Rache – Ein packendes Drama über Vergeltung und Gerechtigkeit

Also, hör mal, Jan, ich hab nem Kollegen versprochen, beim Umzug zu helfen.

«Heute?», fragte Lena ihren Mann.

«Er hat ne neue Wohnung gekauft, ‘ne Dreizimmerwohnung. Seine Frau steht kurz vorm Entbinden.»

«Und letztes Samstag habt ihr ‘ne neue Karosse von irgendwem eingeweiht. Deine Kollegen sind ja alle so erfolgreich. Nur wir haben weder ein neues Auto noch ‘ne große Wohnung. Warum eigentlich, Jan?»

«Jetzt mecker nicht, Lena. Ich verspreche dir, nächstes Wochenende verbringen wir zusammen.» Jan nahm seine Frau in den Arm und sah ihr in die Augen.

«Das glaub ich erst, wenns soweit ist. Jedes Wochenende gibts bei dir irgendwelche unvorhergesehenen Umstände.» Lena machte sich los.

«Soll ich anrufen und sagen, dass ich nicht helfen kann?», fragte Jan mit gerunzelter Stirn.

«Ach was. Wenn dus versprochen hast, dann geh halt.»

Jan war sofort wie ausgewechselt.

«Lena, du bist Gold wert. Also, darf ich gehen?» Er wollte sie küssen, aber sie stemmte eine Hand gegen seine Brust und schob ihn sanft weg.

«Hauptsache, du vergisst es nicht bis zum nächsten Wochenende», sagte sie.

***

Sie hatten alle drei zusammen studiert. Wie so oft mochte Alex Lena, aber sie stand auf Jan. Sie saßen gemeinsam in Vorlesungen, gingen ins Kino, die Jungs brachten sie nach Hause. Eines Tages gestand Alex Lena seine Liebe.

«Tut mir leid, aber ich mag Jan», gab Lena offen zu.

«Ich versteh schon, gegen das Herz kann man nicht ankommen», seufzte Alex.

Alex setzte sich nicht mehr mit ihnen zusammen, brachte Lena nicht mehr nach Hause. Und wenn er doch mal mit ihnen ins Café ging, verschwand er schnell wieder.

Jan hatte eine kleine Wohnung, geerbt von seinem Opa. Die ganze Gruppe hing ständig bei ihm ab. Lena kam auch, blieb aber nie über Nacht, egal wie sehr Jan sie darum bat. Bis Silvester. Da blieb sie. Bald darauf zogen sie zusammen.

Alex kam selten vorbei, konnte das Glück seines Rivalen und Freundes nicht ertragen.

«Wann heiratet ihr?», fragte er, als sie alle zusammen ihren Abschluss feierten.

«Uns gehts doch gut so, oder Lena?», antwortete Jan für beide.

Lena senkte den Blick und schwieg.

«Das ist nicht fair. Jedes Mädchen träumt von einer Hochzeit und einem weißen Kleid. Lena, verlass ihn, heirate mich», sagte Alex plötzlich.

Jan warf seinem Freund einen finsteren Blick zu.

«Eigentlich wollte ich schon lange einen Antrag machen, hab nur auf den richtigen Moment gewartet.» Jan zog ein Ring aus der Tasche und hielt ihn Lena hin. «Willst du mich heiraten?», fragte er und durchbohrte sie mit seinem Blick.

Lena strahlte vor Freude.

«Natürlich», sagte sie, ohne zu bemerken, wie Alex aufstand und ging.

Zwei Monate später war Alex Trauzeuge auf ihrer Hochzeit.

«Lena, wenn er dich jemals verletzt, sags mir sofort», sagte er am Hochzeitstisch.

«Und du? Wann heiratest du?», fragte Lena.

«Er wartet doch nur darauf, dass wir uns scheiden lassen», lachte Jan. «Wirst lange warten.» Er warf Alex einen triumphierenden Blick zu.

«Schluss jetzt», beendete Lena den Streit. «Komm, lass uns tanzen.» Sie zog Jan vom Tisch.

