Du solltest froh sein, dass meine Mutter dein Essen genießt – empörte sich der Ehemann

Du solltest dich freuen, dass meine Mutter dein Essen isst, , protestiert der Ehemann.
Ziehst du wieder meine Stiefel an? ruft Liselotte, als sie die offene Schranktür im Flur entdeckt. Ich habe doch gesagt, du sollst meine Sachen nicht anfassen!

Tochter, was soll das für ein Ton? richtet Gisela Müller, die Schwiegermutter, ihren Schal vor dem Spiegel gerade. Du siehst doch, draußen ist Matsch, und ich habe nur elegante Halbschuhe. Ist das nicht schade?

Es geht nicht darum, ob es schade ist oder nicht, verschränkt Liselotte die Arme und spürt, wie die Ärgerflammen in ihr auflodern. Es geht um Respekt für den eigenen Raum. Ich betrete nicht dein Zimmer und nehme nicht deine Dinge.

Gisela kneift die Lippen zusammen und wirft Liselotte den Blick zu, den Liselotte heimlich königlichen nennt: von oben nach unten, leicht verächtlich, mit einem herablassenden Lächeln.

Wir sind ja so zart, sagt sie. Früher haben acht Personen in einem Zimmer gewohnt, und keiner hat über den persönlichen Raum geklagt.

Vielleicht haben die früher nicht geklagt, murmelt Liselotte, aber heute ist es anders.

Was flüsterst du da? beugt sich Gisela, so als hätte sie nichts gehört. Sprich lauter, ich bin nicht mehr die Jüngste.

Liselotte atmet tief ein und versucht, sich zu beruhigen. Die letzten drei Monate mit Gisela zu wohnen, sind eine Prüfung, aber es gibt keine Wahl: Die Wohnung, in der Liselotte und Markus früher lebten, müssen sie geben, um die Hypothek für das neue Haus zu zahlen. Der Bau verzögert sich, also ziehen sie jetzt in Giselas Zweizimmerwohnung ein.

Ich gehe gleich zum Laden und kaufe dir Gummistiefel, zwingt sich Liselotte zu einem Lächeln. Damit ihr nicht leidet.

Ach, das brauchst du nicht! schlägt Gisela mit den Händen nach oben. Mein Schuhschrank platzt schon. Kauf dir lieber ein Paar eigene Stiefel, dann musst du mir nicht die Schuld geben.

Eigene, denkt Liselotte für sich nicht alte oder alltägliche, sondern wirklich eigene. Es betont, wer die Entscheidung hat zu teilen oder nicht.

In Ordnung, Gisela, sagt sie kurz. Dann eile ich zur Arbeit, ich bin spät für das Meeting.

Schon wieder? schüttelt Gisela den Kopf. Markus kommt abends müde und hungrig, und du bist nicht zu Hause.

Markus kann das Abendessen selbst aufwärmen, wirft Liselotte ihren Mantel über die Schulter. Alles ist bereits im Kühlschrank.

Sie tritt nach draußen, inhaliert die feuchte Frühlingsluft. Der Regen hat aufgehört, doch der nasse Schnee unter den Füßen ist zu einer grauen Matschschicht geworden. Ja, die Stiefel braucht sie wirklich, murmelt Liselotte, während sie zur Bushaltestelle läuft.

Bei der Arbeit zieht sich der Tag langsam hin. Liselotte arbeitet als Designerin in einer Druckerei und taucht normalerweise kopfüber in die Projekte ein. Heute jedoch kehren ihre Gedanken immer wieder zum morgendlichen Streit zurück, zu der verschwundenen Packung teurem Tee und zu dem Vorfall, als Gisela ihr Lieblingspulli versehentlich in heißem Wasser wusch.

Du bist heute irgendwie angespannt, bemerkt Kollegin Nadine, die sich zu ihr ins Pausenbrotchen setzt. Wieder Schwiegermutter?

Liselotte lächelt schwach:

Man sieht es, nicht wahr?

Ganz genau, klopft Nadine ihr mitfühlend auf die Hand. Erzähl, was diesmal passiert ist.

Nichts Besonderes, winkt Liselotte ab. Nur Kleinigkeiten im Alltag. Sie häufen sich einfach.

Und dein Mann?

Was sein Mann… seufzt Liselotte. Markus liebt seine Mutter, das verstehe ich. Er versucht neutral zu bleiben.

