Du gehst!, sagte die Ehefrau zu ihrem Mann.
Liselotte Rabe putzte das ganze Haus zum Jahreswechsel und stolperte über ein vergessenes USBStickchen.
Der Stick lag hinter dem Sessel, ganz in der Ecke rechts von der Heizung. Er war fast unsichtbar, wie ein heimlicher Dienst, doch Liselotte kroch über den Fußboden, wischte jede Ritze ab und fand das Gerät.
Der Abend vor Silvester lag in der Luft, alles schimmerte festlich! Wie im Gedicht: viele freie Tage, ein Weihnachtsbaum voll Lichter, Sektperlen im Glas, gedämpftes Licht vom StehlampenScheinwerfer und vieles mehr überraschend und wohltuend.
Der Baum stand noch kahl; Liselotte hatte keine Zeit zum Schmücken. Ihr Mann, Klaus, war dafür nicht gebaut:
Du weißt ja, Hase ich kann die Girlande nicht entwirren und aufhängen!
Außerdem kam er mit der symmetrischen Anordnung der Kugeln nicht klar.
Liselotte fragte erstaunt: Warum, Klaus? Sieh nur der Stamm ist die Achse! Rechts und links die Äste! Häng links, dann rechts, prüf die Lücken, füll sie.
Für Klaus war das jedoch kein Achsen oder SchieflagenProblem, sondern ein Wirrwarr: wo ein Häufchen Spielzeug wucherte, blieb anderswo ein Loch. Er nannte das wohl Kreisch der Unfähigkeit.
Wenn es dir nicht gefällt, häng du selbst!, brachte Klaus frustriert ein. Das war für ihn angenehm, denn Ärgern war leicht. Das Motto war: Gefällt dir nicht machs selbst!, und weiter: Koche selbst, räume selbst!, während die KreischKrise in alle Richtungen wuchs.
Liselotte erledigte alles allein besser, als später hundertmal neu zu beginnen. Klaus war kaum zum Anpacken geschaffen, seine Mutter hatte ihm das nie beigebracht. Doch das war nicht kritisch; Liselotte war großzügig wie jede glückliche Person.
Sie hatte ein wichtiges Glück: einen lieben Partner an ihrer Seite. Und das Übrige ließ sich mit einem Regenschirm regeln ein Gruß an die witzigen Liederdichter.
Liselottes Leben war schlicht. Sie arbeitete für ein Unternehmen, das luxuriöse Wohnungen in Berlin, Hamburg und München vermietete und verkaufte. Heute brauchten viele Menschen Penthouse und LoftWohnen, manche leere Suppenteller, andere winzige Perlen.
Geld kam nach dem Prinzip Wie du schwimmst, so wird dein Geld fließen. Liselotte strampelte den ganzen Tag, um ihrem Mann Brot mit Butter, Orangen und einen roten Lachs zu besorgen: Ich liebe dich, Hase!
Klaus kämpfte chronisch mit Arbeit; seine Eltern hatten ihn nicht darauf vorbereitet. Kinder hatten sie noch nicht, also beschlossen sie: Wir leben nur für uns! und setzten diesen Plan in die Tat um.
Klaus war ein stattlicher, kräftiger Mann, fast wie ein preußischer Edelmann. Er war dreimal nach der Hochzeit vor drei Jahren gefeuert worden:
Stell dir vor, sie haben mich herabgestuft!
Und? fragte Liselotte.
Das ist nur ein betrieblicher Schritt, nicht eine Demütigung!, erklärte Liselotte vernünftig. Zum Glück gibt es zumindest irgendeine Arbeit!
Sie riet ihm, auch in einer niedrigeren Position zu bleiben; ein bisschen weniger Geld, aber Sicherheit. Er kündigte aus Trotz, trotzte seiner Schwiegermutter, und fiel aus dem Arbeitsmarkt heraus.
Der Schwiegervater half ihm, ein Stellenangebot bei einem Freund zu finden, doch die ÖPNVVerbindung dauerte vierzig Minuten. Liselotte fuhr mit dem Auto, weil ihr das für die Arbeit nötig war. So musste er sich zurückziehen.
Nach zweitägiger harter Arbeit verschwand Klaus wieder. Was, wieder aufs Sofa?, spötte Liselottes Großmutter, die über Klaus Erfolge Bescheid wusste.
Zwei weitere Stellen wurden abgelehnt: einmal war der Interviewer unsympathisch, ein anderes Mal ein Chef ein Tyrann. Klaus sollte eigentlich ein Gutsherr sein, ein SiedlungsFürst, doch sein Äußeres tat nichts für die Arbeit. Er schien geschaffen, um mit seiner bloßen Präsenz Frauen zu erfreuen insbesondere Liselotte.
