**Tagebucheintrag**
Maja, wie alt bist du eigentlich?, fragte der Vater leise. Mir kommt es vor, als wärst du nicht im ersten Semester, sondern in der ersten Klasse. Egal wie groß die Liebe ist man braucht ein Dach über dem Kopf, man muss jeden Tag essen. Oder etwa nicht? Wohin hast du es so eilig? Müsst ihr wirklich morgen heiraten, oder könnt ihr nicht warten? Niemand hat etwas gegen deinen Oskar, er kann vorbeikommen, wir lernen ihn kennen, reden mit ihm, treffen seine Eltern Habe ich recht?
Dieter, kommst du bald nach Hause?, fragte Greta, als sie ihren Mann auf der Arbeit anrief.
Gleich. Bin fast fertig.
Beeil dich! Wir müssen reden. Ihre Stimme klang ungewöhnlich ernst.
Ist etwas passiert? Dieter wurde unruhig.
Nicht direkt aber wir müssen sprechen. Gretas Aufregung war spürbar, doch zum Glück schien nichts Schlimmes vorgefallen zu sein.
Eine Viertelstunde später betrat das Familienoberhaupt die Wohnung.
Was ist hier los?, fragte er vorsichtig.
Zieh dich erst um, wasch dir die Hände. Du musst nicht gleich die Welt retten. Sie küsste ihn und schob ihn sanft Richtung Badezimmer.
Kurz darauf kam er ins Wohnzimmer.
Komm mit. Greta führte ihn ins Zimmer ihrer Tochter. Maja saß auf dem Sofa, die Augen rot geweint.
Was ist denn passiert? Dieter bemühte sich, ruhig zu bleiben.
Frag deine Tochter selbst, knurrte Greta. Los, Maja, erzähl deinem Vater, was du vorhast!
Maja verschränkte die Arme, drehte sich demonstrativ zum Fenster kein Wort.
Gut, Mädels. Dieter klopfte entschlossen auf den Tisch. Entweder erklärt ihr mir jetzt sachlich, worum es geht, oder ich geh mich ausruhen nach einem langen Arbeitstag!
Sie will heiraten, verkündete Greta mit beißendem Sarkasmus. Am besten heute noch!
Wie bitte? Dieter hob die Augenbrauen. Einfach so? Und wer ist der Glückliche?
Da Maja schwieg, sprang wieder Greta ein:
Oskar Meier der Junge, der neulich oft hier war.
Aha Also, Maja?
Keine Antwort.
So geht das nicht. Dieter wurde streng. Ich tanze hier nicht um dich herum, nur um ein Wort aus dir herauszubekommen!
Wir lieben uns!, rief Maja plötzlich. Oskar ist wunderbar, und wir werden heiraten!
Endlich Klarheit, seufzte der Vater. Geht ihr zusammen zur Uni?
Ja, dieselbe Gruppe.
Erstes Semester. Dieter schüttelte den Kopf. Kinder
Wir sind keine Kinder!, fauchte Maja. Wir sind achtzehn, volljährig!
Gut. Wenn ihr erwachsen seid, dann redet auch wie Erwachsene.
Ich will nicht reden! Gleich kommt wieder: ,Ihr seid zu jung, wartet ab, sichert euch finanziell ab! Ihr versteht doch nichts von echter Liebe!
Ich will nichts kaputtmachen, sagte Dieter müde. Ich will nur verstehen. Also: Ihr liebt euch, ja? Maja nickte trotzig. Und ihr wollt heiraten? Beide? Oder nur du?
Lass Oskar nicht so dastehen! Er will es genauso!
Gut. Der Wille ist also da. Aber wo wollt ihr wohnen? Wovon leben?
Das spielt keine Rolle! Wenn wir uns lieben, ist alles andere egal!
Maja, wie alt bist du?, fragte Dieter leise. Manchmal denke ich, du bist noch ein kleines Mädchen. Liebe hin oder her ihr braucht ein Zuhause, Essen, Geld. Warum die Eile? Keiner hat was gegen Oskar. Er soll herkommen, wir lernen ihn kennen, reden mit seinen Eltern Hab ich recht? Er sah Greta fragend an.
Absolut. Aber es gibt noch etwas Sie haben einen Grund zur Eile.
Wird Oskar eingezogen?
Nein, nicht Oskar. Greta warf ihrer Tochter einen Blick zu. Willst du es ihm sagen?
Ich schweige nicht!, fauchte Maja. Oskar und ich bekommen ein Kind.
Ah. Dieter rieb sich die Stirn. Und was plant ihr jetzt?
Heiraten! Das Kind bekommen! Und versucht bloß nicht, mich umzustimmen das bleibt so!
Beruhige dich. Niemand zwingt dich zu etwas. Haben Oskars Eltern schon Bescheid?
Er wollte heute Wir haben ausgemacht, dass jeder mit seinen Eltern redet
Und? Hat er sich schon gemeldet?
N-nein
Gut. Wenn er anruft, sagst du es mir. Jetzt lass mich erst mal essen bei euren Dramen komme ich noch zu kurz.
In der Küche stellte Greta ihm einen Teller hin.
Was machen wir jetzt?, flüsterte sie.
Keine Ahnung. Warten wir ab, was seine Eltern sagen.
