deinen Opa, und der hat mich schnell in den Hafen der Ehe gelotst…

Okay, Oma… ich überlegs.

Und so ging es den ganzen Tag. Jemand rief an, erzählte, wie sie verlassen wurden, wie weh es tat…

Abends, als Lina endlich einschlief, klingelte es an der Tür.

Wer jetzt? Nicht öffnen.

Aber es klingelte weiter. Unerbittlich.

Lina stand auf und ging zur Tür.

Merkwürdig niemand da. Sie wollte schon zuschließen, als eine empörte Stimme rief:

Na, stehen Sie nicht im Weg, lassen Sie mich durch! So kann man den Leuten auch helfen.

Lina blickte nach unten.

Mein Gott was war das?

In ihre Wohnung marschierten…

Hick… wer sind Sie?

Wir? Sehen Sie es nicht? Wir sind Katzen.

Ka… welche Katzen?

Alle möglichen. Wir helfen, verstanden? Kranke Frau, gehen Sie rein und schließen Sie die Tür, Sie sollen sich bloß nicht erkälten.

Wir sind eine Familie. Familie Mieze.

Mama, schau, wie krank der Kopf der Patientin ist!

Söhnchen, überprüf ihr Herz. Zweites Söhnchen Puls messen. Töchterchen mach Tee.

Setzen Sie sich, setzen Sie sich.

Lina setzte sich. Sie wusste, sie spinnte, aber die Katzen liefen geschäftsüchtig durch die Wohnung.

Oma Mieze, die Kranke braucht ein Märchen.

Miau, mein Süßes… alles Böse geht, alles Gute kommt… Papa Mieze, leg sie ins Bett. Tante Mieze, schüttel das Kissen.

Kleiner Mieze, hör auf! Leg das weg, das ist teuer. Liebling, nimm dem Kind das Handy.

Wie im Traum sah Lina zu, wie der kleine Mieze Fotos mit ihrem Handy machte.

Opa Mieze, massier ihr die Händchen. Onkel Mieze, die Füßchen.

Und so legten sie Lina ins Bett und massierten sie, bis sie einschlief.

Im Halbsommer hörte sie noch das leise Trippeln von Pfoten.

Als sie aufwachte, fühlte sie sich besser.

Irgendwo waren die Miezes hin. Ach, schade nur ein Traum.

Sie sah aus dem Fenster. Die Sonne ging auf, ein wunderschöner Herbstmorgen.

Lächerlich Urlaub nehmen, um zu heulen… Was stand an? Freitag, sie hatte Mama versprochen, ins Wochenendhaus zu kommen.

Beim Verlassen des Hauses hörte sie ein leises Piepsen.

Wer war das?

Mein Gott.

Vor der Tür saß einsam… ein kleiner Mieze.

Wo sind die anderen, Kleiner? Lina beugte sich zu ihm hinab, aber er antwortete nicht, nur ein klappriges Miau.

Sie sah sich um niemand. Sie nahm ihn unter die Jacke. Ich fahr ins Wochenendhaus, dann sehen wir weiter.

Sie sah nicht, wie die Mieze-Familie um die Ecke lugte.

Sie klatschten sich mit den Pfoten ab und trollten sich weiter, um zu helfen.

Lina fuhr mit dem Kätzchen ins Wochenendhaus.

Sie stieg am Bahnhof aus, mit einem jungen Mann, der sich unsicher umblickte.

Wohin gehen Sie? fragte Lina.

Ich? Nach Sonnenberg. Das ist mein erstes Mal hier…

Kommen Sie, ich gehe auch.

Unterwegs kamen sie ins Gespräch. Max, so hieß er, nahm ihr die Tasche ab. Als sie Sonnenberg erreichten, waren sie Freunde.

Lina wollte nicht, dass Max ging, aber die Höflichkeit…

Lina, kennen Sie zufällig Haus Nummer 37? Ist das weit?

Sieben Sieben? Sie… Sie sind der Neffe von Tante Trudi!

Und Sie die Tochter von Tante Lisa!

Lachend traten sie durch das Gartentor.

Wen haben Sie die ganze Zeit so liebevoll gestreichelt? Dachte schon, Sie erwarten ein Kind…

Da ist… mein Sohn.

Ihr Sohn?

Ja, bitte sehr das ist Mieze Mieze!

Mieze Mieze? Max sah sie an.

Ja. Was ist? Gefällt Ihnen der Name nicht?

Doch, perfekt. Gestatten Maximilian Alexander… Mieze.

Als Max Tante und Linas Eltern herauskamen, lachten die beiden Tränen… Und auf dem Boden saß ein süßes Kätzchen und sah sie an.

***

Ein großer, grauer Kater sitzt auf der Fensterbank und schaut hinaus.

Wo sind sie nur? schnurrt er. Das Kind ist zwei Monate alt, und sie schleppen es durch die Gegend. Unerhört!

Er war auch mal klein. Die Tür öffnet sich leise, und herein getragen wird ein Bündel, warm eingewickelt. Die Miezes strömen herbei, schnurrend, besorgt, neugierig. Der graue Kater springt von der Fensterbank, räuspert sich majestätisch. Na endlich! Also wirklich, um ein Uhr nachts? Pst, flüstert Mama Mieze, er soll schlafen. Der kleine Mieze, jetzt groß und stolz, reicht dem Neugeborenen eine winzige Pfote. Draußen färbt sich der Himmel langsam hellgrau. Irgendwo, weit weg, klingelt ein Telefon. Keiner geht ran.

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