Liselotte liebte Klaus trotz der Beleidigungen ihrer Großmutter, die ihn General der Sofasoldaten nannte. Sie verteidigte ihren Mann: Er liegt nicht bei dir zu Hause! Die Großmutter erwiderte: Er ist mir zu billig, ich fühle mich beleidigt, weil die schöne, kluge Liselotte einen Pfuscher tragen muss!
Klaus ging mit Freunden in die Sauna, ließ Liselotte allein mit dem Vorweihnachtsputz zurück: Mach das allein, Hase, du weißt, dass ich das nicht gut kann. Die USBStick war bislang unbeachtet, denn das Haus hatte mehrere Häuser Man weiß ja nie, was in Brasilien passiert. Sie verstaute ihn in einem Aschenbecher.
Klaus suchte keinen Stick, also gehörte er Liselotte. Sie speicherte oft Wohnungsangebote darauf. Der Stick blieb ein bis zwei Wochen liegen, bis Liselotte plötzlich vom Omen ergriffen wurde, den die Großmutter etwas hat mich gestoßen nannte, und sie neugierig den Inhalt prüfen wollte.
Klaus ging spazieren; frische Luft war heilsam. Der Beginn einer seltsamen KinoFolge erschütterte sie: eine Mischung aus heißem Tango, thailändischer Massage, morgendlichen und abendlichen Kursen und etwas Unanständigem. Der Hauptdarsteller war ihr lieber Klaus, unterstützt von einer synchronen Deva, die perfekt zusammenarbeitete. Das ganze Geschehen spielte sich in einem unbekannten Interieur ab, als wäre es ein Trainingsraum für Erfolg.
Ach du meine Güte, dachte Liselotte, als sie das Video nach ein paar Sekunden stoppte: Das ist doch nichts, worüber ich mich den Kopf zerbrechen muss. Sie erinnerte sich an den bekannten Rechtsanwalt, der nackt am Tatort erwischt wurde Erpressung! Doch wer hatte das ErpressungsSpiel gestartet?
Klaus war kein wertvoller Staatsmann, hielt keine Geheimnisse, hatte fast kein Geld. Warum also sollte er jemandem nützlich sein? Die Antwort war: selbst ein nutzloser, liebenswerter Mann kann gebraucht werden. Das war ein Gedanke zum Nachdenken, also suchte sie Rat.
Sie nahm einen freien Tag, packte den Stick, den sie nie zu Ende gesehen hatte er machte ihr übel und fuhr zu ihrer klugen Freundin Lotte, die so scharfsinnig war wie die berühmte Fima Sobak.
Denkst du, er ist ein Geheimagent?, fragte Liselotte hoffnungsvoll nach den ersten Szenen.
Was, du bist vom Wellenrauschen getroffen?, erwiderte Lotte, deren Onkel Seemann war, also sprach sie im maritimen Jargon.
Dein Seehund ist ein Agent? Das Beste am Agenten ist, dass er nur liegt!, lachte Lotte.
Weißt du, was zu tun ist? Finden wir eine Frau!, verkündete die weise Lotte, während sie einen Schnapschen schlürfte. Los, mach das Ding fertig!
Zu wem gehört dein aufgeblasener Truthahn?, schimpfte Lotte. Nicht zu einer dummen Kuh! Entschuldige, Freundin, du bist nicht zählbar.
Liselotte fragte, warum sie das ins Internet stellen sollte. Warum? Weil alle es tun, erwiderte Lotte. Wie Zürih das alles hochgeladen hat.
Sie beschlossen, das Video komplett anzuschauen. Der Abschluss war überraschend: keine AbspannListe, sondern eine Frauenstimme, die sagte: Wenn ihr darüber reden wollt, hier meine Telefonnummer. Auf einem Zettel erschien eine Nummer.
Aha, AmerikaEuropa!, jubelte Lotte. Jetzt haben wir die Erklärung.
Liselotte rief sofort die Nummer an; man verabredete ein Treffen in einem Café, Lotte schloss sich an: Sag, ich bin deine Anwältin, ich halte dich zurück von dummen Entscheidungen.
Im Café lief das nach klassischem Drehbuch ab:
Wir lieben uns, bitte lass ihn los! Seht doch, wie sehr wir uns lieben! sagte eine hübsche junge Frau, die im gleichen Alter wie Liselotte war.
Loslassen? Warum soll ich ihn halten?, fragte Liselotte.
Weil Klaus gesagt hat!, erwiderte die Anwältin.
Ihr nehmt ihm das ganze Geld, also wollt ihr nicht scheiden!, fuhr die Anwältin fort.
Liselotte schnitt kalt zurück: Ihr seid fehlinformiert! Nehmt ihn, ich habe nichts dagegen!
Wie sofort?, staunte die verwirrte Gegnerin.
Klaus hat gesagt, die Ehefrau sei ein
Nehmt, was ihr wollt, wenn ihr wollt!, schlug Lotte vor.