Drei Monate nach der Hochzeit kam Alex zu Lenas Geburtstag mit einem riesigen Strauß roter Rosen. Als die Gäste gegangen waren, konnte Jan sich nicht beruhigen, warf Lena vor, sie hätte zu überschwänglich auf die Blumen reagiert. Das hätten alle mitbekommen, und ihm sei das unangenehm gewesen.

«Sei nicht eifersüchtig, ich liebe nur dich», sagte Lena.

«Das hoffe ich», murmelte Jan vor sich hin.

Drei Jahre vergingen. Das junge Paar war glücklich, aber es gab auch Streit und Missverständnisse. Hauptgrund war Jans Eifersucht. Und er war nicht nur eifersüchtig auf seinen Freund. Er geriet außer sich, wenn andere Männer Lena beachteten. Jan wollte, dass Lena schnell ein Kind bekam und zu Hause blieb.

Aber Lena wollte erst Berufserfahrung sammeln, arbeiten, bevor sie Kinder kriegte. Plötzlich bemerkte sie, dass Jan sich in letzter Zeit seltsam verhielt. Am Wochenende fand er immer Gründe, um wegzugehen. Und wenn er da war, war er unzufrieden, gelangweilt und gereizt.

«Alex, weißt du, ob Jan was mit jemand anderem hat?», fragte Lena ihn eines Tages.

«Lena, was redest du da, er liebt dich», sagte ihr Freund, wich aber ihrem Blick aus.

«Du kannst nicht lügen», grinste Lena.

***

Und wieder war Jan aus dem Haus verschwunden. Lena seufzte und fing an aufzuräumen. Als die Wohnung blitzte und die Wäsche auf dem Balkon trocknete, klingelte es. Sie dachte schon, Jan wäre zurück, aber der hatte seinen eigenen Schlüssel. Sie öffnete und sah Alex vor der Tür.

«Du? Wo ist Jan?», fragte Lena statt einer Begrüßung.

«Ist er nicht da?», konterte Alex. «Darf ich rein? Also, wo ist er?»

«Komm rein, wenn du schon mal hier bist. Willst du Tee? Jan hilft irgendwem beim Umzug.»

«Stimmt. Habs ganz vergessen.» Alex schlug sich gegen die Stirn. Lena warf ihm einen misstrauischen Blick zu, sagte aber nichts.

Sie tranken schweigend Tee, die Pause zog sich hin.

«Lena, ich mag dich immer noch», brach Alex plötzlich das Schweigen.

«Alex, ich dachte, du hättest dich längst damit abgefunden.»
«Wollte nur, dass dus weißt.»
«Ich weiß, Alex.»

«Ich muss dir noch was sagen.» Alex trank einen Schluck, ohne Lena anzusehen.

«Das klingt vielversprechend. Soll ich mir Sorgen machen?»

«Also, Jan denkt, du betrügst ihn. Dass du was mit jemand anderem hast», platzte Alex heraus.

«Ich weiß. Hat er dich gebeten, rauszufinden, mit wem?», fragte Lena bitter. «Ich hab niemanden. Du hast doch selbst gesagt, ich liebe meinen Mann.»

«Jan hat mich gebeten, dich anzubaggern. Du verstehst schon» Er wurde rot vor Verlegenheit.

«Nein, verstehe ich nicht», schüttelte Lena den Kopf.

«Er wollte, dass ich dich verführe», murmelte Alex leise.

«Eine Prüfung? Für mich?», begriff Lena.

«So in der Art. Denk nicht falsch von mir, ich hab sofort abgelehnt. Aber du kennst ihn, wenn er sich was in den Kopf setzt Lieber ich als irgendwer anderes. Er hat mich gebeten, dir nichts zu sagen.»

«Alex, das ist doch nicht dein Ernst? Du wusstest also, dass er nicht da ist, und bist trotzdem gekommen?», empörte sich Lena.

«Lena, ich bin gekommen, aber mehr nicht. Deshalb sag ichs dir jetzt ehrlich.» Alex schwitzte vor Verlegenheit.

«Das ist gemein! Das hätte ich von Jan nicht erwartet, und erst recht nicht von dir. Weißt du, was man sagt? Wer andere beschuldigt, ist oft selbst schuldig. Sag mal, woher kommen diese Verdächtigungen? Ich hab ihm keinen Grund gegeben. Hat er was mit jemand anderem?»

