– Warum machst du die Tür nicht auf? – Will ich nicht! Und werd ich auch nicht. Gäste sollten Besuche vorher ankündigen – und nicht in Schränken, Kühlschränken oder Schubladen herumwühlen!

Warum machst du die Tür nicht auf? Ich will nicht! Und ich werde es auch nicht tun. Gäste sollten ihren Besuch ankündigen und nicht in Schränken, Kühlschränken oder Schubladen herumwühlen. Was meinst du, du wirst es nicht tun? Das ist doch meine Mutter! Sie ist zu mir gekommen! Dann geh und begrüße sie! Aber nicht in meinem Haus.

Übrigens verstand Vika sich viel besser mit meiner Mutter.

Weißt du, wenn ich jetzt anfange, aufzuzählen, worin mein Ex besser war als du, werden wir uns beide schämen.

Bei mir bin ich mir allerdings nicht sicher, unterbrach sich Nastja nervös, während sie die Küchentafel abrieb. Wenn ihr beide mit Vika so glücklich wart, warum hast du dich dann von ihr getrennt?

Viktor drehte sich gekränkt weg und blickte finster aus dem Fenster.

Na, du kennst doch die Geschichte

Ja, ich kenne sie. Also erzähl mir nichts von deiner lieben Vika, schnitt Nastja ihm das Wort ab. Sonst werde ich deine nächste Ex.

Nastja war tatsächlich bereit, radikale Maßnahmen zu ergreifen.

Mit Viktor hatte sie sich vor fast einem Jahr in gemeinsamer Gesellschaft kennengelernt. Sie kannte sogar dieselbe Vika, wenn auch nicht besonders gut. Sie war es, die Viktor mitgebracht hatte. Und dann war sie nach ein paar Monaten von der Bildfläche verschwunden.

Einmal, als Viktor betrunken war, erzählte er, dass er sich von ihr getrennt hatte, weil er sie beim Fremdgehen erwischt hatte. Sogar eine Träne war ihm dabei gekommen.

Damals fand Nastja das niedlich: Ein Mann, der keine Angst hatte, seine Gefühle zu zeigen, der die Liebe schätzte. In ihr klickte etwas, und sie verspürte den Wunsch, ihn zu trösten.

Nastja verstand, dass es wohl der Mutterinstinkt gewesen war und nicht weibliches Interesse. Aber damals reichte es, um eine Beziehung zwischen ihnen zu beginnen.

Alles begann schön. Er holte sie von der Arbeit ab, fuhr sie nach Hause, schrieb ihr täglich süße Nachrichten und erkundigte sich, ob sie warm genug angezogen war. Nastja fühlte sich umsorgt.

Zum ersten Mal wurde sie stutzig, als Vika ihr schrieb.

Hallo. Hör mal, ich habe gehört, du bist mit Viktor zusammen. Das geht mich natürlich nichts an, aber sei vorsichtig mit ihm. Er und seine Mutter sind ein unzertrennliches Duo.

Nastja nahm es zur Kenntnis, dachte aber, es sei Kleinigkeit. Die Liebe überwindet größere Hindernisse. Schließlich, wenn es mit einer Frau nicht klappte, hieß das nicht, dass es mit einer anderen genauso sein würde.

Hallo. Ich denke, wir werden das schon hinkriegen. Aber danke trotzdem für die Warnung, antwortete Nastja.

Sie wollte das Gespräch nicht fortsetzen. Es schien ihr unfair gegenüber Viktor.

Doch Viktor kümmerte sich nicht im Geringsten um ihren Komfort.

Als seine Mutter, Margarete Paulowna, zum ersten Mal unangemeldet vorbeikam, nahm Nastja es fast gelassen hin.

Vielleicht verstanden sie beide nicht, wie unhöflich das war. Margarete machte sich wohl Sorgen um ihren Sohn und wollte sehen, mit wem er zusammenlebte.

Nastja schickte Viktor los, seine Mutter zu begrüßen, zog sich hastig an, band ihr Haar notdürftig zusammen und trat, noch verschlafen und mit Augenringen, der potenziellen Schwiegermutter entgegen. Die durchsuchte inzwischen die Schubladen im Wohnzimmer.

Aha, alles durcheinander, sagte Margarete mit nachsichtigem Lächeln. Irgendwann fehlen euch dann die Socken. Komm, Nastja, wir frühstücken, und ich zeige dir, wie man Kleidung richtig faltet, damit nichts zerknittert oder verloren geht.

Statt eines Guten Tag. Zu sagen, Nastja sei verwirrt gewesen, hieß, gar nichts zu sagen. Dass eine Fremde so unbefangen in ihrer Unterwäsche herumwühlte, kam ihr grob vor.

Aber Grobheit mit Grobheit zu erwidern, schien ihr zu Beginn einer Beziehung falsch, also ertrug sie es.

Oh, Kindchen, was hast du für Augenringe!, fuhr Margarete mitleidig fort. Du solltest Gurkenscheiben auflegen. Oder besser noch, deine Nieren checken lassen. Meine Freundin hatte nämlich

Nastja lächelte, nickte und tat so, als interessiere sie sich brennend für die Krankheiten fremder Menschen. In Wahrheit sehnte sie sich danach, wieder ins Bett zu fallen es war erst acht Uhr morgens an einem freien Tag.

Der Besuch zog sich bis zum Abend hin. Nastja erhielt eine Flut von Kritik und Ratschlägen, wie man Blumen gießt, die Badewanne putzt und Besteck poliert.