Heute Abend kommt ihr mit den Sachen!, fügte Liselotte hinzu.
Die Freundinnen gingen, die verblüffte Geliebte blieb zurück und wartete, ob ihr Traum am Abend wahr werden würde.
Klaus schlief nach einem köstlichen Mittagessen ein: Pilzsuppe, Rind mit Pflaumen, Kompott mmm, lecker! Liselotte packte seine Sachen, stellte den Koffer im Flur. Als Klaus erwachte, sagte sie:
Du gehst!
Du weißt doch, ich kann keine Lebensmittel kaufen!, protestierte Klaus, dachte, er solle zum Supermarkt gehen. Also geh du selbst!
Im Zimmer war es warm, die kleine, liebevoll geschmückte Tanne stand im Eck, im Fernsehen liefen Filme so nach Neujahr immer. Der Dreikönigstag rückte näher, ein Schneesturm zog auf, das Thermometer sank. Und plötzlich sollte Klaus ins Geschäft!
Der Mittagstee mit Pfannkuchen und Fruchtkompott kam, doch die Mutter sagte: Lass ihn alleine gehen!
Ich schicke dich nicht zum Laden!, sagte Liselotte.
Wohin?
Dorthin, wo du zeigen kannst, was du am besten kannst!
Zur Mutter?, fragte Klaus, weil er gern zu seiner Mutter ging.
Zur B!, brüllte Liselotte.
Zur welcher B?, fragte Klaus, weil beide Großmütter bereits im Himmel waren.
Zur jener, bei der deine WunderAkrobatik stattfindet!, rief sie und schaltete den Fernseher ein.
Klaus starrte: war das ein Möbelhaus? Wie weit ging das noch? Dann fand er in seiner Tasche den USBStick, verpackt in ein Taschentuch, denn Klaus trug nur Stofftaschentücher.
Sag etwas Kluges!, forderte Liselotte. Vielleicht, dass du nicht du selbst bist, dass ein Schauspieler dich ersetzt, du bist hypnotisiert, benommen oder von Chemie getrieben!
Erinnerst du dich an den Anwalt? Er kämpfte wie ein Löwe: Ich bin nicht ich, das Pferd ist nicht meins!
Du bist doch der echte Macho, AlphaMann! Schau, wie du die Beine schwingst, die Fußspitzen drehst! Der OpponentAnwalt ist ein Baby!
Klaus schwieg; er war nicht der dumme Typ, und er hatte nicht vor zu gehen. Auch ein Umzug zur WohnungsbauGemeinschaft war nicht geplant. Das war für die Freizeit geeignet, aber nicht für den Rest.
Wie konnte er denn so eifrig werden? Vielleicht wegen der Kamera? Warum liebten ihn die Leute so?
Klaus log, dass die Ehefrau die Scheidung blockiere, behauptete, er raube das Geld und schlage sogar. Er war ein gesunder Mann, über 1,80m groß. Die Großmutter hatte recht: Liselotte war nicht besonders klug.
Sie erinnerte sich an den SeemannsOnkel von Lotte und sagte:
Sieben Fuß tief unter dem Kiel! Schwimm davon, die Wasserstraße ist frei!
Kannst du mir verzeihen? flehte Klaus.
Nicht!, erwiderte Liselotte.
Und Pfannkuchen? rief Klaus plötzlich.
Sie staunte: Pfannkuchen für Klaus wären nur KuhPfannkuchen.
Schwimm ohne Pfannkuchen, Krokodil, das leere Mägen schwer zu rudern!, sagte Liselotte und zog den Stick aus dem Computer:
Ein Bonus von der Firma! Nimm ihn, zeig ihn deiner Mutter, Stallone!
Klaus ging. Wohin? Irgendwo das interessierte Liselotte nicht mehr.
Dann blinkte der Weihnachtsbaum, das Fernsehen rauschte, das alte Sofa war leer. Alles war weg, das war das Ende, wie ein französischer Schluss. Der Name wurde gefunden, alles fand seine logische Auflösung.
Die Schwiegermutter drängte zur Gnade, verlangte das gute Kind. Klaus war nicht in die WohnungsGemeinschaft gezogen, er war schließlich nicht verrückt. Er kehrte zurück ins Elternhaus. Einen gesunden, großen Elch zu ernähren, war schwer; Liselotte fragte, ob sie ihn zurücknehmen würde.
Ach, das war ein böser Scherz deiner Großmutter!, dachte Liselotte, nachdem sie alle Nummern gesperrt hatte die Mutter des Mannes hatte nie Zuneigung zur Schwiegertochter gehabt.
So endete die Geschichte: Liselotte reichte die Scheidung ein. Das war wirklich das Finale. Und was hatte Klaus erwartet? Pfannkuchen mit Fruchtkompott! Und das war das Ende des Traums.