Kaum war er fertig, kam die Nachricht: Oskars Eltern waren strikt dagegen. Eine hitzige Diskussion, am Ende Streit. Schlechtes Zeichen
Kurz darauf betrat Maja mit dem Handy das Wohnzimmer.
Oskars Mutter. Sie will mit einem von euch sprechen.
Greta verschränkte die Arme. Rede du mit ihr. Ich schaffe das nicht.
Dieter nahm das Telefon, stellte es auf Lautsprecher.
Guten Abend. Dieter Schneider, Majas Vater.
Larissa Meier. Oskars Mutter. Unser Sohn hat heute verkündet, dass er mit Ihrer Tochter zusammen ist. Und, wie es scheint, haben sie bereits weitergemacht. Mit großen Plänen. Wussten Sie?
Ja, wir haben mit Maja gesprochen.
Gut. Dann wissen Sie auch, dass wir diese ,Pläne sie betonte das Wort spöttisch ablehnen. Unser Sohn soll studieren, Karriere machen. Eine Heirat im ersten Semester? Ein Kind? Kommt nicht infrage.
Uns war eine überstürzte Hochzeit auch nicht recht. Aber Ihre Enkelin ist unterwegs. Was schlagen Sie vor?
Das ist Ihr Problem. Erstens zweifle ich, ob das Kind überhaupt von Oskar ist. Zweitens: Dieser Trick schnell heiraten wegen Schwangerschaft zieht bei uns nicht. Ihre Tochter will offenbar heiraten, besonders da Oskar aus gutem Hause kommt. Aber ich werde meinen Sohn beschützen. Er hat bereits eingesehen, dass das Unsinn ist, und bittet Ihre Tochter, ihn in Ruhe zu lassen. Auf Wiedersehen.
Dieter sah seine Frauen an.
Habt ihr das gehört? Nun gut. Das Kind kriegen wir hin es ist unschuldig. Akademisches Jahr unterbrechen, später weiterstudieren. Wir helfen finanziell, passen auf das Enkelkind auf. Aber mit dieser Familie da haben wir noch ein Wörtchen zu reden. Feiglinge! Doch jetzt: Schluss mit Tränen. Wir schaffen das.
Er zog Greta beiseite.
Nimm Maja heute zu dir ins Bett. Beruhige sie. Ich schlafe in ihrem Zimmer.
Eine Stunde später klingelte es.
Wer kommt denn jetzt noch?, murrte Dieter und ging öffnen.
Kurz darauf stand Oskar im Wohnzimmer.
Du bist gekommen!, rief Maja. Hast du dich umentschieden?
Ja. Oskar richtete sich auf. Herr Schneider, ich hole Maja ab.
Wohin?
Ich weiß noch nicht. Vielleicht mieten wir eine Wohnung. Wir sind volljährig bitte halten Sie uns nicht auf. Er wandte sich an Maja: Kommst du mit?
Natürlich! Überallhin!
Moment. Dieter hob die Hand. Ein paar Fragen. Deine Mutter sagte, die ganze Familie ist gegen eure Pläne auch du.
Nicht ganz. Meine Mutter entscheidet, mein Vater stimmt ihr blind zu. Ich tat nur so, als hätte ich mich überzeugen lassen. Dann nahm ich meinen Ausweis, meine Bankkarte und ging.
Interessant. Dieter war beeindruckt. Und wovon wollt ihr leben?
Ich habe gespart, arbeite nebenbei, habe einen Blog mit Abonnenten. Es reicht für ein paar Monate Miete und Essen.
Nicht schlecht. Dieter zwinkerte Greta zu. Was meinst du? Sollen wir sie gehen lassen?
Aber mitten in der Nacht?
Stimmt. Dieter wurde ernst. Also gut: Ihr wollt heiraten?
Ja!, sagten beide.
Und das Kind bekommen?
Wieder Zustimmung.
Dann unterstützen wir euch unter Bedingungen. Erstens: Du, Oskar, versöhnst dich mit deinen Eltern. Maja hilft dir. Zweitens: Du bleibst heute hier als Gast, nicht als Schwiegersohn. Drittens: Ihr brecht das Studium nicht ab! Besonders du, Oskar. Maja kann später nachholen. Wir helfen finanziell, passen auf das Kind auf aber wir arbeiten nicht für euch. Und heiraten könnt ihr erst mal standesamtlich, ohne großes Tamtam. Einverstanden?
Ja, sagte Oskar ohne Zögern.
Aber ich will eine richtige Hochzeit!, jammerte Maja.
Noch nicht!, widersprach Oskar. Erst heiraten, später feiern.
Na gut
Also dann: Pläne stehen, Aufgaben verteilt. Alle schlafen morgen ist ein langer Tag.
Später, in der Küche, fragte Greta leise:
Wie konntest du so schnell umschwenken?
Dieter lächelte. Nach dem Telefonat mit dieser Dame hätte ich Oskar fast verachtet. Doch dann steht er da kein Muttersöhnchen, sondern ein Mann, der zu seiner Liebe steht. Für so einen gebe ich meine Tochter gern.
Greta küsste ihn. Wie immer hast du recht, mein Schatz.
**Lebenslektion:** Manchmal zeigt sich der wahre Charakter erst im Sturm. Und manchmal ist Liebe stärker als alle Vernunft aber mit einem Plan trotzdem machbar.