Sie fühlte sich ausgelaugt wie eine Zitrone. Und die ganze Zeit über versuchte Viktor nicht einmal, ihr zu helfen oder seiner Mutter zu verstehen zu geben, dass sie Ruhe brauchten.

Sag mal, ist deine Mutter immer so aktiv?, fragte Nastja vorsichtig vor dem Schlafengehen.

Sie hatte nichts gegen große Familien oder enge Bindungen, aber etwas Abstand wäre ihr recht gewesen.

Na ja, ja. Warum? Sie will nur Freundschaft schließen, zuckte Viktor mit den Schultern. Früher lebten Vika und ich bei ihr, da war es lebhaft. Jetzt ist ihr allein langweilig.

Ich hoffe, wir werden nicht zu dritt leben, seufzte Nastja.

Was ist denn das Problem? Hast du etwas gegen meine Mutter?, fuhr Viktor auf. Mit Vika verstand sie sich prächtig.

Nastja schwieg. Vika war acht Jahre jünger als sie und liebte es, sich einzuschmeicheln. Natürlich waren sie befreundet gewesen.

Sie kannte wohl alle Freundinnen Margaretes beim Namen, samt Diagnosen, bügelte perfekt Bettwäsche und backte Pasteten nach Schwiegermutters Rezepten.

Aber Nastja hatte nicht vor, sich diesem Glück zu unterwerfen. Sie hatte Lebenserfahrung und wusste: Je weniger sich andere in eine Beziehung einmischten, desto besser. Doch Viktor sah das anders.

Meine Mutter ist sehr kontaktfreudig. Sie versteht sich mit jedem.

Ja, sicher, aber nicht jeder freut sich darüber, wollte Nastja sagen, aber sie hielt sich zurück.

Es wurde schlimmer. Margarete kam am nächsten Tag wieder, schon früh am Morgen. Diesmal inspizierte sie den Kühlschrank.

Hühnereier? Für Viktor habe ich immer Wachteleier gekocht, die sind besser für Männer, verkündete sie wichtig. Die Regale sind nicht besonders sauber Ihr esst das Zeug doch. Nastja, du solltest sie putzen

Ich esse nicht direkt von den Regalen, dachte Nastja.

Ich mache es später, Margarete Paulowna, versprach sie. Wir wollten heute eigentlich ausruhen. Es ist schließlich Wochenende

Viktor schlief übrigens seelenruhig weiter, während Nastja gezwungen war, seine Mutter zu unterhalten.

Genau! Am Wochenende wird gekocht und geputzt, erklärte die Frau kategorisch. Hol Lappen und Schwamm. Nächstes Wochenende bringe ich dir bei, wie man Fleischpasteten macht, wie Viktor sie liebt. Zum Anbeißen!

Nastja erstarrte. Sie verschränkte die Arme. Es reichte, dass sie sich schon am zweiten Tag nach fremden Anweisungen richtete.

Margarete Paulowna, vielleicht notieren Sie sich meine Nummer? Damit Sie vorher anrufen können. Ich könnte nächste Woche auch Pläne haben.

Anrufen? Ich kann meinen eigenen Sohn nicht mehr besuchen?, empörte sich die Frau.

Doch, natürlich. Aber Ihr Sohn lebt jetzt mit einer Frau zusammen. Es wäre schön, wenn wir alle Rücksicht aufeinander nehmen würden.

Mit Vika hatten wir solche Probleme nicht, bemerkte Margarete verärgert.

Nun, die Mutter meines Ex ist auch nicht morgens bei mir aufgetaucht, konterte Nastja. Und sie hat Kirschpasteten mitgebracht. Sehr lecker. Soll ich das Rezept besorgen?

Margaretes Gesicht verfinsterte sich. Falten erschienen auf ihrer Stirn, und in ihren Augen blitzte Wut.

Nastja, denk schön nach. In unserer Familie setzt sich die Nachteule nicht gegen die Lerche durch.

Danach ging Margarete, aber ein ungutes Gefühl blieb. Nastja wusste nicht weiter. Viktor hörte sie nicht, seine Mutter kam und ging, als gehöre ihr der Ort. Und vor allem: Der Geist Vikas schwebte ständig über ihrer Beziehung.

Vikas Kohlrouladen waren leckerer Ihre Mutter hat sie gelehrt, warf Viktor manchmal beim Abendessen ein.

Dann lass sie es dir beibringen, dann kannst du sie mir kochen.

Sie ahnte, dass Margarete Viktor gegen sie aufhetzen würde, aber sie wollte nicht darüber reden. Sie wollte das Thema ganz aus ihrem Leben verbannen.

Der nächste Monat verlief ruhig, doch dann wiederholte sich alles. Nastja wachte vom Klingeln auf. Diesmal beschloss sie entschieden, nicht zu öffnen.

Unhöflich? Vielleicht. Aber war es höflich, nach deutlichen Hinweisen unangemeldet in ihr Haus zu platzen?

Nach fünf Minuten kam Viktor in den Flur. Er starrte auf die geschlossene Tür, dann auf Nastja, die reglos in der Küche stand, den Lappen noch in der Hand.
Sie wird nicht gehen, sagte er leise.
Dann gehe ich, antwortete Nastja.
Sie legte den Lappen auf die Anrichte, ging ins Schlafzimmer, packte eine Tasche nicht viel, nur das, was sie brauchte und zog die Wohnungstür leise hinter sich zu.
Draußen regnete es. Sie stellte sich unter das Vordach, holte tief Luft und dachte: Endlich.

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