Neutralität wird nicht funktionieren, meint Nadine. Früher oder später muss man Partei ergreifen. Und er sollte deine Seite wählen, sonst

Sonst was? hebt Liselotte den Kopf. Ich soll ihn verlassen? Wegen der Schwiegermutter?

Nicht wegen der Schwiegermutter, sondern wegen seiner Haltung, korrigiert Nadine. Glaub mir, ich habe das schon erlebt. Mit meinem ersten Ehemann.

Liselotte erinnert sich an die Geschichte einer Freundin, die nach fünf Jahren Scheidung wegen ständiger Konflikte mit der Schwiegermutter eingereicht hatte. Der Mann hatte immer die Seite seiner Mutter gewählt.

Wir schaffen das, sagt Liselotte entschlossen. In ein paar Monaten ist das neue Haus fertig, und dann wird alles besser.

Hoffen wir es, seufzt Nadine, nicht ganz überzeugt.

Am Abend, auf dem Rückweg, plant Liselotte eine Überraschung und kauft Zutaten für einen Möhrenkuchen Markus Lieblingskuchen. Morgen ist Samstag, sie kann früh aufstehen und backen.

Die Wohnung ist still. Nur das Licht in der Küche brennt. Liselotte schlüpft barfuß hinein und bleibt am Türrahmen stehen. Gisela sitzt am Tisch und isst ein Auflauf, den Liselotte zum Frühstück zubereitet hatte die ganze Form für drei Personen.

Liselotte! erschrickt Gisela. Du bist schon zurück? Ich dachte, du kommst später.

Das Meeting wurde abgesagt, sagt Liselotte verwirrt und sieht die fast leere Auflaufform. Wo ist Markus?

Er hat mit Freunden etwas vor und will nicht warten, winkt Gisela ab. Ich habe beschlossen zu essen. Der Ladenhuhn hat mir nicht gefallen, also probiere ich deinen Auflauf. Lecker, übrigens!

Liselotte stellt die Tüten mit den Einkäufen auf den Tisch. Sie denkt: Jetzt muss ich eine Stunde früher aufstehen, um das neue Frühstück zu kochen, und ich wollte am Samstag ausschlafen.

Gisela, das war für das Frühstück, für alle, sagt Liselotte ruhig.

Oh, entschuldige, Liebes! platzt Gisela aus, doch ihr Blick bleibt kalt. Ich dachte, es liegt einfach im Kühlschrank. Mach morgen einfach etwas Neues. Du bist doch unsere Küchenfee!

Liselotte beißt die Lippen zusammen. Gisela weiß genau, dass der Auflauf zum Frühstück gehört Liselotte hatte das gestern beim Abendessen erwähnt, als sie das Wochenendmenü besprachen.

Na gut, ich ziehe mich um, murmelt Liselotte.

Während sie die Tüten auspackt, bemerkt sie, dass die Schokolade fehlt. Sie hatte zwei Tafeln für den Kuchen gekauft.

Gisela, hast du die Schokolade gesehen? fragt sie erneut, jetzt in die Küche.

Gisela lächelt schuldbewusst:

Oh, Verzeihung, Liselotte! Ich habe mir ein Stück für den Tee genommen. Ich dachte, du merkst es nicht.

Liselotte spürt, wie die Wut in ihr aufsteigt. Es geht nicht um die Schokolade, sondern um das ständige, systematische Überschreiten ihrer Grenzen, um die Respektlosigkeit.

Ich habe das bemerkt, sagt sie knapp. Es war für den Kuchen, für Markus.

Kauf einfach morgen neue, zuckt Gisela die Schultern. Der Laden ist gleich um die Ecke.

Liselotte nickt, geht zurück ins Schlafzimmer, doch sie fühlt sich verletzt und wütend. Ein Streit wäre unnötig, doch sie kann die Aufregung nicht verbergen. Gisela wird wohl wieder so tun, als verstehe sie das Problem nicht.

Markus kommt spät nach Hause, während Liselotte bereits im Bett ein Buch liest, um sich abzulenken.

Hallo, Sonnenschein, sagt er und küsst sie. Wie war dein Tag?

In Ordnung, legt Liselotte das Buch beiseite. Und deiner?

Super! Ich war mit Freunden in einer Kneipe, wir haben lange nicht mehr zusammen abgehängt.

