„Schnell gebären!“, zischte die alte Maria, während sie ihre Beine vom Bett baumeln ließ.

Schnellstmöglich gebären, krächzte Oma Gerda, während sie die Beine vom Bett schwang.
Gerda war bereits im 87. Lebensjahr, und sie vergaß kaum noch, wie das Leben früher war, doch ihr Enkel Karl und sein Sohn, der kleine Friedrich, drängten sie immer wieder, manchmal mit dem Stock zucken.

Bleibst du noch im blauen Strumpf, wirst du uns alte Damen zurückrufen dann ist es zu spät, pflichtte Friedrich.

Nun jedoch blieb Oma Gerda liegen, ließ das Aufstehen bleiben, schimpfte gegen die Hausgemeinschaft (Was habe ich euch denn, ihr Schlange, damit ihr bis Mittag schlummert?) und ließ um halb sieben morgens das Klirren von Töpfen in der Küche hören.

Die Familie horchte auf.

Oma, fragte die fünfjährige Urenkelin Liese, warum fluchst du nicht mehr gegen uns?

Ich will bald sterben, Kindchen, das ist mein Ziel, seufzte Gerda, während sie über das Ende ihres Lebens nachdachte ein wenig traurig, ein wenig hoffnungsvoll, dass mehr kommen möge als dieser Eintopf, den ihr heute nicht mehr zu kochen vermochte.

Liese rannte zur versteckten Verwandtschaft in der Küche.

Gerda hat ein Murmeltier verloren!, berichtete sie stolz von ihrer kürzlich beendeten Erkundungsmission.

Welches Murmeltier? fragte der Familienoberhaupt, zugleich der älteste Sohn von Gerda, Wilhelm Iwan, und hob nachdenklich die buschigen Brauen.

Er sah aus wie der Schwarzmond aus einem Märchen, und man könnte sagen, dass dort, wo er stand, ein Wind wehte.

Bestimmt ein altes, zuckte Liese mit den Schultern.
Wie sollte sie denn wissen, welches Murmeltier gemeint war, wenn die Oma es ihr nie gezeigt hatte?

Die Ältesten wechselten Blicke.

Am nächsten Tag kam ein zurückhaltender, wortkarger Arzt zu Besuch.

Etwas ist nicht wohl bei der Oma, stellte er die Diagnose.

Natürlich, das hätten wir ohne euch nicht gemerkt!, rief Wilhelm Iwan und schlug sich mit den Händen auf die Oberschenkel.

Der Arzt blickte nachdenklich zuerst zu ihm, dann zu seiner Frau.

Alterssache, wiederholte er unbeirrt. Ich sehe jedoch keine ernsten Auffälligkeiten. Welche Symptome zeigen sich?

Sie gibt mir keine Anweisungen mehr, wann ich das Mittag- und Abendbrot kochen soll! Ihr ganzes Leben hat sie mit der Nase gepokert und gesagt, meine Hände seien nicht von dieser Welt, und jetzt geht sie nicht mehr in die Küche, sagte Wilhelm Iwans Frau, ebenfalls schon eine Großmutter, mit gesunkener Stimme.

Im gemeinsamen FamilienundArztRat wurde beschlossen, dass dies ein alarmierendes Zeichen sei.

Erschöpft von den Sorgen legten sie sich schlafen, als wollten sie in den Schlaf fallen.

In der Nacht erwachte Wilhelm Iwan vom vertrauten Scharren seiner Hausschuhe. Doch diesmal war es nicht das drängende Geräusch, das zum Frühstücken und Arbeiten aufrief.

Mama? flüsterte er, als er den Flur betrat.

Nun, kam eine rauhe Stimme aus der Dunkelheit,
was willst du?

Ich denke, solange ihr schlaft, gehe ich zu einem Treffen mit Michi Jäger, meinte die Stimme, und es schien, als würde die Oma langsam zu sich kommen. Zur Toilette, wohin sonst?

Der Sohn schaltete das Licht in der Küche ein, stellte den Wasserkocher an und setzte sich mit den Händen um den Kopf an den Tisch.

Hast du Hunger?, fragte die Oma, die im Flur stand und ihn ansah.

Ich warte auf dich. Was war das, Mama?

Oma Gerda ging zum Tisch.

Ich sitze jetzt seit fünf Tagen im Zimmer, begann sie, und plötzlich krachte ein Taubenkopf gegen die Fensterscheibe zack!

Ich dachte, das wäre ein Omen für den Tod. Ich legte mich hin und wartete. Der erste Tag verging, der zweite, der dritte, und heute wachte ich mitten in der Nacht auf und dachte: Würde das Omen nicht lieber zum Wald zu den Kobolden gehen, damit ich nicht so unter den Laken verfalte?

Gieß mir doch Tee, heiß und kräftig. Drei Tage mit dir, Sohn, haben wir kaum gesprochen; wir müssen das nachholen.

V

Wilhelm Iwan legte sich gegen halb fünf Uhr morgens schlafen, während Oma Gerda in der Küche stand und das Frühstück zubereitete denn das musste sie selbst tun, sonst könnten diese jungen Frauen die Kinder nicht richtig ernähren.

Оцените статью
„Schnell gebären!“, zischte die alte Maria, während sie ihre Beine vom Bett baumeln ließ.
June: A Tale of Summer’s Magic and Mystery