«Ich weiß nicht.» Alex stand auf, griff nach einem Küchentuch und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Als er sich wieder setzen wollte, stoppte Lena ihn scharf.

«Du solltest besser gehen.»

«Ja.» Alex zögerte. «Lena, du kannst dich immer auf mich verlassen.»

«Alex, geh!»

Lena konnte nicht fassen, dass Jan so tief gesunken war, ihr eine Falle zu stellen. Und ausgerechnet mit ihrem Freund? Das war doch lächerlich. Oder hatte Alex alles erfunden, um sie auseinanderzubringen? Aber warum hätte er dann gestanden? Ihr Kopf drehte sich, aber sie fand keine Antworten. Wut und Enttäuschung über ihren Mann wuchsen in ihr. Sie hätte längst Grund gehabt, eifersüchtig zu sein. Wo war er eigentlich? Jedes Wochenende weg, kommt spät von der Arbeit

Lena beschloss, erstmal nichts zu unternehmen. Sie musste sich beruhigen und einen Plan machen. Als Jan nach Hause kam, hatte sie schon das Abendessen vorbereitet. Er sah nicht müde aus im Gegenteil.

«Umzug erledigt?», fragte Lena ruhig.

«Jap.»

«Und nicht mal was getrunken?», bohrte sie nach.

«Seine Frau ist schwanger, hab ich doch gesagt.»

«Sind sie in ‘ne andere Stadt gezogen? In der Zeit hättest du zweimal hin und zurück fahren können.»

«Die Möbel wurden direkt aufgebaut», antwortete Jan, ohne aufzublicken.

«Alex war übrigens hier. Warum hast du ihn nicht um Hilfe gebeten?»

«Er hatte keine Zeit. Und warum war er hier?» Jan sah sie an.

Lena zuckte mit den Schultern.

«Wir haben gequatscht, ich hab ihm Tee angeboten.» Sie beobachtete ihn genau.

«Ich bin müde, geh duschen.» Jan stand auf.

Lena grübelte ein paar Tage, dann beschloss sie, sich zu rächen. Wenn er sie prüfen wollte, würde sie dasselbe tun. Eine Kollegin von ihr, eine selbstbewusste, freigeistige Frau, war perfekt für den Plan. Lena lud sie ins Café ein und erklärte ihr alles.

«Und du hast keine Angst?», fragte Eva spöttisch.

«Dass du meinen Mann verführen wirst? Dafür bist du ja genau die Richtige. Aber nicht wirklich, verstehst du?», präzisierte Lena. «Es reicht, wenn ich euch überrasche beim Küssen oder so.»

Eva grinste. «Ist der Typ wenigstens was wert?»

«Absolut.» Am Samstag wollte Jan zu Hause bleiben. Lena würde sich was einfallen lassen etwa, dass eine Freundin sie um Kinderbetreuung gebeten hätte. Dann würde sie gehen, Eva käme und sagen, sie wolle auf sie warten Der Rest ergäbe sich.

«Bereust dus nicht?», fragte Eva.

Lena zögerte. «Also, machst dus?»

Die Zweifel zermürbten sie. Sie war verletzt. Wie konnte Jan nur so etwas von ihr denken? Und dann noch ihren Freund dazu benutzen? Sollte er jetzt mal beweisen, dass er einer Schönheit widerstehen konnte.

Jan war genervt, als Lena am Samstag ankündigte, sie müsse für ein paar Stunden weg.

«Eine Kollegin bringt Unterlagen vorbei, kannst du sie empfangen?», bat sie, damit er nicht einfach verschwand.

Sie schlenderte durch Geschäfte, das Handy ausgeschaltet. Doch ihr Gewissen meldete sich. Was ging da zu Hause vor? Okay, er hatte sie aus Eifersucht geprüft aber war sie jetzt besser? Rache war etwas für Schwache, Unsichere. War sie das? Alex hatte die Wahrheit gesagt, aber diese Eva Was wusste sie über sie? Ihren Mann zu provozieren war niederträchtig. Sie hätten einfach reden können

Sie musste es stoppen, bevor es zu spät war. Fast rennend eilte sie nach Hause, keuchend und sich selbst verfluchend. Sie stürmte in die Wohnung wie eine Furie.