Liselotte überlegt, ob sie von dem Auflauf und der Schokolade erzählen soll. Sie will nicht kleinlich wirken.

Schlaft deine Mutter noch? fragt Markus und zieht den Pullover über den Kopf.

Nein, sie sitzt im Wohnzimmer und schaut fern.

Ich gehe kurz, sage ihr Hallo, sagt er und steht auf.

Liselotte hört das gedämpfte Lachen hinter der Wand, Gisela, die vermutlich das Gespräch über den Auflauf noch ein wenig aufbläht.

Markus kommt nach zwanzig Minuten zurück, zufrieden.

Du hast den Auflauf gegessen? sagt er, während er sich unter die Decke legt. Sie sagt, er sei himmlisch.

Ja, das weiß ich, antwortet Liselotte trocken. Er war für das Frühstück.

Und? fragt Markus. Machst du etwas Neues? Deine Mutter hat ja dein Essen gelobt.

Es geht nicht um den Auflauf, Markus, sagt Liselotte. Es geht darum, dass deine Mutter ständig meine Sachen nimmt, meine Lebensmittel isst, die ich für besondere Anlässe aufbewahre, und das ohne zu fragen.

Ach, lass das, winkt Markus ab. Es ist doch nur ein Auflauf. Meine Mutter hat nur Hunger.

Und die Schokolade für deinen Kuchen? fragt Liselotte. Sie hat sie einfach genommen.

Welche Schokolade? runzelt Markus die Stirn.

Ich habe sie für deinen Kuchen gekauft, ein Überraschungsstück. Und deine Mutter hat sie einfach verputzt.

Und? seine Stimme wird leicht gereizt. Sie hat sie einfach gegessen?

Nicht die Schokolade! Liselottes Augen füllen sich fast mit Tränen. Du verstehst nicht, dass sie das absichtlich macht, um zu testen, wer hier das Sagen hat.

Unsinn! schüttelt Markus den Kopf. Du bildest dir das nur ein. Meine Mutter wollte einfach nur etwas essen.

Heute war Auflauf und Schokolade, gestern mein Tee, vorgestern meine Stiefel, zählt Liselotte ihre Finger. Immer wieder nimmt sie etwas von mir, und das immer ohne zu fragen.

Markus sitzt verwirrt im Bett und schaut sie an:

Meinst du das ernst? Du zergliederst alles in mein und nicht mein? Wir sind doch eine Familie!

Familie bedeutet, persönliche Grenzen zu respektieren, flüstert Liselotte. Fragen, bevor man etwas nimmt. Nicht einfach in fremde Dinge einzudringen und das zu essen, was für alle gedacht war.

Was soll das! schreit Markus plötzlich. Du solltest dich freuen, dass meine Mutter dein Essen mag! Das ist ein Kompliment!

Liselotte bleibt wie erstarrt stehen, die Augen weit offen. Sie kann nicht begreifen, dass er das Problem nicht sieht.

Ein Kompliment? fragt sie. Wenn ich das Abendessen zubereite und deine Mutter es isst, während wir nicht da sind, heißt das dann Kompliment oder Respektlosigkeit?

Hör auf zu dramatisieren! wirft Markus das Deckchen beiseite. Ich bin müde, hatte einen harten Tag, und du machst aus einem Auflauf ein Drama!

Er springt vom Bett, schnappt sich ein Kissen und sagt:

Ich lege mich im Wohnzimmer aufs Sofa. Ich muss morgen früh aufstehen. Gute Nacht.

Liselotte bleibt allein, Tränen laufen über ihre Wangen. Sie hatte gehofft, Markus würde sie verstehen und unterstützen. Stattdessen steht er auf Seiten seiner Mutter, ohne das eigentliche Problem zu begreifen.

Am Morgen wacht Liselotte vom Duft frischer Pfannkuchen auf. In der Küche steht Gisela, und Markus sitzt am Tisch und lächelt, als wäre das gestrige Gespräch nie passiert.

Guten Morgen? sagt er und nickt, als wolle er das Ganze überspielen. Mama hat uns verwöhnt. Setz dich.

Liselotte setzt sich widerwillig. Gisela legt ihr einen Teller Pfannkuchen vor:

Iss, Liebes. Ich habe auch noch Rührei gemacht, kommt gleich.

Danke, murmelt Liselotte leise. Aber ich möchte nur Kaffee, ich habe keinen Hunger.

Wie kannst du keinen Hunger haben? wirft Gisela die Arme in die Luft. Ich habe so viel zubereitet! Du verletzt mich, wenn du nicht isst.

Markus blickt zwischen den beiden hin und her, als wolle er Liselotte prüfen. Es ist klar, dass ein Verzicht auf das Essen als Kriegserklärung gilt.

Na gut, ich nehme ein bisschen, sagt Liselotte und schnappt sich eine Gabel.

Du machst das gut! streichelt Gisela sie über den Kopf, wie ein kleines Kind. Du wirst sonst wieder zu dünn, das kann ich nicht zulassen.

Markus schnauft, schweigt aber. Liselotte kaut mechanisch, fragt sich, ob das noch ihr Zuhause ist.

Nachdem Gisela zum Laden gegangen ist, versucht Liselotte, mit Markus zu reden. Sie kann das nicht länger aufschieben.

Markus, wir müssen über deine Mutter reden, beginnt sie und setzt sich ihm gegenüber aufs Sofa.

Schon wieder? verzieht er das Gesicht. Sie hat doch das Frühstück für uns gemacht.

Das ist nett, stimmt Liselotte zu. Aber das eigentliche Problem ist der fehlende Respekt für meine Grenzen. Ich fühle mich hier eher wie eine Gästin denn als Familienmitglied.

Markus seufzt:

Liselotte, meine Mutter ist es gewohnt, das Sagen zu haben. Es fällt ihr schwer, sich umzustellen. Warte ein bisschen, wir ziehen bald um.

Und wenn wir umziehen? fragt Liselotte leise. Wird sie dann zu uns in die neue Wohnung kommen und wieder alles übernehmen? Meine Sachen nehmen, das essen, das ich für alle aufbewahre?

Markus senkt den Blick:

Sie wird gelegentlich vorbeischauen, ja. Sie ist meine Mutter.

Und du siehst das nicht als Problem? drängt Liselotte. Ich habe nichts gegen deine Mutter, ich will nur, dass meine Grenzen respektiert werden. Und du verstehst das nicht.

Ich sehe, dass du alles in dein und ihr teilst, kontert Markus. Wir sind eine Familie, wir teilen.

Teilen, ja, stimmt Liselotte zu. Aber nur nach beiderseitigem Einverständnis, nicht weil jemand einfach etwas wegnimmt.

Sie blicken sich an, und Liselotte erkennt, dass Markus das Kernproblem nicht erfasst. Für ihn hat seine Mutter immer einen besonderen Status, außerhalb von Kritik und Regeln. Sie muss das akzeptieren oder etwas ändern.

Weißt du, ich muss nachdenken, sagt Liselotte schließlich. Ich fahre zu Nadine aufs Land und verbringe das Wochenende dort.

Was? fragt Markus überrascht. Wegen eines Auflaufs ein Drama?

Nicht wegen des Auflaufs, schüttelt Liselotte den Kopf. Wegen deiner Mutter, die meine Bedürfnisse nicht ernst nimmt. Ich brauche Zeit, um das zu überdenken.

Sie steht auf, sammelt ihre Sachen. Markus bleibt sitzen, starrt ins Leere.

Was soll ich dann meiner Mutter sagen? fragt er.

Die Wahrheit, antwortet Liselotte. Dass ich weggehe, um über unsere Zukunft nachzudenken. Und ich rate dir, das auch zu tun.

Sie verlässt die Wohnung, spürt eine seltsame Leichtigkeit. Vielleicht war die Entscheidung impulsiv, doch sie fühlt sich richtig an. Manchmal muss man zurücktreten, um das Gesamtbild zu sehen.

Ihr Handy vibriert eine Nachricht von Nadine bestätigt, dass der Schlüssel zum Landhaus bei der Nachbarin liegt. Liselotte atmet die kühle Frühlingsluft ein, genießt die Stille, um ihre Gedanken zu sortieren. Später wird sie ein ernstes Gespräch mit Markus führen über Familie, Grenzen, Respekt. Und darüber, dass Familie bedeutet, einander zu achten, selbst bei kleinen DingenAls Liselotte am See ankommt, erkennt sie, dass das leise Plätschern des Wassers die perfekte Metapher für das Finden ihrer eigenen Stimme ist.

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