Das Paar auf dem Sofa fuhr auseinander, aber Lena hatte genug gesehen.

«Lena?!», rief Jan und sprang auf. Er sah zerzaust aus.

«Wen hast du denn erwartet?», fragte sie.

Hinter ihm erhob sich Eva, strich gelassen ihr Kleid glatt, fuhr sich durch die Haare und ging an Lena vorbei zur Tür. Beide zuckten zusammen, als die Tür hinter ihr zuschlug.

«Lena, das ist nicht, was du denkst», begann Jan.

«Und was soll ich denken? Mit meiner Freundin, auf unserem Sofa Ich bin genau zur rechten Zeit gekommen.»

«Lena, sie hat Aber ich bin halt ein Mann»

«Und du bist froh darüber. Und jetzt? Wir sind quitt. Ich weiß jetzt, dass man dir nicht trauen kann. Ich bekomme ein Kind, bin ans Haus gefesselt, und du ziehst Möbel um, triffst Freunde? Hör auf zu lügen. Und Alex dazu benutzen? Das ist gemein. Ich will dich nicht mehr sehen.»

«Er hats dir also doch erzählt?! Wusste ichs doch. Was für ein Mistkerl.» Jan schüttelte den Kopf.

«Er ist nicht nur dein Freund, sondern auch meiner», bemerkte Lena.

«Lena, das war doch nur ein Spiel Ich gebs zu, ich war dumm, aber du auch»

«Ein Spiel? Und wenn ich später gekommen wäre? Hättest du mit ihr in unserer Wohnung, auf unserem Sofa?»

«Lena, es tut mir leid»

«Schluss damit. Wie sollen wir so weiterleben? Uns misstrauen und so tun, als wäre alles gut? Keiner deiner Kollegen ist umgezogen. Ich hab nachgefragt. Wir haben keine Kinder, die Scheidung geht schnell. Die Wohnung ist dein Erbe, ich gehe von allein.» Lena verstummte, kämpfte mit den Tränen.

«Zu Alex?», fauchte Jan.

«Idiot!», funkelte Lena ihn verächtlich an.

Sie fuhr zu ihren Eltern, erzählte ihnen von der bevorstehenden Scheidung.

«Ich wohne so lange hier, bis ich eine Wohnung finde», sagte sie erschöpft.

«Du hast nicht auf uns gehört, bist zu früh mit ihm zusammengezogen. Erst heiraten, dann leben», begann ihre Mutter.

«Du brauchst nichts zu mieten. Wir haben Geld. Für schlechte Zeiten gespart, wollten im Alter reisen. Für eine Einzimmerwohnung reichts», brummte ihr Vater.

«Papa, das muss nicht sein.»

«Hör uns mal zu!», erhob er die Stimme.
Lena gab nach.

Der regnerische Herbst verging, dann der Winter. Silvester wollte Lena allein verbringen, niemanden sehen. Eine Woche nach Lenas Auszug holte Jan eine andere Frau in die Wohnung, wartete nicht mal auf die Scheidung. Lena hatte den Beweis er hatte sie schon länger betrogen.

Die Stimmung war miserabel. Sie wollte nur auf den Glockenschlag warten, Sekt trinken und schlafen gehen. Als es klingelte, dachte sie, ihre Eltern kämen, um sie zu «retten». Doch vor der Tür stand Alex mit einem kleinen Weihnachtsbaum, geschmückt mit bunten Kugeln.

«Darf ich? Ich wusste, du bist allein.»

«Wie hast du mich gefunden?», fragte Lena, so erleichtert, dass sie ihn fast umarmt hätte.

Den Baum stellten sie neben die Sektflasche. Lena holte ein weiteres Glas. Sie stießen zum Glockenschlag an.

«Soll ich raten, was du dir gewünscht hast?», fragte Lena.

«Wahrscheinlich dasselbe wie du», grinste Alex.

Sie lachten. Es war leicht und gut.

Ein Jahr später heirateten sie, neun Monate danach kamen Zwillinge zur Welt zwei Mädchen. Wenn schon Glück, dann richtig.

Manchmal ist Rache nützlich sie setzt den Schlusspunkt.

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